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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
immerwillig bis impfen (Bd. 10, Sp. 2078 bis 2079)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immerwillig, adj. semper paratus, promtissimus, deditissimus. Stieler 2538.
 
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immerzu, adv. das durch zu verstärkte immer, bis auf heute noch oft getrennt gesetzt; sonst auch zu bloszem immerz verkürzt: lieben hern, es will jmertz mangel an brot im leger sein, desshalb e. f. w. in solchem sovil muglich fürsehung thun, das dem leger prot zugefürt wird. Schertlin br. 170; selbst immez immer Schm. 1, 76 Fromm. (aus Nürnberg).
1) es bedeutet immer weiter, fort und fort, in bezug auf eine gegenwärtige, oder in die zukunft reichende thätigkeit: immerzu, subinde, idemtidem, crebro Steinbach 2, 1123; beleib im streit und fach ymerz wider an. Keisersb. pred. teutsch (1510) 116b; der welt nach leben da ist weder rw noch raste, sunder ymerz angst und not. 74a; die magd redt jmmerzu spötlich. H. Sachs 1, 477b; die ritter und edlen, die dem hoffleben umb müsziggangs willen nachziehen, werden immerzu in unmusz und unruh sein. Zinkgref apophth. 1, 8; lieber alter, sage mir doch, von wem hat der junge krebs das kriechen gelernet? es folget immerzu einer dem andern nach. Schuppius 784; und sihet und findet man immerzu thorheit. ebenda; immerzu einen ansehen, aliquem subinde intueri. Steinbach 1, 1123; er fragt immerzu, idemtidem quaerit. ebenda; einem immerzu briefe zu schicken, alicui crebro litteras mittere. ebenda;

doch dein befehl, an dem ich mich ergetze,
fällt immer zu mir unvergessen ein.
Opitz psalmen s. 236;

ob nun gleich ein goldnes tuch kan den esel decken,
siht man ihn doch immer zu noch die ohren recken.
Logau 2, 152, 62;

adel, den die kunst gebieret, hat gemeinlich diesen mut,
dasz er mehr für geld als ehre, immerzu das seine thut. 3, 101, 11;

wie thöricht wer sich will an éinen menschen binden,
man kan noch immerzu desselben gleichen finden.
Abschatz verm. ged. 169.

in bezug auf einen aus der vergangenheit in die gegenwart reichenden zustand: gleichwol aber ist die pure einfalt, gegen andern menschen zu rechnen, noch immerzu bei mir verblieben. Simpl. 1, 36 Kurz; auf die vergangenheit bezüglich: er hatte seiner gemahlinn ein ansehnliches vermögen mit spielen und lüderlicher gesellschaft verschwendet, und sich dennoch immerzu des namens eines redlichen gemahls und zärtlichen

[Bd. 10, Sp. 2079]


vaters angemaszt. Rabener sat. 4, 57; ich versprach was sie begehrte, ich hätte zu und immer zu versprochen. Göthe 23, 85.
2) immerzu, als ausruf, wie frisch dran! vorwärts! gewöhnlicher aber getrennt geschrieben: immer zu! als zuruf, perge, pergite! Scheller deutsch-lat. handlex. (1796) 785;

immer zu! immer zu!
ohne rast und ruh!
Göthe 1, 93.


 
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immi, n. alemannisches masz für trockene und flüssige waaren, mhd. imîn und imî (Lexer wb. 1, 1421); ob ein etymologischer zusammenhang mit ahm, cadus, amphora, ahd. âma und ôma (vgl. theil 1, 191) bestehe, kann nicht entschieden werden. modius mutte, quartale vierteil, satum imi voc. opt. 20b, 11; man sagt glaublichen, das sie von zweir ime habern wegen, darumb sie gehadert und zanket, mer dann umb die hundert tausendt guldin wert kommen. Zimmer. chron. 3, 152, 9; in der Schweiz ist immi als hohlmasz für trockene sachen theils der neunte theil eines viertels (Luzern und Zürich), theils der vierte theil eines mäszes (Bern); auch eine marktabgabe in korn. Stalder 2, 69; Fronsperger nennt ime als weinmasz, enthaltend zehn Eszlinger masz, 16 imen = 1 eimer. kriegsb. 1, 126b.
 
