Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
immenstock bis immer (Bd. 10, Sp. 2067 bis 2068)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) immenstock, m. bienenstock: s. Magnus der heilig würmstürmer, wöll den lieben cathol. imenstock für iemenfrasen, hummeln und krautwürmen .. ritterlich beschirmen. Fischart bienk. 51a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immensummer, n. bienenkorb: imsummer alvearium voc. inc. theut. k 6b; bair. impsumper Schm. 2, 283 Fromm.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immentrog, m. futtertrog, in welchem den bienen der mit wasser verdünnte honig zur zeit des mangels vorgesetzt wird. Jacobsson 1, 816a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immentrüppel, m. traube oder immenzopf (s. d.): angehenkter ymbdrüppel, ein schwarm eines angestosznen ymbds, der sich an einen ast oder baum gehenkt hat. Maaler 510b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immenweide, f.: imweid, apicio, est locus ubi apes recipiunt alimenta. voc. inc. theut. k 6b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immenwerk, n. wabe, bienenwerk: frisch binen oder immenwerk. Seuter rossarznei 282.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immenwolf, m. merops apiaster, bienenwolf. Nemnich 3, 561; der ymmenfrasz, ein frömbder vogel, apiastra, ymbenwolf. Maaler 510b; übertragen auf einen räuberischen menschen: hierein (in das kloster) komm kein heuchler, windhalsz, und nollbruder, .. imwolf, hundib, luftschnapper und meszknapper. Garg. 279b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immenzopf, m. in Franken und Schwaben ein bienenschwarm, der sich gleich einer traube an einen baum oder strauch gesetzt hat. Jacobsson 2, 308b. vgl. immentrüppel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immenzucht, f. bienenzucht.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immer, m. die beute (vgl. theil 1, 1750), der hölzerne korb der waldbienen, wenn er von ihnen bezogen ist: wann biene

[Bd. 10, Sp. 2068]


hinein zogen und bauten, hiesz es nicht mehr ein beuten, sondern ein immer. Frisch 1, 91a, wie es scheint, aus nürnbergischen quellen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
immer, adv. semper.
1) ahd. êo mêr, iomêr, iemer, mhd. iemer, immer, imer; fries. ammer, emmer, immer; altnfr. iemêr, niederl. iemer; mittelniederd. (während das alts. für den begriff noch das einfache êo, io verwendete), jummer, neuniederd. jümmer und jümme; andern deutschen dialecten entgeht die bildung. die zusammenrückung des allgemeinen zeitadverbs ahd. êo, mhd. ie (vgl. unter je) mit dem zeitfolge und fortschritt hervorhebenden adverbium mêr ist unter dem einflusse davon, dasz der hauptton auf die erste silbe fiel und in folge davon der lange vocal des zweiten wortes nach und nach zur tonlosigkeit sank, verdunkelt worden, so dasz schon mhd., wo der begriff des oft gebrauchten iemer sich verallgemeinert und schwächt, eine neue zusammenrückung mit mêre, mê aufkommt, die einiges vom ursprünglichen sinne des adverbs wieder schärfer faszt, s. unten immermehr. heutzutage wo die ursprünglich in form und bedeutung gleichen immer und je mehr so verschiedene wege gegangen sind, fühlen wir, wie an den nachstehenden versen gezeigt werden kann, den einstigen zusammenhang nicht im geringsten mehr:

am busen deiner schwester,
der für dich schlagt,
entschläfst du immer fester,
je mehr es tagt. der junge
Göthe 1, 262.


