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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
irden bis irgendswo (Bd. 10, Sp. 2154 bis 2159)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) irden, adj. von erde, mhd. irdîn und ërdîn; auch nhd. ist erden noch manigfach bezeugt, vgl. theil 3, 754. es hat sich in zwei bedeutungen entwickelt.
1) von erde gemacht, aus gebrannter erde gefertigt:

daʒ eʒ (das wasser) zwên häven vuorte hin
mit kraft; der ein was irdîn,
der ander von êre goʒʒen. edelstein 77, 8;

irrdin, terreus, humeus, ex terra sive humo factus, irrdin geschirr, vas terreum, opus figulinum Maaler 237b; becken, irden gefes. 2 Sam. 17, 28; was sol dir der irdene topf, bei dem ehrne topf? denn wo sie an einander stoszen, so zubricht er. Sir. 13, 3; damals war einer, so töpf oder häfen feil brachte .. sein irden krämerei herfür trug. Kirchhof wendunm. 235a; ein irdenes werk, opus figulinum Steinbach 1, 350; ein irden breipfännchen. Göthe 16, 19; irdene pfeifen.
2) dichter des 17. jahrh. brauchen es auch wie irdisch, der erde entstammend, ihr angehörig (wie umgekehrt irdisch im sinne von irden 1 steht); der gebrauch ist ebenso ahd. nachzuweisen: sie getuont die irdinen sundôn, terrenos peccare. Notker ps. 100, wie früher schon im gothischen, wo aírþeins sowol unser irden als irdisch ausdrückt;

er (der gute) zähmet seine sinnen,
die nur sehr irrden sind, und führet sein beginnen
aus ihren augen weg.
Opitz 1, 64;

der leib, mein irdnes theil, der ist der seelen grab.
Fleming 32;

der friede führe nun ein irdnes königreich. 66;

ein himmlisches gemühte
ist irdnen sachen feind. 71;

sie sieht was kein mensch kan mit irdnen augen sehn. 129;

disz ist es, wehrter freund, wie wenig es auch ist,
dasz du nun nicht wie vor mit irdnen augen siehst. 133;

dasz wir irdnen himmlisch werden,
das schafft, laute, deine gunst. 513;

sie kleben an dem koth
der irrdnen sterbligkeit mit herze mund und hand.
Abschatz ged. (1704) 2, 130.

[Bd. 10, Sp. 2155]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) irdenisch, adj. irdisch, vgl. erdenisch theil 3 sp. 758:

sus ist gestalt der argen vlîʒ,
irdenscher schaz ist ræʒe ir aller minne. minnes. 2, 397b Hagen;

z eime zeichen, das irdensch gewalt und kraft gegen gotte nüt verfohet. d. städtechron. 8, 248, 17; Darius, ein künig der irdenscher künige. 306, 4; was auf erden ist und zum zeitlichen irdenischen reich gehört. Luther 2, 199b.
 
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irdig, adj. erdig, erdartig: solcher fixer schwefel .. er sei irrdig oder steinig. Paracelsus opp. 1, 667 C.
 
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irdisch, adj. terrenus, terrester, ahd. irdisc, mhd. irdisch neben erdisch, welche form auch nhd. noch besteht, s. 3, 773.
1) der erde und namentlich ihrer art, ihrem leben und treiben zugehörig, an ihr haftend (irrdisch, vom erdtrich här erboren, auf der erden läbende, terrenus, terrestris Maaler 237b): ahd. siu machet in contemptorem allis irðisken guotes. Williram 73, 24; uuante sie alliu irô werc tuont durch uuerltlîchen ruom unte durch irdisk gefuore (nutzen). 54, 9; er (diabolus) pesmeiʒʒe mih mit irdischen sundon. Notker bei Hattemer 2, 36b; mhd. ob ich ûch irdesche dinc gesagit habe, und ir gloubit niht: wie gloubit ir denne ob ich ûch himelische dinc sage? Behaims ev.-buch, Joh. 3, 12;

dad iʒ mit rehte solte lîchen (gefallen)
allir irdischir diet. Anno 609;

diu (gottheit) in hâte her gesant
von himel in irdischiu lant. Barl. 5, 34;

