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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
immerdar bis immerhin (Bd. 10, Sp. 2073 bis 2074)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immerdar, adv. das durch das adverbium dar, mhd. dare dar (mhd. wb. 1, 307a), welches auch eine zeitliche bewegung ausdrückt, verstärkte immer seit dem 16. jahrh. häufig begegnend: yemerdar, allwäg, semper, perpetuum, perpetuo, perenne, noctes atque dies Maaler 509d. Es steht, wie immer,
1) zur bezeichnung einer zeitdauer, deren künftiges endziel nicht abzusehen ist: auf welch land der herr dein gott acht hat, und die augen des herrn deines gottes jmerdar drauf sehen, von anfang des jars bis ans ende. 5 Mos. 11, 12; er (der gottlose) feret fort mit seinem thun jmerdar. ps. 10, 5; werde bleiben im hause des herrn jmerdar. 23, 6; ich wil den herrn loben alle zeit, sein lob sol jmerdar in meinem munde sein. 34, 2; ich wil nicht jmerdar haddern, und nicht ewiglich zörnen. Jes. 57, 16; danket im alle, denn er ist gütig und hilft jmerdar. Judith 13, 21; was er bescheret, das gedeiet jmerdar. Sir. 11, 16; gib uns unser teglich brot jmerdar. Luc. 11, 3; gib .. das sich auch desselbigen (gottes) namens erkäntnis und herrligkeit immerdar mehr und mehr auszbreite. Schuppius 439;

dein zeugnis, herr, besitz ich immerdar.
Opitz psalmen s. 233;

mein liebchen sollst immerdar bleiben.
Bürger 61b;

formelhaft immerdar und ewig, in perpetuum Steinbach 1, 255; in der formel nun und immerdar der gegenwart entgegengesetzt:

alles leid und misbehagen,
jede sorge, jede last
wär ich ganz allein zu tragen
nun und immerdar gefaszt.
Bürger 6a.


2) gern in verbindung mit der praep. auf:

ein einzger blick zeigt ihm, was er besessen,
zeigt ihm, was er auf immerdar verloren.
Schiller Carlos 1, 4;

D. ists vorbei
mit seinem glück? Buttler. vorbei auf immerdar. Wallensteins tod 5, 2;

er ist
dahin, ist fort auf immerdar. Tell 4, 2.


3) immerdar auf eine schon abgeschlossene vergangenheit sich beziehend (wie immer 7 sp. 2070): da aber der herr sahe, das der menschen bosheit gros war auf erden, und alles tichten und trachten jres herzen nur böse war jmer dar. 1 Mos. 6, 5; auferzogen in den worten des glaubens und der guten lere, bei welcher du jmerdar gewesen bist. 1 Tim. 4, 6; ich bin vor (zuvor) yemerdar darmitt umbgangen, usque dudum id egi. Maaler 509c; nun hab er immerdar lust gehabt zu der teutschen poesi, und hab exercitii gratia diese lateinische pasquill in teutsche vers bracht. Schuppius 254.
4) immerdar, von einer oft oder regelmäszig wiederholten handlung (vgl. immer 10 sp. 2071): ich merke, das dieser man gottes heilig ist, der jmerdar hie durchgehet. 2 kön. 4, 9; denn du hast jmerdar dein joch zubrochen und deine bande zurissen.

[Bd. 10, Sp. 2074]


Jer. 2, 20; yemerdar, oder merteils wandlende, peregrinabundus. Maaler 509d; das kumpt mir yemerdar wider inn sinn, ich kan desse nit vergässen, recursar hoc animo. ebenda.
 
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immerfertig, adj. paratissimus ad omnia, allzeitfertig. Stieler 406.
 
