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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ihro bis ilge (Bd. 10, Sp. 2058 bis 2060)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ihro , in verschiedener anwendung.
1) als dativ sing. fem. ist ihro für ihr in alemannischen quellen durch eine reihe von belegen aus dem 13. bis ins 17. jh. bezeugt, vgl. Weinhold alem. gramm. s. 455; die daselbst beigebrachten nebenformen ira und iri lassen den schluszvocal des wortes nur als, im alemannischen so häufige, dunklere modification eines tonlosen e erscheinen. dieses ihro, vornehmlich in urkunden erscheinend, doch auch sonst: wann (weil) Peter Schärer, eins herren sun von Eich, bi iro lag. Hans Salat s. 41 Bächtold, wird im 17. jahrh. allgemeiner, die analogie des schon früher verbreiteten dero (th. 2, 1020) stützt es: die am meisten jhre hoffnung darauf (auf gottes barmherzigkeit) haben, die gehen am forchtsamesten mit jhro umb. Philander 1, 447; spinnet sie (die frau), ich musz ihro flachs, weber- und bleicherlohn schaffen. Simpl. 3 (1684) 169; namentlich im feierlichen stile: e. gn. werden solche wolgemeinte arbeit jhro auch nicht miszliebig sein lassen, .. so ausz underthäniger affection entsprungen, jhro zu gnädigem gefallen gereichen zu lassen. anm. weiszh. lustgarten, vorrede; so nehmen dann eu. chur- und hochfürstl. durchlauchten solche meine arbeit mit denen gnädigsten blicken an, wormit sie, durch deren unbeschreibliche gütigkeiten, ihro männiglich zu freiwilliger undertänigkeit und fertigstem gehorsam .. verbündlich machen. Stieler, vorrede; eur. königl. majest. und churfürstl. durchlaucht wollen allergnädigst erlauben, ihro hierdurch allerunterthänigst zu eröffnen. Seriander rechtschreiberei 205.
2) eben so ist der gen. plur. ihro für ihr eine alte, in alemannischen quellen, namentlich urkunden lange bezeugte form, vgl. Weinhold 457: (sie wollen) mit dem widertouf die iro kilchen (τὴν ἑαυτῶν ἐκκλησίαν) zwar zemen samlen. Zwingli von dem touf a 2a; ein herr von Costanz hat ihn och die freyheit geben und verlassen, daʒ all zwing und bänn, und fräfflinen ihro sind, und ein herr dazu nit grifen soll. weisth. 1, 284 (Thurgau von 1532 u. 1611); die aber wenigstens im 16. jahrh. auch auszerhalb Alemanniens angetroffen wird: desz hochgerichts (scheffen) sollen recht brengen, erstlichen ob inen und iro jedem insonderheit recht hergeboten, der hochgerichtsherrn gerechtigkeit zu weisen. weisth. 3, 752 (untere Saargegend, v. 1560).
3) ihro, possessiv, in verbindung mit einem titel ist vor der neige des 17. jh. nicht nachzuweisen. gute schriftsteller brauchen zu dieser noch, im falle der erwähnung wie der anrede, wenn sie im letztern falle nicht eure vorziehen, ihre: gott .. wolle ferner ihre durchl. mit allerlei segen überschütten. Schuppius 465; dasz ich nicht meiner wahl, sondern ihrer majest. meines herrn brudern, folgen musz. Talander Olorena (1694) s. 25. das früheste hier zu gebende beispiel von ihro, deutlich nach analogie des älteren dero gebildet, ist oberdeutsch: dasz aber ihro hochfürstl. gn. ich dises busz-flötlein underthänigst zu zueignen mich befreche. L. Schnüffis mirant. flötlein (1682) vorrede 3b; ihro hochfürstl. gn. demüthigst-underthänigster in Christo diener. 4a (vorher anredend dero hoch-fürstlichen gnaden); es breitet sich zu anfang des 18. jahrh. aus: ihro königl. maj. allergnädigstes vertrauen zu euer excellenz. Frisch dict. des passagers (1730) widmung; gilt aber noch 1755 für neu: wir müssen .. das neue canzleiwort ihro und ihrer anwenden, welches unsrer heutigen art der anreden in der dritten person der mehrzahl gemäsz ist, und welches gleichfalls ohn unterschied des geschlechts bei der hohen person statt finden musz. Justi anweisung zu einer guten deutschen schreibart s. 20.
ihro steht nun unveränderlich in bezug auf beide geschlechter im sing. wie im plur., und in allen casus: ich bin gewisz versichert, dasz ihro gnaden keine ungnade .. auf mich geworfen haben (wirt zu Tellheim). Lessing 1, 513; indesz, sollte etwas nicht vollkommen nach ihro gnaden bequemlichkeit gewesen sein, so geruhen ihro gnaden nur zu befehlen (wirt zu Minna). 529; wer ist sie? fragte die gräfin im hereintreten. eine schauspielerin, ihro excellenz zu dienen, war die antwort. Göthe 18, 238; abt. wo seid ihr her, hochgelahrter herr? Olear. von Frankfurt am Main, ihro eminenz zu dienen. 42, 45;