nhd. die kinder Hagar forschen der irdischen weisheit zwar wol nach. Baruch 3, 23; es sind himlische cörper und irdische cörper. aber eine ander herrligkeit haben die himlischen, und eine ander die irdischen. 1 Cor. 15, 40; wir wissen aber, so unser irdisch haus dieser hütten zubrochen wird, das wir einen baw haben von gott erbawet, ein haus .. das ewig ist im himel. 2 Cor. 5, 1; das liecht (der sonne) scheinet dem irrdischen umbkreisz nicht weniger als vor zeiten auch. Schuppius 776; der gattungsbegriff mag der eines irdischen vernünftigen wesens sein, so werden wir keinen charakter desselben nennen können, weil wir von nicht irdischen wesen keine kenntnisz haben. Kant 10, 363; die rache, die mich verfolgt, ist nicht des irdischen richters; ich gehöre einem unerbittlichen schicksale. Göthe 19, 11; solchen dank verdient sich ein mann, der irgend ein irdisches thun durch geistige anregung zu veredeln und würdig zu verbreiten weisz. 26, 123; da ich fühle, dasz mein unternehmen das masz der menschlichen kräfte und ihre irdische dauer weit übersteigt. an Schiller 1, 9;

das spil ist genant mit seiner lehr
das irrdisch paradeis der wanderer.
Heros irdisch pilgerer (1562) 8b;

wenn der reben güldner saft
in den liechten römern springet, ..
da vergessen wir der sachen,
die die herzen irrdisch machen.
Fleming 460;

ehret die frauen! sie flechten und weben
himmlische rosen ins irrdische leben.
Schiller würde der frauen;

so schreiten keine irdschen weiber!
die zeugete kein sterblich haus! kraniche des Ibykus;

das erste aber und hauptsächlichste
bei allem irdschen ding ist ort und stunde. Piccol. 2, 1;

o! du wirst auf die sternenstunde warten,
bis dir die irdische entflieht! 2, 6;

wohl weisz ich, dasz die irdschen dinge wechseln,
die bösen götter fodern ihren zoll. Wallensteins tod 5, 4;

und wenn der könig anklingt, soll der himmel
nachdröhnen irdschem donner. Shakesp. Hamlet 1, 2;

and the kings rouse the heavens shall bruit again,
respeaking earthly thunder.

adverbial: dere die irdisch gesinnet sind. Phil. 3, 13.
2) substantivisch steht der irdische, die irdische, der oder die auf der erde lebende, oder auch ihrer art angehörige; das irdische, das der erde eigene, sie betreffende, auf ihr enthaltene: da die stiftsdame nur eine heilige, Therese nur eine vollkommene irdische ist. Schiller an Göthe 1, 167; der .. engel, der uns irdischen die erdentracht abzieht oder abbricht. J. Paul leben Fibels 48;

des lebens ungemischte freude
ward keinem irdischen zu theil.
Schiller ring des Polykrates;

sich beim irdischen verweilen, terrenis immorari Steinbach 1, 350; das irdische verlassen, sterben;

werft die angst des irdischen von euch!
Schiller ideal u. leben v. 28;

[Bd. 10, Sp. 2156]



bis der gott, des irdischen entkleidet,
flammend sich vom menschen scheidet. 141;

indesz
wir hier im feld gesorgt, sie grosz zu machen,
das höchste irdische ihr zu erfechten,
hat mutter natur in stillen klostermauern
das ihrige gethan, dem lieben kind
aus freier gunst das göttliche gegeben. Piccol. 2, 3;

laszt das irdische!
denkt jetzt, euch mit dem himmel zu versöhnen! Tell 4, 3;

was in dem schlaf für träume kommen mögen,
wenn wir den drang des irdschen abgeschüttelt,
das zwingt uns still zu stehn. Shakesp. Hamlet 3, 1;

for in that sleep of death what dreams may come,
when we have shuffled off this mortal coil,
must give us pause.


3) irdisch, der erde, dem festen lande (gegenüber flusz oder meer) angehörig: ein irdischer crocodyl, crocodylus terrestris. Forer thierb. 166b; ausz den schiltkrotten kompt die irdisch niemer ins wasser, die aber so in den sszen wasseren, auch in dem meer wonend, .. rwend oder schlafend auf dem trocknen land. 170a; auf der flachen erde wohnend, im gegensatz zum berge: bekompt seinen namen von der farb, so bei leben schwarzrot gleich den irrdischen hasen. fischb. 116a; endlich der erdoberfläche angehörig, nur in den compositen unterirdisch, oberirdisch (verschieden von überirdisch, das an die bedeutung 1 anknüpft): die garten-gewächse werden eingetheilt in unterirrdische und oberirrdische. Hohberg 1, 460a.
4) irdisch, wie erdicht, der erde als stoff gleich, erdartig: die irdenen glasurten brennzeuge geben anfangs einen irdischen geschmack von sich. Hohberg 1, 236a; der weinstein ist das dickeste und irdische theil des weins. 363a; bierhefen ist ein irrdisches, dickes, schweres ding, so sich im bier niedersenket. 2, 95a; es hat dieses wasser nicht den mindesten schwefelichten geruch, setzt wo es quillt und wo es durchflieszt nicht den mindesten ocker noch sonst irgend etwas mineralisches oder irdisches an. Göthe 16, 266.
5) irdisch, wie irden 1, aus gebrannter erde gemacht: zerlas den (schwefel) in ainem irdischen geschier. Schm. 1, 140 Fromm. (von 1429); in einem groszen hause aber sind nicht allein güldene und silberne gefesze, sondern auch hülzerne und irdische. 2 Tim. 2, 20; irdische krausen (becher). Petr. 36a; spielend mit dieser und der bedeutung 1: du klagest oft über die prediger, dasz sie nicht thun was sie thun sollen. allein sie sind menschen. sie tragen den prediger-schatz nicht in silbern oder güldenen, sondern in irrdischen gefäszen. was ists wunder dasz sie underweilens anstoszen? Schuppius 210.
 
