Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
inster bis instrupfung (Bd. 10, Sp. 2145 bis 2147)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) inster, m. n. das gekröse eines schlachtthieres oder auch ein gewisses stück davon: inster heiszet in denen küchen das gekröse von denen kälbern. öcon. lex. 1131; der inster, ein theil vom rindsmagen, abomasum Steinbach 1, 813; im Göttingischen gehören zum inster folgende stücke eines geschlachteten ochsen: der magen, der bansen, die lunge, das herz, der kopf und die füsze. Schambach 92b; die kleinot, als inster, kaldaunen, kalbsköpfe. Leipziger stadtordn. 1544 G 1a; zu einem ganzen kalbe mögen dessen zwei kleinote, und zu einem halben ein kleinot, als entweder das geschlinke unzertheilet, oder das inster, .. zur zugabe mit verkauft werden. der stadt Leipzig ordn. 1701 s. 429; ein lambs-inster soll nach dem gewichte .. gegeben werden. ebenda. Das wort ist im östlichen Mitteldeutschland (Schlesien, Obersachsen, Düringen) und in Niederdeutschland verbreitet; ob eine verstümmelung von lat. intestina vorliege, oder

[Bd. 10, Sp. 2146]


eine alteinheimische form, und vielleicht altnord. îstr, îstra the fat of the paunch (Vigfusson 319b) zur vergleichung heranzuziehen sei, kann nicht entschieden werden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instinkt, m. naturtrieb, lat. instinctus, seit dem vorigen jahrh. in die deutsche sprache eingebürgert: die seele, die nach einem blinden instinkt schimären eben so regelmäszig bearbeitet als wahrheiten. Wieland 11, 14; ein gewisser instinkt, der auch die einfältigsten unter den jungen leuten lehrt, was sie ihren aufsehern sagen dürfen oder nicht. 20; der instinct der taube, die den marder am schlag spürt. Fr. Müller 2, 57; was sie aber schwerlich wissen können (weil das genie sich immer selbst das gröste geheimnis bleibt), ist die schöne übereinstimmung ihres philosophischen instinctes mit den reinsten resultaten der speculirenden vernunft. Schiller an Göthe 1, 7; vorige woche bin ich von einem sonderbaren instincte befallen worden. Göthe an Schiller 1, 66; du weist wol, ich bin so tapfer wie Hercules, aber denke an den instinct: der löwe rührt den ächten prinzen nicht an. instinct ist eine grosze sache, ich war eine memme aus instinct (Falstaff zum prinzen). Shakesp. Heinrich IV, 1 theil 2, 4 (why, thou knowest, I am as valiant as Hercules; but beware instinct: the lion will not touch the true prince. Instinct is a great matter, I was a coward on instinct); die oberherrschaft éines organs und éiner kraft, z. b. in Mozart, wirkt alsdann mit der blindheit und sicherheit des instinktes. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 67; was von fleisch geboren wird, das ist fleisch, .. gehet dem sinnlichen genusz, dem zeitvertreib und zeitverderb, angenommenen gewohnheiten, instinkten und begierden nach. Herder z. phil. 10, 202;

