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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
irchen bis irdischschwer (Bd. 10, Sp. 2154 bis 2156)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) irchen, adj. von weisz gegerbtem leder, ahd. irhîn liquaminus, mhd. irhîn: bair. irchene gesæszhosen. Schm. 1, 131 Fromm.; in Kärnthen irchana housn Fromm. 3, 114; leg der frouwen disz pflaster uf ein yrchi läder gestrichen über den understen teil des buchs. Rüff trostb. 113a; disz pflaster sol uf ein yrchi suber läder gestrichen werden. 120b.
 
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irchen, verb. weiszgerben; bairisch, kärnthnisch. Schm. 1, 131 Fromm., Lexer 150; corialbum geyrhet clein leder Dief. 151b.
 
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ircher, m. weiszgerber. Schm. a. a. o.: für die ircher oder weisz oder lohrotgerber. Mathes. Sar. 120a; Rudolt Sahs bei der erher stuben. d. städtechron. 1, 92, 28. zu irrer verderbt: irrer, so werden in Nürnberg die weiszgerber genannt. Jacobsson 6, 167a.
 
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irchergasse, f. gasse der weiszgerber, ehemals in verschiedenen städten, irchergaʒʒ in München Schm. 1, 131 Fromm.; vicus dictus jchirgaszen (lies: irhirgaʒʒen). Kehrein sammlung alt- u. mitteldeutscher wörter aus lat. urk. s. 69b (aus einer hess. urk. von 1321); heute in Nürnberg zu irrergasse umgewandelt. Fromm. 2, 20.
 
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irden, adj. von erde, mhd. irdîn und ërdîn; auch nhd. ist erden noch manigfach bezeugt, vgl. theil 3, 754. es hat sich in zwei bedeutungen entwickelt.
1) von erde gemacht, aus gebrannter erde gefertigt:

daʒ eʒ (das wasser) zwên häven vuorte hin
mit kraft; der ein was irdîn,
der ander von êre goʒʒen. edelstein 77, 8;

irrdin, terreus, humeus, ex terra sive humo factus, irrdin geschirr, vas terreum, opus figulinum Maaler 237b; becken, irden gefes. 2 Sam. 17, 28; was sol dir der irdene topf, bei dem ehrne topf? denn wo sie an einander stoszen, so zubricht er. Sir. 13, 3; damals war einer, so töpf oder häfen feil brachte .. sein irden krämerei herfür trug. Kirchhof wendunm. 235a; ein irdenes werk, opus figulinum Steinbach 1, 350; ein irden breipfännchen. Göthe 16, 19; irdene pfeifen.
2) dichter des 17. jahrh. brauchen es auch wie irdisch, der erde entstammend, ihr angehörig (wie umgekehrt irdisch im sinne von irden 1 steht); der gebrauch ist ebenso ahd. nachzuweisen: sie getuont die irdinen sundôn, terrenos peccare. Notker ps. 100, wie früher schon im gothischen, wo aírþeins sowol unser irden als irdisch ausdrückt;

er (der gute) zähmet seine sinnen,
die nur sehr irrden sind, und führet sein beginnen
aus ihren augen weg.
Opitz 1, 64;

der leib, mein irdnes theil, der ist der seelen grab.
Fleming 32;

der friede führe nun ein irdnes königreich. 66;

ein himmlisches gemühte
ist irdnen sachen feind. 71;

sie sieht was kein mensch kan mit irdnen augen sehn. 129;

disz ist es, wehrter freund, wie wenig es auch ist,
dasz du nun nicht wie vor mit irdnen augen siehst. 133;

dasz wir irdnen himmlisch werden,
das schafft, laute, deine gunst. 513;

sie kleben an dem koth
der irrdnen sterbligkeit mit herze mund und hand.
Abschatz ged. (1704) 2, 130.

[Bd. 10, Sp. 2155]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) irdenisch, adj. irdisch, vgl. erdenisch theil 3 sp. 758:

sus ist gestalt der argen vlîʒ,
irdenscher schaz ist ræʒe ir aller minne. minnes. 2, 397b Hagen;

z eime zeichen, das irdensch gewalt und kraft gegen gotte nüt verfohet. d. städtechron. 8, 248, 17; Darius, ein künig der irdenscher künige. 306, 4; was auf erden ist und zum zeitlichen irdenischen reich gehört. Luther 2, 199b.
 