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irdischblöd, adj.:

die unwürdigkeit so irdisch-blöder augen.
Weckherlin 729.


 
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irdischheit, f.
1) nach irdisch 1, irdisches treiben, erdenleben; bei Stieler 386 als poetischer ausdruck für das irdische, mundana, terrestria, transitoria, temporaria:

von eim propheten der ouch seit,
den gott hab gsendt in d' irdischeit. trag. Joh. L iij.


2) nach irdisch 4, erdige art, erdige bestandtheile:

mit sand do sich die wasser klären,
nun von der yrdischheit frei werden. bei
Lessing 13, 222.


 
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irdischschwer, adj.:

was sonst die reiche welt in ihrem busen hält,
ist irrdisch-schweres gut, kümmt, bleibt, geht mit der welt.
Logau 2, 41, 54.


 
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irgelbeere, f. vaccinium uliginosum, sumpfpreiselbeere. Nemnich 4, 1539.
 
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irgend , pronominaladverb, welches örtliche, zeitliche, modale zahlbestimmungen verallgemeinert.
1) form. das wort erscheint ahd. bei Otfrid als getrenntes io wergin neben bloszem wergin usquam, alicubi, im altniederfränkischen (gloss. Lips. 711) in der negation nie wergin usquequaque; und wie von dieser negation bereits (ebenda 713) die zusammenziehung niergin sich findet, so kommt von der positiven formel auch im späteren ahd. das contrahierte iergen auf: sâhet ir iergen mînen wine? Williram 22, 4; eine form die mhd. die gewöhnliche, wenn auch nicht die alleinige bleibt (vgl. gramm. 3, 220). verkürzung zu irgen ist zunächst vorzugsweise mitteldeutsch: alicubi irgen Dief. 22b;

ouch von keiserlîchir hant (privilegien),
dî noch dî brûdre irgin hânt.
Jeroschin 1078;

die schlieszende dentalis findet sich bereits im 13. jahrh. (mhd. wb. 1, 748b), häufiger schon im 15.: uspiam irgent Dief. 630c (voc. von 1414); mit ausstoszung des nasals:

[Bd. 10, Sp. 2157]


ich kerte den spiegel hin und her,
ob ierget kein flecke wer.
Altswert 124, 20.

die äuszerst gekürzte form ist ierne, iern, irn: si quando, wann irn, wann irgend, wann etwa Alb.;

und wær ierne einer in dem lande
der gebrauen hette eine schande. osterspiel in den fundgr. 2, 313, 23;

osterländisch und düringisch heute ern, schlesisch ärnt:

und stellt euch fix zur währe,
kümmt ärndt ihr schandlich lügemaul
amol euch in de quäre.
Holtei schles. ged. (1874) s. 89.


2) die ursprüngliche locale bedeutung von irgend = irgendwo findet sich selten noch bis ins ältere nhd.: irgend, uspiam, usquam Dasyp.; warum wird doch iergend an einem ort deines reichs gedacht? Rihel Livius 687; irgend üm diese gegend, loca haec circiter Stieler 885; vgl. dazu irgends.
3) irgend, temporal, einmal, zu irgend einer zeit, wird unten in der form irgends nachgewiesen.
4) irgend bei ungefähren raumbestimmungen, wie etwa: lasz irgend zwen quer finger breit raum. Adam Riesz rechenung (1550) 188a; da wir noch irgend einen büchsenschusz zu reiten hatten. Philander 2, 596; es sind irgend zehn meilen auf Leipzig, Lipsia dissidet abhinc decem circiter millia. Stieler 885; auch bei anderen zahlbestimmungen: wenn mans rechnet, findet sichs, dasz sie (die Juden) fast bei zweihundert jaren, und irgend sechtzehen in Egypten gewesen sind. Luther 4, 93a; doch hat der kampf nicht lange müssen wehren, .. mag irgend eine stunde oder halbe vor tage gewehret haben. 181b; er ist irgend von dreiszig jahren, triginta praeter propter annos natus est. Stieler 885.
5) irgend, modal, irgendwie: niemand wird dies system annehmen, dem es irgend um philosophie zu thun ist. Kant 7, 302; wenn man nur irgend dieser kaninchen habhaft werden könnte. Tieck der gestiefelte kater, 2. akt;