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immerfort, adv. in steter, ununterbrochener dauer, oder auch nur (wie immerdar 4) in regelmäsziger wiederholung: aber dis volk hat ein abtrünniges, ungehorsames herz, bleiben abtrünnig und gehen jmer fort weg. Jer. 5, 23; ein grober ungezogen mensch plaudert unfursichtiglich, und wesscht jmer fort, wie es jm einfelt. Sir. 20, 21; sie verneuerten ihre bestendigkeit immerfort. polit. stockf. 345; wenn sie ihre dichterischen freunde und freundinnen nur immerfort aufmuntern. Göthe an Schiller 1, 360; dachte ich abermals nicht an meinen beutel, sondern zahlte und spendete immerfort, so wie es eben vorkam. werke 23, 78; so lange noch etwas im beutel war, hatte ich immerfort bezahlt. 81;

es winkt mir immerfort. Shakesp. Hamlet 1, 4;

still I am call'd.


 
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immerfortig, adj.: jene stete bewegung und dabei immerfortige sicherheit der volkssagen stellt sich, wenn wir es deutlich erwägen, als eine der trostreichsten und erquickendsten gaben gottes dar. Grimm deutsche sagen 12 s. viii.
 
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immerfrisch, adj. und adv., aus immer und frisch zusammengerückt: sie (die künstlichen blumen) blühen immerfrisch. Gotter 1, 186.
 
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immerfroh, adj. zusammengerückt aus immer und froh:

der mit immerfrohem muth
durch das leben schlüpfet.
Gotter 1, 109.


 
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immergleich, adj.:

der immergleiche sinn, den fälle nicht zerrütten.
Hagedorn 1, 16.


 
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immergrün, adj.: umgeben von romantischen hügeln, welche mit blühenden büschen und immergrünen eichen bedeckt sind. Göthe 37, 147;

drum ist dir (der fichte) auch verehret
zum zeichen deiner trew das immergrüne kleid.
Logau 1, 191;

anmuthig thal! du immergrüner hain!
Göthe 2, 145;

dürr wird das laub der immergrünen eichen.
Rückert 288.


 
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immergrün, n. das substantivisch gesetzte neutrum des vorigen adj.: das schöne immergrün dieser blätter. auf verschiedene pflanzen mit immergrünen blättern bezogen, vornehmlich auf vinca major und minor, das in einer ältern zusammensetzung gleichen sinnes sin-grün, und auch in-grün (s. d.) heiszt. Nemnich 4, 1567; aber auch auf sempervivum, hauswurz. 4, 1278; hedera helix, epheu. 3, 107; und aizoon. 1, 131; immergrün est planta, dicta sedum majus et barba Jovis, alias hauswurz. Stieler 709; immergrün, ein kraut, amerimnon; sedum majus. Frisch 1, 378b; gern bildlich gebraucht: über das immergrün unserer gefühle. J. Paul kl. bücherschau 2, 97; die blumen (gelegenheitsgedichte), auf diese art entstanden, sind .. von allen zeitgenossen gekannt, und werden es noch von der nachwelt sein; — ein immergrün für alle zeiten. Schlichtegroll bei Gotter 3, xiv;

(ich wünsche) dasz alle blumen mögen blühn
und grünen alle bäume,
wie mir aus hoffnungs immergrün
der zukunft rosenträume.
Rückert 1 (1868) 593 (liebesfrühl. 6, 4).


 
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immerhenker, m.: das ir herr wol möcht heiszen imerhenker oder imerstockmeister (als gegensatz zu ewiglich vater vorher), denn da ist weder veterlich noch kindlich regiment oder wesen, sondern eitel henkerisch und schelkisch regiment, da der henker vater ist. Luther 3, 185b.
 
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immerhin, adv. , das mit dem adverb der richtung hin verbundene immer, im 16. jahrh. noch getrennt (vgl. unten 3 die stelle aus Luther):

sie mügen imer hin weit von uns draben.
Schade sat. 1, 65, 355;

und
1) rein temporal, erstreckung auf eine ins künftige laufende, ungemessene zeitdauer, wie ferner, fortan, immer weiter, ausdrückend: und das gewesser verlief sich von der erden jmer hin, und nam abe. 1 Mos. 8, 3 (gegen v. 5: es verlief aber das gewesser fort an und nam abe); wer böse ist, der sei jmer hin böse, und wer unrein ist, der sei jmer hin unrein. aber wer frum ist, der sei jmer hin frum, und wer heilig ist, der sei jmer hin heilig. offenb. 22, 11; darumb dann auch noch jmmerhien trachte, wie ich in einem anderen stand und stath .. meine tage mit heil vollführen könte. Philander

[Bd. 10, Sp. 2075]


2, 20; mag sein, dasz du heute deine tinktur für gediegenes gold austropfest, wird aber nicht immerhin dauern. Sturz 1, 213;

ach! dasz sie wüste nur die kleinsten meiner nöthen,
so würde sie mich doch auf einmahl lassen tödten.
nun sterb ich immer hin, und sterbe nimmer doch.
P. Fleming 621.


2) als ermunternder ausruf (wie auf! vorwärts! fort!):

immer hin zum dritten male! was gedrittet, ist vollkummen,
drei sind aller guten dinge: was nur gut, ist gut mit summen!
Logau 3, 85 (an einen guten freund, zum drittenmal bräutigam).


3) immerhin in abgeblaszter bedeutung, erlaubnis, freiheit zu einer in die zukunft reichenden handlung anzeigend, bei Luther noch getrennt: erstlich wollt ich wundschen, wenn sie ja wollen einen konig wählen .. dasz e. k. f. g. im namen gottes imer mit hin hulfe wählen. br. 4, 201; später zusammengerückt:

schlaf immerhin die erste zeit des lebens!
dir gab die gütige natur
den süszen hang zur ruhe nicht vergebens;
drum schlafe, knabe, schlafe nur!
Gotter 1, 172.

in der neuern sprache häufig gesetzt, um einen widerspruch, gegensatz, ein bedenken einzuleiten, oder ein solches zu entkräften (vgl. immer 13, f sp. 2072): nenne die tugend immerhin schwärmerei; diese schwärmerei macht mich glücklich. Wieland 1, 206 (172); gut, gut, fiel ihm der sultan ins wort: wir wollen immerhin bekanntschaft mit ihm machen, wenn es auch nur wäre, weil er ein sohn der schönen Alabanda war. 7, 7; nun mochte Engeltrut .. immerhin kopfschmerzen oder grillen in dem kopfe haben, oder arbeit in den händen: sie behielt jederzeit eine frei, um ihm (dem sohne) damit die backen zu streicheln. J. Paul leb. Fibels 14; hofschulze, sagte der bauer, es kann doch nun einmal nichts helfen, kommt also nur immerhin zum stuhl, denn das gericht musz gehegt werden auch ohne dieses. Immermann Münchh. 4, 52;

Lominte. ich sorg, ich sorg, mein vater wird mich zwingen.
Lisette. o zwingen mag er immerhin,
nur lassen sie sich nicht bezwingen.
Lessing 2, 431;

sei immerhin der junge hirt verschwunden!
Wieland 9, 320 (290);

sei immerhin der schönste unter allen
im Frygerland, sei ein Endymion,
sei ein Narciss, was hast du hier davon? 10, 190 (180).

häufig elliptisch immerhin! (zu ergänzen mag es sein oder geschehen): Valer. und werden ausgezischt, wie die schlechten komödienschreiber. Lelio. immerhin! Lessing 1, 352; aber das fürchte ich, dasz man mir meine obige frage zurück geben wird ... immerhin; ich bin wegen der antwort eben nicht verlegen. 6, 314; immerhin! rief der sultan; das böse, das du von ihm sagen wirst, bleibt unter uns. Wieland 7, 8; immerhin, sagte der sultan lächelnd, wenn dein Tifan auch ein traum wäre. 198;

und des undanks spott und hohn
giebt für wohlthat schlimmen lohn.
immerhin! ich leid es gern.
Günther 18;

eine närrische kommission! närrisch immerhin; genug, dasz man mich bezahlt. Lessing 1, 494;

hat die misgunst ihren scherz,
redet falscher freunde tücke:
eitler kummer immerhin!
nichts beweget meinen sinn.
Günther 92.

 

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