2) im ahd. dient zwar einfaches êo, eo zur bezeichnung einer fortdauer, sowol in bezug auf vergangenheit als auf gegenwart und zukunft: nist uns des duruft, .. daʒ der sîn namo kauuîhit uuerda, der eo uuas uuîh enti eo ist. Müllenhoff u. Scherer no. 55, 6; sîn rîchi uuas eo enti eo ist. 55, 10, eine bedeutung die noch in der negation, unserm nie lebendig oder wieder aufgelebt ist, aber schon hat der sprachgebrauch einzelner schriftsteller, wie Otfrids (vgl. Lachmann zum Iwein 770) entschieden, io nur bei praesens und praeteritum, iamer beim futurum zu verwenden. im mhd. hat sich die regel ergeben, immer bei beginnender und zukünftiger thätigkeit zu setzen (mhd. wb. 2, 1, 145 fg. Lexer wb. 1, 1414), eine regel, die aber auch auf die schon begonnene, doch in die zukunft fortdauernde thätigkeit sich ausdehnt, überhaupt zu wanken beginnt, von der aber bei der darstellung des nhd. sprachgebrauchs auszugehen ist.
3) immer hebt das stete, dauernde einer beginnenden, künftigen oder bereits begonnenen, aber in die zukunft dauernden handlung, eines zustandes, eines entschlusses hervor. es tritt auszer zu verben auch zu participien, adjectiven und adverbien, und gebräuchlichere verbindungen dieser art werden häufig als éin wort geschrieben (vgl. unten immerbrennend, immermangelnd, immersinkend, immerwährend; immerfertig, immerfrisch, immerfroh u. a.; immerdar, immerfort, immerhin u. a.); auch, aber seltener zu substantiven in gleicher weise, s. DWB immerhenker, DWB immerjungfer, DWB immerkuh, immerleben u. s. w.ahd. in mînemo herzen .. uuil ih iemer gehuchcan der sînero michelen gnâdon. Williram 11, 25; mhd.

ich wil im iemer wesen holt. minnes. frühl. 16, 13;

ich bin iemer ander und niht eine
der grôʒen liebe der ich nie wart frî. 131, 26;

si sol mir iemer sîn vor allen wîben. 150, 5;

eine ich mir ze trûte nam,
die ich immer triute.
Neidhart 24, 5;

daʒ ich wil guoten wîben
mit dienest âne valschen muot
immer bî belîben.
Lichtenstein 422, 25.

nhd. in vielen fügungen: wie es jetzt ist, so bleibt es immer; er ist immer zu hause; ich werde immer so denken; er ist immer heiter; der frembdling der bei dir ist, wird uber dich steigen und jmer oben schweben. 5 Mos. 28, 43; darumb sol er jmer mein knecht sein. 1 Sam. 27, 12; mus nicht der mensch jmer im streit sein auf erden? Hiob 7, 1; ich bin zu leiden gemacht, und mein schmerzen ist jmer fur mir. ps. 38, 18; gott hat lust auf diesem berge zu wonen, und der herr bleibt auch jmer daselbst. 68, 17; es sind leute, der herz jmer den irreweg wil. 95, 10; wer von mir isset, der hungert jmer nach mir, und wer von mir trinket, den dürstet jmer nach mir. Sir. 24, 28. 29; gott hab jmer lob. 2 Macc. 1, 17; nemet jmer zu in dem werk des herrn. 1 Cor. 15, 58; lasset uns ablegen die sünde, so uns jmer anklebt und trege macht. Hebr. 12, 1;

ist gott mein gott und ich sein knecht,
so kan ich zum voraus mit recht
ein immer heilsam glücke schlieszen.
Günther 87;

[Bd. 10, Sp. 2069]



du (kuckuck) nennest immer deinen namen;
dein ausruf handelt nur von dir.
Hagedorn 3, 99;

es kann ja nicht immer so bleiben
hier unter dem wechselnden mond.
Kotzebue;

immer strebe zum ganzen.
Schiller votivtafeln 16;

nur zwei tugenden giebts; o wären sie immer vereinigt;
immer die güte auch grosz, immer die grösze auch gut! güte und grösze;

immer niedlich, immer heiter,
immer lieblich! und so weiter,
stets natürlich, aber klug.
Göthe 3, 157.

immer in diesem sinne vertritt ein adjectiv:

eine blond und eine braune
schlagen sich jetzt um mein herz;
eine mit immer schlimmer laune,
eine mit immer lust und scherz. 57, 172.

immer bei interjectionen: ach weh mir! ach weh mir! ach weh und immer weh! Zesen Assenat (1679) 9; wie mhd.

iemer mêre ouwe!
Walther 124, 17. 34;

schade und immer schade, dasz er hat so enden müssen!; und in dem ähnlichen fügungen: da beklagte der penal das pferd, dasz es immer schade sei, dasz es in der schindergruben liege. Schuppius 117; es ist immer schad, dasz du nicht an einem solchen ort sein solt! 203;

het ichs niht immer schande, ir soldet fliesen daʒ leben. Nib. 2249, 4.