verhüte gott, dasz irgend tücke walte,
die schuldlos einen edelmann verdammt. Shakesp. Heinrich VI, 2, 3, 2;

auch vielleicht, etwa: irgend werde ich auch noch reich, fortassis et ego beatus ero. Stieler 885; bitte ihn, irgend tuht ers, fac periculum petendo. ebenda; der sohn würde angeführet, wie desz Pythagoræ schüler, und dürfte in 5 jahren nit ein wort reden, und der vatter besuchte ihn irgend im dritten jahr, und fragte, wie es ihm gehe? Schuppius 812; sie setzten hinzu, ob sie irgend verliebt sei, weil sie in so tiefer entzückkung säsze? Zesen Assenat (1679) 17;

schläfts irgend
vielleicht in meinem vorsaal auch?
Schiller don Carlos 3, 1.


6) am häufigsten findet sich irgend zu einem pronomen oder adverb gestellt, um dessen begriff zu verallgemeinern. die verbindung ist dabei entweder eine enge (vgl. an alphabetischer stelle die zusammenrückungen irgendwie, irgendwo), oder eine freiere.
a) irgend wer, irgend was: wer ist irgent von den stemmen Israel, der nicht mit der gemeine ist erauf komen zum herrn? richt. 21, 5; ist irgend was fursehen im trucken, bitte ich, ein jeder wol das rechtfertigen. Adam Riesz rechenung (1550) 196a; ist irgend wer hier, numquis hic est? Stieler 885;

wenn ich unwissend oder in der wuth
etwas begangen, das mir irgend wer,
hier gegenwärtig, nachträgt. Shakesp. Rich. III, 2, 1;

du kannst nicht falsch sein gegen irgend wen. Hamlet 1, 3;

ob irgend was, uns unbekannt, ihn drückt. 2, 2;

irgend etwas. oder wirfet irgend etwas auf in unversehens. 4 Mos. 35, 23; sobald mir einer merken läszt, dasz ihm in poetischen darstellungen irgend etwas näher anliegt als die innere nothwendigkeit und wahrheit, so gebe ich ihn auf. Schiller an Göthe 1, 54.
b) irgend ein: du solt dir kein bildnis noch irgend ein gleichnis machen. 2 Mos. 20, 4; das sie irgent wider ein gebot des herrn gethan hetten. 3 Mos. 4, 13; wenn ein weib sich irgent zu einem vieh thut. 20, 16; wenn irgend eins manns weib sich verlief. 4 Mos. 5, 12; lasset uns aber niemand irgent eine ergernis geben. 2 Cor. 6, 3; da nun irgend ein grober solche deutsche catholische herzenbiszlin zu kosten lust hette. Fischart bienk. 141b; auf irgend eine art entschädigt. Schiller an Göthe 1, 38; das gemälde, das sie jetzt entworfen haben, kann weniger als irgend ein anderes aus ihrer individualität flieszen. 57; mit irgend einer schrift. 63; als plural zu irgend

[Bd. 10, Sp. 2158]


ein gilt in der gewählten sprache irgend welche, in der des gemeinen lebens aber auch irgend einige: er hat von irgend einigen leuten unterstützung bekommen; auch findet sich im singular irgend einig für irgend ein: aus irgend einiger ursache;

ist irgend ein reichs closter das apt oder eptin hat.
Schade sat. u. pasqu. 1, 5;

erblickt ich zween lateinsche ringer,
die irgend nur ein wort verdrosz.
Günther 166;

stets warst du mir
der bringer irgend einer schönen freude.
Schiller Piccol. 2, 4;

ist irgend eine gute that zu thun. Shakesp. Hamlet 1, 1;

irgend jemand: übergeben sie ja das ganze irgend jemand zur besorgung. Göthe an Schiller 1, 218.
c) auch kein wird durch irgend verallgemeinert: das ir von uns ja keinen schaden irgent inne nemet. 2 Cor. 7, 9;

