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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
insicht bis inspringelgeld (Bd. 10, Sp. 2142 bis 2144)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) insicht, f. für einsicht: gnugsame insicht in die innern theile der dinge haben. Leibnitz in Wackernagels leseb. 3, 1, 986.
 
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insiegel, n. siegel; ahd. insigili, sigillum, signaculum, lunula, annulus, moneta (Graff 6, 144), mhd. insigele, ingesigele; von lat. sigillum, zunächst in seiner allgemeinen bedeutung eines eingegrabenen, eingeprägten oder ausgeschlagenen bildchens übernommen, als ein collectivum ausgebildet, und durch das präfix in- deutlicher auf die art der darstellung bezogen; seit dem mhd. auf das bild des petschaftes und dieses selbst eingeschränkt.

[Bd. 10, Sp. 2143]



1) insiegel, siegelabdruck, siegelbild: sigillum insigel, insegel Dief. 533a; insiegel, sigillum Steinbach 2, 591; versigelt mit unserm anhangenden innsigel. weisth. 4, 52; des zu urkund habe ich mein insiegel wissentlich an diesen briefe gehangen. urk. von 1536 bei Dreyhaupt Saalcr. 1, 918; der könig von Loango musz bei jeder rechtlichen entscheidung einmal trinken, und es ist dann so viel, als wenn er das kleine insiegel darauf setzte. J. Paul teuf. pap. 1, 61; bildlich:

dirre kus sol ein insigel sîn,
daz ich iuwer und ir mîn
belîben stæte unz an den tôt. Trist. 461, 1.


2) siegelbild in einem petschaft oder ringe, das das siegel herstellt: all die maister, die in der zauberkunst lêrent, daʒ sprechent, daʒ die götter und die gaist, die man anruoft mit pildengeschrift, die karacteres haiʒent, und mit insigelgraben, oder daʒ graben, daʒ man in vingerlein tuot, die zaubrær dester ê erhœrnt, wenn si in weirach opfernt. Megenberg 377, 23; eʒ spricht ouch diu geschrift, daʒ die sün von Israhel der stain (carneole) gar vil durchgruoben mit mancherlai gestalt (sam man diu insigel grebt). 442, 9; sein insigel hatte er (Carl der grosze) auf seinem wehrknopf, und pflegte darvon, wann er etwas siegelte, also zu sagen: was dieses schwert mit dem insigel bekräftiget, das wird es auch mit der schärpf gegen alle widerwertige verthedigen und handhaben. Zinkgref apophth. 1, 10;

recht als insigel drückt,
hat sich ir bild gesmückt (geschmiegt)
in mynes herczen normen.
Altswert 140, 14.


3) insiegel, weidmännisch: item wo der hirsch in lediger erden gehet so scheuet (l. schhet) er sich, wann die erde nasz ist, so wirft er den schh hin, das ist gar ein grosz zeichen, und heiszt das innsigel: dann man findet darinnen den grimmer und das fädemlin, und das näschlin, und das blenden, und alles das ein hirsch thn mag: das ist darinn gemalt. M. Sebiz feldb. 573; der hirsch wirft vor holze den schuch bei nassen wetter von sich, heiszt des hirsches insiegel oder auswurf. Göchhausen not. ven. (1741) 28; insiegel, des hirsches schuh, eine fährte, da der hirsch das erdreich in und an den schalen mit sich fortgenommen hat. das hohe insiegel, da der hirsch die erde über der schale mit herausgehoben, und es so umgekehrt vor der fährte liegen gelassen hat; franz. les surneigées. Nemnich 2, 972.
 
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insitzend, part. inne sitzend: sie (portechaisenträger bei regen) setzten wie bei trocknem pflaster den kasten nieder, und die geputzten insitzenden waren nicht wenig verwundert, den strom zu ihnen hereindringen zu fühlen. Göthe 31, 110.
 
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inskünftige, adv. zusammengerückt aus in das künftige, für die zukunft, was die zukunft betrifft: ach tochter, sollst du inskünftige diese grausame schmach mit dir herumtragen? J. E. Schlegel 2, 31; für uns ist die aussicht inskünftige schrecklich. Rabener werke 6, 255; inskünftige will ich es aber wohl bleiben lassen, und mich durch solche, uns nichts angehende dinge, um das vergnügen ihrer briefe bringen. Lessing 12, 365;

inskünftge wollen wir nichts durch gesandte melden.
Hoffmannswaldau bei
Steinbach 1, 897;

es hat sich diszmal so geschicket
und wird inskünftig besser gehn.
Chr. Gryphius in Wackernagels leseb. 2 (1876) 616.


 
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insofern, adv. und conj., in dér hinsicht, in dér beziehung, vgl. in sp. 2103 oben und inwiefern.
1) als adv.: insofern hat er recht; die erfahrung ist oft der stärkste und deutlichste beweis der wahrheit, und insofern auch ein zuwachs der vernunft. Gellert bei Adelung.
2) als conj.: Herder wünscht dasz ich blosz als redacteur etwas darüber sagen möchte, insofern auch die Horen mitgetroffen werden sollten. Schiller an Göthe 1, 105; ich bin nicht abergläubisch .. und gebe nichts auf diese dunklen anregungen, insofern sie nur solche wären. Göthe 17, 12.
3) substantive stellung: aus diesem denn, aus dieser ursache, macht Corneille ein insofern, eine blosze bedingung. Lessing 7, 367.
 