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irdig, adj. erdig, erdartig: solcher fixer schwefel .. er sei irrdig oder steinig. Paracelsus opp. 1, 667 C.
 
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irdisch, adj. terrenus, terrester, ahd. irdisc, mhd. irdisch neben erdisch, welche form auch nhd. noch besteht, s. 3, 773.
1) der erde und namentlich ihrer art, ihrem leben und treiben zugehörig, an ihr haftend (irrdisch, vom erdtrich här erboren, auf der erden läbende, terrenus, terrestris Maaler 237b): ahd. siu machet in contemptorem allis irðisken guotes. Williram 73, 24; uuante sie alliu irô werc tuont durch uuerltlîchen ruom unte durch irdisk gefuore (nutzen). 54, 9; er (diabolus) pesmeiʒʒe mih mit irdischen sundon. Notker bei Hattemer 2, 36b; mhd. ob ich ûch irdesche dinc gesagit habe, und ir gloubit niht: wie gloubit ir denne ob ich ûch himelische dinc sage? Behaims ev.-buch, Joh. 3, 12;

dad iʒ mit rehte solte lîchen (gefallen)
allir irdischir diet. Anno 609;

diu (gottheit) in hâte her gesant
von himel in irdischiu lant. Barl. 5, 34;

nhd. die kinder Hagar forschen der irdischen weisheit zwar wol nach. Baruch 3, 23; es sind himlische cörper und irdische cörper. aber eine ander herrligkeit haben die himlischen, und eine ander die irdischen. 1 Cor. 15, 40; wir wissen aber, so unser irdisch haus dieser hütten zubrochen wird, das wir einen baw haben von gott erbawet, ein haus .. das ewig ist im himel. 2 Cor. 5, 1; das liecht (der sonne) scheinet dem irrdischen umbkreisz nicht weniger als vor zeiten auch. Schuppius 776; der gattungsbegriff mag der eines irdischen vernünftigen wesens sein, so werden wir keinen charakter desselben nennen können, weil wir von nicht irdischen wesen keine kenntnisz haben. Kant 10, 363; die rache, die mich verfolgt, ist nicht des irdischen richters; ich gehöre einem unerbittlichen schicksale. Göthe 19, 11; solchen dank verdient sich ein mann, der irgend ein irdisches thun durch geistige anregung zu veredeln und würdig zu verbreiten weisz. 26, 123; da ich fühle, dasz mein unternehmen das masz der menschlichen kräfte und ihre irdische dauer weit übersteigt. an Schiller 1, 9;

das spil ist genant mit seiner lehr
das irrdisch paradeis der wanderer.
Heros irdisch pilgerer (1562) 8b;

wenn der reben güldner saft
in den liechten römern springet, ..
da vergessen wir der sachen,
die die herzen irrdisch machen.
Fleming 460;

ehret die frauen! sie flechten und weben
himmlische rosen ins irrdische leben.
Schiller würde der frauen;

so schreiten keine irdschen weiber!
die zeugete kein sterblich haus! kraniche des Ibykus;

das erste aber und hauptsächlichste
bei allem irdschen ding ist ort und stunde. Piccol. 2, 1;

o! du wirst auf die sternenstunde warten,
bis dir die irdische entflieht! 2, 6;

wohl weisz ich, dasz die irdschen dinge wechseln,
die bösen götter fodern ihren zoll. Wallensteins tod 5, 4;

und wenn der könig anklingt, soll der himmel
nachdröhnen irdschem donner. Shakesp. Hamlet 1, 2;

and the kings rouse the heavens shall bruit again,
respeaking earthly thunder.

