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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
igelshaut bis ihnen (Bd. 10, Sp. 2046 bis 2049)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) igelshaut, f.:

mein har gleicht eim schwarzem rosschwanz,
mein winpran einer igelshaut ganz. fastn. sp. 275, 6;

ein igelshaut sol sein sein rok,
sein pruch die sei ain nesselstok. 710, 28;

sprichwörtlich: aus einer igelshaut macht man kein brusttuch. Simrock sprichw. 277.
 
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igelshuf, m. ein geschwür an den füszen der pferde, worauf lange stachelhaare wachsen. öcon. lex. (1731) 1127.
 
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igelsknospe, f. sparganium, knospengras; sparganium erectum, aufrecht stehende igelsknospe, sparganium natans, schwimmende igelsknospe. Nemnich 4, 1330; bolus igelsknospen Dief. 78b (aus Tabernaemontanus).

[Bd. 10, Sp. 2047]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) igelskolbe, f.
1) hölzerne streitkolbe, am kopf mit stacheln beschlagen, falscher morgenstern: scharmützeln mit der wechter igelskolben. Garg. 50b.
2) pflanzenname, von sparganium erectum, und von datura stramonium, sonst stechapfel. Nemnich.
 
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igelsschmalz, m. als mittel gegen flöhe:

dann auch die kammer war besprengt
und igelsschmalz darein gehenkt,
desgleich vil junger erlinzweig,
damit man das flöhgsindlin treug.
Fischart flöhatz 819 Scheible;

mein mercurisch richterstab
mit igelschmalz ich gschmiret hab,
damit ich euch flöh stillen mag,
dasz ir werd stumm und taub und zag. 885;

schmiere ain stecken mit igelsschmalz, stelle ihn mitten inn die kammer, so kommen die flöh alle an den stecken. 900.
 
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igelstein, m. versteinerter seeigel.
 
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ignote, ignot, adv., die zusammenziehung des mhd. ie genôte immerfort, jetzt (Lexer wb. 1, 1414) dauert auch noch im 14.-16. jh.: iam ingnot Dief. 283a, ein daselbst stehendes gleichbedeutendes iccen (niedermoselisch, 15. jahrh.) wird dasselbe wort sein; innoten, ietzund, in praesentia, nunc Dasyp.; daʒ tennen holz, ligendes oder stendes, daʒ ignot dinne ist (im walde). Mone zeitschr. 8, 336 (von 1362); sine lute oder sine undirtanen .. cristen oder juden, die ignod hinder im sitzen odir wanent. 9, 297 (Worms, von 1349); das ignote nüt anders do ist, denne wiltnysse und wasser. d. städtechron. 8, 248, 16; das jor hette vormals nuwent 10 monote und was doch also lang also ignote. 319, 21.
 
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iha ,
1) den schrei des esels bezeichnend: so ich dann anerft die hilf des obersten gotes, so tett ich für ain menschlich stimme geben ain grobes geschraye aines esels und nützit anders danne yh ha yh ha mit groszer luterer stimme sagende. N. v. Wyle translat. 259 Keller; als subst.:

die argen säu und esel,
die mit grunzen und iha nachts umhergehn.
Voss 3, 113.


2) interj. eines ächzenden: was ächzen sie denn so übermäszig? — aha! der könig kommt! — ach! uhe! ah! iha! uhe! Tieck prinz Zerbino, 4. act.
 
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ihm , dat. sing. masc. und neutr., zu er und es.
1) goth. imma (gebildet vom eigentlichen demonstrativstamme i mittels des als pronominales dativsuffix mehrfach fungierenden -mma aus sma, sanskr. smâi, vgl. Leo Meyer goth. spr. s. 272), alts. imu, ahd. imu, imo, ime, mhd. ime, im; die andern deutschen dialecte bilden die entsprechende form von einem andern stamme. das nhd. behält die form ime, ihme, vereinzelt bis ins 17. jahrh.: aus dem glauben in ime. Luther 6, 328a; Christus gehet in das haus desz starken und nimpt ime seine waffen. Reiszner Jerus. 2, 56b;

wer andren lebt, lebt recht: wer ihme lebt, lebt gut,
weil jener andren wol; ihm übel der nicht thut.
Logau 1, 33, 15.

bei Fischart auch die form imo: gott .. der uns in form und weisz, als es ihn gut bedunkt, schafft, wie ein hafner seine geschirr imo. Garg. 247b; eine form, die mit der ahd. nichts zu thun hat, sondern wie die gleich auslautenden dero, ihro erst im 16. jahrh. neu ersteht.
2) substantive verwendung der casusform:

Daja. ihre ganze seele war
die zeit her nur bei euch — und ihm. Nath. bei ihm?
bei welchem ihm?
Lessing 2, 194.


3) neben den fällen, wo ihm in gewöhnlicher weise als dativ sing. des persönlichen geschlechtigen pronomens masc. und neutr. steht, und die hier weiter nicht zu belegen sind, dient es als reflexivum, wie ahd. und mhd. im ahd., wo es einen dem goth. sis entsprechenden dativ des reflexivpronomens nicht mehr gibt, vertritt der dat. imu überhaupt mit den dativ des reflexivums, so dasz nur der zusammenhang lehrt, welcher gemeint sei, eben so im mhd., nur dasz schon hier in den anfängen die erst nhd. einreiszende gewohnheit aufkommt, den accusativ des reflexivums sich für den dativ mit zu verwenden und demnach den dativ des persönlichen geschlechtigen pronomens von diesem gebrauche auszuschlieszen (vgl. gramm. 4, 324 fg. 327 fg., mhd. wb. 2, 2, 291b fg. und oben theil 3, 683). nhd. dauern die nachklänge der ahd. und mhd. weise anfangs häufiger, später seltener bis in den anfang dieses jahrh., ihm steht für unser heutiges datives sich; es genügt eine auswahl aus den vorhandenen überreichen belegen. ein herr het mancherlei lüt under im. Keisersberg bilg. 8b; wer verstendig ist, der leszt im raten. spr. Sal. 1, 5; unser keiner las

[Bd. 10, Sp. 2048]


im feilen mit brangen, das man allenthalben spüren müge, wo wir frölich gewesen sind. weish. Sal. 2, 9; andern hat er geholfen, und kan im selber nicht helfen. Matth. 27, 42; also das einer bei iiij quatrin eins tags haben msz, der ihm gng wasser will trinken. Frank weltb. 185b; nach solchem wurde er beides, durch seinen beichtvatter und sein eigen gewissen angesport und getrieben, dasz er mich mit ihme im bette copulieren liesze. Simpl. 3, 24 Kurz; aber wie ist dem miszgünstigen zu helfen? der ihm selber eine marter ist. pers. rosenth. 1, 7; so musz der schadenfroh ihm selbst sein henker sein. 1, 45; man kan ihm leicht einbilden, wie dem guten Ruben zu muthe gewesen. Zesen Assenat 76; dahero musz man ihm die freiheit, in der natur selbsten zu studiren, stets vorbehalten. Sandrart teutsche acad. 2, 3, 17b; solchen antrag läszt ihm Taubmannus gefallen. Brandt bericht vom leben Taubmanns s. 39; sobald er ein büchlein ans licht giebt, musz er es ihm auch gefallen lassen, dasz man es lieset. Liscov 257; er musz glauben, dasz der bär ihm habe das fell über die ohren ziehen lassen. 697; im wechsel mit sich, wo solches zweimal gesetzt übel klänge (vgl. die theil 3, 683 mitgetheilte stelle aus Lessing 2, 259): als der patient so mit ihm reden hörte, liesz er sich sogleich den andern morgen die stiefel salben. Hebel 2, 141 (rheinl. hausfreund von 1809);

da erwelt im der fuchse schier
ein gesellschaft von vogel, thier ..
H. Sachs 1, 482d;

und keiner lässet ihm, was recht und billich wol gefallen.
Weckherlin 48;

der machte seine wehr und schild ihm wol zu nutze.
D. v. d. Werder Ariost 11, 17, 1;

