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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
instinktmäszig bis interessant (Bd. 10, Sp. 2146 bis 2148)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) instinktmäszig, adj.: der glaube von instinktmäsziger einkräftigkeit des genies. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 67.
 
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instlet, n. vgl. unter inselt.
 
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instmann, m. einlieger, inquilinus, der in eines andern hause wohnt und keine güter im dorfe hat. Frisch 1, 489a, als pommersches wort. plur. instleute. vgl. inste.
 
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instrument, n. aus dem lat. instrumentum übernommen.
1) zufrühest in der bedeutung eines zeugnisbriefes, einer urkunde, in der notariellen sprache: mittelrheinisch im 15. jahrh. istrement Mones anz. 7, 362; kunt sie allen luden, die disz offen instrument und diesen geinwortigen brief sehent oder horint lesen. weisth. 1, 544 (Eltville, v. 1383); kund sei allen den, die dis dütsche instrument in künftigen zyten werden ansehen, hören oder lesen. 463 (Lorsch, v. 1423); Heinrich Geysler von Rotawrach ist auszgeben umb hundert und zweinzig guld., da hat man im selber getrawt, wann er gar lang in fenknusz lag und nymant für in sprechen wolt .. des hat er ein instrament über sich geben. d. städtechron. 2, 499, 12; wie ich dann den Juden durch notarium und zeugen hiervon fragen und mir darüber ein instrument wil aufrichten lassen. Schuppius 582;

die andern punkte nennt disz instrument.
Schiller jungfrau 3, 2.


2) seit dem 16. jahrh. auch häufig tonwerkzeug: sie waren also geschickt, das keine, geschweig einer, war, die nicht schreiben, geschweig lesen, auf allen instrumenten spilen, mit fünf sprachen reden .. konnt. Garg. 283a; wer heute groszen herrn, cavallierern und statisten die warheit geigt, dem schlägt man gemeiniglich den fidelbogen auf den kopf. gleichwol gebraucht gott oft geringe instrumente, dadurch er ganze städte und ganze königreiche für ihrer ruin warnen lässet. Schuppius 400; es ist ein concert auf einem ganz andern instrumente. Schiller an Göthe 1, 322;

nu bin ich wieder frei; ja frei von aller noht
kan ich nu meinen mund und instrument frei üben.
Weckherlin 59;

so gib mir nu mein instrument
und du Thalia hilf mir singen. 452;

Val. zum teufel erst das instrument!
zum teufel hinter drein den sänger!
Meph. die zither ist entzwei! an der ist nichts zu halten.
Göthe 12, 194;

[Bd. 10, Sp. 2147]



warum denn andre brauchen und deren instrumente?
ein rechter virtuose spielt jedes instrumente.
Immermann Münchh. 2, 63;

verdeutlichend auch musikinstrument, musikalisches instrument: etzliche lauten, geigen und andere musicalische instrumente. Opitz 2, 262; clavier, griffe eines musicalischen instruments, als clavier, spinet, orgel. Rädlein (1711) 177a. heute nennen wir instrument schlechthin auch das clavier.
3) neuer ist instrument für werkzeug, sofern es künstlicher bereitet und mehr den künsten und wissenschaften, als dem handwerk dient: geometrische, mathematische, optische, chirurgische instrumente; dann auch für werkzeug überhaupt: die wunde ist mit einem scharfen instrument beigebracht; die hirnschale des ermordeten zeigte sich mit einem stumpfen instrument verletzt.
4) instrument, beim schriftgieszer die form, worin er die lettern gieszt. Jacobsson 2, 314a.
 
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instrumentenmacher, m. verfertiger von instrumenten, sowol musicalischen als andern.
 
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instrumententasche, f. tasche zur aufbewahrung von instrumenten. Schiller an Göthe 1, 165.
 
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instrupfen, verb. für einstrupfen (theil 3, 316), welken, dorren: dieweil dieser flus auch die leber dorret und inzustrupfen machet. Thurneiszer von probier. der harnen 42; alt anherren, so verschmorren und ingestrupft, das du kain glid der geburt mer an in findest. S. Frank moriae encom. 26; und seint im die orlepplin klein und im ingestrupft. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 89.
 
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instrupfung, f.: (ein mittel) wider alle instrupfung oder uflaufen der nervi. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 18.
 
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insulaner, m. inselbewohner, insulanus.
 