adverbial: dere die irdisch gesinnet sind. Phil. 3, 13.
2) substantivisch steht der irdische, die irdische, der oder die auf der erde lebende, oder auch ihrer art angehörige; das irdische, das der erde eigene, sie betreffende, auf ihr enthaltene: da die stiftsdame nur eine heilige, Therese nur eine vollkommene irdische ist. Schiller an Göthe 1, 167; der .. engel, der uns irdischen die erdentracht abzieht oder abbricht. J. Paul leben Fibels 48;

des lebens ungemischte freude
ward keinem irdischen zu theil.
Schiller ring des Polykrates;

sich beim irdischen verweilen, terrenis immorari Steinbach 1, 350; das irdische verlassen, sterben;

werft die angst des irdischen von euch!
Schiller ideal u. leben v. 28;

[Bd. 10, Sp. 2156]



bis der gott, des irdischen entkleidet,
flammend sich vom menschen scheidet. 141;

indesz
wir hier im feld gesorgt, sie grosz zu machen,
das höchste irdische ihr zu erfechten,
hat mutter natur in stillen klostermauern
das ihrige gethan, dem lieben kind
aus freier gunst das göttliche gegeben. Piccol. 2, 3;

laszt das irdische!
denkt jetzt, euch mit dem himmel zu versöhnen! Tell 4, 3;

was in dem schlaf für träume kommen mögen,
wenn wir den drang des irdschen abgeschüttelt,
das zwingt uns still zu stehn. Shakesp. Hamlet 3, 1;

for in that sleep of death what dreams may come,
when we have shuffled off this mortal coil,
must give us pause.


3) irdisch, der erde, dem festen lande (gegenüber flusz oder meer) angehörig: ein irdischer crocodyl, crocodylus terrestris. Forer thierb. 166b; ausz den schiltkrotten kompt die irdisch niemer ins wasser, die aber so in den sszen wasseren, auch in dem meer wonend, .. rwend oder schlafend auf dem trocknen land. 170a; auf der flachen erde wohnend, im gegensatz zum berge: bekompt seinen namen von der farb, so bei leben schwarzrot gleich den irrdischen hasen. fischb. 116a; endlich der erdoberfläche angehörig, nur in den compositen unterirdisch, oberirdisch (verschieden von überirdisch, das an die bedeutung 1 anknüpft): die garten-gewächse werden eingetheilt in unterirrdische und oberirrdische. Hohberg 1, 460a.
4) irdisch, wie erdicht, der erde als stoff gleich, erdartig: die irdenen glasurten brennzeuge geben anfangs einen irdischen geschmack von sich. Hohberg 1, 236a; der weinstein ist das dickeste und irdische theil des weins. 363a; bierhefen ist ein irrdisches, dickes, schweres ding, so sich im bier niedersenket. 2, 95a; es hat dieses wasser nicht den mindesten schwefelichten geruch, setzt wo es quillt und wo es durchflieszt nicht den mindesten ocker noch sonst irgend etwas mineralisches oder irdisches an. Göthe 16, 266.
5) irdisch, wie irden 1, aus gebrannter erde gemacht: zerlas den (schwefel) in ainem irdischen geschier. Schm. 1, 140 Fromm. (von 1429); in einem groszen hause aber sind nicht allein güldene und silberne gefesze, sondern auch hülzerne und irdische. 2 Tim. 2, 20; irdische krausen (becher). Petr. 36a; spielend mit dieser und der bedeutung 1: du klagest oft über die prediger, dasz sie nicht thun was sie thun sollen. allein sie sind menschen. sie tragen den prediger-schatz nicht in silbern oder güldenen, sondern in irrdischen gefäszen. was ists wunder dasz sie underweilens anstoszen? Schuppius 210.
 
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irdischblöd, adj.:

die unwürdigkeit so irdisch-blöder augen.
Weckherlin 729.


 
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irdischheit, f.
1) nach irdisch 1, irdisches treiben, erdenleben; bei Stieler 386 als poetischer ausdruck für das irdische, mundana, terrestria, transitoria, temporaria:

von eim propheten der ouch seit,
den gott hab gsendt in d' irdischeit. trag. Joh. L iij.


2) nach irdisch 4, erdige art, erdige bestandtheile:

mit sand do sich die wasser klären,
nun von der yrdischheit frei werden. bei
Lessing 13, 222.


 
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irdischschwer, adj.:

was sonst die reiche welt in ihrem busen hält,
ist irrdisch-schweres gut, kümmt, bleibt, geht mit der welt.
Logau 2, 41, 54.

 

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