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insonder, adj. besonder, vorzüglich: insondere liebe herrn gönner und freund. Fischart Garg. 3; ernhafter groszgünstiger herr, insonderer beförderer. W. Spangenberg anbind oder fangbriefe C ija.
 
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insonderheit, adv. separatim, praecipue, früher in freier stellung: singulatim in ainer sunderhait Dief. 536c; seit dem 16. jahrh. vielfach, später immer zusammengerückt.

[Bd. 10, Sp. 2144]



1) abgesondert von anderen, für sich, besonders: und on gleichnis redet er nichts zu inen. aber in sonderheit (κατ' ἰδίαν, seorsum vulg.) leget ers seinen jüngern alles aus. Marc. 4, 34; und er wandte sich zu seinen jüngern, und sprach in sonderheit, selig sind die augen, die da sehen, das ir sehet. Luc. 10, 23; die bauren musten im das in sunderheit bezalen. Wickram rollw. 137, 4 Kurz; es ist bei den Reuszen nicht üblich (beim tanzen) einander bei der hand herumb führen, sondern jeglicher tanzet vor sich und insonderheit. pers. reisebeschr. 1, 4;

stockmeister, ledig ihm zu hand
von seinem leib fesel und bend
und zieh ihm an in sonderheit
seines weibs uns verehrtes kleid!
J. Ayrer 364d (1828, 8 Keller).


2) besonders, speciell, im einzelnen: und von jeglichem artikel in sonderheit, haben ewre und meine gesandten befelh, euch weiter zu unterrichten. 2 Macc. 11, 20; denn wir wol erfaren haben, wie der pöbel und die jugent aus der predigt wenig lernt, wo sie nicht in sonderheit gefragt, und verhöret wird. Luther 6, 109a.
3) besonders, vor anderem, vorzugsweise: und wo würden doch alsdan die vier heil. beichtende und reverenden orden gepliben sein, und insonderheit die heil. minbrüder oder barfüszer? Fischart bienk. 4a; wan man werk der barmherzigkeit, und insonderheit den pfaffen und mönchen erzeigt. 113b; wird vielleicht herzog Joachim von Stettin diesen zug gethan haben. aber solches ist auch zweifelhaft, insonderheit weil derselbe sonst ein friedliebender herre gewesen ist. Micrälius 3, 422; es ist (das gebet) auch insonderheit kräftig, den himmlischen vater zu bewegen. Schuppius 430; gütigster vater erkenne mich alsdann insonderheit vor dein kind, wann mich alle creaturen verlassen werden. 431; er hat unterweilen seine sonderliche raptus, insonderheit kan er die Juden nicht erdulden. 495; insonderheit fallen mir dabei die barmherzigen trabanten in die augen. J. E. Schlegel 3, 22; dieses begegnete insonderheit bei einem pantomimischen tanze. Wieland 1, 355 (298); insonderheit ermahnte er mich, mein urtheil über alles zurück zu halten. 2, 24 (21); wenn wir den geschichtschreibern, insonderheit dem tugendhaften und gutherzigen Plutarch einen unumschränkten glauben schuldig wären. 297 (254); alsdann ist das ägyptische todtenurtheil gerecht, und für die wahrheit der geschichte nützlich, insonderheit wenn mündige verwandte leben, die sich vertheidigen können. Herder z. litt. 1, 6; man hüte sich vor gewohnten eigenheiten und lieblingsausdrücken ... fast niemand kann ihnen ganz entgehen; insonderheit haben sie leute, die viel reden müssen, und ohne vorbereitung reden. z. phil. 10, 184; der könig insonderheit wollte sich vor lachen beinahe ausschütten. Tieck 9, 273.
 
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insonders, adv. besonders, vorzugsweise: insunderheit, insunders, distincte Maaler 237a; was sich in Britannien zutrüg, dasz er ihn solchs solt lassen wissen, in sonders wenn sich begebe, dʒ die herzogin oder der herzog mit todt abgienge. Galmy 334; ziemte bescheidenheit minder jung und alt, jung insonders. Klopstock 12, 76;

da kömpt die zeit, dasz sie nicht länger bleiben wil,
insonders, weil im haus es schon war alles still.
D. v. d. Werder Ariost 7, 26, 4;

in der anrede: meinen insonders hochgeehrten und wehrten freunden. Schuppius 129; meine insonders groszgünstige .. herren. ebenda; insonders hochzuehrender hr. diaconus. Lessing 12, 21.
 
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insoweit, adv., öfters aus in so weit (sp. 2103 unter in) zusammengerückt: ich halte ihn in der sache für betheiligt und insoweit traue ich ihm.
 
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insprechung, f. für einsprechung, zuspruch: sie widerstont allen gten insprechungen und vermanungen. Keisersberg sünden d. munds 48c.
 
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inspringelgeld, n. isagogicum, einführgeld in die schule. Frisch 2, 310a (aus Chytraeus).

 

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