Saturnus eigne kinder friszt,
hat irgend kein (gar kein) gewissen.
Göthe 3, 152.


d) irgend welch: ihm ist irgend welches glück widerfahren; irgend welche mittel zum leben musz er haben; in den mienen sprach sich hingebung und unterwürfigkeit unter die beschlüsse irgendwelches erbprinzen aus. Immermann Münchh. 3, 173.
e) irgend wo, irgend woher, irgend wohin:

der zweier zuht ist grœʒer dâ,
dan ich iergen wiʒʒe anderswâ.
Freidank 154, 1;

sich irgend wo niederlassen, alicubi commorari. Steinbach 1, 814; irgend wohin gehen, quopiam accedere. 815; ich will lieber hier in Jena, als irgend anders wo müszig gehn. Schiller an Göthe 1, 48;

kracht irgendt wo ein haus,
dem nicht zu trauen ist, da springet man heraus.
Opitz 1, 47;

dasz, wo sie immer irgend auch des weges sich
begegnen, jede der gegnerin den rücken kehrt.
Göthe 41, 189.


f) irgend wie, auf irgend eine weise, vgl. unten irgendwie.
g) freier und seltener tritt irgend zu anderen als den aufgezählten pronomen oder adverbien: welcher Israeliter oder frembdlinger in Israel sein opfern thun wil, es sei irgent ir gelübd oder von freiem willen. 3 Mos. 22, 18; wenn ein levit kompt, aus irgend einer deiner thoren, oder sonst irgend aus ganz Israel. 5 Mos. 18, 6; sie möchten trinken und der recht vergessen, und verendern die sachen irgend der elenden leute. spr. Sal. 31, 5;

kaum hegt, irgend umher, einfachere menschen die erde.
Platen werke 2, 210.


h) in Melissus' psalmen findet sich irgend wie ein adjectiv behandelt und flectiert: aus irgender ursach. S 1a; mit irgender liebe. X 6a; irgender mas. L 4a. Q 2b; irgenterlai Y 2a. Hierzu darf die als neutrum verwendete gekürzte form irn = etwas:

leicht tt uns irn gelingen,
so kum wir hinder gt.
Uhland volksl. 378;

sowie das niederöstreichische ere einer, eren einem, erer einer (dat.) gestellt werden (Fromm. 5, 110), das wol auch nur das adjectiv gewordene irgend ist.
 
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irgends , genitive weiterbildung von irgend, in dessen bedeutungen.
1) irgendwo, an irgend einem orte: sein bild, dasz an einer wand iergens mit einer kolen oder eim pensel abgemahlet steht. Fischart bienk. 169a; wer weisz, ob er nicht umb dergleichen schelmenstuck irgends gefangen gelegen. Philander 1, 609;

halt an, und sieh dich ümm, ob irgends aller enden,
noch was zu finden sei, das deine quahl kan wenden.
Fleming 664;

vielleicht, dasz einst in andern welten
wir minder elend sind.
die tugend wird doch irgends gelten.
Lessing 1, 93.


2) temporal, einmal, zu irgend einer zeit: als Philips margraf von Croya .. mit einem herrn von Brecht von Antorf irgends spazieren gieng, allerlei kurzweil mit ihm triebe. Zinkgref apophth. 1, 330.
3) irgends, bei ungefähren zahlbestimmungen (vgl. irgend 4):

acht tage waren schon und irgends mehr fürüber.
D. v. d. Werder Ariost 5, 57, 1.


4) irgends, etwa, vielleicht (vgl. irgend 5): ire beste speisen wäre irgends zu mittag ein paar rettige und auf den abend eine hand voll salat. Simpl. 1, 349 Kurz.

[Bd. 10, Sp. 2159]



5) irgends, verallgemeinernd zu pronominibus tretend (vgl. irgend 6): ein edelmann der yergens einem fürsten vigent ist, der tht im schaden. Keisersberg bilg. 60c; wenn doctor Martinus Luther iergendts zu einem kranken kam, .. so redete er ganz freundlich mit ime. Luther tischr. 457b;

ich habe keinen friede,
ich wohl-geplagter mensch, in irgends einem gliede.
P. Fleming 18.


 
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irgendswo, adv. an irgend einem orte, vgl. DWB irgendwo: von nun an werde ich weder hier, noch irgendswo in der welt, wieder ruhig werden. Lessing 1, 279; auf der börse ist die ehrlichkeit beinahe unentbehrlicher, als irgendswo. Rabener werke 4, 94;

vergleicht sich irgendswo die lehre mit dem leben,
so wird es wahr an euch.
Tscherning ged. frühl. 357.

 

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