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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
immerhin bis immers (Bd. 10, Sp. 2074 bis 2077)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immerhin, adv. , das mit dem adverb der richtung hin verbundene immer, im 16. jahrh. noch getrennt (vgl. unten 3 die stelle aus Luther):

sie mügen imer hin weit von uns draben.
Schade sat. 1, 65, 355;

und
1) rein temporal, erstreckung auf eine ins künftige laufende, ungemessene zeitdauer, wie ferner, fortan, immer weiter, ausdrückend: und das gewesser verlief sich von der erden jmer hin, und nam abe. 1 Mos. 8, 3 (gegen v. 5: es verlief aber das gewesser fort an und nam abe); wer böse ist, der sei jmer hin böse, und wer unrein ist, der sei jmer hin unrein. aber wer frum ist, der sei jmer hin frum, und wer heilig ist, der sei jmer hin heilig. offenb. 22, 11; darumb dann auch noch jmmerhien trachte, wie ich in einem anderen stand und stath .. meine tage mit heil vollführen könte. Philander

[Bd. 10, Sp. 2075]


2, 20; mag sein, dasz du heute deine tinktur für gediegenes gold austropfest, wird aber nicht immerhin dauern. Sturz 1, 213;

ach! dasz sie wüste nur die kleinsten meiner nöthen,
so würde sie mich doch auf einmahl lassen tödten.
nun sterb ich immer hin, und sterbe nimmer doch.
P. Fleming 621.


2) als ermunternder ausruf (wie auf! vorwärts! fort!):

immer hin zum dritten male! was gedrittet, ist vollkummen,
drei sind aller guten dinge: was nur gut, ist gut mit summen!
Logau 3, 85 (an einen guten freund, zum drittenmal bräutigam).


3) immerhin in abgeblaszter bedeutung, erlaubnis, freiheit zu einer in die zukunft reichenden handlung anzeigend, bei Luther noch getrennt: erstlich wollt ich wundschen, wenn sie ja wollen einen konig wählen .. dasz e. k. f. g. im namen gottes imer mit hin hulfe wählen. br. 4, 201; später zusammengerückt:

schlaf immerhin die erste zeit des lebens!
dir gab die gütige natur
den süszen hang zur ruhe nicht vergebens;
drum schlafe, knabe, schlafe nur!
Gotter 1, 172.

in der neuern sprache häufig gesetzt, um einen widerspruch, gegensatz, ein bedenken einzuleiten, oder ein solches zu entkräften (vgl. immer 13, f sp. 2072): nenne die tugend immerhin schwärmerei; diese schwärmerei macht mich glücklich. Wieland 1, 206 (172); gut, gut, fiel ihm der sultan ins wort: wir wollen immerhin bekanntschaft mit ihm machen, wenn es auch nur wäre, weil er ein sohn der schönen Alabanda war. 7, 7; nun mochte Engeltrut .. immerhin kopfschmerzen oder grillen in dem kopfe haben, oder arbeit in den händen: sie behielt jederzeit eine frei, um ihm (dem sohne) damit die backen zu streicheln. J. Paul leb. Fibels 14; hofschulze, sagte der bauer, es kann doch nun einmal nichts helfen, kommt also nur immerhin zum stuhl, denn das gericht musz gehegt werden auch ohne dieses. Immermann Münchh. 4, 52;

Lominte. ich sorg, ich sorg, mein vater wird mich zwingen.
Lisette. o zwingen mag er immerhin,
nur lassen sie sich nicht bezwingen.
Lessing 2, 431;

sei immerhin der junge hirt verschwunden!
Wieland 9, 320 (290);

sei immerhin der schönste unter allen
im Frygerland, sei ein Endymion,
sei ein Narciss, was hast du hier davon? 10, 190 (180).

häufig elliptisch immerhin! (zu ergänzen mag es sein oder geschehen): Valer. und werden ausgezischt, wie die schlechten komödienschreiber. Lelio. immerhin! Lessing 1, 352; aber das fürchte ich, dasz man mir meine obige frage zurück geben wird ... immerhin; ich bin wegen der antwort eben nicht verlegen. 6, 314; immerhin! rief der sultan; das böse, das du von ihm sagen wirst, bleibt unter uns. Wieland 7, 8; immerhin, sagte der sultan lächelnd, wenn dein Tifan auch ein traum wäre. 198;

und des undanks spott und hohn
giebt für wohlthat schlimmen lohn.
immerhin! ich leid es gern.
Günther 18;

eine närrische kommission! närrisch immerhin; genug, dasz man mich bezahlt. Lessing 1, 494;

hat die misgunst ihren scherz,
redet falscher freunde tücke:
eitler kummer immerhin!
nichts beweget meinen sinn.
Günther 92.


 
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immerjungfer, f.: was stehet im Suidas davon? dieses: dasz ἀειπαρθενος (immerjungfer) ein beinahme der furien gewesen sei. Lessing 6, 270. in voller und edlerer form, von der erde:

du immer-jungfrau, du der sonne braut.
Herder z. litt. 4, 56.


 
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immerkuh, f. eine kuh die von dem hofherrn oder pächter beständig erhalten und nach dem tode ersetzt werden musz, eiserne kuh. rechtsalt. 593; vgl. auch ewig 2, theil 3, sp. 1202. auch vertragmäszig immerfort bestehendes recht auf den nutzen oder wert einer kuh. Schm. 1, 76 Fromm. vgl. DWB immerrind.
 
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immerleben, n. dauerndes, ewiges leben, mhd. iemer-leben (Lexer wb. 1, 1415): immerleben, immortalitas Stieler 1098;

es ist kein immer leben,
es musz gescheiden sein. geistl. lied bei
Mützell 1063.

altnord. heiszt es ei-lîfð, everlasting life, eternity. Vigfusson 120a.
 
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immerlehrer, m. der stets lehrt: jene süszlichen, honigthauigen, bleizuckernen immerlehrer (es ist von kindererziehern die rede). J. Paul Levana 2, 26.

[Bd. 10, Sp. 2076]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immerlicht, n. lampe die in kirchen und kapellen unaufhörlich brennend erhalten wird, ewiges licht. Schm. 1, 76 Fromm.
 
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immermangelnd, part.: als ich ihn das erste mal sah — und mir das blut in die wangen stieg .. und mein herz den immermangelnden erkannte, bekräftigte (den, der mir bis dahin immer gemangelt hatte). Schiller kab. u. liebe 1, 3.
 
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immermehr, adv. , das verstärkte immer. schon mhd. tritt zu iemer, als dessen zweiter theil mêr (vgl. sp. 2068) nicht mehr gefühlt wird, ein nochmaliges mêre, mê hinzu, um eine künftige stete zeitdauer zu bezeichnen (mhd. wb. 2, 1, 151). diese hinzufügung wandelt sich nach und nach, und seit dem 17. jh. stets, in feste verbindung zu éinem worte, mit dem hochtone auf der ersten silbe (ímmermehr); unterschieden von dem getrennten immer mehr, in welchem immer nichts ist, als verstärkung des comparativs mehr (vgl. immer no. 8) und in dem daher mehr den hauptton hat (immer méhr). fehlerhaft ist in dem letzteren falle immermehr zusammengerückt: auch von Leipzig fanden sich zuschauer, sie sowohl als die von Halle wurden mit unsern ernsten bemühungen immermehr bekannt. Göthe 31, 149. — Für immermehr die form immermeder (vergl. über meder für mehr beim letztern worte): ain lerch die hebt an an der erden und schwingt sich hinauf ymermeder für und für bisz sy ganz hinauf kompt ... aber der arm heuschrickel, der kan nit hinauf kommen, er fellt ymermeder herwider ab. Keisersberg spinnerin (1510) c 1a; auch ummermeder: und ist nüt den ytel unflat mit uns, umermeder angst und not. Marie himelf. 12d; das wenden sie umermeder für. 16a; s. auch nachher 1.
immermehr, dem heutigen sprachgebrauche veraltet (während die negation nimmermehr frisch lebt), bedeutet
1) immer fernerhin, fortwährend, stets von neuem (wie immer 3 sp. 2068): wenn du dich aber allwegen beclagst, und yemermeder ein liblöchlin schest. Keisersberg bilg. 87b; das herz fert do hin, wie ein ungeregiert schifflin uff einem wasser, den do hin, den widerümb uff ein anders, iemer meder das wasser ab, bisz es zerbricht. 113a; da gedacht er ymmermeder an die fisch. sünden des munds 7b;

darumb sie (die stadt Rotenburg) imermere
der wirde haubtstat soll sein benant.
Püterich ehrenbrief bei Haupt 6, 33, 9;

o himelischer vatter mein,
des sei dir lob, dank, preis und er
iezunt ewig und immermer.
H. Sachs 3, 186 Tittm.