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interesse, n. aus dem lateinischen, in verschiedenen bedeutungen ausgebildet.
1) zufrühest in der rechtssprache, der antheil, der dem vermögen jemandes aus der handlung eines andern entsteht, entgangener nutzen oder erwachsener schaden, wie denn ein mitteldeutsches glossar des 15. jahrh. interesse geradezu durch schaden verdeutscht (Dief. 304a): wo aber yemandt den andern lembt an vingern, zehen oder zenen, der soll gemeiner stadt darumb zu pusz verfallen sein zweinzig pfund newer haller und dem beschedigten der leme, zerung und interesse halb thun nach erkanntnus und meszigung der fünf herren am hader sitzend. Nürnb. poliz.-ordn. 45, vgl. 46; dieweil sie (die notarien) sonst ihrer unwissenheit halben den partheien, so von ihnen versäumet würden, ihr interesse abzulegen schüldig seind. ordnung der notarien zu Cöln aufgerichtet 1512, tit. 4 § 2; noch heute sein interesse liquidiren.
2) dann nutzen, vortheil überhaupt: im gemeinem gebrauch ist interesse vortheil. Frisch 1, 489a; es heiszt im interesse jemandes etwas thun, im interesse jemandes stehn, handeln; das liegt ganz gegen mein interesse; gleichsam (als ob) darvon das interesse des gemeinen nutzens hangen müste. Abele gerichtsh. (1684) 1, 222; mein herz wird das opfer eines elenden staatsinteresse. Lessing 2, 122; sie suchte bei jeder veranlassung die rechte der krone zu schmälern, die interessen derselben zu untergraben. H. Heine 9, 50; der graf Menton muste im interesse seiner sendung zu weniger mirakulösen historien seine zuflucht nehmen. 70; im interesse der wahrheit etwas reden; im interesse der freundschaft wirken.
3) namentlich häufig in der gewöhnlichen sprache der zins eines ausgeliehenen kapitals: was mit unerbaren vorlegen (vorschieszen), interesse, jüdischen und kockischen handlungen und contracten umbgehet. Mathesius katechism. 195; das capital musz ausgeliehen, und die intressen müssen wieder zu einem capitale gemacht werden. Gellert 3, 173; ich habe sie (breter) von dem gevatter tischler statt der interesse angenommen. 210; die 175 thaler .. machen mein ganzes vermögen aus, und ich will sie ihnen von grund des herzens gern noch funfzehn jahr, ohne interessen, ohne interessen lassen. Lessing 1, 484; so gewisz ich neunhundert thaler von ihm geborgt habe, so gewisz will ich sie ihm, mit intressen wieder geben. 2, 414; sonst kommen wir nach kurzer zeit .. und hohlen die intressen. Fr. Müller 2, 95;

ich gebe interesz, so wie es andre thun,
darumb ersuch ich sie, itzt güttigst zu geruhn,
ein kleines capital zur not mir vorzuschieszen.
Marforio der wucherer (1738) 6;

sprichwörtlich:

interessen
täglich mit und aus der schüssel essen.
Simrock spr. 277;

[Bd. 10, Sp. 2148]


das wort hier auch als fem.:

die interesse musz so hoch als möglich steigen,
der arme schuldener musz nolens volens schweigen.
Marforio der wucherer 9;

allein das capital zusammt der interesse
zahlt er gewisz content zur letzten Leipziger messe. 13;

in Kärnthen als neutr. und fem. intresse, antresse, untresse zinsen von einem kapital Lexer 150.
4) interesse als milderes wort für gewinnsucht, eigennutz: er handelt so nur aus interesse, nicht aus liebe;

wenn interesse mehr als groszmuth überwiegt.
Günther 405.

vgl. unten interessieren 2.
5) in der gewählteren sprache seit dem vorigen jahrhundert ist interesse der antheil, den wir an einer sache nehmen: interesse wird das wohlgefallen genannt, das wir mit der vorstellung der existenz eines gegenstandes verbinden. Kant 7, 44; interesse ist das, wodurch vernunft praktisch d. i. eine den willen bestimmende ursache wird. daher sagt man nur von einem vernünftigen wesen, dasz es woran interesse nehme, vernunftlose geschöpfe fühlen nur sinnliche antriebe. 4, 89; statt der gewöhnlichen unterhaltung abends fing man zu gähnen an; das interesse am Hamlet war erschöpft. Göthe 19, 217;

die jugend ist vergessen
aus getheilten interessen;
das alter ist vergessen
aus mangel an interessen. 4, 345.


6) endlich der reiz einer sache, der unsern antheil hervorruft: ists denn ein brief von interesse? Fr. Müller 3, 395; wie sie jedem alter seine reize abborgte, freimüthige unschuld von der kindheit, interesse von der jugend. Leisewitz Jul. v. Tarent 1, 1 s. 13.
 
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interessant, nach interesse, vornehmlich in der bedeutung 6 gebildet: ein interessantes buch; das mädchen ist eine recht interessante erscheinung; mir war es interessant, diese nachricht zu erfahren; interessante situationen. Göthe 18, 138.

 

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