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immittels, immittelst, adv.
1) mittlerweile, inzwischen, assimiliert aus inmittels, inmittelst (s. d.): befahlen mir immittelst. Schweinichen 1, 214; er ward drei ganzer jahre lang in der haft behalten, und immittelst bewegten die geflüchteten Portugisen himmel und erde, dasz ihr könig ihnen möchte frei gegeben werden. Gebauer bei Lessing 6, 149; immittelst geben einige leute den ton an; der grosze haufe stimmt ein. Wieland 13, 278 (266); einer von meinen leibeignen .. wird alles, was er hat, heimlich den abgehenden kindern zuwenden. immittelst wollen diese von dem hofe ausgelobet sein, und der anerbe wird ihnen ihren erbtheil bei lebendigem leibe der eltern .. auszahlen müssen. Möser patr. phant. 3, 267;

so nehmt nun disz immittelst,
auf euren nahmenstag, das keines groszen tittels
des lobes würdig ist.
P. Fleming 64;

immittels werd ich oft vor diesem fenster stehn. 652;

immittelst nahm mein alter zu.
Günther 196.


2) selten local, in der mitte zwischen:

ich schweb itzund immittelst tod und leben.
Hoffmannswaldau getr. schäfer s. 96.


 
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immlein, n. apicula. Stieler 889; schweiz. die honigreichen ymble, apes melliferae Maaler 510b;

in ä garte
bin i gestande,
ha de imbli
zugeschaut!
Göthe 1, 169 (Schweizerlied).


 
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immler, m. bienenwirt, bienenzüchter.
 
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impf, m. oder n. das in den baumstamm geimpfte reis: oben am baume seind die äste, zweige, laubäste, schosz, impf und tragzweiglein. anm. weiszh. lustg. 95. vgl. impflein.
 
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impfanstalt, f. anstalt für das impfen der pocken.
 
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impfarzt, m. arzt der die pocken impft.
 
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impfeinschnitt, m. einschnitt für das impfen gemacht. bildlich: die vielen impfeinschnitte des schicksals für neue tugenden. J. Paul Hesp. 3, 83.
 
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impfen, verb. inserere. ahd. impitôn, imptôn, imphôn (Graff 1, 262), mhd. impfeten, inpfeten, impfen (Lexer wb. 1, 1422); noch bair. impten, impfen Schm. 1, 80 Fromm. die herleitung des wortes von ἐμφυτεύειν einpflanzen, pfropfen darf wol als sicher gelten; das wort ist, wie so manches andere, aus dem griechischen ins späte latein eingedrungen und in den romanischen ländern gebraucht worden, wo sowol dem griech. ἔμφυτος zunächst entsprechend, ein inpotus in der bedeutung pfropfreis in der lex salica belegt ist: si quis in potus (l. inpotus) de pomario aut de perario deruperit. ed. Merkel s. 62; si quis inpotus de milario aut de pirario tulerit. s. 85; als sich auch bis jetzt im piemontesischen und parmesanischen enta, modenesisch entin, franz. ente pfropfreis, enter pfropfen erhalten hat (Diez wb. 2, 286).
impfen heiszt
1) ein fremdes reis in einen baumstamm einfügen: inserere impfen, impten, pelzen Dief. 300c; insitus ingeimpft 301a; ympfen, zweien, einsetzen, inserere Maaler 510b; impfen, pflanzen, plantare, serere, inoculare, pangere, emplastrare 235c; pfropfen oder propfen, so sonsten auch impfen, pelzen und zweigen genannt wird. öcon. lex. (1731) 1894; eh du etwas zu impfen anfahest, soltu mit sonderm fleisz betrachten und erwegen ... Sebiz feldb. 322; will man aber auf frembde

[Bd. 10, Sp. 2080]


bäume impfen. 323; man pflegt zwischen rinde und holz zu impfen, wann die bäum anfahen iren saft zu uberkommen. 330; das soll man allezeit für ein gemeine regul halten, das man weder blüende noch fruchttragende zweige impfen soll. 338; die sebesten könnten auch bei uns gepflanzet werden, dann sie sich auf die nespel gern impfen lassen. Tabernaem. 1324; lorber auf eschenbaum impfen. Hohberg 1, 409b; er wolt ihm zweig davon (von dem baume) zu impfen geben. Lehmann 160;

auf ihr gärtner, senket reben,
impfet bäume mancher ahrt,
pflanzet kraut und obst daneben,
dasz sich fein zusammen paart.
Rist Parn. 851;

infinitiv substantivisch: das versetzen und einlegen pringet zwar schöne lustige und groszwachsende bäume und frücht herfür: aber doch das impfen und propfen noch vil mehr. dann durch das impfen werden .. die wilden bäume gezämt. Sebiz 322.
2) impfen bildlich: mhd.

er (H. v. Veldecke) inphete daʒ êrste rîs
in tiutescher zungen:
dâ von sît este ersprungen,
von den die bluomen kâmen. Trist. 120, 18;

nhd. wir sind all durch die tauf in Christum geimpft. kriegb. d. fr. 56; denn ich hatte ein stolzes herz, und tugend auf stolz geimpfet, giebt zwar schöne früchte, aber andre genieszen sie nicht gern. Möser patr. phant. 4, 72; risz den spalt weiter, in den das schicksal seine schmerzen impfte. J. Paul Hesp. 3, 57; der auf die saftröhren und das mark des hohen ernstes geimpfte humor des Engländers. palingen. 1, xi; an die weiber wend ich mich noch weniger, diese gewähren hier nichts; überall mehr als jene (die männer) auf fremde meinung geimpft, stecken sie mehr ins ohr, als jene in den magen. friedenpr. 23;

so eilt auf einen stamm, wie ihr seid, mich zu impfen.
A. Gryphius 1698 1, 714;

daselbst schmissen sie ihn (einen kuchen) in die hecken, dessen stücke die freudenvolle jugend aufsuchten, und gleichsam als zum ewigen andenken in sich impften und aszen. unw. doctor 619.
3) das seit dem jahre 1717 vom orient her in England bekannt gewordene verfahren, künstlich blattern als schutzmittel gegen die natürlichen zu erzeugen, hiesz dort ingrafting, als übersetzung einer wahrscheinlich neugriechischen bezeichnung: the small-pox, so fatal and so general amongst us, is here (in Adrianopel) entirely harmless by the invention of ingrafting, which is the term they give it. Lady Montague brief vom 1. april 1717; und wurde deutsch genau durch einimpfung, einimpfen, impfen wieder gegeben, indem wie in England, der gärtnerausdruck auf die medicinische operation anwendung erfuhr: das impfen der blattern, pocken, und metonymisch das impfen der kinder; also sollte man die einimpfung der blattern ganz verbieten. Möser patr. phant. 4, 64; die einimpfung derselben (der pocken) ward bei uns noch immer für sehr problematisch angesehen, und ob sie gleich populare schriftsteller schon faszlich und eindringlich empfohlen, so zauderten doch die deutschen ärzte mit einer operation, welche der natur vorzugreifen schien. speculierende Engländer kamen daher aufs feste land und impften, gegen ein ansehnliches honorar, die kinder solcher personen, die sie wohlhabend und frei von vorurtheil fanden. Göthe 24, 51 fg. der ausdruck ist auch dem seit 1796 angewendeten verfahren, kuhpocken auf menschen zu übertragen, geblieben. vgl. einimpfen th. 3, 212 und impfarzt, unten impfling, impfnarbe, impfzwang.

 

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