der leidenschaften wilden drang,
des glückes regellose spiele,
der pflichten und instincte zwang
stellt ihr mit prüfendem gefühle,
mit strengem richtscheit nach dem ziele.
Schiller die künstler v. 222.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instinktartig, adj.: es ist eine wahre freude, sich von einem instinctartigen verfahren, welches auch gar leicht irre führen kann, eine deutliche rechenschaft zu geben, und so gefühle durch gesetze zu berichtigen. Schiller an Göthe 1, 8.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instinktmäszig, adj.: der glaube von instinktmäsziger einkräftigkeit des genies. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 67.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instlet, n. vgl. unter inselt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instmann, m. einlieger, inquilinus, der in eines andern hause wohnt und keine güter im dorfe hat. Frisch 1, 489a, als pommersches wort. plur. instleute. vgl. inste.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instrument, n. aus dem lat. instrumentum übernommen.
1) zufrühest in der bedeutung eines zeugnisbriefes, einer urkunde, in der notariellen sprache: mittelrheinisch im 15. jahrh. istrement Mones anz. 7, 362; kunt sie allen luden, die disz offen instrument und diesen geinwortigen brief sehent oder horint lesen. weisth. 1, 544 (Eltville, v. 1383); kund sei allen den, die dis dütsche instrument in künftigen zyten werden ansehen, hören oder lesen. 463 (Lorsch, v. 1423); Heinrich Geysler von Rotawrach ist auszgeben umb hundert und zweinzig guld., da hat man im selber getrawt, wann er gar lang in fenknusz lag und nymant für in sprechen wolt .. des hat er ein instrament über sich geben. d. städtechron. 2, 499, 12; wie ich dann den Juden durch notarium und zeugen hiervon fragen und mir darüber ein instrument wil aufrichten lassen. Schuppius 582;

die andern punkte nennt disz instrument.
Schiller jungfrau 3, 2.


2) seit dem 16. jahrh. auch häufig tonwerkzeug: sie waren also geschickt, das keine, geschweig einer, war, die nicht schreiben, geschweig lesen, auf allen instrumenten spilen, mit fünf sprachen reden .. konnt. Garg. 283a; wer heute groszen herrn, cavallierern und statisten die warheit geigt, dem schlägt man gemeiniglich den fidelbogen auf den kopf. gleichwol gebraucht gott oft geringe instrumente, dadurch er ganze städte und ganze königreiche für ihrer ruin warnen lässet. Schuppius 400; es ist ein concert auf einem ganz andern instrumente. Schiller an Göthe 1, 322;

nu bin ich wieder frei; ja frei von aller noht
kan ich nu meinen mund und instrument frei üben.
Weckherlin 59;

so gib mir nu mein instrument
und du Thalia hilf mir singen. 452;

Val. zum teufel erst das instrument!
zum teufel hinter drein den sänger!
Meph. die zither ist entzwei! an der ist nichts zu halten.
Göthe 12, 194;

[Bd. 10, Sp. 2147]



warum denn andre brauchen und deren instrumente?
ein rechter virtuose spielt jedes instrumente.
Immermann Münchh. 2, 63;

verdeutlichend auch musikinstrument, musikalisches instrument: etzliche lauten, geigen und andere musicalische instrumente. Opitz 2, 262; clavier, griffe eines musicalischen instruments, als clavier, spinet, orgel. Rädlein (1711) 177a. heute nennen wir instrument schlechthin auch das clavier.
3) neuer ist instrument für werkzeug, sofern es künstlicher bereitet und mehr den künsten und wissenschaften, als dem handwerk dient: geometrische, mathematische, optische, chirurgische instrumente; dann auch für werkzeug überhaupt: die wunde ist mit einem scharfen instrument beigebracht; die hirnschale des ermordeten zeigte sich mit einem stumpfen instrument verletzt.
4) instrument, beim schriftgieszer die form, worin er die lettern gieszt. Jacobsson 2, 314a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instrumentenmacher, m. verfertiger von instrumenten, sowol musicalischen als andern.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instrumententasche, f. tasche zur aufbewahrung von instrumenten. Schiller an Göthe 1, 165.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instrupfen, verb. für einstrupfen (theil 3, 316), welken, dorren: dieweil dieser flus auch die leber dorret und inzustrupfen machet. Thurneiszer von probier. der harnen 42; alt anherren, so verschmorren und ingestrupft, das du kain glid der geburt mer an in findest. S. Frank moriae encom. 26; und seint im die orlepplin klein und im ingestrupft. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 89.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
instrupfung, f.: (ein mittel) wider alle instrupfung oder uflaufen der nervi. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 18.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: