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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ihrzen bis ilgern (Bd. 10, Sp. 2059 bis 2060)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ihrzen, verb. einen in der anrede ihr nennen, mhd. irzen, gebildet mit dem iterativen -zen von dem plur. des pronomens der zweiten person ihr, wie duzen von du, siezen von sie (vgl. gramm. 2, 219); bairisch heiszt es auch ihrznen (Schm. 1, 130 Fromm.).
In welcher weise sich ihrzen ausgebildet hat, ist bereits unter du theil 2 sp. 1475 fg. und duzen sp. 1775 ausgeführt, so dasz hier nur einiges nachzutragen. vobisare irtzen, yrtzen, ortzen, hirtzen, iratzen, auch blosz ieren Dief. 627c; der wirth den einen ihrczte oder ihr hiesze. zeitvertreiber (1668) 539; ihrzen im verhältnis zu duzen als ergebnis der landessitte: und welchem unablässigen wechsel von sitten stellet man einen fixen pilger blosz! von Tyrol an, wo man ihn duzet, bis nach Holland, wo man sogar seine effekten ihrzet! J. Paul palingen. 2, 66; schaudert nicht, mein herr, sagte die maske und ihrzete mich, wie leute thun, die lange in Frankreich und Italien gewesen. wunderb. gesellsch. (werke bd. 39) 47; sonst ihrzte der niedere den höhern, wenigstens im deutschen:

dann man ihrzt niemand in latein,
wann er gleich ein doctor thet sein.
Eyering 3, 303;

du (der sich beklagt, dasz einer ihn du nenne) bettelst. darumb soltestu billich mich und nicht ich dich irzen. Kirchhof wendunm. 136b; da doch der talkenkopf eben dazumahlen, als er seinen richter zu irrzen willens ware, ihm getutzet hat. fliegenwadel 79; erzen, ihrzen, bedeutet bei den handwerksgesellen so viel, dasz die jüngern die ältern gesellen ihr heiszen müssen; da sie hingegen von ihnen du geheiszen werden. Jacobsson 5, 485b;

den reichen helt man für ein herrn,
irzt ihn und hat jn werth in ehrn,
aber den armen der gleich alt,
dutzet man und jn nerlich halt.
Eyering 2, 719;

wann sie einander jhrzen fein,
das soll so viel als ehren sein. 3, 303;

aber schon im 17. jahrh. will ein verwalter nicht mehr mit ihr, sondern in der dritten person angeredet sein: endlich beliebte ihm der punctus vossitationis, dasz der kahle schulmeister einen so hauptsächlichen verwalter schlecht hin geihrzet hätte. Chr. Weise polit. näscher s. 80. — Der sohn ihrzte den vater, der vater duzte ihn:

so merk auf, lieber Arnolt mein,
ich red mit dir als mit eim sn,
drum würd ich dich nim (nimmer) jrtzen nn.
Wickram pilger Z, bl. 86.

Luther braucht ihrzen bezüglich gottes, der von sich im plural spricht, vgl. die theil 2 sp. 1775 unter duzen ausgehobene stelle drümb füret er gott in dem alcoran ein, das er in zweier personen namen redet, und sich irzet, und spricht, wir haben das gethan, wir haben das geboten etc. 8, 14a.
 
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ihrzung, f. vobissatio, appellatio numero plurativo. Stieler 347.
 
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ika, das geschrei des esels widergebend: das grobe müllers thier kan noch mehr sein ika ika singen. Luther 1, 279a; dem bapstesel jücken die ohren und wil sein ika und grobheit gekützelt haben. 3, 521a;

wie nu der herr kam heim gegangen,
wolt jn der esel auch empfangen (wie der hund).
mit esels füszen jn beschritt,
rief: ika, ika! kund anders nit.
B. Waldis Esop 1, 14, 36;

man kent den esel bei den ohrn.
verbirgt er aber ohrn und pfoten,
so singt er doch die esels noten,
und thut sich selb mit namen nennen,
das ika lert den esel kennen. 4, 48, 32.

vergl. oben ia und iha.

[Bd. 10, Sp. 2060]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) iklich, vgl. jeglich.
 
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iks, name des buchstaben X, in verbindung mit Y gebraucht, wie sonst N. N., einen nicht näher genannten anzudeuten:

so wie der papst auf seinem thron,
so sitzt Iks-Ypsilon auf seinem lohn;
er ist bepfründet, hat er mehr zu hoffen?
Göthe 47, 243.


 
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ilaub, n. hedera helix, epheu, auch ilob, ilof. Nemnich 3, 107.
 
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ilen, verb. bei den kammachern, auf der innern seite der gekochten und gerade gebogenen hornschroten die höcker abschneiden. Jacobsson 2, 307b.
 
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iler, m. schneidwerkzeug der kammacher, zum ilen des horns. ebenda.
 
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ilerstock, m. hölzernes gerät der kammacher, an welches das horn beim ilen gesetzt wird. ebenda.
 
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ilge, f. lilium. Nemnich 3, 411. Schm. 1, 67 Fromm. vgl. auch DWB gilge.
 
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ilgern, verb. stumpf werden, von den zähnen, ein altes oberdeutsches wort, dessen unter eilen theil 3 sp. 108 verfochtene verwandtschaft mit igeln sp. 2046 bei diesem letzten worte abgewiesen werden muste, das vielmehr zu ahd. ilki fames vel stridor dentium (Graff 1, 245), wie zu altnord. elgr, ningor gelidissimus, schneidender schneesturm, elgia aestuare, ags. ealgian tueri in nächster beziehung steht, vgl. Zacher goth. alphabet s. 96, wo der wortfamilie ein weiter hintergrund zu geben versucht wird, aus dem sicher eine deutsche wurzel alg mit der bedeutung des schneidens oder brennens hervorscheint; in dem als iterativ gebildeten verbum ilgern auf das gefühl der eszbegierde, der lüsternheit oder jener empfindung beim wahrnehmen saurer speisen übertragen, welche das wasser im munde zusammenlaufen läszt und die zähne stumpft, wie auch litt. alkti hunger, isz-alks, per-alks hungrig, ausgehungert heiszt. obstupescere, illgern, zen-illgern Dief. 390c; nun wir sehen täglich, wann ein mensch das ander sicht sur ding essen, das in sein zen ilgern. Oberlin 728; es ist ein frucht die hie nit zeitig ist, bissestu darein, die zeen würden dir ilgern, das du nymme essen möchtest. Keisersberg baum d. sel. 21a;

pleckender hals, geferbte wang
machen manchem die zen so lang,
das sie im ilgern nacht und tag. fastn. sp. 1209;

in der umsetzung iglern, wenn hier nicht ein druckfehler vorliegt: das jr mir die zen also yglern und lang machend mit ewrem schmätzen und küssen (sagt eine alte bei dem kosen eines jungen paares). Wirsung Cal. (1520) J 7a. — Für ilgern begegnet auch nur ilgen, s. 3, 108; vgl. auch das adj. elger.

 

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