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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
immittels bis impfling (Bd. 10, Sp. 2079 bis 2080)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immittels, immittelst, adv.
1) mittlerweile, inzwischen, assimiliert aus inmittels, inmittelst (s. d.): befahlen mir immittelst. Schweinichen 1, 214; er ward drei ganzer jahre lang in der haft behalten, und immittelst bewegten die geflüchteten Portugisen himmel und erde, dasz ihr könig ihnen möchte frei gegeben werden. Gebauer bei Lessing 6, 149; immittelst geben einige leute den ton an; der grosze haufe stimmt ein. Wieland 13, 278 (266); einer von meinen leibeignen .. wird alles, was er hat, heimlich den abgehenden kindern zuwenden. immittelst wollen diese von dem hofe ausgelobet sein, und der anerbe wird ihnen ihren erbtheil bei lebendigem leibe der eltern .. auszahlen müssen. Möser patr. phant. 3, 267;

so nehmt nun disz immittelst,
auf euren nahmenstag, das keines groszen tittels
des lobes würdig ist.
P. Fleming 64;

immittels werd ich oft vor diesem fenster stehn. 652;

immittelst nahm mein alter zu.
Günther 196.


2) selten local, in der mitte zwischen:

ich schweb itzund immittelst tod und leben.
Hoffmannswaldau getr. schäfer s. 96.


 
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immlein, n. apicula. Stieler 889; schweiz. die honigreichen ymble, apes melliferae Maaler 510b;

in ä garte
bin i gestande,
ha de imbli
zugeschaut!
Göthe 1, 169 (Schweizerlied).


 
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immler, m. bienenwirt, bienenzüchter.
 
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impf, m. oder n. das in den baumstamm geimpfte reis: oben am baume seind die äste, zweige, laubäste, schosz, impf und tragzweiglein. anm. weiszh. lustg. 95. vgl. impflein.
 
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impfanstalt, f. anstalt für das impfen der pocken.
 
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impfarzt, m. arzt der die pocken impft.
 
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impfeinschnitt, m. einschnitt für das impfen gemacht. bildlich: die vielen impfeinschnitte des schicksals für neue tugenden. J. Paul Hesp. 3, 83.
 
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impfen, verb. inserere. ahd. impitôn, imptôn, imphôn (Graff 1, 262), mhd. impfeten, inpfeten, impfen (Lexer wb. 1, 1422); noch bair. impten, impfen Schm. 1, 80 Fromm. die herleitung des wortes von ἐμφυτεύειν einpflanzen, pfropfen darf wol als sicher gelten; das wort ist, wie so manches andere, aus dem griechischen ins späte latein eingedrungen und in den romanischen ländern gebraucht worden, wo sowol dem griech. ἔμφυτος zunächst entsprechend, ein inpotus in der bedeutung pfropfreis in der lex salica belegt ist: si quis in potus (l. inpotus) de pomario aut de perario deruperit. ed. Merkel s. 62; si quis inpotus de milario aut de pirario tulerit. s. 85; als sich auch bis jetzt im piemontesischen und parmesanischen enta, modenesisch entin, franz. ente pfropfreis, enter pfropfen erhalten hat (Diez wb. 2, 286).
impfen heiszt
1) ein fremdes reis in einen baumstamm einfügen: inserere impfen, impten, pelzen Dief. 300c; insitus ingeimpft 301a; ympfen, zweien, einsetzen, inserere Maaler 510b; impfen, pflanzen, plantare, serere, inoculare, pangere, emplastrare 235c; pfropfen oder propfen, so sonsten auch impfen, pelzen und zweigen genannt wird. öcon. lex. (1731) 1894; eh du etwas zu impfen anfahest, soltu mit sonderm fleisz betrachten und erwegen ... Sebiz feldb. 322; will man aber auf frembde

[Bd. 10, Sp. 2080]


bäume impfen. 323; man pflegt zwischen rinde und holz zu impfen, wann die bäum anfahen iren saft zu uberkommen. 330; das soll man allezeit für ein gemeine regul halten, das man weder blüende noch fruchttragende zweige impfen soll. 338; die sebesten könnten auch bei uns gepflanzet werden, dann sie sich auf die nespel gern impfen lassen. Tabernaem. 1324; lorber auf eschenbaum impfen. Hohberg 1, 409b; er wolt ihm zweig davon (von dem baume) zu impfen geben. Lehmann 160;

auf ihr gärtner, senket reben,
impfet bäume mancher ahrt,
pflanzet kraut und obst daneben,
dasz sich fein zusammen paart.
Rist Parn. 851;

infinitiv substantivisch: das versetzen und einlegen pringet zwar schöne lustige und groszwachsende bäume und frücht herfür: aber doch das impfen und propfen noch vil mehr. dann durch das impfen werden .. die wilden bäume gezämt. Sebiz 322.
2) impfen bildlich: mhd.

