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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
imse bis inbewohnt (Bd. 10, Sp. 2081 bis 2104)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) imse, f. wetterauische form für ameise, neben dem nassauischen imetz, vgl. unter ameise th. 1, 277, und Kehrein 43; von Göthe im 2. theil des Faust gebraucht:

laszt euch solchen schatz nicht rauben;
imsen auf! es auszuklauben. 41, 138;

ihr imsen alle,
rührig im schwalle. 140;

pigmäen, imsen, däumerlinge,
und andre thätig kleine dinge. 151.


 
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in, praep. , mit dat. und acc., in.
A. Form.
1) die praep. ist gleichmäszig über alle deutschen dialecte in derselben form verbreitet, nur im altnord. î, schwed. dän. i ist der nasal abgefallen. im ahd. selten (Graff 1, 295), im mhd. häufiger findet sich die form en für in, die im nhd. enzwei (theil 3 sp. 672) noch nachklingt. urverwandt sind griech. ἐνί, ἐν, εἰς, lat. in, altlat. en, litt. i, aus dem demonstrativstamme sanskr. aná dieser erwachsen (Bopp 3, 495); die sonderung der praep. an, goth. ahd. ana (theil 1, 283) und der praep. in hat sich erst innerhalb des germanischen ausgebildet und nicht einmal streng vollzogen, denn wie beide in einer groszen anzahl von verbindungen

[Bd. 10, Sp. 2082]


für einander stehen können (vgl. theil 1, 284), so hat der sprachgebrauch des ältern niederdeutschen gebiets (alts. ags. fries.) an, on überhaupt bevorzugt und in allen fällen für das viel seltener erscheinende in verwendet.
2) von in trennt sich, was bei andern wörtern dieser gattung im deutschen nicht geschieht, die adverbialform ab, und zwar als eine doppelte, den beiden hauptrectionen der praeposition entsprechend. dem in als praep. des weilens, der ruhe geht zur seite für den begriff intus unser inne, innen, dem in als praep. der bewegung unser ein für den begriff intro; nicht anders stehen gothisch gegenüber inna, innana und inn, altnord. innan und inn, ags. inne, innan und inn:

undôð me snióme duru sôðfästra eác,
þær ic gange inn. ps. 117, 19,

doch häufiger nach dem brauch, der vereinfachung der geminata im auslaute fordert, in geschrieben; alts. innen, inne intus und in intro, für das sich die schreibung inn nicht mehr nachweisen läszt, in ganz gleicher weise auch ahd., so dasz sich hier das adverb des zieles und der bewegung von der praepositionsform nicht scheidet. mhd. zunächst auch innen, inne und dagegen in; bald aber kommt für den begriff intro ein gedehntes în auf, das sich ausbreitet und in unser nhd. ein übergeht. während das ahd. mhd. adverb in intro sicher nur aus früherem inn, der älteren, übereinstimmend goth., altnord. und ags. erscheinenden adverbialform entstanden und demnach ursprünglich als weiterbildung der praep. in zu fassen ist, als welche inne, innen intus ohne weiteres sich ergibt, müssen wir mhd. în, nhd. ein intro als eine junge dehnung des alten inn, in ansehen. von welcher mundart aus dieselbe um sich gegriffen hat, ist nicht zu sagen, sondern nur darauf aufmerksam zu machen, dasz wie die gedehnte form în sich mhd. vorzüglich in bairischen und fränkischen quellen findet, gerade in solchen später auch die gedehnte form ein für die praep. erscheint (s. nachher no. 4). das niederdeutsche und anstoszende mitteldeutsche gebiet hat im adverb in intro und seiner zusammensetzung 'rin herein die alte kürze bewahrt (intus heiszt dort inne); und quellen dieser heimat zeigen die angegebene form auch wol in der schriftsprache: von einem schiffe mit einem hangenden roder, das daselbst ausz oder in ledet. weisth. 1, 621 (Westerwald, von 1563); alle jair na dem herpst, so der letzte drube (die letzte traube) in ist. ebenda; die linienschiffe .. die leider sehr zurück waren, weder die kanonen in, noch die steegen auf hatten. Niebuhr leb. 2, 41.
Die form inne intus kürzt sich, in den verbindungen darin, worin, hierin, schon seit dem mhd. ebenfalls zu in, selten in freierer stellung: wann einer, so auf freiers füszen gehet, in ein haus, da jungfern in seind, kommt. ped. schulfuchs 39; wo ein Böhm kuder aus einem haus trage, da werde gewiszlich kein Teutscher flachs in finden. Simpl. 3, 15 Kurz;

das erdreich ...
ein spiegel ist es, da man gott in schauen kan.
Rist Parn. 683.

daneben ist die kürzung in allen fällen häufig, wo inne- als erstes glied von compositen steht, wie unten an alphabetischer stelle eine ganze reihe von worten erweisen, bei denen doppelformen mit inne- und in- gebräuchlich sind.
3) in solchen compositen ist vermengung des inne-, in- mit ein- nicht unhäufig, wie ebenfalls die beispiele unten an alphabetischer stelle darthun, zu denen die betreffenden nebenformen mit ein- erwähnt sind, die auch ihres ortes nachgeschlagen werden müssen. eine feinheit älterer sprache war es, die participia präteriti von verben der thätigkeit, die mit ein- zusammengesetzt, auf in- für inne- zu bilden, und auch dadurch das passive der genannten bildung hervorzuheben, rest dieser art ist noch heute inbegriffen von einbegreifen, früher auch inbewohnt von einbewohnen, inbunden von einbinden, ingeben von eingeben, ingeschlossen von einschlieszen u. a., s. unten. aber gerade hier hat sich ein- für in- am frühesten und am regelmäszigsten festgesetzt.
4) vorzüglich bairische und fränkische quellen des 14. jahrh. und später haben ein für die praep. in (vgl. oben theil 3, 140 und Schm. 1, 93 Fromm.): und sullen ouch di selben funf man .. keinen zu in ein die verbuntnüʒʒe nemen, di an dem auflaufe und an der zweiung zu Nuremberch schuldig sein. d. städtechr. 3, 329, 14 (von 1349); daʒ uberig volk nit ein die kirchen zu lassen. 363, 24 (15. jahrh.); darzu legt ein paumeister ein dieselben puchsen alle wochen vier, sechs oder acht pfunt alt (geld). Tuchers baumeisterb. 68, 4;

sie (Maria) gebar
ihren ersten sohn, den wickelts ein
und legt ihn ein das krippelein.
H. Sachs 1, 61a;

[Bd. 10, Sp. 2083]



die alt sprach: wenn vol (betrunken) ist dein man,
so schaw und bring in ein das pett. 445c;

es ist auch schlesisch: man vorbut (verbeut) mannen und knechtin, das si nicht also hin und wedir ein der kirchen sullen gen spazirn kaufslein und reden. Görlitzer stat. 394;

îch oder hîlt mei gänsebliemel
ei handen.
Holtei schles. ged. (1874) s. 88;

auch aus Obersachsen zu belegen, wenn das nachfolgend citierte gedicht um Dresden entstanden ist:

fürwahr ganz einen andern ziel
gott ein seinen rath beschlossen (hat). lied von 1629, im anz. des germ. mus. 1865, sp. 58, 20.


5) verschmelzungen der praep. mit dem artikel kommen vor, im für in dem, inn, in für in den (acc. sing. und dat. plur.), ins für in das und in des, welche an alphabetischer stelle zu sehen sind. selten und nur in ältern quellen ind für in die:

daʒ wir stechen mit dem gast,
und bindent uns ind sättel vast. ring 3d, 21;

jetzt so ich int eh kommen bin.
H. Sachs 1, 475b.


6) dagegen ist für im bloszes in gesetzt: ich komme nach Leipzig, an einen ort, wo man die ganze welt in kleinen sehen kan. Lessing 12, 5 (von 1749); ich kam in diesen übungen so weit, dasz mich diejenigen selbst, die mir in voraus alle geschicklichkeit darinnen absprechen wollten, einigermaszen bewunderten. ebenda;

hett ich in leben gts geübt,
jetz rwet ich ewig unbetrübt.
Schwarzenberg 114b.


B. Verwendung.
Die praeposition in, die das innere einer sache anzeigt, während an auf die oberfläche geht (1, 284), nimmt den dativ zu sich, wenn sie auf verhältnisse der ruhe und des weilens sich bezieht, den accusativ bei bewegung und streben. ursprünglich wie jede praeposition nur local, wird sie in zweiter linie auch temporal und in abstracten fügungen verwendet. die verbindung von in mit dem genitiv, wie sie im gothischen statt hat (gramm. 4, 798), kehrt in andern deutschen dialecten nicht wieder. unser indes, indessen, das ebenso wie inmittels, inmittelst auf den ersten blick in mit einem genitiv zu enthalten scheint, ist thatsächlich innen, inne mit einem solchen, ahd. innandes, innedes und gekürzt auch schon indes; ebenso ist die verbindung in willens aus innen oder auch inner des willens hervorgegangen (s. innen und inner): o! die hat noch viel vor ihrem tode in willens. Lessing 2, 392.
I. in mit dem dativ.
1) local.
a) das innere eines umschlossenen raumes bezeichnend: das wasser im kruge, der wein in der flasche, im fasse; der todte im sarge, im grabe; im zimmer, in der stube, im hause; die fische im meere; im flusse baden; so man tanzt in kirchen, in kirchhöfen oder in andern gewîchten steten. altd. blätter 1, 62 (15. jh.); nit in der kirchen, sonder in der tabern hinder dem spilbret und gtten wein sitzen. Keisersberg has im pf. Aa 5b; und läg ain ganz jar oder meer in des papsts oder künigs hoffe. Aa 8a; so soltu .. den widwen geben, das sie essen in deinem thor und sat werden. 5 Mos. 26, 12; damit gieng er im kloster im creuzgang und garten herumb. Garg. 164b; die gute tröpfin muste den jämmerlichen Schmalhansen (den mangel) in ihrem quartier beherbergen. Simpl. 3, 50 Kurz; schon manche thräne hab ich dem abgeschiedenen in dem verfallenen cabinetchen geweint. Göthe 16, 7; man möchte zum maikäfer werden, um in dem meer von wohlgerüchen herum schweben ... zu können. ebenda; ich musz ihnen schreiben, liebe Lotte, hier in der stube einer geringen baurenherberge, in die ich mich vor einem schweren wetter geflüchtet habe. so lange ich in dem traurigen neste D., unter dem fremden, meinem herzen ganz fremden volke, herumziehe, habe ich keinen augenblick gehabt, .. ihnen zu schreiben; und jetzt in dieser hütte, in dieser einsamkeit, in dieser einschränkung, da schnee und schloszen wider mein fensterchen wüthen, hier waren sie mein erster gedanke. 98; nach tische gehn wir in dem groszen saal auf und ab. 103; in welcher gruft des gebirges soll ich euch finden! 169; hier in Jena. Schiller an Göthe 1, 1;

aus eines bischofs schatz verlor sich ein smaragd,
in dem ein helles grün mit reinen farben spielte.
Hagedorn 2, 43;

in der stadt, ach! ich hab es
dem junker geglaubt.
Göthe 1, 32;

[Bd. 10, Sp. 2084]



von allen seiten hundert quellen
vereinen sich, im reinlich hellen,
zum bade flach vertieften raum. 41, 125;

seis in der see, im feur, erd, oder luft. Shakesp. Hamlet 1, 1;

in der einzäunung, in den mauern, in den schranken, letzteres häufig bildlich: in den schranken einer selbstzufriedenen mittelmäszigkeit; seine zudringlichkeit werden sie sehr in schranken halten müssen. Göthe an Schiller 1, 64;

in diesen mauern, diesen hallen
will es mir keineswegs gefallen. werke 12, 94;

im hofe; auch von einem fürstlichen, wo wir heute an gebrauchen: nebenst andern bedienten enthielt sich auch in seinem hofe Eginhard. Hoffmannswaldau heldenbr. 1; ähnlich in einer lehranstalt wirken (neben an), wo auch das locale hervorgehoben wird: professoren in beiden gymnasien. Gottsched neuestes aus d. anm. gelehrsamkeit (1753) 272.
Von einer solchen localen bedeutung geht auch die verbindung im stillen aus, die etwas verblaszt ist, ursprünglich ist an einen heimlichen winkel gedacht:

es schickt sich wohl,
dasz noch ein andrer zeug' als eine mutter,
die von natur parteiisch, ihr gespräch
im stillen anhört. Shakesp. Hamlet 3, 3;

ob er vielleicht im stillen geweint, man weisz es nicht.
Uhland ged. 369.


b) namentlich auch in bezug auf fest und eng umhüllendes, einzwängendes: der baum wurzelt in der erde; als lang sie (die schreibfeder) in der gans, ist sie weich und schwach, wann sie aus der gans, wird sie hart und stark. gepfl. finken 275; von kleidern: da stunden bei inen zween männer in weiszen kleidern. apostelgesch. 1, 10; angethan in weiszen kleidern. Schuppius 99; Arindal mein sohn stieg vom hügel herab, rauh in der beute der jagd (in thierfellen). Göthe 16, 174; vom einhüllenden laube:

in allen wipfeln
spürest du
kaum einen hauch. 1, 109;

von wolken, nebeln: zu wandern über die heide, umsaust vom sturmwinde, der in dampfenden nebeln die geister der väter, im dämmernden lichte des mondes hinführt. 16, 125; aus den wolken, in denen seine leidenschaft sie emportrug. 18, 45; von der luft, die uns umgibt:

dünkt mir gleich, in frischer luft
hätt ich manches noch zu schaffen.
Uhland ged. 34;

kein blättchen rauscht im winde. 26;

von sonst einzwängenden: in fesseln liegen; sich in einer schlinge fangen; in enger haft befindlich; der arzt reckt (reicht) in (den narren) in der zangen. H. Sachs 1, 467d; als ein ochs, der von gewonheit in einem wagen züch (in die deichsel eingespannt). Keisersberg baum d. sel. 8b;

leicht hast du den arm gebunden,
seit der geist mir liegt in haft.
Uhland ged. 286;

im fenster sitzen die glasscheiben; einer liegt den ganzen tag im fenster, sieht zum fenster hinaus; sprichwörtlich: in keiner guten haut stecken; er ist ein schalk in seiner haut; hyperbolisch das volk in waffen, gewissermaszen in waffen gehüllt, dem in rüstung nachgebildet;

doch rittern auch in waffen
mit ehren bot er schach.
Freiligrath glaubensbekenntnis 110.


c) in bezug auf das menschliche innere: könntest (du) dem papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt. Göthe 16, 8; auch bin ich auf acht tage gestärkt, und in mir selbst einig geworden. 102; diese entsetzliche lücke, die ich hier in meinem busen fühle. 127; welches unbestimmte streben wirkt in uns! 200; alles was an und in mir ist, werde ich mit freuden mittheilen. an Schiller 1, 9. so hat nu Abraham, so viel in im war, erbeit und mühe nicht gesparet. Luther 4, 132b; ich bin ihnen nahe, mit allem, was in mir lebt und denkt. Schiller an Göthe 1, 21; er hat gute gedanken im kopfe;

secht, das mocht in mir nit beleiben (ich muste es aussprechen).
Pichler drama in Tirol 167 (15. jh.);

kein ehr ist in meinem weib.
H. Sachs 1, 480d;

sei doch nicht ein kastenhüter,
in sich hat man beszre güter.
Lohenstein teutsche ged. (Lübeck 1700) 2, 443;

was über allen schein trag ich in mir. Shakesp. Hamlet 1, 2;

[Bd. 10, Sp. 2085]


man sucht gedanken, pläne, gefühle nicht in einem, wenn seine äuszere erscheinung nicht den entsprechenden eindruck macht: ich hätt es nicht in ihm gedacht. Schlampampe leb. 70; selten ist in sich sein der gegensatz von DWB auszer sich sein th. 1, 1031: G. hast du viel poetisches gefühl? begeisterung? feuer und phantasie? schweifende, glühende träume? L. nein! ich bin immer in mir. Klinger theater 2, 177. — Rein körperlich: luft in der lunge, blut im herzen, mark in den knochen, speise im magen, im munde haben; schwäche in den füszen spüren;

so ist doch das ein edel gesang,
er käut es hin und her im wang,
sie singen noten klafter lang. Garg. 98a.


d) ähnlich von gliedmaszen, die etwas umschlieszen, körpertheilen, die enger umgränzt sind: (der erzbischof) salbet jn (den kaiser) an der brust, haupt, zwischen den schultern und in den flachen händen. Becherer newe thür. chron. (1601) 464; das liebenswürdigste geschöpf in den armen zu haben. Göthe 16, 32; ritt mit thränen in den augen davon. 162; fräulein, soll ich in eurem schoosze liegen? Shakesp. Hamlet 3, 2; verkehret die augen im kopfe. A. Gryphius 1698 1, 748; die musik klingt mir noch in den ohren; er hat eine schmarre im gesicht;

hand in hand! und lipp auf lippe.
Göthe 1, 61;

in liebesarmen ruht ihr trunken.
Uhland ged. 27;

bei der redensart sich im kopfe kratzen steht kopf für schopf, kopfhaar (vgl. theil 5, 1767): hierauf verstummt er und kratzt sich im kopf. A. Gryphius 1698 1, 732.
e) bei im buche stehen, lesen, waltet ebenfalls die vorstellung der vom deckel eingeschlossenen blätter, früher hiesz es auch DWB am buche lesen (vgl. gramm. 4, 773): wie denn geschrieben stehet in dem buch der propheten. ap. gesch. 7, 42; Terentius der so gar sauber sein sol, ist im eunucho nit so gar lauter. Garg. 7; was liset man mehr in guten büchern als von der gebrächligkeit und sterblichkeit der mänschen. Philander (1650) 1, 449; ich habe unter andern drei vornehme grosze freund, .. welche nicht allein hiebevor auf universitäten wol studirt haben, sondern auch noch heutiges tages in dem groszen weltbuch lernen. Schuppius 9; hätte er nur Lucans Pharsalia gelesen, .. so würde er sehr vieles in solcher auszusetzen ursache gehabt haben. Gottsched neuest. aus d. anm. gelehrs. (1753) 272; dasz kein beitrag durch mehr als drei stücke (einer zeitschrift) fortgesetzt werde, und in keinem einzelnen stück mehr als sechzig seiten einnehme. Schiller an Göthe 1, 4; ähnlich im briefe: ich habe deinen vater in einem zettelchen gebeten, meine leiche zu schützen. Göthe 16, 189; es steht in der rechnung, im contracte;

frei wählten wir des reiches schutz und schirm;
so stehts bemerkt in kaiser Friedrichs brief.
Schiller Tell 2, 2.

metonymisch ist der schriftsteller statt des werkes genannt: darumb ist dis der fürnemsten und tröstlichsten sprüche einer in s. Paulo. Luther 7, 22b; ich brauche wiegengesang, und den habe ich in seiner fülle gefunden in meinem Homer. Göthe 16, 10.
f) in bezieht sich statt auf einen eingeschlossenen raum auf eine ausgebreitete, begränzte fläche, über deren rand man eingedrungen ist. so bei bezeichnung von ländern und länderstrecken: in Deutschland, in Frankreich, in der Schweiz; dieses dorf liegt schon im Elsasz, dieses noch in Baden; in der Eifel oder in (in den) freien bergen. Fischart bienk. 115a; von den cedern in Libanon. Schuppius 654; die insel Atlantidem mit einer wolangestelten schul zieren, welche .. ein vorbild anderer schulen in den nechsten insulen aufzurichten sein möge. 726; baron Seiller, .. welches der director von allen theatern im Oestreichschen ist. Lessing 12, 9; mhd.

dô wuohs in Niderlandeneins rîchen küneges kint. Nib. 20, 1;

im titel eines fürsten, wo jetzt von gewöhnlich ist: als dan gewonheit ist der küning inn Frankreich. Keisersberg sünden des munds 46a (vorher von Frankreich ebenda); dieser war vom könige in Frankreich an den grosz-fürsten geschickt. pers. reisebeschr. 1, 17; dem hoch- und wolgebornen grafen und herrn, herrn Christian, grafen zu Ranzau, herrn auf Breitenburg, ... stadthaltern in den fürstenthümen Schleszwig, Holstein. Schuppius 1; alle könige in Juda und Israel. 7; Rudolf könig in Burgundien. Hoffmannswaldau heldenbr. 37; des königs in Frankreich kabinet. Winkelmann 1, 278.
g) ähnlich heiszt es im lande, im bezirke, in der gegend, im felde, im freien, wie in der natur, in der welt; bei der

[Bd. 10, Sp. 2086]


bezeichnung von himmelsgegenden im süden, im norden, das land liegt im westen, im osten grenzt das meer an;

woher der freund so früh und schnelle,
da kaum der tag im osten graut?
Göthe 1, 210;

(der maler soll sich befleiszigen) in der natur selbsten zu studiren. Sandrart teutsche acad. (1679) ii, 3, 17b; die einsamkeit ist meinem herzen köstlicher balsam in dieser paradiesischen gegend. Göthe 16, 6; Albert war zu einem beamten in der nachbarschaft geritten. 163; die in einander geketteten hügel und vertraulichen thäler! o könnte ich mich in ihnen verlieren! 39. bildlich: im offenen, hellen und zugänglichen feld der untersuchung erbaut die philosophie ihr system. Schiller an Göthe 1, 25; in der nähe; in der ferne; dein befehl wird mich allezeit in der nähe finden. Wieland 16, 223;

(eine jungfrau) die durch des eignen vaters schwert
geopfert in der wüsten heide.
A. Gryphius 1698 1, 60;

und kurz, so gibts kein pflaster in der welt.
Wieland n. Amadis 1771 2, 193;

seht, ich bin weit in der welt rum kommen.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;

in kaisers landen, unter kaisers schutz. Wallenst. tod 3, 4;

nach mittage saszen wir
junges volk im kühlen.
Göthe 1, 15;

ich ging im walde
so für mich hin. 27;

im schatten sah ich
ein blümchen stehn. ebenda;

im felde schleich ich still und wild. 110;

wandle zwischen freud und schmerz
in der einsamkeit. 111;

in der mitte des feldes; in einer ecke; auf dem kirchhofe sind zwei lindenbäume, hinten in der ecke nach dem felde zu; dort wünsche ich zu ruhen. Göthe 16, 189; die Orbe flieszt in der mitte (des thals) durch. 228; man geht, reitet im kreise, im ringe (der rand des kreises, ringes wird zur auszenseite des sich bewegenden gedacht); man steht in der höhe; ehre sei gott in der höhe, und friede auf erden. Luc. 2, 14; er wohnte in einer höhe über der .. stadt. Göthe 48, 109, wo diese fügung gegen das gewöhnlichere auf der höhe die gröszere erstreckung derselben hervorhebt;

wann in thal und höhen
blütenbäume wehen.
Voss 4, 165;

früher auch in der höhe vom gipfel eines berges: in einem haufen sein sie in der höhe eines bühels gestanden. Schuppius 692; und dörfte stehen in dem höchsten gipfel Meliboci. 693; bildlich:

auf dieser (bahn) ist es ihm gelungen,
dasz er zu solcher höh, in der er steht, gedrungen. oden der deutschen gesellsch. in Leipzig (1738) 192;

im wege steht ein wagen; freier er steht, ist mir im wege, hindert mich daher am vorwärtskommen;

reiten wir indesz
in diesem pfade fort.
Wieland 18, 52;

im strande statt am strande, mit hervorhebung der ausdehnung desselben:

(als er) eben da in dieses stromes strande
all voller staub und schweisz, sich ohngefehr befande.
D. v. d. Werder Ariost 1, 14, 1;

ferner von andern flächen: sich im spiegel sehen; im schilde führen, ein wappen, wie mhd.:

er fuorte in sîme schilte
durch hôher werdekeite schîn
fünfzehen liljen güldîn.
K. v. Würzburg turnei v. Nantheiz 534;

dann übertragen etwas im schilde führen, vgl. unter schild; in verbindungen wo heute die praep. auf gesetzt wird: wie die rinder und schafe in der weide gehen. Schuppius 102; also dasz keine klage von schaden oder verlust in euren angern und schaafställen gehöret werde. 275; man sagt, dasz einsmals ein junger student in der land-charten, darinn ganz Europa repraesentirt wird, hab angesehen die ost- und westsee. 133; die in einer tafel abgemahlte heimliche kriegsränke. 537; dasz zu Leyden .. in einem stein gelesen werde .. 559;

ein kluger maler in Athen ..
liesz einen kenner einst den Mars im bilde sehn,
und bat sich seine meinung aus.
der kenner sagt ihm frei heraus,
dasz ihm das bild nicht ganz gefallen wollte.
Gellert 1, 121;

übertragen noch heute etwas im bilde zeigen, vgl. unten unter no. 3; von einzelnen theilen der schilderung:

[Bd. 10, Sp. 2087]


wie viele kunst, wie viele pracht,
ist in dem helm, und in dem schilde,
und in der rüstung angebracht!
Gellert ebenda;

endlich in zunächst beim bretspiel, das eine fläche darbietet:

dâ vunden si besundermaneger hande spil:
in dem brete zabelen,schermen under schilden. Gudr. 353, 3;

der Vejenter könig, als er mit einem andern im brete spielete. Wesenigk spielsieben (1702) 64; und spieleten gleichwohl immer im brete fort. 70; dieser spielete sehr gerne im schacht (schach) und auf der karten. 73;

ein affe sah ein paar geschickte knaben
im bret einmal die dame ziehn.
Gellert 1, 148;

aber auch beim kartenspiel, wofür heute mit der karte, oder blosz karte spielen:

der fünft der spilt gern in karten. fastn. sp. 730, 23;

daher es ist etwas im spiele, ursprünglich wol als einsatz im spielbrette, das erst nach dem ende des spiels zur lösung kommt, ähnlich ist es steht auf dem spiele, wo deutlich an den einsatz der aufs brett gethan wird, gedacht ist; die redensart ist ganz verblaszt, so dasz nur das augenblicklich verborgene, ungewisse noch durch sie betont wird: dasz sie die absicht haben, die vermuthung bei dem leser zu erwecken, dasz etwas wirklich vorgefallenes im spiele sei. Schiller an Göthe 1, 31.
h) in bezieht sich auf die gemeinschaft innerhalb einer bevölkerung, einer gesellschaft, wofür heute bei oder unter gebraucht wird; schon ahd., entsprechend dem gebrauch oben f, in Walhun, in Vrankôn bei, unter den Wälschen, Franken (vgl. gramm. 3, 420); mhd. in Swâben, in Vranken, in Burgonden, was nachher als landesbezeichnung gefühlt wurde, wie heutzutage auch noch;

er hôrte sagen mære,wie ein schœniu meit
wære in Burgonden. Nibel. 45, 3;

nhd. solche strafe sehen wir heutigs tags in den Jüden, das sie nicht weichen von irem sinn. Luther 3, 308a; Young sagt von der sonne, es wäre sünde in den heiden gewesen, sie nicht anzubeten. Lessing 7, 163;

so meld ich deszhalb mit der kürz,
das dort inn Griechen z Athen
natürlich weiszheit was vorgeen.
Schwarzenberg 156d;

(dasz ihr mögt) daheimen wie bisher in den eurigen bei dem wort bleiben (unter euren angehörigen). Luther br. 5, 613; den dritten heirath (verheiratung zum dritten male) tadlen sie bede in mann und frawen als eins unkeüschen herzens anzeigung. Frank weltb. 57b; die (mohren) sprangen vor forcht ausz den schiffen ins mör .. also namen wir die schiff und was noch darinn was, es ersuffen auch etlich personen in den auszschwimmenden. 218b; disz (sprichwort) brauchet man allermeist in der ehe, und in den personen, so zur ehe greifen. Agr. spr. 5b; in einem fruchtbaren und mit kindern angefülten hausz ist biszweilen zu sehen, dasz einer oder der ander ausz den älteren höher geschätzt wird, und ausz den jüngeren lieber ist, aber in mitlen vielleicht etliche vergessen werden. Schuppius 733; dasz viel arme .. nicht in derjenigen zahl sein, die Christus selig spricht. 749; der unterste theil nächst uber der scham, auf welchem die haar herfür wachsen, wird beides in den mann- und weibspersonen pecten genannt. Porta menschl. physiognomy (1601) 351; die weiber, deren gemächte inwendig weit sind, können des beischlafs nicht satt werden und sind in solchem nicht zu erfüllen, wie man denn in etlichen alten vetteln täglich sihet. 353; du hast doch ohne mein vorwissen so glücklich in freunden gewählet, dasz ich darüber entzückt bin. Cronegk 1, 49, jetzt, statt solcher verbindungen, unter anlehnung an oben g, heiszt es etwa im kreise von freunden, bekannten, für unter freunden, bekannten; welche eine wonne das für meine seele ist, sie in dem kreise der lieben muntern kinder, ihrer acht geschwister zu sehen! Göthe 16, 25;

im kreise froher kluger zecher
wird jeder wein zum göttertrank.


i) in bei maszbestimmungen, von der vorstellung der ausbreitung innerhalb einer fläche ausgehend: das tuch miszt zwei ellen in der breite; das haus hat achtzig fusz in der höhe; es ist in den zwanzig tausenden, was er schuldig ist; ein mann noch in den dreiszigen; diese suite der Courage, die mit mir in 13 pferden und eitel männern und weibern, aber in keinen kindern bestunde. Simpl. 3, 173 Kurz; mit ordinalzahlen, wo diese vorstellung sich verengt: er ist in der (gehört zur) fünften classe; im dritten grade; im seemännischen stile: ein leuchtthurm in 17° 55' 45'' breite. Weserzeitung.

[Bd. 10, Sp. 2088]



2) temporal.
a) für die zeitbestimmung einer handlung, die zu irgend einem momente zwischen anfang und ende eines tages eintritt, sagte man früher in dem tage, jetzt an dem tage:

er het genomen ze sîner klage
im (sich) eine zît in dem tage,
die er niemmer versaʒ.
Hartmann Greg. 2130;

daʒ in diu ougen ûʒ gefüeren
und sich doch einest stieʒen in dem tage.
Walther 61, 31;

in dem tage des heiligen vaters sente Franciscus, do gingen yn die vrowen sente Claren zu Wissenfels in das closter. Clarenchronik von Weiszenfels, neue mittheil. des dür.-sächs. alterthumsvereins 11, 391; etliche studenten .. seien in mitter nacht zu einem pennal in seine stuben kommen, und haben vermeint, sie wollen etwas zu trinken darin finden. allein der pennal hab zu ihnen gesagt: ihr liebe herrn was sucht ihr in meiner stuben in der nacht? ich kan im tage nichts drin finden. Schuppius 372; also dasz er auch in seinem brauttage englische lacken auf die gasse spreitete, und darauf zur kirchen gieng. Micrälius alt. Pommern 3, 420;

der tag verjüngt sich stets; und jener eben auch,
in welchem Hazors pracht in einen feuchten rauch
verwandelt worden ist.
Scultetus bei
Lessing 8, 275;

ähnliche verbindungen dauern in der jetzigen sprache: in der nacht, in der stunde: in dieser nacht, ehe der hane krehet, wirstu mich drei mal verleugnen. Matth. 26, 34; der herr Jhesus, in der nacht da er verrhaten ward, nam er das brot. 1 Cor. 11, 23; wenn ich .. manchmal in der tiefen nacht .. auf einem krummgewachsenen baum mich setze. Göthe 16, 80; ich gehe an dem wasser hin in der mittagsstunde. 135;

in allen guten stunden. 1, 130;

dem himmel hab ich oft geklaget
in langen nächten bitterlich.
Uhland ged. 22;

im augenblicke, im moment:

und im moment,
wie er die pfort erkennt,
sprengt er hinein.
Wieland 18, 330;

im nehmlichen nu
springt aus der mauer am kamine
die schönste dame von gestern herzu. 236;

dafür umschreibungen:

wofern ich nicht
in eins, zwei, drei ..
ein liebchen hasche. 308;

sein thier, ein eselein
von feenart,
bracht ihn in ja und nein
an einen wald. 310;

vorzugsweise gern bei breiteren zeitbestimmungen, wo es auch durch 'während' ersetzt werden kann: und was auch der gröste turney, so er in vil jaren ye gewesen ist. d. städtechr. 1, 395, 1; von zweien eeleuten, die in xxx iaren nie uneins waren worden. Keisersberg sünden d. m. 47b; in minen alten tagen. bilg. 3b; darümb soltu dich in diner iugent z allem gten gewenen, so kanstu es in dinem alter. 9a; diese .. sind in frischer that unter dem aufrhürischen haufen funden. Luther 3, 318a; er hatte in dreien tagen und dreien nachten nichts gessen. 1 Sam. 30, 12; bistu allein unter den frembdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen tagen drinnen geschehen ist? Luc. 24, 18; z Frankfurt in der mesz kamen zwen rosszteuscher zsammen in einer herberg. Wickram rollw. 51, 20 Kurz: im nachtessen war die red des edelmans schier gar allein. 132, 8; dasz der h. papst mit aller seiner krämerei in kurzem das land het raumen müssen. Fischart bienk. 3b; bin nie ein gröszerer maler gewesen, als in diesen augenblicken. Göthe 16, 8; ich hab in meinem leben die dringende begierde und das heisze sehnliche verlangen nicht in dieser reinheit gesehen. 23; und diese frau muszte in der blüthe ihrer jahre dahin! 85; Albert, sagen sie, hatte sich in so kurzer zeit nicht verändert. 143; er fiel in den tagen der jugend. 172; ich habe über mich gewonnen, dich in einigen tagen nicht zu sehen. 18, 96; wollten sie mich nicht in dieser zeit besuchen? an Schiller 1, 13; um etwas vollendet zu haben, habe ich mir in diesen letzten tagen etwas zugemuthet. Schiller an Göthe 1, 40;

im maien,am reihen,
da freun, da freun
sich hüpfende knaben und mägdelein!
Voss 4, 156;

im sommer such ein liebchen dir ...
im winter musz der süsze bund
schon fest geschlossen sein.
Uhland ged. 30;

[Bd. 10, Sp. 2089]


in dem funfzehenden jar des keiserthums keisers Tyberij. Luc. 3, 1; im jahr 1876; dafür im kaufmännischen geschäftsstil auch blosz in 1876, wol fremdem sprachgebrauche nachgeahmt, franz. en 1876, ital. nel 1876, engl. in 1876: die russischholländische anleihe begann in 1816 .. die griechische anleihe wurde noch in 1853 ausgezahlt. Weserzeitung 1854 no. 3413; keyser Solymannus, welcher zugleich mit keiser Carl in einem jare geboren, auch in einem jare zum regiment kommen. Becherer newe thür. chron. (1601) 467. vgl. auch unten indem = während dessen.
b) formelhaft in der zeit, in zeiten, während es noch zeit ist: spare in der zeit, so hast du in der noth; die daher in zeiten mit dämmen und ableiten der künftig drohenden gefahr abzuwehren wissen. Göthe 16, 19;

drum, werther herr, berathet euch in zeiten. 12, 161.


c) in weist auf abschlusz und vollendung eines angegebenen künftigen zeitraums: kommen sie in einer stunde wieder, wenn eine stunde vorbei ist; in einem jahre, vielleicht schon in einem monat wird es mir besser gehen; können sie mir das buch in einem tage wieder bringen?; ich hoffe es (das fieber) auch in kurzem, mit gottes hülfe los zu sein. Lessing 12, 12;

(gott) hilf mir in ainer kurz dahin
zu der ich bin ganz aigen. Hätzlerin 46a;

selten eines vergangenen, wo wir jetzt vor brauchen: in zweien tagen hat man hie ein Spanier geköpft, darumb, das er den abend zuvor ein andern Spanier erstochen hat. Spalatin bei Luther 5, 36b; mhd.

dô sî beidiu swigen, dô sprach diu magt:
her Iwein, wie sît ir sô verzagt?
lebt ir ode habt ir munt?
ir sprâchet doch in kurzer stunt:
wenne wurdent ir ein stumbe? Iwein 2258.


d) die formel im voraus (sehen, setzen, geben u. ähnl.) deutet auf eine zeit, die bis zum eintritt eines vorgesehenen ereignisses verlaufen wird, der substantive gebrauch des adverbs ist erst der neuern sprache eigen: ich sehe es im voraus was dieses alles vor wirkungen haben wird. Lessing 12, 22 (von 1753);

ich .. lade dich auch schon im voraus ein,
mir in dem schlimmsten falle zu vertraun.
Göthe 9, 215;

ablasz ist uns ertheilt für alle schulden
die wir begiengen, ablasz im voraus
für alle, die wir noch begehen werden.
Schiller Maria Stuart 3, 6;

alle frevel sind
vergeben im voraus. ebenda.


e) in, während, bei, zu einem substantiv des handelns oder zustandes (wo es zum theil an die bedeutung unten 3 anrührt): in der ergetzlichkeit der waidmanschaft. kaiser Max geh. jagdbuch 24; bisz er die letsten inn der flucht ertappet. Garg. 254b; dasz er Jesum nie als inn der creuzigung gesehen hab. Ayrer proc. 2, 10; im rückzuge aus Persien. Fleming 191; darauf wurde geantwortet: wir hätten ihro fürstl. durchl. in unsern abreisen noch in guter gesundheit gelassen. pers. reisebeschr. 1, 7; in unserm abzuge aus der stadt wolte unser wirth nichts für die mahlzeit fordern. 1, 16; es würde an einen philosophischen geschmack gewöhnen, der in lesung der alten sehr nützlich und nothwendig ist. Herder z. litt. 2, 55; nun soll ihm Rahel noch einen sohn schenken: sie stirbt aber in der geburt. Göthe 24, 221;

ir vatter ist in der raisz.
H. Sachs 1, 113d;

Heinz Dölp, mein vatter, der ist mir
ertruckt worden in eim thurnier. 470b;

das sie (die edelleute) bschützen witwen und waisen,
die armen bschirmen in den raisen. 470d;

in unsern augen, während wir es sahen: schlgen sy offentlich mit kolben z todt in unsern augen. Frank weltb. 230a; und als er zu lant sties, seine knechte und ehr von den schiffen abgestanden, lies er die schiff in irer aller angesicht hinweg gehen. Wilw. v. Schaumb. 112; in gegenwart eines, während er zugegen ist: was Albert zuletzt über die sache des gefangenen in gegenwart des amtmanns gesprochen. Göthe 16, 149.
3) in, in abstracter bedeutung, von der localen (no. 1) ausgehend.
a) es bezieht sich auf einen zustand, auf eine seelische oder körperliche verfassung, in der man befangen ist. die beispiele sind häufig und manigfach. in lust, in freude, in schmerz, in traurigkeit; im zustande der glückseligkeit; im verlangen nach ruhe; in seiner begeisterung für das schöne; maximen,

[Bd. 10, Sp. 2090]


die den bestimmungsgrund des willen in dem verlangen nach seiner glückseligkeit setzen. Kant 4, 233; es ist nicht in der menschlichen natur, zu jemand vertrauen zu fassen, den man nicht lieben kann. Wieland 15, 114 (106); es ist in der natur unsrer seele, sich nach dem was das beste ist zu sehnen. 16, 225 (197); ich bin so glücklich, mein bester, so ganz in dem gefühle von ruhigem dasein versunken. Göthe 16, 7; das wehen des allliebenden, der uns in ewiger wonne schwebend trägt und erhält. 8; ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine welt! wieder mehr in ahnung und dunkler begier, als in darstellung und lebendiger kraft. 14; wer aber in seiner demuth erkennt wo das alles hinaus läuft. 15; es sprechen keine worte die zartheit aus, die in seinem ganzen wesen und ausdruck war. 23; ich werde sie sehen! und da habe ich für den ganzen tag keinen wunsch weiter. alles, alles verschlingt sich in dieser aussicht. 56; wie sie, in der sorge für ihre wirthschaft, und in dem ernste, eine wahre mutter geworden. 63; einer, der in der wuth der beleidigung es mit sechsen aufnimmt. 68; mit einer stillen traurigkeit, in der ich ein wenig scheues wesen zu bemerken schien. 118; wie er mit sich in ewigem unfrieden lebte. 144; der fürst hält mich so gut er nur kann, und doch bin ich nicht in meiner lage. 113; in dem ewigen einerlei eines traurigen umgangs mit dem liebenswürdigen und geliebten geschöpfe. 151; ich bin in einem zustande, in dem jene unglücklichen gewesen sein müssen ... 151; ich habe mit zittern deinen zettel aufgemacht, in freude, dasz du mir wieder nahe bist. an frau v. Stein 1, 50; er ergriff in mitfühlender begeisterung ihre hand. J. Paul mumien 3, 21; gesteht es, Antonio! ihr seid in liebe! E. T. A. Hoffmann 4, 39; über einige stellen bin ich im zweifel. Schiller an Göthe 1, 26; dasz der leser .. nicht im stande ist, die nothwendigen beziehungen des gesagten auf das ganze gehörig zu beurtheilen. 29; er ist mit sich im reinen;

wesz Job inn groszer duldt erlidt,
desz seit eryndert auch hymit.
Schwarzenberg 156c;

mit künsten und in guter sitt
thues (sie, die kinder) der armuth entheben.
Schuppius 731;

was soll ich in der klag hie stehn?
ich will mich gehn selbst bringen umb,
dasz ich nur aus dem herzleid kumm.
J. Ayrer 181b (902, 9 Keller);

und wie ein mann, dem zwei geschäft obliegen,
steh ich in zweifel, was ich erst soll thun. Shakesp. Hamlet 3, 3;

men sol latiche mit essiche in nhtern essen unde wasser in nhtern trinken. Haupts zeitschr. 6, 358 (14. jahrh.);

ihr töchter auch noch unversagt,
noch blosz in gülden haaren (im stande der jungfräulichkeit).
Spee trutzn. 143;

im leben (verschieden von der temporalen verwendung 2, a oben), im sterben, im tode: ein liebenswürdiges geschöpf, das sehr viel natur mitten in dem steifen leben erhalten hat. Göthe 16, 96;

weil (während) mein gmahel im leben war.
H. Sachs 1, 114a;

weiland er noch war im leben.
Rebhuhn in Tittmanns schausp. 1, 42, 25;

Jesus, meine zuversicht
und mein heiland, ist im leben. kirchenlied;

denn in des todes schatten find ich lust,
im leben zwiefach tod, da Gloster hin. Shakesp. Heinrich VI, 2, 3, 2;

erhalten sie uns ihr gütiges andenken, sie leben in dem unsrigen. Schiller an Göthe 1, 27.
b) namentlich mit verben des versunkenseins, betrachtens, freuens, trauerns: nur einer in den untern stühlen war so in seinem gebetbuch, dasz er weder sie noch die andern zu bemerken schien. Felder reich u. arm 304; er ist in andacht, in schmerz versunken; biblisch ist sich in gott, im herrn freuen: aber der könig frewet sich in gott (εὐφρανθήσεται ἐπὶ τῷ θεῷ septuag.). ps. 63, 12; die da frölich sind in meiner herrligkeit. Jes. 13, 3; schon mhd. eingebürgert (in gote frô. Ludwigs kreuzfahrt 4078), noch mehr im nhd.: das ich ein wolgefallen hab in dem gecrützigten Jesu Christo. Keisersberg bilg. 10d; wie er (Christus) sei gewest betrübt bisz in den todt, auf dasz wir in gott erfreuet würden. Schuppius 64; nach verrichtetem gottesdienst hat ein freund den andern zu gast gebeten, und sind in dem herrn frölich gewesen. 67; trachte .. nach fried und freud im h. geist. 207; dann mochten sie von dem in

[Bd. 10, Sp. 2091]


seinem gotte vergnügten alles begehren. Holtei Chr. Lammfell 1, 5;

dasz er (frolockend jez in dir)
auch dir, o höchster, nach gebühr
mit lob und dank begögnet.
Weckherlin 82;

uff dʒ er (der weltlich gesinnte) ietz entpfindt in im die bitterkeit der strof, darumb das er sich hatt unordentlich belustiget in der creatur. Keisersberg bilg. 5c.
c) formelhaft in erwägung, in betracht, in ansehung u. ähnl., wo die fügung ebenso das dauernde weilen in der entsprechenden handlung betonen will: inn erwegung, dasz .. Fischart bienk. 31a; also dasz keiner ausz uns gewesen ist, welcher in ansehung so hohen und erbärmlichen pietet (indem er solche sah) nicht auch geweint habe. Schuppius 735; die knaben giengen so majestättisch, dasz in betrachtung derselben ich anfangs nit gehört hab, was sie gesungen. 772; in rücksicht auf den plan und das interesse des journals. Schiller an Göthe 1, 4; in rücksicht auf die zukunft. 60.
d) im namen, im auftrag jemandes: teufet sie, im namen des vaters, und des sons, und des heiligen geists. Matth. 28, 19; er soll es in seinem, oder in eines andern namen machen. Lessing 2, 396; eins der exemplare habe ich in ihrem namen dem herzog überreicht. Göthe an Schiller 1, 45; in gottes namen wieder auf den weg machen. Holtei Lammfell 1, 5; und nun wollen wir in drei teufels — in aller heiligen namen wollt ich sagen, — nach Breslau ziehen. 8;

in gottes namen faren wir.
Uhland volksl. 796;

christliche herren, .. die in kraft des geistes gottes ausz der propheten und aposteln schriften erkanten, dasz die grosze Babylon .. auf erden trunken war. Schuppius 842.
e) in der person jemandes: ich habe den herrn von Schlag in deiner person schon bei ihr angemeldet. Lessing 2, 407; er kommt in eigner person, oder kürzer in person; er ist in person bekannt, d. h. er in der äuszern erscheinung, in der sein ich entgegentritt; in person bekant. Neumark palmb. 51;

und sollte morgen mich der alte Pantalon
verhindern, ihnen in person
auf ihrem zimmer aufzuwarten.
Wieland 21, 260;

läszt durch den ersten glockenschlag
nicht in person sich laden.
Göthe 1, 225;

ein verleger hat sich bereits in dem buchhändler Cotta von Tübingen gefunden. Schiller an Göthe 1, 3, eine abgeblaszte, ursprünglich recht sinnlich gedachte verbindung, das verleger sein als eine in einem menschen verborgene, einen theil von ihm bildende eigenschaft; ähnlich sagen wir: in dem menschen steckt ein talent; in dem menschen habe ich viele gute eigenschaften entdeckt;

mir ward in Phyllis mehr geboren
als alles, was dein tand verspricht.
Hagedorn 3, 119;

wenn junge wittwen traurig scheinen
und in dem mann sich selbst beweinen,
so ist es unverstellt. 21;

die brüder im herrn, deren gemeinschaftliche eigenschaften sich in den eigenschaften des herrn zusammenfinden;

er führt als bruder im Apoll
sich selber bei mir ein.
ich wills in jedem gotte wohl,
nur nicht in diesem sein.
Bürger 93a.


f) häufig ist in mit sachbegriffen, die auf diese weise als umfassend, einschlieszend, in sich begreifend gedacht werden. so allgemein: er weisz in allem bescheid, ist in allem meister; in vielem irrt er; er hat sich selbs vor ougen in allen dingen. Keisersb. bilg. 11a; (freunde) die in gtem eins sind. sünden d. munds 47b; er ist auch im kleinen treu; man musz mich wenig kennen, wenn man glaubt, dasz meine empfindung (plur.) im geringsten damit harmoniren. Lessing 12, 11; ob es mich gleich gar nicht reuet, dasz ich ihm nicht in allem gefolgt bin. 19; siehe, was du nun diesem hause bist! alles in allem. Göthe 16, 128; so lange es eine vernunft giebt, hat man sie stillschweigend anerkannt, und im ganzen darnach gehandelt. Schiller an Göthe 1, 25; im allgemeinen ist das richtig, im besondern nicht;

ein freies weib von zwanzig jahren
ist zwar in vielen unerfahren.
Hagedorn 3, 19;

etwas in sich betrachten, erwägen, innerhalb dessen, was ihm wesentlich ist: wenn es schon wahr ist, dasz moralische handlungen .. in sich betrachtet, immer die nehmlichen bleiben. Lessing 10, 194; diese anzahl nun steht derjenigen zu gebot,

[Bd. 10, Sp. 2092]


die alle vortheile in sich vereinigt. Schiller an Göthe 1, 3; alles hält sich darin so einfach und schön in sich selbst zusammen. 36; gott der da ist einfältig im wesen, und dreifaltig in personen. Schuppius 374; das aufmerken eines jeden in denjenigen sachen welche schaden und deren so helfen, ist die beste medicin die gesundheit zu erhalten. 768; der niedere begriff ist nicht in dem höheren enthalten .. aber er ist unter demselben enthalten. Kant 1, 428; nach so vielen verunglückten versuchen in dieser art. Schiller an Göthe 1, 2; danach streben sie, und in wie hohem grade haben sie es schon erreicht. 11; im grund ist dies das höchste, was der mensch aus sich machen kann. ebenda.
g) ähnlich bei künsten, fertigkeiten, beschäftigungen (die ja als feld oder auch als fach gelten), innerhalb deren etwas gethan wird, in der manichfachsten weise: die maister in der nâtûr haiʒent sölich wundrær experimentatores. Megenberg 196, 1; Hiram von Tyro .. der war ein meister im erz. 1 kön. 7, 14; da sagten die reiter dem doctor, wie das ein doctor in der arzny wer kommen. Ulensp. 15 s. 19 Lappenb., vgl. das franz. docteur en médecine, bachelier ès (= en les) lettres, früher auch maître ès arts; so lange der vornehme theologus oder der lehrer in den gesichten gottes, der Sacharia lebte. Schuppius 37; wann ihr die jugend im catechismo informiret. 76; der cammerschreiber war in finanzereien also abgerichtet. 106; wie grosze herrn wol hausz gehalten und auch ihre nachkommen in guter hauszhaltung (im gebiete derselben) ermahnet haben. 27; ist die causa belli legitima, so ist ein soldat nichts anders, als executor justitiae, gehet in seinem beruf. 360; in musik, in der mahlerkunst unterricht ertheilen; eine autorität in der geschichte, in der handschriftenkunde; nichts mehr betrigt, als des menschen urtheil in seinem eigenem werk. Sandrart academie (1679) 2, 3, 17b;

er nennt sich einen händler in juwelen
und führt die schönsten auf dem erdenrunde.
Uhland ged. 450;

im horn plasen buccinare Dief. 83b; 1561 lernet ich im schwert fechten. Schm. 2, 261 Fromm.; sprichwörtlich: es ist gt mit im im langen spiesz fechten, er sihet nit so fern (ist kurzsichtig). kl. weise reden 99a; der schmid der in eisen arbeitet. Kant 5, 147; in bezug auf ein amt, eine anstellung (die sonst auch bekleidet wird): ein mann der in einem öffentlichen amte steht. Göthe 16, 18; er erzählte mir, dasz er bei einer wittwe in diensten sei. 22; er ist theilhaber im geschäft seines vaters; und darnach ähnlich: er ist, steht in meinem interesse, in abhängigkeit von mir; wir haben auch noch dieses in befehl. Schuppius 404;

der irrthum war Astarte zu verzeihn.
man muszt, um richtiger zu schlieszen,
nur in Kombabs geheimnisz sein.
Wieland 10, 277 (269),

in bezug auf allerlei thun und treiben: rannt in vollem ritt dem münch auf die brust. Garg. 254b; im stechen (wettschieszen) verlor ers nimmer. 181a; dasz ich .. in meinen eigenen geschäften eine zeitlang in Parisz gewesen. Simpl. 1, 377 Kurz;

da ist der sieg entschieden, der feind in wilder flucht.
Uhland ged. 368;

drumb hat man sich im freien (heiraten) wol vorzusehen. Schuppius 23; höret den advocaten in ihren vorzüglichen auszflüchten nicht zu. 24; soll er auch die zeit im essen (die essenszeit) nicht ändern. 104; wende die edle zeit .. in höhern, gröszern und nützlichern dingen an (als calendermachen). 578; haben .. ganze fabeln, oder schöne sentenz, so darausz gewachsen, in ihren reden geführt. wie zwar auch der sohn gottes und seine propheten und aposteln ihren mund gerne in schönen gleichnüssen aufthun. 831; fiengen sie an, mir in spanischen wein und Malvasier zuzutrinken. Simpl. 1, 128 Kurz; wir wollen uns nicht in gleichnissen herumbeiszen. Göthe 16, 62; auch setzte er hinzu, dasz er in einer solchen sache nichts thun könne. 148; er übersieht mich so weit in diesem fache. 211; er handelt, ist in seinem rechte; in bezug auf eine sprache: im deutschen, im lateinischen; in fremden sprachen sich ausdrücken, unterrichten können; dasz jene, gerade wie wir es in einer fremden sprache thun, sich mit schon gestempelten hergebrachten phrasen .. behelfen müssen. 215;

und neben ihm ein dicker band,
mit goldnen deckeln, zierlich getrieben,
in einer uralten sprache geschrieben.
Wieland 18, 274.


h) in, den zustand einer sache anzeigend: so meinte ich, an meinem leibe blieben sie (die kleider) besser in falten als

[Bd. 10, Sp. 2093]


drinne auf der tafel. Weise polit. redner (1684) 345; dasz noch alle jahr etwas im vorrath bleibe. Schuppius 27; es würde hinreichend sein, auch die kostbarste unternehmung im gange zu erhalten. Schiller an Göthe 1, 2; endlich habe ich die merkwürdige recension in manuscript gelesen. 46;

dort auf den rathhausfenstern, in farben bunt und klar,
stellt jeden ritters name und wappenschild sich dar.
Uhland ged. 366;

die materie einer sache anzeigend:

so hat man da, in silber und gold,
vil schöner gschirr.
Grob ausr. d. schützen, bei Haupt 3, 243.

bei bestimmung von zahlungen heiszt es in silber, in golde, in papier: zwen schilling in gold. Nürnb. poliz. ordn. 47; soll jeglich person einen schilling in goldt geben (als steuer). des h. röm. reichs ordn. (Worms 1539) 72b; der gedruckte bogen wird in golde bezahlt. Schiller an Göthe 1, 3; vermögen in baarem gelde, in grundstücken, in actien.
i) oder art und weise, welche bedeutung der letzt gegebenen (h) aufs engste verwandt ist: er stalt sich erberlich und geistlich auszwendig in dem schein. Keisersberg sünden d. m. 46d; die obgemelten silberin münz, die in laut obgemelter gesetzt (wie die obgemeldeten gesetze lauten) zu geben und zu nemen erlaubt ist. Nürnb. poliz. ordn. 148; er steht bei dem könig vortrefflich angeschrieben, der ihm auch in gnaden seinen abschied ertheilt hat. Lessing 2, 387;

er wirt in gnaden mich auf nemen.
H. Sachs 1, 118b;

hyn faren wir ietz in dinem segen.
Manuel fastn. sp. 389 Grüneisen;

warum der strom des genies so selten ausbricht, so selten in hohen fluthen herein braust. Göthe 16, 19; ich habe in meinem masze begreifen lernen, wie man alle auszerordentlichen menschen .. von jeher für trunkene und wahnsinnige ausschreien muszte. 67; seitdem jene leichtfertige schöne in ihren freundlichen bemühungen den verwundeten umgab. 19, 62; an einer reihe wagen, auf welchen verwundete in mancherlei traurigen verstümmelungen und gebärden sachte bei uns vorbeigefahren wurden. 24, 154; der abdruck der manuscripte wird sich nach der ordnung richten, in der sie eingesandt werden. Schiller an Göthe 1, 4; es müsse alles in der ordnung, in dem vorgeschriebenen gang gehen. Göthe 16, 148; dieser mann ist auch gütig, aber in seiner weise;

ein gaul, der schmuck von weiszen pferden, ..
und, wie ein mensch, stolz in geberden.
Gellert 1, 45;

Carlos. der meinige? Marquis. auf ewig
und in des worts verwegenster bedeutung.
Schiller Carlos 1, 9;

hierher auch: er ist in nichts von menschen seines schlages unterschieden; es (das haus) unterschied sich in der innern bauart von gewöhnlichen gebäuden in nichts. Göthe 16, 227.
k) in ist instrumental, im sinne von durch, mit: zwai stuck wildt in aim schusz geschossen. Max I geh. jagdb. 48; der grosz waidman hatt geschossen in hundert und vier schussen ainhundert antfogl. 50; ein landjunker berühmte sich einsmals in einer compagnie, wie er in einem schusz einen hirsch, rephun und einen groszen karpen geschossen hätte. gepfl. finken 279; unser vatterland der ewigen seligkeit, das wir verloren hetten in Adam und Eva. Keisersberg bilg. 7c; nicht allein in dem brot lebt der mensch (wol nach der vulg. non in solo pane). sünden d. m. 10d; kurzweilig und schimpfliche schwenk, .. in welchen sich niemants ergeren wirt. Wickram rollw. 6, 3 Kurz; er malt in wasserfarben, in ölfarben oder kürzer in öl; wie ich mich unter dem gespräche in den schwarzen augen weidete! Göthe 16, 30;

Christus spricht an einem ort:
der mensch lebt nit alein im brot,
sunder das wort gots ist im not.
Schade sat. 1, 24;

etwas im werke erweisen, durch das werk: hat es auch .. wahr gemacht und im werke erwiesen. Schuppius 112; thue ihm alles gutes und erweise in der that, dasz du freigebig .. seiest. 313;

und alles, was wir fragen,
das sagt in éinem sagen (einstimmig),
ihr sollt gebunden sein.
Fleming 438;

die in éinem schreien schrein:
freund, du sollst gebunden sein. 443;

oder causal: solch eine ergetzung schöpften sie in dieser schönheit. Zesen Assenat (1679) 19; ich komme jung von schulen, in der gewissen überzeugung, dasz mein ganzes

[Bd. 10, Sp. 2094]


glück in den büchern bestehe. Lessing 12, 4; (eine eintracht und zusammenstimmung) die in den harmonischen bewegungen des himmels, in der unveränderlichen folge der jahrszeiten, in der anordnung und ausschmückung der ganzen körperwelt, den anschauenden geist in bewundrung setzt. Wieland 16, 208. in dem = weil, da: er schalt in in dem als er sprach z im, du geweiszete wandt, da meint er, er stalt (stelle) sich erberlich und geistlich auszwendig in dem schein, aber inwendig wer er falsch und ungerecht, darumb flcht er im in dem da er sprach, gott msz dich schlagen. Keisersberg sünden des munds 46d. vgl. indem.
l) an die temporale verwendung erinnert in, wenn es den eintritt eines zustandes voraussetzen hilft oder bestimmt: im fall du kommst wenn du kommst; in welchem fall ich es unterlassen würde, ihm ein exemplar zu präsentieren. Schiller an Göthe 1, 44; vita verecunda est, musa jocosa mihi, so entschuldigte sich Martial in gleichen falle. Lessing 12, 11;

weisz dann nun weiter gott,
im fall er auch schon wil, zu finden eine noth,
mit der er strafen kan?
Opitz 1, 224;

bei vorausgesetzten krankheiten und übeln zufällen:

es (ein pflaster) kühlt den brand, es hilft im seitenstiche.
Wieland n. Amadis 1771 2, 193;

die priester sollen vätter sein,
bei ihren geistes-kinderlein,
in ihrem fall und schwachen gabn
ein freundliches mitleiden habn.
Philander 1650 1, 444 (aus der laut. warheit 259).


II. in mit dem accusativ.
1) local.
a) bewegung in das innere eines umschlossenen raumes anzeigend: wein ins glas, wasser in den krug schütten; ins haus, ins zimmer, in die kammer treten; in die stadt gehen; sich in das wasser, in den flusz stürzen; etwas in das wasser werfen; recht anschaulich von heftigem weinen: diese wort setzten meine augen ins wasser. Simpl. 1, 42 Kurz; ins feuer, in die flamme werfen; so solt ir von stund an in den glüenden ofen geworfen werden. Dan. 3, 15; sprach, er wer syn, und mst mit jm in die hell. Keisersberg bilg. 4c; ich habe nicht ins verborgen geredt im finstern ort der erden. Jes. 45, 19; gehet ir auch hin in den weinberg. Matth. 20, 4; stecke dein schwert in die scheide. Joh. 18, 11; alle menschen und vieh, das nicht in die heuser versamlet ist, werden sterben. 2 Mos. 9, 19; ein .. pfaff, dem alle zeit seine sinn und gedanken mer ins wirtshaus dann in die kirchen stnden. Wickram rollw. 12, 23 Kurz; wie oft schickt ein hauszvatter den sohn auf die hohe schul, und entzeucht biszweilen zu hausz .. was er diesem verschwenderischen sohn in die academi schickt? Schuppius 727; wenn .. die hohe sonne an der oberfläche der undurchdringlichen finsternisz meines waldes ruht, und nur einzelne strahlen sich in das innere heiligthum stehlen. Göthe 16, 8; wenn ich mich sonntags so in ein eckchen setzen .. konnte. 29; wie hohe buchenwände einen endlich einschlieszen, und durch ein daran stoszendes bosket die allee immer düsterer wird, bis zuletzt alles sich in ein geschlossenes plätzchen endigt. 82; da ich in den saal trat. 106; sich in den stuhl setzen, dessen sitzbret von rücken- und seitenlehnen umschlossen ist: als er sein gebet gethan, wurd er in einen vergülten stul gefurt. Becherer newe thür. chron. (1601) 464; (der kaiser) gieng also wider in seinen stul. ebenda; in die thür treten, sich ins fenster legen, mit rücksicht auf die umrahmung beider: und da ich die vorliegende treppe hinauf gestiegen war und in die thür trat. Göthe 16, 26;

nû lât mich mînen hêrren hân
in mîme turne: ich müeste in lân,
und mit im in den sînen. Parz. 355, 13;

ins kloster, ins kloster,
da kom ich nicht hinein.
Uhland volksl. 855;

tief in den fels, auf dem es (das kirchlein) hängt,
ist eine grotte eingesprengt.
Schiller kampf mit d. drachen v. 181;

scheu in des gebirges klüften
barg der troglodyte sich. eleus. fest v. 9;

mit knappem ausdruck:

da wär ich wieder in mein gutes haus (nämlich zurückgekehrt),
und wahrlich, ich geh nun in langer zeit nicht aus.
L. Tieck prinz Zerbino, act 3;

es hiesz, der wirth ins haus (der ins haus gehört),
lasz alles was er hat und geh auf ewig rausz.
Logau 1, 69;

von musikinstrumenten: in ein horn blasen, in die posaune stoszen;

[Bd. 10, Sp. 2095]


steigt auf die hochwacht, blast in euer horn!
Schiller Tell 5, 1;

das er die posaunen aufbleset, und in die drummel stoszet. Luther 8, 255b.
b) namentlich auch von fest und eng umhüllenden, einzwängenden: einen baum in die erde pflanzen; weinreben in stroh hüllen; einen in fesseln schlagen; ochsen ins joch spannen; ich kaufte unterdessen 20 paar ochsen, und liesz sie nit alle zugleich in pflug spannen, sondern liesz ein paar oder vier anspannen. Schuppius 119; in freier bildlicher verwendung: daran seid ihr alle schuld, die ihr mich in das joch geschwatzt .. habt. Göthe 16, 95; wir waren förmlich in dicken nebel gehüllt, als wir fort giengen; von kleidern: sich in die kleider stecken, werfen;

so kleid wir uns nit gern in zwilch. fastn. sp. 344, 6;

sich in weisz, schwarz, grau kleiden (knapp für in weiszen, schwarzen, grauen stoff): die bruderschaften von s. Rocho, von s. Hubrecht, von s. Sebastian, von s. Corona, welche in blau gekleidet gehn, von s. Anthony inn schwarz, von s. Martin inn weisz, von s. Dominico inn schwarz, und so fortan weiter. Fischart bienk. 28b; wiewol etliche in schneweisz, etliche in kolschwarz, die andere in eselgrau, in graszgrün, inn feuerrot, in himmelblau, inn bund oder geschecket gekleid gehen. 29a; und danach ähnlich: er kam in einen schiffer verkleidet (in schiffertracht). Göthe 16, 173; wir pflückten allerlei blumen, und Hermogen, sonst eben nicht dazu aufgelegt, liesz es sich gefallen, mir kränze zu flechten, in die ich mich putzte. E. T. A. Hoffmann 6, 265; bildlich:

ich bin .. sogleich nicht vorbereitet,
was ich als bürger dieser welt gedacht,
in worte ihres unterthans zu kleiden.
Schiller Carlos 3, 10;

hyperbolisch (vgl. oben I, 1, b sp. 2084) das volk in die waffen rufen, die wache ins gewehr treten lassen;

macht, dasz ein ende wird! die wache
ruft ins gewehr.
Schiller Piccol. 2, 1.


c) in bezug auf das menschliche innere: nach dem bissen fuhr der sathan in in. Joh. 13, 27; das freut mich jedesmahl in die seele, wenn .. Claudius 3, 65; einen ins herz sehen; sich ins herz hinein schämen (sp. 1217); in sich gehen und bereuen, früher in sich schlagen: da schlug er in sich. Luc. 15, 17;

da fieng er an und schlug in sich,
seufzet und weint gar bitterlich. Ambr. liederb. 128, 31;

so leeben sie inn stille.
kein argwohn kömmt inn sie. sein raht der ist ihr wille.
P. Fleming 72;

rein körperlich: einem scheintodten luft in die lunge blasen; blut in die adern spritzen; speise in den mund stecken; was zum munde eingehet, das gehet in den bauch. Matth. 15, 17; es werden euch dort die gebratenen tauben auch nicht ins maul fliegen. Holtei Chr. Lammfell 1, 8; man brummt etwas in die zähne, nur soweit, dasz es bis in die zähne reicht, nicht aus dem munde kommt; einen trunk in den hals jagen, vgl. auch in den brumm schlagen theil 2, 427; in seinen hals lügen, vgl. oben sp. 254;

desz leugst du in dein hals hinein.
H. Sachs 1, 479a.


d) ähnlich von umschlieszenden oder auch sonst enger umgränzten körpertheilen: die waffe in die hand, in die faust nehmen; sein lieb in die arme schlieszen; er lachet in syn fust. Keisersberg bilg. 10c; gab ihm auch den scepter und reichsapfel .. in die hände. Becherer newe thür. chron. (1601) 465; etwas fällt in die hände: mein tagebuch, das ich seit einiger zeit vernachlässiget, fiel mir heut wieder in die hände. Göthe 16, 62; das billet blieb liegen, und fiel mir abends in die hände. 121; in die hand wird befohlen, gelobt, vgl. oben sp. 350. 332;

hier gelob ich dirs
in deine kalte todtenhand — zerrissen
hab ich auf ewig alle fremde bande.
Schiller Tell 4, 2;

früher hiesz es ins maul schlagen, jetzt aufs maul; aber noch mit rohem ausdruck in die fresse, ins gefräsz schlagen (vgl. theil 41, 132): Ananias .. gebot .. das sie in schlahen solten in das maul. Keisersberg sünden d. munds 46d; als ihm der kleine noch etwas in das ohr sagen wollte. Göthe 16, 162; ringe in die ohren stecken; sich in die haare fahren, vor verzweiflung oder gegenseitig beim balgen;

[Bd. 10, Sp. 2096]


fehlen sollt es dir im jahre
nie an spielen froher lust,
nie an blumen in die haare,
nie an blumen vor die brust.
Bürger 5b;

mir kamen die thränen in die augen. Göthe 16, 140; fiel mir das reizendste schauspiel in die augen, das ich je gesehen habe. 26; sobald mir das herz in die augen träte. Holtei Lammfell 1, 3; ich schlug endlich die bibel auf, da kam mir alsbald ins gesicht der spruch s. Pauli. Schuppius 262; zumahlen (ich) auch kein hoffnung machen konte, dieselbe wegen beiderseits widereinander strebenden kriegswaffen jemahls widerum ins gesicht zu bekommen. Simpl. 3, 63 Kurz; do er geschlagen ward in das angesicht. Keisersberg bilg. 6d; da speieten sie aus in sein angesichte, .. etliche aber schlugen in ins angesichte. Matth. 26, 67; himelischer vatter, sich in das antlitz dins eingebornen suns. Keisersberg bilg. 4d;

das läugn ich ihm, sieht er, ins angesicht.
Schiller Wallensteins lager, 11. auftr.;

blickten stumm und ängstlich eine frage
in das schmerzlich lächelnde gesicht.
Freiligrath glaubensbekenntnis 210.


e) in ein buch, in einen brief sehen, schreiben (vgl. oben I, 1, e sp. 2085): er (David) schreibe aber also in den brief. 2 Sam. 11, 15; einem etwas in die rechnung stellen; sondern er sol in sein alt buch, in die h. bibel, als seinen unfehlbaren allmanach oder calender laufen, so wird ers finden. Schuppius 614; in die karte sehen; auch bildlich einem in die karte sehen, gemeint ist hier die spielkarte, die auch sonst als buch (theil 5 sp. 236 unten) gedacht wird:

sah fürsten in die karte,
trumpft ab und stach genug.
Freiligrath glaubensbekenntnis 110;

sich in die bücher vergraben; oft beneide ich Alberten, den ich über die ohren in acten vergraben sehe. Göthe 16, 77. metonymisch statt des buches ist der schriftsteller genannt: wenn ich in meinen Goethe sehe, finde ich die stelle gleich.
f) in, die bewegung über den rand einer begrenzten fläche angebend, bei länder- (und orts-)namen, wo wir jetzt, wenn nicht der artikel oder ein possessiv dazu tritt, nach brauchen: ahd.

reit her thara in Vrankôn
ingagan Northmannon.
Müllenhoff u.
Scherer 16, 28;

mhd. si solte in hœren lân
waʒ si enbieten wolte in Etzelen lant. Nib. 1193, 3;

nhd. da es aber beschlossen war, das wir in Welschland schiffen solten. ap. gesch. 27, 1; darnach .. zoch Henricus mitten durch das stift von Bremen in Diedmar. Luther 3, 32a; er (der kaiser) solt den bapst vermögen, das er kein ablas mehr in Deudschland schicken wolte. 6, 82a; nachmalen haben sie sich (die Wandalier) .. uber den Rein in Frankreich gemachet. Micrälius alt. Pommern 1, 62; fertigeten sie ihre botschaften in Teutschland ab. 2, 153; (Gustav Adolf) lies die belagerung für Ingolstadt wiederümb aufheben, kam in München. 5, 296; weil unser vorsatz nun, künftig in Persien zu reisen. pers. reisebeschr. 1, 15; die zween junge von adel bekamen einen wexel und befelch von ihren eltern, sich in Frankreich zu begeben. Simpl. 1, 355 Kurz; nachdem .. der krieg sich in Italien gezogen. Schuppius 16; warumb ziehen sie nicht in Holstein? 60; ich wil euch mit in Thraciam nehmen. 76; sie solten in Ophir segeln. 112; dasz er über den Rhodan und .. in Italien fortrücken möchte. Lohenstein Arm. 1, 907a; daher muste Ulfo nach etlichem verlust wieder in Gallien weichen. 907b; nach des kaisers ableben gienge sie (Mathildis) in Engelland zurück. Hahn hist. (1723) 3, 156; die ganze strecke von Portugal bis in Baiern. Kant 9, 45;

durch zeitung haben wir vernommen,
es sei Ludwig in Welschland kommen.
J. Ayrer 122b (616, 16 Keller);

o reüterlein, reit,
der weg in Portugal ist weit. 283b (1415, 2);

diesz ist der ring, den sie in Frankreich mitgetragen ..
D. v. d. Werder Ariost 11, 4, 1;

dasz unsre Deutschen ihre kinder nicht dürfen mehr in Frankreich
schicken.
Logau 3, 253, 201;

Philippus war bemüht, in Thracien zu dringen.
Hagedorn 2, 59;

(Jordan) fleusz um Jerusalem! schütze
ihre schimmernden thürme, dann kehr in Genezaret wieder!
Klopstock 4, 80 (Mess. 7, 583);

aber noch heute: wir wollen in das Elsasz gehen, wir reisen in die Schweiz, in die Türkei; er kehrt in sein geliebtes England zurück; dasz ihr mann eine reise in die Schweiz

[Bd. 10, Sp. 2097]


gemacht habe. Göthe 16, 20; kaum aber war er auch wiederum in sein Frankreich, .. als er wiederum mündlich und schriftlich bezeugte, wie fest er noch an seiner lehre hange. Lessing 8, 322.
g) ähnlich von allgemeiner bezeichneten strecken: dein name ward berufen fern in die insulen. Sir. 47, 17; diese rede von im erschall in das ganze Jüdischeland, und in alle umbligende lender. Luc. 7, 17; er ist nur z from in die welt (als sprichwort, d. h. viel zu fromm für die welt). Frank parad. (1558) 37b; sie kommt darnieder, bringet eine tochter in die welt. Harsdörffer jämmerl. mordgesch. 140; ich lächle dann so träumend weiter in die welt. Göthe 16, 15;

(sie) funden weder schiff
noch führer in ihr land.
A. Scultetus bei
Lessing 8, 284;

der gott von ewigkeit sitzt auf des himmels vesten,
streckt seine starke hand von osten bisz in westen.
Opitz 3, 280;

zeuch inn die mitternacht, inn das entleegne land.
P. Fleming 71;

lange schon harrte befrachtet das schiff auf günstige lüfte;
endlich strebte der wind glücklich vom ufer ins meer.
Göthe 1, 296;

die bauren weren jetzunder nicht auf dem feld, sondern können leichtlich in ein ort zusammen gebracht werden. Schuppius 746; ein ieder setzte sich in seine stelle. Zesen Assenat 193; wenn man ihn (einen stein) in die sonne legt (auf eine sonnenbeschienene stelle). Göthe 16, 56; in den weg stehen, treten, auch bildlich: sonst sind mir nur einige verzerrte originale in den weg gelaufen. Göthe 16, 14; und abgeblaszt in dryerley weg (auf dreierlei weise). Keisersberg bilg. 5d; in zwen weg. 5b; in allweg meiden (auf jede weise). Mone anz. 1839 sp. 168;

vallen muost er in die erde. ring 4c, 13;

er warf in nider in die erd. 8c, 43;

in den plan seu ritten do. 8b, 4;

daʒ man da hiete funden
fünf turnierer wol getan
gestreket nider in den plan. 8d, 39;

kompt mit mir in gerichtes ring.
H. Sachs 1, 113b;

(die feldmaus spricht) gott willkomm stattmausz zart,
wie kombstu her in unser art (feld)?
E. Alberus 26b;

aus dem thor der wasserschlange
zogen sie hinaus ins feld.
Herder 5, 183 (Cid 55);

eilt jeder schweifende und irre geist
in sein revier. Shakesp. Hamlet 1, 1;

zerschmettert und zerrissen
sank in den staub sein edel angesicht.
Freiligrath glaubensbekenntnis 9;

ein mann ins feld, der ins feld gehört, paszt:

ich bin ein mann ins feld: mein kühner muth ist grosz.
Fleming 111 (lob eines soldaten zu fusze);

wir müssen noch mehr in die höhe, um eine gute aussicht zu haben; bildlich:

liesz ich mirs so viel kosten, in die höh
zu kommen.
Schiller Wallensteins tod 3, 4;

darumb so söllen wir unsere herzen und gemt aufheben und söllen sprechen mit dem David levavi oculos meos in montem, unde veniet auxilium mihi, wir haben unsere augen aufgehebt in die berg, davon ist uns hilf komen. Keisersberg has im pf. Aa 5b; kain furst soll in kain wandt gen (auf keine felsenwand steigen). Max I geh. jagdbuch 6; keren üwer ougen uf z got mit trehen in den hymel. Keisersberg bilg. 2d; warf auf seine augen in den himel. Luther 3, 34b; mit aufgehaben augen in den himel. 35a;

ihr mund sich mit schmachheit und hon
erhebet in des himels thron.
Lobwasser ps. Davids (1595) 55b;

in einem .. thal, das unglaublich bebaut und ins unendliche mit villen und häusern besät ist. Göthe 27, 178; die ebene erstreckt sich ins unabsehliche; auch unflectiert: wie das schauspiel (die sterne) weiter und weiter in unabsehlich fortgeht. Claudius 8, 63. von ähnlicher anschauung aus, zugleich mit anklang an die unter h folgende verwendung, sind die zusammengerückten formeln insbesondere, insgemein, insgesamt entstanden (s. an alphabetischer stelle), die gramm. 2, 960. 3, 109 als rohe nachbildungen des franz. en particulier, en général aufgefaszt werden, wie sie denn thatsächlich erst der neueren sprache angehören; auch ingeheim, insgeheim, franz. en secret bekundet gleiche, ebenfalls von einer örtlichen vorstellung ausgehende entstehung.
Von andern flächen: in den spiegel blicken; warumb schreibest du andere in die tafel der ewigkeit, und leidest, dasz

[Bd. 10, Sp. 2098]


dein name in die register der schlechtesten krämer gesetzt werde? Schuppius 706; buchstaben in erz graben, schneiden; ah, das meine rede zu ewigem gedächtnis in einen fels gehawen würden. Hiob 19, 24; in das brot beiszen; sprichwörtlich in einen sauren apfel beiszen; herzog Albrecht gab ine (ihnen, den kriegsknechten) in sein fendl (in des hauptmanns fähnlein) bier und brot gemalt. Wilwolt v. Schaumburg 112;

daʒ gwändel huob ich ir do auf
und chust sey dreistund in den bauch. ring 6b, 41.

metonymisch und volksmäszig heiszt es: in die veilchen, in die schneeglöckchen gehen (in die flur, wo sie zu pflücken sind); in gleicher weise, aber zu oben a gehörig, niederdeutsch: hedden int erste in dem winkeller geseten, darna gingen se beide up de apoteken in den claret (klaret zu trinken in die apothekerstube). Berckmann Strals. chron. 111.
h) in, bewegung und erstreckung zu einer gemeinschaft von leuten anzeigend, wo es mit unter wechseln kann: in die feinde sprengen, einhauen; setzten dapfer inn unser volk. Garg. 265a; er (David) redt friden in sein volk (dasz friede unter ihnen hersche). Keisersberg has im pf. Bb 3b; auf das unser unglimpf, den du uns on grund zugemessen, weiter in die leute keme. H. Georg bei Luther 3, 189b; (das vermögen soll) unter ihre kinder in die häupter gleich getheilet werden. Mainzer landr. 1755 2, § 12; ein gerücht dringt ins publikum, kommt in die öffentlichkeit;

sprengte dann ein in die feinde,
hieb und tödtete.
Herder 5, 183 (Cid 55);

in bezug auf eine herde:

ich bring euch böse kunde: nächt ist in unsern trieb
der gleiszend wolf gefallen.
Uhland ged. 369.


i) mit entsprechenden verben auslauf und abschlusz innerhalb einer örtlichkeit oder form angebend: der bach verläuft in einen sumpf; der schwanz der schlange endigte sich in einen pfeil; von der endform der wörter (wo die bedeutung 3, a eingreift): die wort die sich in osus enden (im latein). Keisersberg sünd. d. munds 36b; er besteht z. e. darauf, dasz Marcus Tuscher ein steinschneider gewesen, weil es Füeszly, Giulianelli und Gori sagen. aber wenn es noch zwanzig solche herren in i sagten: so ist es doch nicht wahr. Lessing 12, 208.
k) gröszen- und zahlenbestimmungen mit in gehen von dem begriffe einer räumlichen erstreckung (g und h) aus: er mas den raum im tempel, der hatte vierzig ellen in die lenge, und zwenzig ellen in die breite. Hes. 41, 2; er mas das gebew in die breite eine ruten, und in die höhe auch eine ruten. 40, 5; sie bezeichnen die erstreckung als eine ungefähre, nicht scharf begränzte, wie gegen, das heute üblicher ist: in lxx meilen von dannen ligt die insel Cozumella genant. Frank weltb. 227b; mit daffat und adlasz nesteln von 20 bisz in 30 und mehr ellen. Philander (1650) 1, 412; wenn der name des verlegers unter dieser zuschrift stände, so würde ich weiter nichts daran auszusetzen haben, als dasz dieser vergessen, den herren rectoren und conrectoren in jedes dutzend exemplare, die ihre schüler verbrauchen würden, das dreizehnte gratis obenein zu versprechen. Lessing 6, 177; — sie erseuften sie alle, in die zwei hundert person. 2 Macc. 12, 4; Judas aber schlug die gottlosen und bracht ir in die dreiszig tausent umb. 12, 23; so seind wir jedoch noch in 800 pferd stark in Augspurg angelangt. Simpl. 3, 249 Kurz; es wird auch ohne zweifel Salomo schöne mahrställe gehabt haben. denn er in die sieben und funfzig tausend und sechshundert pferde gehalten. Schuppius 102; und solte kein professor sein, der nit 500 bisz in tausend reichsthal. jährlicher bestallung haben solt. 801;

etwan in die zweihundert hasen.
H. Sachs 1, 503c.