Coecutus ging zum brillenmacher, um eine brill ihm zu erkaufen.
Brockes 8, 460.

vgl. auch ihr, ihnen.
4) ihm, als dat. sing. des neutr. es, steht mit den verben sein und thun, zurückdeutend, auf eine schon früher erwähnte sache im allgemeinen sich beziehend (vgl. einen eben solchen gebrauch von dem theil 2, 966) und zusammenhang mit ihr betonend: aber ihm ist wie gesagt. Fischart bienk. 72a; der liebe dienstbar sein, .. heiszet die liebe zum herren haben: dann welcher dienet, musz einen herren haben dem er dienet. ist ihm nicht also? Opitz 2, 250; dasz alles was schön ist, aus ursache der schönheit, schöne sein müsse. dieses ist nun, was ich mir kühnlich zu behaupten getraue. ist ihm nun nicht also? Hoffmannswaldau sterb. Socr. 102;

ja, ich waysz wol, wie ym ist. ring 42d, 43;

im sei nu gleich wol wi im sei,
so helf uns got und steh uns bei,
dasz wir di rechte warheit erkennen.
Schade sat. 2, 195;

was msz ich aber thn sprichstu, dʒ ich des kropfs ab komme und der alten federn, und dʒ ich gar nüw werde? ... ich wil dich leren, wye du im thst, das du dich muszest und des kropfs ouch abkumpst und ganz ein nüwer fogel wurst. Keisersberg bilg. 10a; es war aber der ein seer reich worden, .. der ander hat gar nichts, deszhalb der reich sein spottet und sprach: wie hast du im doch gethon, dasz du so gar nichts hast überkommen? Wickram rollw. 28, 7 Kurz;

nu mag ichs lenger nit vertragen,
ich musz ie sehen, wie ich im thu. fastn. sp. 40, 13;

ratt (rathet), lieben herren, wie ich im doch thue. 48, 26.


 
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ihn, acc. sing. zum pronomen er, vgl. theil 3, 682 fg., goth. ina, alts. ina und einmal inan (in welcher form vom demonstrativstamme i das accusativsuffix doppelt steht), ahd. inan (gekürzt nan), in und im falle der anlehnung auch ene und en (Merseburger zauberspr.), mhd. inen und gewöhnlich in; nhd. dauert neben dem gedehnten ihn, wofür im 16. jahrhundert noch in oder jn geschrieben, die vollste form ihnen fort, zum theil wechselnd mit dem häufiger in den ältern quellen erscheinenden ihne; die unter er gegebenen beispiele lieszen sich sehr vermehren: treffe es unsir ein an (einen von vier amtleuten, dasz er verklagt werde), so sollen die andern dry uber inen sprechen. treffe es unsir zwene an, so sollent die andern zwene uber ine sprechen. weisth. 1, 532 (Mainz, 15. jahrh.); wie Gurgelstrotza den Bittergrollinger könig Picrochol .. angriff, und ihnen nach erlegung seins volks ausz dem land pfiff. Garg. 264b (ihne begegnet daselbst häufiger, z. b. auch 159b. 241b); bemerkenswert ist ein heutiges ihnen eum, das mit nachdruck für ihn steht und nur der volkssprache angehört: auf die annonce meines mannes bemerke ich, dasz derselbe keine frau ernähren kann und nicht einmal credit hat, trotz seinem gehalt als bahnwärter,

[Bd. 10, Sp. 2049]


da ich ihnen ernähren musz von meinem wenigen taglohn. Hallisches tageblatt 1866 s. 1524. — Über die nhd. kürzung en, n im falle der anlehnung vgl. theil 3, 685; so hab ichn mir immer von klein auf vorgestellt. Claudius 1 u. 2, xii.
 
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ihnen , dat. plur. des persönlichen geschlechtigen pronomens aller drei geschlechter, vgl. DWB sie. goth. im (vom demonstrativstamme i mittels des gewöhnlichen suffixes des dat. plur. gebildet), alts. im, ahd. im, in und mit erweiterung durch doppelt gesetztes suffix inen (Weinhold alem. gramm. s. 457), mhd. in und inen.
1) die ursprüngliche kürzere form dauert, anfangs als in, dann auch in der dehnung ihn, auch im nhd. noch lange fort: die wilden felthabich die haben an yn das sie sich uff thn gegen den warmen osterwint. Keisersberg bilg. 11a (sonst öfter bei diesem schriftsteller inen, ynen); glöcklein und schellen, die ein fast grosz gethön von in geben. Frank weltb. 199a; ihn für ihnen noch bei A. Gryphius 1663 s. 682; namentlich bei dichtern des 16. jahrh. die gewöhnliche form, während in prosawerken die gedehnte vorwiegt:

vom himel kam der engel schar,
erschein den hirten offenbar,
sie sagten jn, ein kindlein zart,
das ligt dort in der krippen hart.
Luther 8, 358b;

kom heiliger geist, herre gott,
erfüll mit deiner gnaden gut
deiner gleubgen herz, mut und sinn,
dein brünstig lieb entzünd in jn. 360b;

mein gute werk die golten nicht,
es war mit in verdorben. 366a;

den (denen) wer das narrenbat gesunt
und scherfet in ir sin.
H. Sachs 1, 100, 52 Gödeke;

die fliegen sie hart bissen und stachen, ..
machten in allenthalben bang,
das in beid zeit und weil wardt lang.
B. Waldis Esop 4, 57, 7;

solch böser lohn ward in gegeben.
E. Alberus 17b;

bei Fischart im wechsel mit ihnen:

der jnen so weit gholfen hat,
der helf in weiter zu der statt. glückh. schiff 517;

je meh von jnen der schwais flos,
je meh muts jn die rais eingos. 617.

in anlehnung an diese kürzere form wird in der sprache noch des heutigen gemeinen lebens, mit einer verbalform verschmolzen, blosz en gehört: laszten (lasst ihnen) das vergnügen; er behandelt seine leute hart, gönnten (gönnt ihnen) kaum das liebe brot; und in unzählichen andern fällen.
2) zu der gewöhnlichen erweiterten form inen, ihnen sind nebenformen ine: ob ine künftigclich icht habe oder gute zustunde. Nürnb. pol.-ordn. 26; haben wir .. jne auf zway monat gancze beczalung gethan. urk. Max. no. 231 s. 310; inne. Maximilians geh. jagdbuch 24; innen: dasz man von innen sol das recht nemen, da sy gesessen syend. weisth. 1, 45 (Zürich, von 1543); das die uneliche kind elich liberben nach irem todt und abgang hinder innen verlieszent. 153 (Schwyz, 15. jahrh.). die form ihnen selbst ist in poetischen quellen des 15. jahrh. noch ganz selten:

vor inen farnder leuten vil
mit pfeifen und mit saytenspil
dönten sunderleichen wol. ring 48a, 9.


3) ihnen hat, wie die dative ihm und ihr (s. d.) auch reflexive function: diser beiderhant tuben, sollen die kröpf und die federen von in werfen. Keisersberg bilg. 10b; es haben doch wol grosze philosophi ihnen die augen auszgekratzt, damit sie on bücher und specula unverhinderter speculirn möchten. Garg. 242b; wann ein krieg einfiel, erwehleten sie den tapfersten unter ihnen. Micrälius alt. Pommern 2, 215; weil die Stargardischen .. in die vocation eine clausul hinein setzeten, darin sie die macht, ihre prediger zu enturlauben, ihnen anmaszeten. 4, 166; es nahmen etliche wandersleuthe ihnen eine reise vor. pers. rosenth. 2, 5; drumb wollen sie allezeit gerne hoch am brete sein, .. und bilden ihnen viel ein. 7, 20; sie fangen an, mit ihnen selbst nicht zufrieden zu sein. Liscov 414;

sie bilden jhnen selbs nichts für.
Weckherlin 3;

dasz die fürsten über menschen, und nach rechten, herrscher sein,
doch nicht ewig; möchten fürsten ihnen täglich bilden ein.
Logau 1, 40, 49.

 

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