4) gern wird immer der bedeutung nach verstärkt.
a) durch ein beigesetztes wort ähnlichen sinnes, ewig, für und für, oder durch wiederholung, schon ahd.: do fertiligotôst dû dero ubelon namon iemer in êuua (in aeternum et in saeculum saeculi). Notker 2, 41b Hattemer; mhd.

sô woldih, daʒ mih verwiʒʒe
got von sînem rîche
imer êwiglîche. Lampr. Alexander 3674.

nhd. gott dein stuel bleibt jmer und ewig. ps. 45, 7; bis sie vertilget werden jmer und ewiglich. 92, 8; ich weis, wer jemals des todes schrecken oder last gefület hat, der würde gerne eine saw dafür sein, ehe er solchs jmer für und für tragen wolte. Luther 8, 101b; du .. lebest nimmermehr eine stunde so sicher, sanft und still, als ich jmer für und für lebe. ebenda; lasz mich immer ewig davon rennen! Schiller räuber 5, 2; immer und ewig von éiner sache reden zu hören, .. dazu will meine geduld nicht ausreichen. Göthe 19, 194; nun aber immer und immerfort den rüstigen kutscher spielend, beschädigt er sich. 45, 258; es brachte ihn aber fast aus dem häuschen, immer und immer zeit verlaufen zu müssen. J. Gotthelf schuldenb. 259;

lob sei gott dem vatter fron,
lob sei gott seim eingen son,
lob sei gott dem heilgen geist
immer und in ewigkeit.
Lobwasser ps. (1595) 129b.


b) durch doppeltes setzen des bei immer stehenden nomens, adverbs oder verbums: krank und immer krank sein verbittert das leben; dulden, immer dulden predigt man mir; Vreneli sagte, es danke dem lieben gott, dasz dies überstanden sei, das g'schaue und immer g'schaue hätte ihm fast das herz abgedreht. J. Gotthelf Uli d. pächter (1870) 315.
5) immer, in verbindung mit praepositionen, auf immer, für immer: unglück über unglück für immer und immer auf diejenige, die zum ersten male nach mir diese lippen küszt! Göthe 25, 285, die staatenversammlung wird einmal für immer verworfen. Schiller 804; sein urtheil war einmal für immer gesprochen. 1064; die allgemeine protestantenverbindung .. misslang ihm für jetzt und für immer. 970;

hier, Roderich, siehst du zwei feindliche
gestirne, die im ganzen lauf der zeiten
ein einzig mal in scheitelrechter bahn
zerschmetternd sich berühren, dann auf immer
und ewig auseinanderfliehn. don Carlos 1, 2;

ins zweite jahr schon schleicht die unterhandlung;
erfolgt auch diesz mal nichts, so will der kanzler
auf immer sie für abgebrochen halten. Wallensteins tod 1, 5.


6) statt dasz immer auf die zukunft deutet, bezieht es sich nur auf eine gegenwart die mit der vergangenheit in verbindung steht: er ist einmal gefallen, und seither leidet er immer am kopfe; ich glaubte bisher immer, er meine es ehrlich, aber jetzt werde ich es nicht mehr glauben;

des mîn herze inneclîchen kumber lîdet iemer sît.
Walther 119, 23.

dieser sinn wird namentlich auch durch das zu immer tretende noch hervorgehoben, mhd. hiesz es dafür ie-nôch:

[Bd. 10, Sp. 2070]


ienoch stêt daʒ herze mîn in ir gewalt,
der ich den sumer gedienet hân. minnes. frühl. 38, 1;

derhalben werfen sie ir netze noch jmer aus, und wollen nicht aufhören, leute zu erwürgen. Habacuc 1, 17; ir gebeine grunen noch jmer, da sie ligen. Sir. 46, 14; er ist immer noch der alte; unsere freundschaft ist immer noch so warm, wie vor jahrzehnten;

stolzer schönen grausamkeiten
sind noch immer ungemein.
Hagedorn 3, 56.

statt dessen auch einfaches immer: er kommt immer nicht! und ich warte schon zwei stunden. Göthe 8, 208. — in erzählungen, wo immer noch etwas von früher dauerndes bis auf einen gewissen, für die zeit der erzählung als gegenwart geltenden zeitpunkt führt: ich wartete immer noch, die frühern späsze sollten zum vorschein kommen. Göthe 24, 185; versuchte die kraft meiner taschen und fand sie noch immer bewährt. 23, 81; eine stunde vergieng nach der andern, und Biondillo kam noch immer nicht. Schiller 7, 138 Kurz (geisterseher).
7) immer wird endlich auch auf die schon abgeschlossene vergangenheit bezogen: mhd.

der selbe guote kneht,
swâ er den sumer hin vertreip,
den winter er immer beleip
bi Artûs massenîe. Lanz. 7071;

nhd. so lange er lebte, wohnte er immer in diesem hause; er war immer liebenswürdig gegen mich; lies einen raben ausfliegen, der flog jmer hin und wider her. 1 Mos. 8, 7; da sie jre klagwort jmer widerholet. richt. 5, 29; sie thun dir, wie sie jmer gethan haben. 1 Sam. 8, 8; die härte, womit man jetzt und immer gegen die protestanten verfahren. Schiller 848;

so wars immer, mein freund, und so wirds bleiben. votivtafeln 58;

war es immer wie jetzt? jetzige generation.


8) die bedeutung der stätigkeit, die in immer liegt, läszt es zu comparativen treten, um eine fort und fort wachsende stärke des begriffs zu bezeichnen: und der posaunen dohn ward jmer sterker. 2 Mos. 19, 19; er ward berümbt bis man kompt in Egypten, denn er ward jmer sterker und sterker. 2 chron. 26, 8; schemen müssen sie sich und erschrecken jmer mehr und mehr. ps. 83, 18; wie jr sollet wandeln und gotte gefallen, das jr jmer völliger werdet. 1 Thess. 4, 1; der tabaksdampf, der immer stärker und stärker wurde. Göthe 18, 139; behandelte meinen immer kränkern mann mit warmer sorge. 19, 105; ich ward immer heftiger und heftiger. 23, 80; verlischt hingegen das andenken der urgestalten immer mehr und mehr, so treten die nachbildungen unvermerkt an ihre stelle. 24, 193; fiel ich desto entschiedener in verzweiflung, als ich mich in einem kleinen spiegel nur theilweise betrachten konnte; da denn immer ein theil lächerlicher aussah als der andre. 25, 350; der düstre harfenspieler wird immer düstrer und geisterhafter. Schiller an Göthe 1, 80;

darnach ich jmmer weiter geh.
H. Sachs 1, 484a;

ich sag euch, gebt nur mehr, und immer immer mehr.
Göthe 12, 13;

da schlug der greis die seiten: er schlug sie wundervoll,
dasz reicher, immer reicher der klang zum ohre schwoll.
Uhland ged. 390.