auf eine vergangenheit bezüglich (wie immer 7 sp. 2070): sie aber treib ire hurerei jmer mehr (καὶ ἐπλήθυνας τὴν πορνείαν σου sept.). Hes. 23, 19.
2) immermehr je, jemals, wenn es in die zukunft weist (wie immer 11 sp. 2071): weh dir Jerusalem, wenn wiltu doch jmer mehr gereiniget werden? Jer. 13, 26; so wil ich doch hiemit für gott und aller welt bezeuget und bekant haben, das ichs mit diesen sacramentslesterern und schwermern nicht halte, noch je gehalten habe, noch jmermehr halten wil. Luther 3, 533a; so müssen sie nicht ehe teufen, sie wissen denn gewis, das der teufling glaube. wie und wenn wollen sie doch das jmer mehr wissen? 4, 323b; wil ich sagen, der gleubt nicht, darumb ist seine taufe nichts, er mus kurzumb sich so lange lassen teufen, bis er nimermehr fallen oder on glauben sein könne .. sage mir, welcher christ wil denn jmer mehr gnugsam getauft werden, oder seiner taufe ein gewis ende bekomen. 327a; weder du noch ich, kündten jmermehr etwas von Christo wissen, .. wo es nicht durch die predigt des euangelij von dem heiligen geist würde angetragen. 411b; welch herz kan jmer mehr gnugsam begreifen, welch ein wolthat und gnade das ist. 5, 197a; denn jr keiner wird solchen rhum, und preis jmermehr aufbringen, mit seiner und aller welt heiligkeit, das er könne sagen, wer ein cartheuser oder münche bleibet, der bleibet in gott. 6, 52a; denn wo wil er jmermehr den text finden, der da klerlich sagt, die schlüssel seien s. Petro gegeben von Christo. 8, 223a; ich habe keine hoffnung, dasz wir immermehr in allen kirchen .. eins werden mögen. br. 5, 529; glaubet nicht, dasz ein lausichter und unartiger mensch, ob er gleich des Crösus reichthumb erlangete, seine verfluchte geizige art immermehr verlassen werde. pers. baumg. 6, 13.
3) immermehr, mit verallgemeinerndem sinne.
a) wie nur, nur immer (s. immer 13, a sp. 2071): kein bloszer mensch, wie grosz der auch immermehr sei. Ayrer proc. 2, 10; da suchte ich die allerzartesten worte herfür, die mir meine bäurische grobheit immermehr eingeben konte. Simpl. 1, 34 Kurz; es mochte so wenig wasser in den röhren sein als

[Bd. 10, Sp. 2077]


immermehr wollte. Chr. Wolff versuch z. erk. der nat. u. kunst th. 1 cap. 2 s. 40; ich will beweisen, dasz nur wenig menschen diesen titel (schelm) verdienen, und dasz es mehr redliche in der welt giebt, als man immermehr glauben sollte. Rabener sat. 4, 56;

er (der gottesfürchtige) lacht nur dazu
was immermehr thu
der teufel mit blasen,
die welt mit viel rasen.
Logau 1, 171.


b) in der verwundernden, zweifelnden frage (s. immer 13, e sp. 2072); in der indirecten: er war und nennete sich so vieler fürsten raht und consiliarium, dasz ich ofters bei mir nachdachte, was er doch immermehr solchen seinen fürsten für raht gebe? Schuppius 423;

und hett doch gern kundschaft gefragt,
wie es doch nur jmmermehr kehm,
das ich ewer keinen vernehm. froschmeus. C 8b;

wie in der directen: wie hastu es doch immermehr gemachet, dasz solch ein fressend wildes thier zahm bei dir geworden? pers. baumg. 1, 1;

wie ist dir immermehr geschehn?
P. Gerhard 23, 7;

was hat euch immermehr das arme kind gethan,
dasz ihrs laszt, neben euch, auf schwachen füszen traben?
Canitz 131;

du pflegst um diese zeit die gasse nicht zu lieben;
was hat dich immermehr so eilig hergetrieben?
Hagedorn 1, 56;

was ist es immermehr, das dich so schrecken kann? 2, 136.


 
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immeroffen, adj. für getrenntes immer offen:

was bewachst du mit immeroffnem auge
jene goldne frucht, die Hespers tochter
deinem süszen gesang zum lohn verehrte?
Voss an Gerstenberg, in seinem musenalm. 1777 s. 144.


 
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immerrind, n. beständig zu haltendes rind oder recht auf beständige nutzung eines rindes. Schm. 1, 76 Fromm. vgl. DWB immerkuh.
 
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immers, adv. für immer, in der bedeutung immerhin (vgl. immer 13, f sp. 2072): so vil ist doch jmmers dran, dasz die röm. kirch im possess und besitz der erbschaften ist, so s. Peter im testament hat hinderlassen. Fischart bienk. 138b; nun wissen wir jmmers wol, dasz alles fleisch dasz man iszt, von der erden herkommet. 146b.

 

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