er (H. v. Veldecke) inphete daʒ êrste rîs
in tiutescher zungen:
dâ von sît este ersprungen,
von den die bluomen kâmen. Trist. 120, 18;

nhd. wir sind all durch die tauf in Christum geimpft. kriegb. d. fr. 56; denn ich hatte ein stolzes herz, und tugend auf stolz geimpfet, giebt zwar schöne früchte, aber andre genieszen sie nicht gern. Möser patr. phant. 4, 72; risz den spalt weiter, in den das schicksal seine schmerzen impfte. J. Paul Hesp. 3, 57; der auf die saftröhren und das mark des hohen ernstes geimpfte humor des Engländers. palingen. 1, xi; an die weiber wend ich mich noch weniger, diese gewähren hier nichts; überall mehr als jene (die männer) auf fremde meinung geimpft, stecken sie mehr ins ohr, als jene in den magen. friedenpr. 23;

so eilt auf einen stamm, wie ihr seid, mich zu impfen.
A. Gryphius 1698 1, 714;

daselbst schmissen sie ihn (einen kuchen) in die hecken, dessen stücke die freudenvolle jugend aufsuchten, und gleichsam als zum ewigen andenken in sich impften und aszen. unw. doctor 619.
3) das seit dem jahre 1717 vom orient her in England bekannt gewordene verfahren, künstlich blattern als schutzmittel gegen die natürlichen zu erzeugen, hiesz dort ingrafting, als übersetzung einer wahrscheinlich neugriechischen bezeichnung: the small-pox, so fatal and so general amongst us, is here (in Adrianopel) entirely harmless by the invention of ingrafting, which is the term they give it. Lady Montague brief vom 1. april 1717; und wurde deutsch genau durch einimpfung, einimpfen, impfen wieder gegeben, indem wie in England, der gärtnerausdruck auf die medicinische operation anwendung erfuhr: das impfen der blattern, pocken, und metonymisch das impfen der kinder; also sollte man die einimpfung der blattern ganz verbieten. Möser patr. phant. 4, 64; die einimpfung derselben (der pocken) ward bei uns noch immer für sehr problematisch angesehen, und ob sie gleich populare schriftsteller schon faszlich und eindringlich empfohlen, so zauderten doch die deutschen ärzte mit einer operation, welche der natur vorzugreifen schien. speculierende Engländer kamen daher aufs feste land und impften, gegen ein ansehnliches honorar, die kinder solcher personen, die sie wohlhabend und frei von vorurtheil fanden. Göthe 24, 51 fg. der ausdruck ist auch dem seit 1796 angewendeten verfahren, kuhpocken auf menschen zu übertragen, geblieben. vgl. einimpfen th. 3, 212 und impfarzt, unten impfling, impfnarbe, impfzwang.
 
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impfer, m. inoculator. Maaler 235c: so vil den gezeug und die instrumenten belanget, welche ein jeder impfer bei sich zur hand soll haben, und auf das best, wann er will zweigen und impfen. Sebiz 324.
 
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impflein, n. kleines in einen baumstamm geimpftes reis (vgl. impf): die gäns, .. wo sie allein sein, da verterben sie die junge impflin, oder pflanzen, benagen allerhand gartenkräuter, die jungen weinstöck, oder das junge holz in den reben. Sebiz 110.
 
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impfling, m.
1) geimpfter oder zu impfender zweig, impfreis: die junge pflanzzweig oder impfling soll man impfen, verpflästern, oder zweigen, allweil die bäum inn der milch oder im saft sindt. Sebiz 52.
2) übertragen, auf kinder, wie spröszling: die sorgfeltige wartung, so an seine (des mannes) recht eingeimpfte impfling,

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zweig und erben angewendet wird. Garg. 66b; auf schüler: da nämlich das markgräfliche konsistorium .. mehre seiner (des kirchenrats Seiler) werke .. den fürstenthümern Bayreuth und Anspach, nämlich den kindern darin, eingeimpft hatte: so hielten wir impflinge, auf welcher schulbank wir auch saszen, immer etwas gedrucktes in der hand, was wir unsern 'Seiler' hieszen. J. Paul leben Fibels 3.
3) impfling, ein mit den kuhpocken zu impfender oder geimpfter mensch: jeder impfling musz frühestens am sechsten, spätestens am achten tage nach der impfung dem impfenden arzte vorgestellt werden. impfgesetz des deutschen reiches vom 8. april 1874, § 5.

 

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