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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
imbisz bis imme (Bd. 10, Sp. 2064 bis 2065)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) imbisz, m. n. essen, kleine mahlzeit, ahd. inpîʒ, mhd. inbîʒ, das zu dem verbum ahd. inpîʒan reficere, solvere jejunia, prandere, mhd. enbîʒen gehörige substantiv, das gesetzmäszig, während das präfix des verbums unbetont bleibt, den hochton auf seine erste silbe nimmt. das verbum selbst ist aus vollerem intbîʒan, entbîʒen geworden, wie nicht nur die ahd. einmal vorkommende form intpiʒʒun refecerunt (Graff 3, 229), sondern auch altsächs. ant-bîtan, anbîtan kosten, genieszen, ags. on-bîtan lehrt (goth. andbeitan ist dasselbe wort, aber mit völlig anderm sinn). Nach der analogie von ahd. intheíʒan vovere, ántheiʒ votum könnte man auch antbîʒ, ambîʒ erwarten, wie sich niederländisch zu ontbijten ientare ontbijt ientaculum (neben inbijten und inbijt) findet; aber schon in den frühesten quellen ist inpîʒ, impîʒ bezeugt (wie auch in einer reihe von andern fällen das präfix ahd. int-, mhd. en-, nhd. ent-, vor nominibus als in- mit hochtone erscheint, vgl. unten inbrunst, indenk, ingrimm), und wenn später eine form anbiʒ auftaucht: gentaculum anbysz Dief. 260b, verderbt ommyʒ, ummes (Lexer wb. 1, 1429);

das igklicher zwei virtel guten wein
morn uns zum anpisz bringen sol. fastn. sp. 220, 9,

vgl. auch Schm. 1, 292 Fromm., so kann leicht eine junge anlehnung des begriffs an die praepos. an vorliegen.
imbisz ist gleich häufig masc. und neutrum. unter dem einflusz des hochtons der ersten silbe geht die länge des vocals der zweiten silbe zurück, verliert sich auch ganz, wie sich auch die end- und anfangslaute der beiden silben assimilieren, so dasz eine reihe abweichender formen entstehen. die seltenste ist inbisz: daʒ daʒ niderlegen z Rittlingen ist geschechen uf den donrstag nach dem hailigen pfingstag uf fren inbiʒ. d. städtechr. 4, 51, 8; prandium inbis voc. opt. 24a, 153; mit anähnlichung des nasals an die labiale imbisz, die gewöhnlichste gestalt des wortes, und assimiliert immisz, immesz: prandium immesse, imesz, und niederdeutsch, aber wol entlehnt, immet Dief. 450c; mit im z imysz zu esen. urk. Max. no. 163 s. 185; noch jetzt schweizerisch imis, immis, und mit verschmolzenem artikel zimis (aus das imis) Stalder 2, 69; in Hessen immes schmaus Vilmar 184; endlich mit untergegangenem vocal der zweiten silbe imbs: prandium imbs Dief. 450c; gieng also mit irer gesellschaft das imbs zu bereiten. Bocc. 1 (1580) 28a.
imbisz heiszt
1) essen, und erfrischung durch essen im allgemeinen: imbisz, imbsz jede kleine malzeit, collation (schwäbisch, fränkisch). Schm. 1, 80 Fromm.; dem hungrigen ein imbisz reichen. pers. baumg. 2, 7; unter dem obdach einer luftigen an der schlechten herberge vorgebauten halle erquickten wir uns an einem mäszigen imbisz. Göthe 28, 153;

nach disem man die gselschaft nam
und aufs ammaisters stub gleich kam
und da die letz (abschiedsmahl) mit jnen as ...
als nun der imbisz war geendt.
Fischart glückh. schiff 979;

führ ihn zum imbisz in das speisezelt
und heisz ihm einen wanderpfennig reichen!
Uhland Ludwig d. Baier 2, 1;

Schweppermann. zum zeichen, dasz das feld gewonnen ist,
laszt auf der offnen wahlstatt hier das mahl
uns halten! burggraf. wird ein magrer imbis werden. 3, 4;

umb mittentag aber, do hatt jm die fraw ein gten imbisz bereit; sy nam das essen und gieng z im hinausz. Wickram rollw. 79, 18 Kurz.
2) die beiden hauptmahlzeiten des tages werden imbisz genannt, und es wird morgen- oder mittag-imbisz und nacht-imbisz unterschieden: hierauf behielt er mich wieder bei dem mittagimbisz. Simpl. 1, 312 Kurz; also bracht er alle tag nach mittag und nachtimbisz die zeit auf das kurzweiligst zu. Garg. 175a; ihr wollt nicht zum nacht-ims bleiben? Göthe 8, 78; von diesem pulver brauch des morgens und abends vor den beiden imbsen. Tabernaemont. 305; gewöhnlich aber geht imbisz ohne weiteren zusatz auf die früh- oder mittagsmalzeit, die nach altem brauche um eilf uhr gehalten ward: prandere zu mittage, zu morgen, zu ymbisz essen Dief. 450c; der imbisz, prandium,