immer in doppelter stellung, wie jeje:

frauen denk ich auch zu sehn,
die den ehegatten,
ward er immer brummiger,
immer lieber hatten.
Göthe 1, 152;

auch bei verben oder adverbien, die einen comparativen sinn enthalten: er trachtet sein vermögen immer zu vermehren, seine verbindungen immer zu erweitern; er getraute sich nicht die kinder zu verlassen und sah das unglück sich immer vergröszern. Göthe 19, 222; wir müssen immer vorwärts, immer fortschreiten; und er zog jmer fort von mittag, bis gen BethEl. 1 Mos. 13, 3. vgl. auch immerzu, immersinkend.
9) immer hyperbolisch für häufig, gewöhnlich, oft: unter den stolzen ist jmer hadder. spr. Sal. 13, 10; und war jmer zank zwischen den hirten. 1 Mos. 13, 7; das beste verliehrt man immer am ersten, optima prima fere rapiuntur. Steinbach 1, 810; auch in verbindung mit negationen: er hat immer kein geld; er ist immer nicht zu hause.
10) der begriff des steten, jederzeitigen, der in immer liegt, ändert sich, wenn es eine handlung oder einen zustand bestimmen hilft, der sich wiederholt, ohne stete dauer zu haben, es heiszt dann soviel wie jedesmal:

[Bd. 10, Sp. 2071]


mhd.

immer, als dicke er trat,
daʒ bette fuor von sîner stat,
daʒ ê was gestanden. Parz. 567, 1;

ich mac wol dîn ungevüege schelten.
dû muost immer wider mich sô gelfer worte enkelten.
Neidhart 23, 30;

nhd. immer, wenn er kommt, bringt er eine neuigkeit mit; man mag ihn abweisen so oft man will, er kommt immer wieder; sie versuchten gott jmer wider. ps. 78, 14; das ich euch jmer einerlei schreibe, verdreuszt mich nicht, und machet euch deste gewisser. Phil. 3, 1; nur dasz ich es (das kästchen) immer in und aus dem wagen hob, und mich wie vormals mit dem verschlusz der thüren beschäftigte. Göthe 23, 81; hast recht, frau! hast immer recht! Wagner kinderm. 24;

sie sagen, immer wenn die jahrszeit naht,
wo man des heilands ankunft feiert, singe
die ganze nacht durch dieser frühe vogel. Shakesp. Hamlet 1, 1.


11) immer verallgemeinert zu der bedeutung jemals, je, mhd. zunächst wenn dieses je in die zukunft weist:

si darf des niht denken daʒ ich mînen muot
iemer bekêre an dehein ander wîp. minnes. frühl. 114, 13;

gewinne er immer herzeliep,
daʒ stel im der minnediep.
Neidhart 24, 9;

welle ich daʒ brechen
odr immer versprechen
mit ungedulde, sô lâʒe mich vrî.
Lichtenstein 135, 29;

des getrouwe ich iwern (frau Minne ist angeredet) gnâden niht,
daʒ ir der werden zuversiht,
die ich gein mîner vrowen hân,
mich immer heiʒet abe gestân. 145, 21;

und diese verwendung dauert auch später: wiltu ymmer z einem christlichen und ganz geistlichen leben komen, so mstu ein ganz gewarsamkeit dyn selbs haben. Keisersberg bilg. 9d;

wie solt es immer werden gut
im reich, wenn ...
E. Alberus 71;

in negativen sätzen: ist noch nie kein doctor so geleret gewesen, noch wird immer sein, der ein gewisse regel gebe. Luther 1, 66a; denn welcher feind der klaren schrift nicht gleubt, der wird freilich keiner veter glosen imer gleuben. 374a; rede ein jeder uf einer siten, wes er welle, sye im verzigen, aber kein gottslesterung will ich immer lyden. Zwingli 1, 91. doch wird immer in diesem sinne auch auf die vergangenheit bezogen:

wo hat man das ie mer erfunden,
dasz ein volk hab seinen got
also gar für einen spot!
Schade sat. 1, 15, 98;

seit immer, seit je, von jeher:

wüst (wisset) frau mich hat beschaiden
eur würdigs lob so gar,
das ich seit imer bin gedenken
wie gott so rainen wunsche
in ain person thet senken.
Püterichs ehrenbrief, bei Haupt 6, 33.


12) die bedeutung jemals ist umgeschlagen zu einmal, einst, in zukunft:

und dächten bei der zeite
wie wir werden imer,
seindt dise weldt nun geithe (geht, vergeht),
je sieszer hie, und dort ewig je grimer. daselbst, Haupt 6, 43.