darf man sich unterstehn und ihro gnaden fragen? 7, 57;

mylord protector, seine hoheit wünscht,
dasz ihr zum ritt euch anschickt nach sankt-Albans,
zur falkenjagd mit ihro majestäten. Shakesp. Heinrich VI 2, 1, 2.

in seinen spätern lebensjahren braucht Göthe ihro gern bei ceremoniellen wendungen: ihro majestät der könig von Würtemberg

[Bd. 10, Sp. 2059]


beehren mich in begleitung unserer jungen herrschaften mit ihro gegenwart. 32, 182; durch den gewonnenen process und durch die gnade ihro majestät (des königs) habe ich ein ansehnliches vermögen .. erhalten. 37, 250; in verbindung mit dem artikel: ihro der herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach, hochfürstlichen durchlaucht. 37, 3; sie (die druckblätter) enthalten die dedication an ihro des königs von Preuszen majestät. 55, 324.
Adelung wollte, entgegen dem herschenden gebrauche, ihro auf weibliche und mehrere personen eingeschränkt wissen. besser ist, dasz die misbildung in der heutigen sprache abzusterben anfängt. der von ebendemselben erwähnte absolute gebrauch des wortes, 'nur in einigen oberdeutschen kanzleien üblich', alle persönliche und beziehende fürwörter, so fern sie ehrenwörter sind, auf eine unabänderliche art auszudrücken (von ihro von ihnen, aus sonderbarem zu ihro gesetzten vertrauen, zu ihm, u. s. w.), ist nie allgemeiner geworden.
 
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ihrzen, verb. einen in der anrede ihr nennen, mhd. irzen, gebildet mit dem iterativen -zen von dem plur. des pronomens der zweiten person ihr, wie duzen von du, siezen von sie (vgl. gramm. 2, 219); bairisch heiszt es auch ihrznen (Schm. 1, 130 Fromm.).
In welcher weise sich ihrzen ausgebildet hat, ist bereits unter du theil 2 sp. 1475 fg. und duzen sp. 1775 ausgeführt, so dasz hier nur einiges nachzutragen. vobisare irtzen, yrtzen, ortzen, hirtzen, iratzen, auch blosz ieren Dief. 627c; der wirth den einen ihrczte oder ihr hiesze. zeitvertreiber (1668) 539; ihrzen im verhältnis zu duzen als ergebnis der landessitte: und welchem unablässigen wechsel von sitten stellet man einen fixen pilger blosz! von Tyrol an, wo man ihn duzet, bis nach Holland, wo man sogar seine effekten ihrzet! J. Paul palingen. 2, 66; schaudert nicht, mein herr, sagte die maske und ihrzete mich, wie leute thun, die lange in Frankreich und Italien gewesen. wunderb. gesellsch. (werke bd. 39) 47; sonst ihrzte der niedere den höhern, wenigstens im deutschen:

dann man ihrzt niemand in latein,
wann er gleich ein doctor thet sein.
Eyering 3, 303;

du (der sich beklagt, dasz einer ihn du nenne) bettelst. darumb soltestu billich mich und nicht ich dich irzen. Kirchhof wendunm. 136b; da doch der talkenkopf eben dazumahlen, als er seinen richter zu irrzen willens ware, ihm getutzet hat. fliegenwadel 79; erzen, ihrzen, bedeutet bei den handwerksgesellen so viel, dasz die jüngern die ältern gesellen ihr heiszen müssen; da sie hingegen von ihnen du geheiszen werden. Jacobsson 5, 485b;

den reichen helt man für ein herrn,
irzt ihn und hat jn werth in ehrn,
aber den armen der gleich alt,
dutzet man und jn nerlich halt.
Eyering 2, 719;

wann sie einander jhrzen fein,
das soll so viel als ehren sein. 3, 303;

aber schon im 17. jahrh. will ein verwalter nicht mehr mit ihr, sondern in der dritten person angeredet sein: endlich beliebte ihm der punctus vossitationis, dasz der kahle schulmeister einen so hauptsächlichen verwalter schlecht hin geihrzet hätte. Chr. Weise polit. näscher s. 80. — Der sohn ihrzte den vater, der vater duzte ihn:

so merk auf, lieber Arnolt mein,
ich red mit dir als mit eim sn,
drum würd ich dich nim (nimmer) jrtzen nn.
Wickram pilger Z, bl. 86.

Luther braucht ihrzen bezüglich gottes, der von sich im plural spricht, vgl. die theil 2 sp. 1775 unter duzen ausgehobene stelle drümb füret er gott in dem alcoran ein, das er in zweier personen namen redet, und sich irzet, und spricht, wir haben das gethan, wir haben das geboten etc. 8, 14a.
 
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ihrzung, f. vobissatio, appellatio numero plurativo. Stieler 347.
 
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ika, das geschrei des esels widergebend: das grobe müllers thier kan noch mehr sein ika ika singen. Luther 1, 279a; dem bapstesel jücken die ohren und wil sein ika und grobheit gekützelt haben. 3, 521a;

wie nu der herr kam heim gegangen,
wolt jn der esel auch empfangen (wie der hund).
mit esels füszen jn beschritt,
rief: ika, ika! kund anders nit.
B. Waldis Esop 1, 14, 36;

man kent den esel bei den ohrn.
verbirgt er aber ohrn und pfoten,
so singt er doch die esels noten,
und thut sich selb mit namen nennen,
das ika lert den esel kennen. 4, 48, 32.

vergl. oben ia und iha.

[Bd. 10, Sp. 2060]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) iklich, vgl. jeglich.
 
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iks, name des buchstaben X, in verbindung mit Y gebraucht, wie sonst N. N., einen nicht näher genannten anzudeuten:

so wie der papst auf seinem thron,
so sitzt Iks-Ypsilon auf seinem lohn;
er ist bepfründet, hat er mehr zu hoffen?
Göthe 47, 243.


 
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ilaub, n. hedera helix, epheu, auch ilob, ilof. Nemnich 3, 107.
 
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ilen, verb. bei den kammachern, auf der innern seite der gekochten und gerade gebogenen hornschroten die höcker abschneiden. Jacobsson 2, 307b.
 
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iler, m. schneidwerkzeug der kammacher, zum ilen des horns. ebenda.
 
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ilerstock, m. hölzernes gerät der kammacher, an welches das horn beim ilen gesetzt wird. ebenda.
 
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ilge, f. lilium. Nemnich 3, 411. Schm. 1, 67 Fromm. vgl. auch DWB gilge.

 

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