[Bd. 10, Sp. 2065]


z imbis ässen, prandere, meridiare, meridiari Maaler 235c; an unser lieben frawen tag der himelfart nach dem ymbis. Keisersberg Marie himelfart 2a; an dem dritten sonnentag des advents prediget doctor Keisersberg inn dem münster z Straszburg nach dem ymbis. 14c; da gab man mir alle tage zu imbis zu essen. Th. Plater 107; giengen damit alle gemachlich fusz für fusz zu hausz, zu sehen ob der imbisz fertig sei. Garg. 174a; so kriege ich verhoffentlich auch einen guten trunk, ihnen beides, beim imbs und confect, tapfer einzuschenken. Simpl. 4, 378 Kurz. der imbisz ist dem frühstück, als dem geringeren, entgegengesetzt: jener (koch) aber rüstete aus den abschrötlin (des gestrigen festes) wieder ein frühstück oder vielmehr ein imbis zu (es war wieder ein groszes essen). 1, 119.
Sprichwörtlich: vor imbisz wird kein tanz. Keisersberg sch. d. pen. 116d; wer allein malzeit hält, der hat ein imbsz wie ein pferdt. Lehmann 1, 214; hurtig zur arbeit, hurtig zum imbisz. Simrock sprichw. 277.
3) imbisz bildlich, in anlehnung an die bedeutung 1: ist denn nicht, du guter gott, schon das gefühl des daseins ein stehendes vergnügen, und der erste süsze imbisz nach jedem erwachen? J. Paul Hesp. 3, 184; die gelassensten pursche wollten einen vorschmack und imbisz vom morgendlichen johannistage nehmen. leben Fibels 106; den ersten gelehrten imbisz. 183.
Das wort, so weit es nicht noch im volke lebt (vgl. im eingange), musz jetzt als ein selteneres und nur gewählter sprache eigenes, in der bedeutung 1 allein gebrauchtes, bezeichnet werden.
 
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imbiszgast, m.: imbiszgast, ein gast z imbisz, pransor Maaler 235c.
 
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imbiszmahl, n.: dieweil Gonella asz und das imbiszmale nam. S. Brant bei Steinhöwel 147.
 
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ime, s. immi.
 
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imgleichen, adv. zusammenrückung des dat. von gleich mit im, vorzüglich in älteren quellen, heute gewöhnlich ingleichen (s. unten) im sinne von ebenso: imgleichen Schweinichen 1, 76; imgleichen hat sich die churfurstliche wittibe aus Sachsen in die sechste woche bei ihm aufgehalten. Micrälius alt. Pommern 4, 36; imgleichen siehet man ihn an der Juno zu Samos. Winkelmann 3, 208;

das goldgelb ist vor schlecht, und feuerroth imgleichen.
Fleming 174;

imgleichen kamen der Schwerin, der Scharnhorst und der Keith,
und all die groszen Preuszen sonst aus alt und neuer zeit.
Freiligrath glaubensbek. 132.


 
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imhundert, verdeutschung von procent: 4000 thaler zu sechs imhundert. Hermes Sophiens reise 3, 331.
 
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imker, m. bienenzüchter. Adelung als niedersächsisches wort, mit imkerei, bienenzucht; heute allgemein in technischem gebrauche.
 
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immaszen, assimilierte form für inmaszen, s. d.:

(Hippokrates) heiszt uns erst den durst und dann das fieber heben;
und folglich wird der durst mein erster vorwurf sein,
immaszen ...
Hagedorn 2, 97.


 
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immat, n. für emd, chordum, grummet (vgl. theil 3, 419): so sollen säck auf das hertest mit immat eingefüllt und auszgehenkt werden. Fronsperger kriegsb. 1, 124a.
 
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immchen, n. kleine imme, biene.
 
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imme, m. der bienenschwarm. ahd. impi, imbi, mhd. imbe, impe, imme, bair. imp, imm (Schm. 1, 79 Fromm.), schweiz. ima (Tobler 284b), bei Maaler ymbd, schwarm oder hauf der ymmen, examen, junger ymbd, ymmenzucht, junge bynle, pullities apum 310b; auch westfälisch der imme stock bienen; wenn etwen ein ime mit honingwaben uff einem boum ist. Keisersberg bilg. 126c; ganze haufen hangen an einander, als ein imb, so er gelassen hat. Forer fischb. 147b;

do kamb ein imb geflogen,
in dlinden er genistet hat. Sempacherlied in Wackern. leseb. 5,1287, 3.

auch bienenstock, selbst leerer: also fand er da hinden in dem hof ein hufen ymen ston. Ulensp. 9; in der selben nacht kamen zwen dieb und wolten ein ymen stelen. ebenda; und da sie kamen zu dem stock da Ulenspiegel innen lag, der was der schwerste, da sprachen sie: das ist der best ym. ebenda. s. das folgende.

 

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