13) der allgemein gewordene sinn von immer (no. 11) zeigt sich auch in noch andern verwendungen.
a) in den verbindungen wie immer, was immer, als immer, so viel immer hebt es einen gradbegriff zu seiner höchsten stärke, indem es ihn in beziehung zu einer steten zukunft setzt: können jhm nachömen in allem, dasz jnen jmmer müglich ist. Fischart bienk. 148b; ich habe seinen tod empfunden, als man nur immer einen solchen zufall empfinden kann. Lessing 12, 159; ich müszte für ihren frevel büszen, so unschuldig ich immer bin. Wieland 11, 163; die zärtliche sorgfalt .., als nur immer die stärkste persönliche sympathie hätte hervorbringen können. Schiller 765; der übersetzer hat sich, so viel immer möglich, bestrebt .. 1107; die vortheile, die der allerweiteste kreis der leser und käufer einem autor nur immer verschaffen kann. an Göthe 1, 3;

verstosz ja nicht in deinem grimm
mich deinen knecht, wie immer schlimm.
Weckherlin 121;

dan wie grosz immer meine schuld,
was immer ich für straf erduld. ebenda;

schau an disz grosze das, das Febus gäul ümrennen,
wie stark es immer ist, noch wird es müssen brennen.
P Fleming 56.

[Bd. 10, Sp. 2072]



b) frag- und andere pronomina werden durch immer zu unbestimmten: wer immer, was immer, wo immer; wer immer das gesagt hat, er hat gelogen; was du immer hörst, schweige; wie immer sich das verhalten mag; es treffe mich an wer immer wolte. Philander 2, 30; doch dem sei, wie ihm immer sei. Lessing 8, 403;

mir sagt Pseudo halb sich zu; einem andren, auch so viel;
und das herze, hält er ihm; nehm ihn gar, wer immer wil.
Logau 2, 88, 50;

wer tugend hat und kunst, wird nimmer nie vertrieben,
ist, wo er immer ist, als wie zu hause blieben. 3, 225, 39;

so vil ich yemer mag, als wyt sich mein vermügen streckt, quantumcunque possum. Maaler 509b; sei mir ein starker ort, dahin ich jmer fliehen müge. ps. 71, 3. in ähnlichem falle immer für wenn immer:

wider willen schluckt ich das zeug, wie sollt es gedeihen?
kann ich es immer vermeiden, so bleibt mirs ferne vom gaumen.
Göthe 40, 23.


c) zahlwörter werden zu distributiven, wie sonst durch je: ihr geht immer zwei und zwei; in gliedern von immer vier wurden die theilnehmer des zuges aufgestellt.
d) immer tritt zu imperativen, wenn durch sie mehr die erlaubnis als der befehl ausgedrückt wird: in einer stunde? ach bleiben sie immer ein wenig länger. Lessing 2, 405; erlauben sie mir immer, mich ein wenig possierlich auszudrücken. 6, 222; lassen sie mich immer hören, wie ihr verdrusz aussieht. Klinger 1, 127; wenn du mich um dieses schnickschnacks willen aus der hölle gerufen hast, so lasz mich immer wieder abziehen. 3, 50; laszt sie immer gehen, sie kommt schon wieder! Göthe 25, 343;

du rufer zwischen rohr und sträuchen (kuckuck),
schrei immer muthig durch den wald!
Hagedorn 3, 99;

immer zerreiszet den kranz des Homer, und zählet die väter
des vollendeten ewigen werks!
Schiller Ilias;

ich vermags,
mein vaterland zu retten. lasz michs immer! Iphig. 5, 5;

der graf im behagen des traumes:
bedienet euch immer des raumes!
Göthe 1, 196;

in der fügung immer her! wo der imperativ gieb ausgelassen ist:

nichts ist womit ihr sinn sich zu vergnügen (begnügen) wüste;
sie sagen: immer her! man gibt soviel man hat.
Abschatz 135;

ebenso zu solche erlaubnis ausdrückenden indicativen und conjunctiven:

ehret ihr immer das ganze; ich kann nur einzelne achten.
Schiller das ehrwürdige;

immer treibe die furcht den sklaven mit eisernem stabe. votivtafeln 35;

da diesz bekenntnis im voraus ich abgelegt,
so darf ich immer sagen: komm.
Platen 2, 222.