2) in temporal.
a) mit ordinalen zahlwörtern, die ziel und ende des im folgenden substantiv enthaltenen zeitbegriffes angeben helfen: Jesus gieng ins dreiszigst jar. Luc. 3, 23; hier blieben wir in die dritte woche stille liegen. pers. reisebeschr. 1, 17; in Nürnberg habe ich mich in den fünften tag aufgehalten. E. C. König bei Lessing 13, 235; die akademie .. deren mitglied ich damals schon ins dritte jahr zu sein die ehre hatte. Fr. Nicolai im leben desselben von Göckingk s. 70.
b) mit cardinalen oder unbestimmten zahlwörtern, in welchem falle der zeitbegriff ein nur unbestimmter ist (vgl. vorhin II, 1, i): zuletzt .. sie in viel jahr verlassen im elende. Luther br. 5, 641; und das schon in die sechs und zwanzig jahre. Lessing 2, 389;

[Bd. 10, Sp. 2099]


der leidige krieg und die noth und plag
in die sechzehn jahr schon währen mag.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;

wir, von Egypten her, sind längst gewohnt,
dasz unsereins in tausend jahre drohnt.
Göthe 41, 123;

in bezug auf alter: wie Jothams fabel, welche vor Christi geburt in dreitausend jahr alt, klärlich bezeuget. Schuppius 829; wo auch jahre nur verstanden wird: er ist schon in die vierzig; 'ich würde ihnen nicht zur ehe rathen, frau muhme, da ich weis, dasz sie in sechzig sind'. fr. R. warum nicht lieber in achtzig? ich musz am besten wissen, wie alt ich bin. Gellert 3, 211.
c) andere zeitbestimmungen: Matusalam .. wart 969 jor alt und lebete bitz in die sintflt. d. städtechron. 8, 241, 17; nit spar deine gten werk untz in den winter. Keisersberg has im pf. Bb 2c; gleich den kindern, die in den tag hinein leben. Göthe 16, 15; befahl der magd nach dem feuer zu sehen und es bis in die nacht zu unterhalten. 162; es ist schon spät in die nacht;

die fraw von irem manne clagt,
der kume vom wein halb in die nacht (wenn es schon halb in die nacht, mitternacht sei). fastn. sp. 1111;

nichts in die leng bleibt verschwign.
H. Sachs 1, 445b;

zeitbestimmungen, die mit zustandsbestimmungen (unten 3, a) verschmelzen: so hett es mir myn herr Jesus Christus verdient .. mit synem allerbittersten tod, und ganzer gehorsamkeit syns himelschen vatters bisz in den tod des crützes. Keisersberg bilg. 4d; bis in den tod treu, ergeben sein; in ein reiferes alter kommen, in das greisenalter treten; sobald nun die sechs söhne .. in das soldatenalter traten. Immermann Münchh. 1, 17; wenn sie doch so in jenes leben herüber schlummerte! Lessing 2, 557; (er) tröstet sich ... mit der aussicht in ein ewiges leben. Abbt in Wackernagels leseb. 3, 2, 336; um in alle ewigkeit nichts mehr davon zu sagen. Schiller an Göthe 1, 22;

das gold gilt da und dort: und die geschickligkeit,
die schickt sich hin und her und taug in alle zeit.
Logau 1, 95, 99.

die formel in kurz der ältern sprache (vgl. th. 5, sp. 2836 unten) bezieht sich sowol auf die zukunft, im sinne von bald:

in kurz wirst reich.
H. Sachs 3, 3, 12a;

als auf die vergangenheit, vor kurzem: so ist inn kurz .. ain sondere newikait entstanden. Nürnb. pol. ordn. 74; nach kurzem:

dar nach in kurz, nit langk
nam es (das zwerglein) sin ruder wider.
Altswert 165, 2;

in kurz ein brief ich las
geschriben in latein. 239, 20;

ähnlich in neulichkeit, vor nicht lange: nachdem inn newlikait mit tragen guldener und vergulter ketten undter den weibspildern mergkliche kostlichait eingebrochen hat. Nürnb. pol. ordn. 102; vgl. auch unten inskünftige.
3) in in abstracter bedeutung.
a) streben, eintritt, auslauf in einen zustand, eine verfassung bezeichnend: sich in ruhe zu begeben. Ayrer proc. 1, 5; in zorn, in wut geraten; bisz dasz der Apiarius gar in zorn bewegt ward. Wickram rollw. 21, 18; ich bin, wie ich sehe, in verzückung, gleichnisse und declamation verfallen. Göthe 16, 19; ich bin erstaunt, wie ich so wissentlich in das alles, schritt vor schritt, hinein gegangen bin! 62; dasz die liebe tante .. keine stütze hat, als die reihe ihrer vorfahren, keinen schirm, als den stand, in den sie sich verpallisadirt. 97; auf einmal wird er tiefsinnig, fällt in ein hitziges fieber, daraus in raserei. 137; liebe und treue, die schönsten menschlichen empfindungen, hatten sich in gewalt und mord verwandelt. 146; er fand ihn als verbrecher selbst so schuldlos, er setzte sich so tief in seine lage, dasz er gewisz glaubte, auch andere davon zu überzeugen. 147; er versank nur desto tiefer in schmerz und unthätigkeit. 150; er redete .. von den zeiten, da einen die unerwartete öffnung der thür und die erscheinung eines aufgeputzten baumes .. in paradiesische entzückung setzte. 156; das haus, die nachbarschaft, die stadt kam in aufruhr. 191; dessen zustand .. sich, dank sei es dem himmel, ins bessere verändert hat. 21, 197; nun bemerkte ich die veränderung des ackerbodens ins bessere. 27, 7;

grabet euer feld ins zierlich reine.
Göthe 5, 245;

alles schwankt ins ungewisse. 47, 52;

alles bei uns gerieth ins stecken.
Schiller Wallenst. lager 6;

dem versteckten offne frage,
das verstockte frisch in flusz!
Freiligrath ges. dicht. 3, 4;

[Bd. 10, Sp. 2100]



und setzest ein das tuchwamms und die flechte
in ihre alten dichterischen rechte! 39;

etwas geht in druck aus, kommt als gedruckt heraus: von welches brunnen eigenschaft, natur und wirkung auf die zeit etwas in druck ausgieng. Becherer newe thür. chron. (1601) s. 538, wofür freilich auch der dativ steht:

so ist es doch nit mein gedicht,
sonder also im truck auszgangen.
Hildebrand volksl. 179, 19;

formelhaft ins reine, ins klare, ins richtige, ins gleiche bringen, setzen: unsere begriffe über das wesen des schönen vor der hand ins klare zu setzen. Schiller an Göthe 1, 20; besonders finde ich den strittigen punct sehr glücklich ins reine gebracht. 29; ich erbitte mir das manuscript bald wieder zurück, um gewisse stellen in ihr licht zu setzen. Göthe an Schiller ebenda;

zu unserm lobe
bringt diesz ins reine. werke 41, 29;

ihr beobachtender blick .. setzt sie nie in gefahr, auf den abweg zu gerathen. Schiller an Göthe 1, 6; es wäre doch gut, wenn man das neue journal bald in gang bringen könnte. 8.
b) namentlich in bezug auf äuszere und standesverhältnisse: er ist in eine bessere stelle gekommen; man hat ihn in einen höhern rang befördert; er tritt in die dienste des hofes; die Maccabeer .. in das regiment saszen. Luther 8, 73a; und ich will selbst jeden fürsten rathen ihn in ein collegium zu setzen Göthe 16, 18; mich in einen posten zu begeben der nicht nach meinem sinne ist. 103; den courier den sie uns nachschickten gleich in dienste zu nehmen. 20, 225; ähnlich in abhängigkeit von jemand kommen, sich in abhängigkeit, in schutz begeben; diesem treuen gott .. befehle ich meine groszg. herren .. in seinen starken schutz. Schuppius 134; wir setzten uns vor der kühlen luft in schutz hinter felsen. Göthe 16, 235.
c) auch sonst mit thätigkeitsbegriffen verschiedener art, wo in die wirkung der thätigkeit auf die gestalt eines dinges angeben hilft: Maccabeus aber ordnet sein volk und teilets in etliche haufen. 2 Macc. 12, 20; die wolken verlieszen nach und nach die berge und theilten sich in schäfchen. Göthe 16, 239; etwas in gleiche theile theilen; die groszeltern erben ihre enkeln in gleiche theile (die erbschaft der groszeltern wird für die enkel in gleiche theile getheilt). Mainzer landr. (1755) 14, § 5; (das kamel) ist das gröszest thier von allen thieren, so in zwei gespalten klawen habend. Forer thierb. 95a; bisz es gott endlich in einen haufen stöst. Schuppius 614; ich .. gehe so neben ihm hin, und pflücke blumen am wege, füge sie sehr sorgfältig in einen strausz. Göthe 16, 63; diesen ursachen musz ich die wunderbaren grimassen zuschreiben, in die ich mehrere frauenzimmer ausbrechen sah. 34; die scene verwandelt sich in einen wald; sie steckt ihre haare in locken; die haare in einen zopf flechten; auch abgeblaszt: wir rechnen eins ins andere, so dasz durch rechnen jedes in gleiche form mit dem andern gesetzt erscheint: item 6 paar englisch händschuch, ein paar ins ander, umb 8 sch., thut 48 sch. rechnungsablage bei Breuning v. Buchenbach 82; wenns aus ist, so kömmt es in eins, bin ich hier oder drauszen. J. Gotthelf 10, 182; eine sache ins lächerliche ziehen; Hersilie .. hat mir in der geschwindigkeit die ganze familie aus dem stegreife ins lustige recensiert. Göthe 21, 109; wir schienen uns beide vor worten und zeichen zu fürchten, wodurch der glückliche fund nur allzubald ins gemeine offenbar werden könnte. 23, 171;

und (der streich) nam bis auf das fleisch das kleid und waffen mit,
also, dasz er ihm ganz die linke seit entblöszte
und solch entblöszung auch in mehr und mehr ergröszte.
D. v. d. Werder Ariost 23, 117;

düringisch noch es wird immer in gröszer, immer in besser, u. dergl.
d) oder nur die erstreckung der thätigkeit in eine materie, einen zustand bezeichnend; die beispiele sind manigfach, und werden in bunter auswahl aufgeführt: got der sich selbs in den tod für vil menschen hat geben. Keisersberg bilg. 7b; wann du dich emsiglichen kerest in das leben, lyden und sterben Jesu Christi. 5a; kam grosze thewrung in den honig. Garg. 225a; die musae oder freie künste sind als durch das unzertrennliche eheband ineinander verknüpfet und verbunden. Schuppius 526; ins werk schreiten .. eine erschröckliche gen himmel schreiende sünde zu begehen. Simpl. 3, 416 Kurz; was das ärgste ist, er hat meinen namen sogar in ein gassenlied gebracht. Lessing 2, 408; bei diesem anlasz kam er sehr tief in

[Bd. 10, Sp. 2101]


den text. Göthe 16, 65; lieber, ich mag nicht ins detail gehen. 111; das bischen verstand, das einer haben mag, kömmt wenig oder nicht in anschlag. 72; das macht mich zu lachen, wie das wort in meine feder kommt. 91; greifen die kinder nicht nach allem, was ihnen in den sinn fällt? 129; in seine kräfte stürmend. 151; einen eingriff in seine rechte. 145; seine entfernung drohete in ihr ganzes wesen eine lücke zu reiszen. 164; wir theilten uns bald in das secretariat. 207; und sie teileten sich ins land. 1 kön. 18, 6; aber in dieses publikum theilen sich zu viele einzelne journale. Schiller an Göthe 1, 2; in was mengt er sich? Lessing 1, 374;

der teufel mische
sich mehr (ferner) in lieb und zauberei.
Wieland 18, 271;

Albert fiel ihr sanft in die rede. Göthe 16, 84;

recht, alter vater! fall ihm ins gepäck!
Schiller Piccol. 4, 6;

immer forschet er ins hohle,
und versäumt die reiche welt.
Göthe 4, 379;

in unser seel schweren. Ayrer proc. 1, 1;

wenn man verstellung als handwerk treibt,
in fremde seelen spricht und schreibt.
Göthe 13, 10;

ehe denn sie einmal in ihre sünde gedenken können. Schuppius 454; warum wütestu .. in die gute bücher und verstorbene leut? 547;

sie kann argwohn
in unheil brütende gemüther streun. Shakesp. Hamlet 4, 5;

man vergesse nicht, dasz die jahre einen gewaltigen einflusz in unsere neigungen haben. Gellert 5, 5; die wirkung einer substanz in eine andere. Kant 3, 54; die wirkung des körpers in die seele. 8, 21; die wirkung der seele in den körper. 22; das product aus der masse in die geschwindigkeit. 55;

der frevler, sollt er wohl in mein geheimnis dringen?
C. F. Weisze;

dar durch ich mag in richtmb streben.
P. Gengenbach alter 520;

früher auch theil in etwas nehmen: ich bin euch sehr verobligirt, liebe Louisse, vor allen hart, so ihr in mein unglück genohmen. Elisabeth Charl. v. Orl. (1867) 230; bei H. Sachs die person (personen) in das spiel (theilnehmer daran). 1, 473a. 469d u. ö.; die personen in die comedi. 3, 252a.
e) früher ferner in bei diensten die sich auf personen richteten: ich bin je derselbig (der tochter) räuber, .. aber in euch bin ich ein wolthäter. buch d. liebe 228c; ich hab frei in die gemeine gedienet. Luther br. 1, 436. jetzt noch mit verben des sich fügens, schickens, findens: er will sich in die vorgesetzten nicht schicken;

schick dich in die welt hinein.
Pistorius thes. par. 7, 88;

älter sich richten in jemand, wo jetzt nach gebraucht ist:

eh sich eins richt ins andern kopf.
H. Sachs 1, 444b.


f) mit verben des glaubens, trauens, hoffens, auch des sündigens war die praep. in althergebracht in den meisten deutschen dialecten verwendet (vgl. gramm. 4, 855 fgg.). ob sie hier einer gleichen lateinischen construction (credere, sperare, peccare in ..) nachgebildet, oder selbständig in deutscher zunge erwachsen, steht dahin; sicher ist wenigstens wol anzunehmen, dasz das latein auf die lange erhaltung der folgenden meist in der geistlichen sprache verwendeten fügungen von einflusz gewesen, die erst seit dem 17. jahrh. zu gunsten anderer praepositionen geändert sind: ich gloub in got vatter almechtigen. Keisersberg bilg. 52a; die da gleuben in gott. Luther 3, 294a; in das wort gottes glauben und sich daran unbewegt halten. Fischart bienk. 34a; du solt dein gemüt und deine gedanken uf erheben in got und aller zeitlicher ding vergessen. Keisersberg baum d. sel. 6b; ir hoffnung in got setzen. has im pf. Aa 8a;

weil ich hoffend trau in dich.
Melissus ps. K 2b;

also verzycht ein ieglich christglöubig mensch denen die in yn sünden. Keisersberg bilg. 6a; vater, ich habe gesündiget in den himel und fur dir (ἥμαρτον εἰς τὸν οὐρανὸν καὶ ένώπιον σοῦ, peccavi in coelum et coram te). Luc. 15, 18; wer in sünden verzweivelt oder auf gute werk trotzt, der sündiget in den heiligen geist und wider die gnade. Luther 3, 202a; heiszt das nicht in den heiligen geist aufs unverschamptest gesündigt? 5, 163a; so ists ja gewiszlich eine sünde in den heiligen geist. br. 4, 74; und sundigen wissentlich wider die erkannte wahrheit, das ist, in den heiligen geist. 5, 258.
g) verben des sprechens nehmen in mit dem acc. zu sich, man denkt sich das sprechen als ein bilden in eine materie hinein;

[Bd. 10, Sp. 2102]


die construction ist vornehmlich altdeutsch, die neuere sprache zieht auf mit dem acc. vor (vgl. theil 1 sp. 613), doch findet sich auch noch in: wann er (ein pfaffe) mesz hielt, wandt er sich gegen den leüten .. sagt es dann in teütsch. Wickram rollw. 91, 16 Kurz; dasz man die kunst latein zu reden der jugend in latein fürmahlet. Schuppius 538; eigentlich war Kullmann entschuldbar und der reichskanzler selbst daran schuld, dasz Kullmann auf ihn schosz, so drücke ich es mir in deutsch aus. Fürst Bismarck in der sitzung des reichstages v. 4. decbr. 1874.
h) bei verben des musicierens gibt in mit acc. das begleitende instrument an, jetzt durch zu ersetzt: in die geigen singen. Bocc. 2, 192b; ich wolte ihm zu ehren .. ein teutsch liedlein in meine laute hören lassen. Simpl. 1, 363 Kurz; was vor lieder ich in meine laute singen solte. ebenda; überkam ich eine discantgeige ihr zugefallen, und half ihr .. in ihre leier spielen. 3, 260;

als einsmahls ich ein lied
in meine flöte sang.
Lohenstein Arm. 2, 1485b;

sein heldenblut flosz auf die güldne leier,
die sonst in seiner hand erklang,
in die, mit kriegerischem feuer,
er nur von tugend sang.
Uz 1, 256 (auf Kleists tod);

euch schönen, denen kein latein
schulmeister in die köpfe bläun,
euch sing ichs in die leier.
Gotter 1, 32.


i) in bei dingen oder thätigkeiten die als umfassend, einschlieszend gedacht werden: einen in sein gebet einschlieszen; man freut sich, wie sie in diesem buch personen und scenen wieder ins gedächtnis bringen. Schiller an Göthe 1, 80. formelhaft einen oder etwas in acht nehmen, in die thätigkeit des aufmerkens hinein nehmen, so dasz die sorge gleichsam ihn umschlieszt: nehmen sie sich in acht. Göthe 16, 20;

nehmt Korilen in acht, ihr wächter aller zeit.
Fleming 487;

ähnlich etwas in obacht nehmen; in betracht nehmen, die betrachtung schlieszt den gegenstand ein; in überlegung, in erwägung ziehen; einen in zucht nehmen.
k) in bei angabe eines grundes oder zweckes, wo jetzt zu verwendet wird; mhd. in gotes êre, wie lat. in honorem dei;

do machet er ein rîche stift
in unser frowen êre.
Strickers Karl 463;

du solt lieb haben din fleisch, als das das dir geben ist in ein stür und hilf. Keisersberg bilg. 3d; (er) wünschet mir gelück in mein ritterschaft. G. v. Ehingen 11; schänket (er schenkte) mir 400 gulden in die ritterschaft. ebenda;

er hat kein pfenning in ein bad,
wo wolt er gülden haben gnumen.
H. Sachs 3, 2, 35c;

ob iemand von seinetwegen inn antwort zu erscheinen vorhanden were (um antwort zu geben). Ayrer proc. 1, 4;

in gut kum ich zu euch herein (zu gutem zwecke).
H. Sachs 3, 3, 1b;

ir wölt es in gut hie verstahn. 1a;

bitte derhalben und ermahne ihn .. er wolle mir zu gefallen zu keinem heuchler werden, sondern zu Augspurg in errettung meines ehrlichen namens reden was die wahrheit ist. Schuppius 689; bei gesundheit trinken, wo heute auf gilt: zu B. trunken drei soldaten bei einem leinweber ins teufels gesundheit. Lucae schles. denkm. 2, 2232.
l) auch bei eingabe des einsatzes, um welchen ein spiel geht:

eins thails (einige, bauern) die karten in die nüsz.
H. Sachs 1, 472c;

formelhaft in die wette etwas thun, von mehreren, die als ringer um das gleiche ziel, und deren bester einen spieleinsatz gewinnt, gedacht werden, mhd. enwette:

diu ligent an einem bette
und slâfent als enwette. Trist. 438, 38;

von strengen flüechen ungemach
leit er ûf dem bette.
er wart vil sêre enwette
gestrâfet unde in widerstrît.
K. v. Würzburg Partenopier 8508;

noch im jahr 817 schafften sie (die pfaffen) ihre vorige prächtige weltliche kleider .. gleichsam in die wette ab. Hahns hist. 1721 1, 147;

die schrieen in die wette,
gleich als der säufer gott sie angetrieben hätte.
Scultetus bei
Lessing 8, 304;

die nymfen putzten damit sich in die wette heraus.
Wieland 5, 89 (n. Amadis 15, 9).


m) an die temporale verwendung von in erinnert es, wenn in die erstreckung bis zu einem künftig gedachten zustande bestimmt: sich in den tod hinein schämen, so dasz man vor scham zu

[Bd. 10, Sp. 2103]


sterben fühlt; etwas in den tod hinein vergessen, der grad des vergessens reicht in seiner stärke bis zum zustande des todes; weil sie das in den tod nicht leiden kann. Göthe 17, 261. Hierher auch die modalen verbindungen in so fern, in wie fern, in so weit, in wie weit, die auch zusammengerückt geschrieben werden (s. an alphabetischer stelle): mein entschlusz, mich für den glücklichsten zu erklären, war ihnen nur in so fern verhaszt, als sie besorgten, dasz sie es nicht sein würden. Lessing 2, 384; ich wuszte, dasz ich keine prätension an sie zu machen hatte, machte auch keine, — das heiszt, in so fern es möglich ist, bei so viel liebenswürdigkeit nicht zu begehren. Göthe 16, 60; ich fange an mich in so fern ganz leidlich hier zu befinden (so weit, bis auf einen gewissen grad). 92; kann ich dieser beiden kräfte in so weit meister werden, dasz ich einer jeden durch meine freiheit ihre gränzen bestimmen kann. Schiller an Göthe 1, 2.
 
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in , aus in den zusammengezogen.
1) aus in mit dem acc. sg. masc. den; seit dem 16. jahrh. bis zum 18. recht gebräuchlich, von neueren schriftstellern aber, wenigstens in gewählter rede, gemieden: der krank schaut in spiegel. H. Sachs 1, 467b; der arzt greift mit der zangen in bauch. 467c; nach zweien tagen, ongefehr eine stund in tag, kamen die verschnittenen wider. buch d. liebe 211c; ei wie treffens diese romanistefeind so mächtig wol mit den zänen inn treck. Fischart bienk. 47a; lehrten sie brot inn wein dunken. ebenda; welches der herr .. wie thumm und ungeschmack salz inn weg will stürzen lassen. Mathes. Sar. 147a; schlugen also ihre ganze beute in wind. Simpl. 1, 47 Kurz; und wünschte sie (die im kamin hängenden schinken) .. meinen cameraden in wald. 235; indem er das buch wieder in schrank trägt. H. L. Wagner wolthät. unbek. 20; will dir das nicht in kopf? der junge Göthe 2, 403 (werke 33, 288); dann ist die waldfrau schuld, dasz uns die sterne nicht in schosz gefallen sind. Scheffel Ekkeh. (1855) 101; das wasser ist die Murg und geht in Rhein. 205; war Conrad mit ihm in Odenwald gewandert. 332 und noch oft (eben so an für an den s. 159. 287. 456); pedantisch in'n geschrieben: wie ich zu ihrer mutter in'n laden kam. Holtei Lammfell 19;

auch wer auf dem gebirge grosz
gestandten ein alt heidnisch schlosz
inn grund verstöret vor vil jaren.
H. Sachs 1, 293b;

eh ich dir schlag die zän inn hals. 479a;

wenn man ein pawern stiesz in sack
würdn doch die stifel herausz ragen. 472d;

nach gewonheit ich in garten gieng.
P. Rebhun in Tittmanns schausp. des 16. jahrh. 1, 63, 274;

und werfet in in abgrund hinab.
P. Meckel ebenda 273, 513;

so schlags in wind, lasz dichs anfechten nicht.
Lobwasser psalmen Davids (1595) 29a;

ach, fieng der reutknecht an,
werd ich denn auch in himmel kommen?
Gellert 1, 260;

wie, was? Pulcheria wär melancholisch worden?
sprich, lügner, lieber gar, sie trat in nonnenorden.
Lessing 1, 127;

dann hätt ich dich selbst
in ersten kampf, zur probe deines muths,
begleiten können. 2, 510;

wer lehret ihn (den löwen) dem bär
die neuen klauen, unversucht doch keck,
in nacken schlagen? ebenda;

ein bienchen trank und fiel in bach.
Michaelis im Leipz. musenalm. 1779 s. 267;

in froschpfuhl all das volk verbannt,
das seinen meister je verkannt.
Göthe 13, 131 (Hans Sachsens poetische sendung).


2) seltener für in den, dat. plur.: wann man im Elsasz inn kellern den wein feuret. Fischart bienk. 112a; in der Eifel oder in freien bergen. 115a; ach! mein ganzes geblüte starrt mir in adern! C. F. Weisze kom. opern 97.
3) endlich begegnet auch in als schwächung für im: gottes augen aber sind heller als die sonne und sehen alles, was im finstern und in verborgenen winkel geschiehet. Schuppius 262. vgl. im und ins.
 
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in-, verstärkendes präfix zu adjectiven, ist nur das in diesem sinn angewendete adverbium in aus inne; vgl. inbraun, ingrün, ingut.
 
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inbegriff, m. das was innerhalb seiner etwas anderes begriffen, umschlossen hält, summa, complexio, comprehensio; die umschlossene sache steht im genitiv oder mit der praep. von vermittelt. das wort wird zuerst von Steinbach verzeichnet (seine

[Bd. 10, Sp. 2104]


hauptquelle Hederich hat es nicht): inn begrieff, compendium, ein inn begrieff aller tugent, conspectus omnium virtutum. 1, 641; dann von Frisch 1, 373a mit wesentlich weiterer bedeutung: inbegriff, area ambitu adstricta, locus in finibus suis contentus; item, quae in libro aliquo continentur; in letzterer beziehung braucht Kant der inbegriff eines buches. 8, 17, der sonst das wort im heute gewöhnlichen sinne öfters anwendet: der weite inbegriff einer vorzüglichen erkenntnis. 8, 10; die sphäre der ausgebildeten natur ist nur ein kleiner theil desjenigen inbegriffs, der den samen zukünftiger welten in sich hat. 324; die dauerhaftigkeit, die bei den anstalten der schöpfung an den groszen gliedern ihres inbegriffs angetroffen wird. 9, 3; bei andern: mit dem geliebten heimgehen ist der inbegriff aller seligkeit. Bettine briefe 2, 107;

ja selbst von einem grün- und bunten garten ..
scheint er (der schweif des pfauen) der inbegriff und auszug recht zu sein.
Brockes 4, 165;

als glied des deutschen reichs, des inbegriffs von reichen,
das hohe bürger hat.
J. E. Schlegel 4, 12;

drangvoller wünsche holden inbegriff,
erfüllung hoffend, heiter zu gestehn.
Göthe 9, 251;

wenn ich den inbegriff von meinen sorgen
dir auch eröffne. 273;

du (phiole) inbegriff der holden schlummersäfte,
du auszug aller tödtlich feinen kräfte. 12, 42;

musz ich an diesem hingestreckten leibe
den inbegriff von allen himmeln sehn? 124;

von personen: Julius, inbegriff aller vollkommenheiten! Leisewitz Jul. v. Tarent 2, 6; soll ich Mariannen verlieren! die letzte meiner hoffnungen, den inbegriff meiner sorgen? Göthe 7, 139; ihr werdet in ihm den inbegriff aller gaben finden, die ein kavalier nur wünschen kann zu sehn. Shakesp. Haml. 5, 2.
 
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inbegriffen, part. von einbegreifen theil 3, 148, innerhalb einer sache begriffen, beschlossen (vgl. unter in oben sp. 2082): in dieser summe sind alle unkosten inbegriffen.
 
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inbehalten, verb. wie inne behalten und einbehalten (th. 3, 148): erblich eigen inbehalten, besitzen und gebrauchen. Grotens gesch. von Northeim (1723) 22.
 
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inbei, praep. für einfaches bei, der bildung nach dem anbei zu vergleichen:

sie begruben den ritter im schlosse fein,
das mägdlein inbei ein brünnelein.
Stilling 1, 28.


 
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inbein, n.?: im stechen (beim wettschieszen) verlor ers nimmer, es wer dann die senn zerstochen, verruckt oder zerbrochen: oder das schlosz hett gelassen: oder ein wind hett ihn angeblasen: oder einer hett ihn gestoszen: oder der stul wer verritscht: oder der fusz wer ihm geglitscht: oder der stand war uneben: oder hett was umb das inbein geben: oder die senn war zu lang: dasz ihm der schusz nidersank. Garg. 181b. — In Gersdorfs feldb. der wundarznei kommt ein der eigentlichen bedeutung nach eben so dunkles igenbein vor: die musculi seind beschaffen in dem buch, in z sterken, und z helfen den anderen glideren ire überflüssigkeiten usz z treiben. und seindt an der zal viii secundum Galenum .. die anderen zwei gon von den linken rippen z der rechten der igenbein, und krümment sich durch das mittel des buchs als ein andres kreüz. s. 11.
 
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inbetrachtnahme, f. erst in neuester zeit aus der formel in betracht nehmen (sp. 2102) gebildet, schwerfällig und nicht zum vortheil der sprache.
 
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inbewohnt, part. zu einbewohnen, einwohnen (vgl. unter in sp. 2082): denn seind wir von natur und geburt des newen menschen, ausz got geborn .. z allem gten angericht, inbewonet, gelert, getriben, und auszgeschaffen vom hailigen gaist. S. Frank parad. 144a.

 

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