e) immer zu einer frage, die verwunderung, unentschlossenheit, zweifel, bedenken ausdrückt, wo der heutige sprachgebrauch aber gewöhnlich denn setzt: wie soll ichs denn immer machen, mein herr und gott? Schuppius 444; wenn du mich nun führen woltest für den thron deiner strengen gerechtigkeit, .. ach wo solte ich denn immer bleiben, weil ich dir nicht eines für tausend antworten könte? 445; wie wäre es immer gekommen, dasz .. so viele streitigkeiten und unruhen in der kirche entstanden wären? Lessing 8, 422;

was wilt du mich doch immer kerren?
H. Sachs 1, 481b;

was sol ich immer machen?
mein herze wird zertrennt von zweien schweren sachen:
hier ist mein liebster sohn, und hier mein liebster mann.
Opitz 1, 230;

was hat der deutsche krieg, der sich so lang erstrecket,
von früchten und von nutz doch immer ausgehecket?
Logau 3, 90, 69;

sieh freund! sieh da! was geht doch immer
dort für ein reizend frauenzimmer?
Lessing 1, 46;

sprich, rief sie, wie es immer kam,
dasz man dir deine freiheit nahm?
Gellert 1, 265;

doch sage schnell, wie ging es immer zu?
Göthe 10, 209.


f) immer, einen allgemeinen gegensatz, ein bedenken gegen etwas vorhergegangenes andeutend, in welchem falle es mit immerhin vertauscht werden kann: erlauben sie mir, sag ich, ihre schwester immer im voraus, als meine freundinn zu betrachten. Lessing 1, 356; simpel oder nicht simpel! ein weibsbild ist halt ein weibsbild! und die unerfahrenste gibt uns immer, was dén punkt betrifft, noch aufzurathen. H. L. Wagner kindermörd. 45; genug, in diesem gefühl seiner bisherigen verschwendung wollte mein vater jene kupferstiche soviel wie möglich wieder hergestellt wissen. dasz dieses durch bleichen möglich sei,

[Bd. 10, Sp. 2073]


war bekannt: und diese bei groszen blättern immer bedenkliche operation wurde unter ziemlich ungünstigen localumständen vorgenommen. Göthe 24, 194; hier steht auch das vornehme spielwerk, die Trajanische säule, in modell ... es ist immer ein schön stück arbeit, und man betrachtet es gern. 27, 10; Angelica mahlt mich auch, daraus wird aber nichts. es verdrieszt sie sehr, dasz es nicht gleichen und werden will. es ist immer ein hübscher bursche, aber keine spur von mir. 29, 8;

gleich erblickt sie diese bunte gabe,
staunt, wie immer bei verschlossnen thüren
dieses freundliche geschenk sich finde. 2, 107 (= während die thür doch verschlossen war);

das schicksal wollt es so! ich konnts einmal nicht hindern;
was ich nicht ändern kann, das will ich immer lindern! 7, 76;

was die neugier nicht thut! so rennt und läuft nun ein jeder,
um den traurigen zug der armen vertriebnen zu sehen;
bis zum dammweg, welchen sie ziehn, ists immer ein stündchen,
und da läuft man hinab, im heiszen staube des mittags. 40, 233.


g) immer endlich bei vergleichungen: es ist immer einer zu einer gewissen krankheit mehr geneigt, sunt alii ad alios morbos procliviores. Stieler 885; es ist immer einer schlimmer, als der andere, alius alio nequior. ebenda; es hält einer immer eine andere weise, aliis alius vivendi mos est. ebenda; es hat immer einer besser, als der andere geredet, alius plerumque alio gravius atque ornatius dixit. Steinbach 1, 810; und das getrenk trug man in gülden gefeszen, und immer ander und andern gefeszen. Esther 1, 7.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: