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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ielen bis igelart (Bd. 10, Sp. 2042 bis 2045)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ielen, verb. alemannisch für eulen heulen (vgl. theil 3, 1194):

und weinen, ielen, hülen, schrien.
Murner geuchm. v iijb.


 
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iender, ienders, iendert, adv. , das mhd. iener, ahd. ioner, êoner (zusammengezogen aus êo in eru, usquam terrarum gramm. 3, 220 ff.), mit eingeschobenem, etymologisch unberechtigtem d, das in oberdeutschen quellen bis ins 16. jh. sich findet, zum theil in der form indert, im alemannischen, bairischen und pfälzischen noch heute lebt (als iend, ienden, iendert, ienderts Schm. 1, 9 Fromm.). es steht in localem, temporalem und modalem sinne.
1) local, irgendwo: so ligt der krieg auch mer uff uns und haben mer sloʒ ümb uns ligen, dorawʒ man uns teglich angreift und beschedigt, danne dhein ainige stat die iender in dem punde ist. d. städtechron. 1, 159, 22; derwegen wol z vermten, dasz kein maulesel yenders in der wält seie, der seiner art nach an im selbs fürkomme: dann die maulthier nit gebären noch werfen wie anders vich. Forer thierb. 48b;

mag ich dich furpas indert erraichen. fastn. sp. 508, 20;

ob üns ünser vint iendert wider gen,
daʒ wir in mʒen wider sten
und wir in gesigen an.
Uhland volksl. 823;

und ob ich indert (im buche) hät gesetzt
das waren christenglaiben letzt,
ich volg der hailgen kirchen mer,
halt nichtzet wider göttlich ler.
Schwarzenberg 159d.

vgl. auch endert theil 3, sp. 460.
2) temporal, je, irgendeinmal: ob sy indert selbschol (selbstschuldner) oder bürg gegen in worden weren. d. städtechron. 1, 112, 13; daʒ sie da warten solten, ob sich die feint indert herzu wolten laszen. 2, 188, 29;

ob er indert pei uns tanz. fastn. sp. 430, 22.


3) modal, irgendwie, irgend, ein folgendes zahlwort oder subst. verallgemeinernd: ob ewern gn. yendert anders von uns fürpracht und gesagt würde. d. städtechron. 5, 341, 31; obe man yendert wege erfunden möchte, dadurch wir des Nenningers entladen würden. 352, 25; ir gewerb ist mancherlei, künstlich, als iendert ein volk auf erdtrich. Frank weltb. 46b; ob yendert einer wer, der solichs nit vermöcht. 145b; wo yndert ein bischoff, priester oder diacon .. nit communiciert. chron. 1531 318b; der geschmack und farw des sandharzes sich der bibergeile

[Bd. 10, Sp. 2043]


gar vergleicht, mer weder yender andere ding. Forer thierb. 25a;

ist iendert man auf erden,
der doch der sach nem acht.
Uhland volksl. 914;

ob jndert einer wer,
der diser arzenei beger,
der such uns in der herberg hie.
H. Sachs 1, 469d;

ist indert ein weib oder man.
Schmelzl Saul 20a;

in verbindung mit einem ortsadverb:

ist iendert hie ein christen man.
H. Sachs 3, 1, 250a.


 
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ienen, ienent, in alemannischen quellen derselben bedeutung wie das vorige iendert, und vielleicht eine andere verstümmelung des beiden zu grunde liegenden mhd. iener, vielleicht aber auch eine andere bildung, zusammengezogen aus einem freilich nur vorausgesetzten, nicht zu belegenden ahd. êo in êwun irgend in der welt oder in der zeit. ein schon mhd. ienen wird bewiesen durch die negation nienen, nienent (Lexer wb. 2, 77), die als niene, nienen noch heute schweizerisch ist (Stalder 2, 237. Tobler 333b). für das gewöhnliche ienen wird auch nur iena gewährt: nun was der Tell gar ein guotter schütz, als man inn im lande yena finden möchte. Etterlin in Wackern. leseb. 3, 1, 70.
ienen steht
1) local, irgendwo: losa, losa ho, sind yenen menschen vorhanden, die kömmind har z mir. Diogenes (1550) C vb; kömmind alle die anfechtungen die yenen sind, so mag sy der wys man mit vernunft dämmen und überwinden. Db; yenen, etwan an einem ort, uspiam, usquam Maaler 569d; lieber geschauw die farb seines angesichts, zeiget sy yenen ein zeichen der scham? das.; (die mäuse machen löcher) in der stuben, küche, .. und anderen orten, wo sy yenen proviant wüssend. Forer thierb. 108a;

ein gt vernunftig, witzig, man
desz glich man nit möcht yenen han
in aller welt, als Socrates.
Brant narrensch. 112, 2;

Iphis. hast du ein wund am leibe ienen?
Jephthes. nienen. Jephthes (Straszburg bei Rihel) Da.


2) temporal, irgend, irgendwann: wer hat dich yenen übertroffen, quis homo te exuperavit unquam gentium? Maaler 509d.
3) modal, irgend, irgendwie: wo es yenen müglich ist, si ullo modo est ut possit. ebend.; so yenen einem etwas durch betrug und list entraubet und entzogen wirdt. Forer thierb. 164b;

kein gröszern zorn man yenant spürt,
dann so ein wibsbild zornig würt.
Brant narrensch. 64, 45;

und helfent, wo ir konnent ienen. fastn. sp. 832, 32;

ob jenen eyr (einer) vom bundtsch wär,
dem do für käm disz schlecht gedicht,
bit ich er wels verachten nicht.
P. Gengenbach 28, 182;

ob ich mög yenen
in gttem das umb dich verdienen. Daniel (1545) Db.


 
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ieren, verb. für irren, stören, hindern (s. d.): ich enpfind wol in mir die stechent gerst, gedenken und herzigungen z gytigkeit und unluterkeit, dise gerst sticht mich, und iert mich in minem herzen. Keisersberg bilg. 9d.
 
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ieren, verb. für gären?: nyeman mag von dem andern ein wort erlyden, es kumpt als do har, dasz wir uszblodern (herausfahren), und nit in uns ieren. 'ach wan ich es numen einem menschen gesag, so würd mir dester lichter, so gat es mir ein wenig von dem herzen'. Keisersberg bilg. 88a. — Unser gären ist u. a. mhd. jern, später jeren, vgl. th. 41, 1350; das wort wird auch vom kochen der leidenschaften in der seele gebraucht, vgl. ebenda sp. 1355.
 
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ietlich, pron. jeder, mhd. ietelîch, ieteslîch aus ie etelîch, ie eteslîch; eine seltenere und nur in ältern quellen vorkommende bildung, die durch jeglich (s. d.) unterdrückt worden ist: die sechs waren ir ietlicher 4 tag auf der vesten. d. städtechr. 2, 284, 16; es ist unter einem ietlichen tor gestellet worden ain wagenbüchsen. 290, 9; iedlichem sein gepürlich recht zu geben. 10, 232, 16; die mühe und arbait so ietlicher haben musz. 11, 793, 23; welche ouch uns alle ingemein und ein iedlichen insunders uberhorten und frogten einen nach dem andern. Basler chron. 1, 448, 26; wie ein yedlicher mensche für sich selbs msz rechnung geben vor dem strengen gericht Christi. 458, 12; wie dan ein yedlicher in glichem vall begert mit im gehandlet ze werdenn. 466, 42;

ein ietlicher tht sein heiligen rüemen.
Schade sat. 1, 17, 178.

in der form idlich: und di juden ir idleicher taidingt sich selb aus umb gelt. d. städtechron. 1, 26, 1; von eim geherten stadel von idleichem anderthalb guld. 29, 19.

[Bd. 10, Sp. 2044]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ifel, iffel, n. aus dem lat. infula verderbt: infula ifel, yffel neben infle Dief. 298a; die yffel, mitra, bischoffsht. Maaler 510b.
 
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ifenholz, n. eibenholz, taxus (vgl. auch ibe, ibenbaum sp. 2016): allerlei stauden und gartenbewmlin, so zum flechten und binden dienstlich, als weiden, lindbast, ilmen, ifenholz oder rüstbäwm, erlen oder elst. Sebiz feldb. 3; ästlin von .. rustbäumen, aspen, yllmen, ypfenholz, ypenbäumen, und sonst weiche stauden und bandweiden. 51.
 
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igel, m. erinaceus. ahd. igil, mhd. igel, isländ. igull (Biörn Haldarson); litt. eżis, kirchenslav. jezĭ, griech. ἐχῖνος, gewiss so genannt wegen seiner stacheln (sô wiʒʒ, daʒ der igel ain tier ist, daʒ vil nâtürleicher dorn auf seinr haut tregt. Megenberg 138, 3), und mit griech. ἔχις otter, als stechender, einer abstammung. die ursprüngliche bedeutung ist manigfach erweitert worden.
1) igel, herinaceus, herix, hericius, echinus Maaler 235b; zweierlei geschlächt desz igels werdend z unseren zeiten gefunden, der ein hat ein rüssel gleich einer sauw, wirdt genannt auf theütsch seuwygel: der ander aber ein schneugen (schnauze) wie ein hund, wird aus der ursach genennt hundsygel. Forer thierb. 93b; mit des igels haut werdend die kleider auszgebutzt. 94b; der igel, wenn er in dem wald lauft und man in iagt, so sicht man füsz und haubt und erkent ob es ein hundigel ist oder ein schweinigel. Keisersberg sünd. des munds 13c; krümbt sich zusamen wie ein hogeriger igel. Garg. 230a. die sorge des igels für sein nest wird öfter hervorgehoben:

weistu wie der igel sprach?
vil guot ist eigen gemach. minnes. frühl. 26, 34;

gewiszlich het der igel vernommen,
das der winter würd balde kommen;
umb ein gut herberg er im dacht,
da er für kelte bleiben mocht.
B. Waldis Esop 2, 98, 1.

Die bibelübersetzung gibt mit igel zwei verschiedene thiere wieder, einmal zählt sie ihn unter kriechenden thieren, anderswo unter vögeln auf: (unrein sind) die wisel, die maus, die kröte, ein jglichs mit seiner art, der igel (μυγάλη septuag.), der molch, die aydex, der blindschleich und der maulworf. 3 Mos. 11, 30; wil sie machen zum erbe den igeln (ὥστε κατοικεῖν ἐχίνους). Jes. 14, 23; der igel (ἐχῖνος) wird auch daselbs nisten und legen, brüten und ausheggen unter irem schatten. 34, 15; auch rhordomel und iegel (ἐχῖνοι) werden wonen auf iren thürmen. Zephanja 2, 14.
2) sprichwörtliches und bilder, vom igel hergenommen: wenn man den igel anrührt, so börstelt er sich. Simrock sprichw. s. 277; ich bin des bapstes kaulepers, der stachlichte schuppen hat, .. er hat einen igel an mir funden zu käwen. Luther tischr. 224b; es (ihr) schickts enk zu der critica wie der igl zum arschwisch. Schwabe tintenf. 11; hei der arswolfreuter, wie sind das reuterkerles, wie ein igel ein arswisch? Garg. 135b: einen igel im leib haben, durstig sein, immer stechenden durst empfinden, wie franz.: il a un herisson dans le ventre, s'il ne boit, il le pique. Oudin s. 210; ich hab ein igel im bauch: der musz geschwummen haben. Garg. 85b; ihr habt gewisz einen igel im leibe. der visierl. exorcist 56; wie ein igel schnarchen:

der lag auf seinem kanapee,
und schnarchte wie ein igel.
Blumauer 2, 180;

igel für vulva, in der redensart einen igel stechen, coïre:

mir öffnet ains mein puol ir gaden,
und ward mich an ir pettlein laden,
do solt ich ir ain igel stechen. fastn. sp. 338, 21, vgl. 259, 28;

ich solt ir einen igel stechen. 553, 8;

unter spielen wird aufgeführt desz igelstechens Garg. 169a.
3) igel als schimpfwort, im östlichen Mitteldeutschland für einen schmutzigen oder auch unkeuschen menschen (vergl. schweinigel, sauigel); nach dem englischen aber für einen verächtlichen menschen, einen nichtswürdigen:

Anna. hast du nicht diesen könig umgebracht?
Gloster. ich geb es zu.
Anna. zugiebst du's igel? nun so geb auch gott,
dasz du verdammt seist für die böse that! Shakesp. Richard III. 1, 2;

dost grant me, hedge-hog?


4) dasz igel auch für egel hirudo gebraucht werde, wie umgekehrt für igel echinus egel sich findet, ist theil 3, sp. 33 hervorgehoben (beide wörter stehen in enger etymologischer verwandtschaft); vgl. auch blutegel und blutigel theil 2, 177. 186;

[Bd. 10, Sp. 2045]


o wucherer, was wilstu dich bemühn,
der fremder leute blut den igeln gleich zu saugen?
Marforio der wucherer (1738) s. 15;

dort besieht ein volk das grosze siegel
an dem allergnädigsten mandat,
seufzt und füttert traurig seine igel,
die des landes fett erzogen hat.
Seume ged. 89.


5) igel, name von muscheln: chama arcinella. Nemnich 2, 995; und buccinum erinaceus. 1, 697; ebenso von meerwürmern mit stachlicher schale, vgl. DWB meerigel, DWB seeigel.
6) igel für dinge, die an das aussehen eines igels erinnern.
a) ein balken mit stachlichten eisen, bei belagerungen, wie lat. ericius, altfranz. heriçon, eriçon, ireçon (la signification de défense qu'on mettait aux passages pour servir de barrières, cheval de Frise. Burguy 3, 200a), stachelwehr, igel, friesische oder spanische reiter. Jacobsson 7, 418b; aber auch angriffswaffe, mhd. igel:

er (der kaiser) hæte gerne sînen zorn
gerochen an der grôʒen stat.
vil balde er dô würken bat
igel, katzen, berchfrit. herzog Ernst 1563 Bartsch

(zu einem obscönen bilde verwendet krone 11735); die unterschrift eines bildes mittelalterlicher belagerungsmaschinen, worunter ein solcher igel, aus dem ende des 15. jahrh., lautet:

disen ygel saltu spisen
und wol verslahen mit ysen,
den wurf man och spisen sol,
hutest du dich von (l. vor) inen beden, dʒ kumt dir wol. anz. des germ. mus. 1861 sp. 16.


b) ein geschosz mit spitzen: lad .. eisene stück, die an der einen seiten gespitzt sein, richt die gegen den feind und zindt sie an, .. so fahren die spitzigen stück, das du ein ygel heiszt, herausz und thun groszen schaden. Fronsperger kriegsb. 2, 178b; einen igel schieszen. Schm. 1, 52 Fromm.
c) igel, bei den landsknechten, eine besondere art, die spiesze zu strecken: es werden auch schlachtordnungen mit oder durch den igel, mit gesenkten spieszen geschreg .. gemacht. Fronsperger kriegsb. 1, 53b; wurdent rädtig, dasz man sölte alles volk uffmusteren und zamen lägeren, und in ein lanzknächtischen ygel ordnen. Bullinger 3, 197.
d) igel, bei den müllern das stirnrad.
e) igel, der kelch der buchecker. Schm. 1, 52 Fromm. auch die stachliche hülle der kastanien: kestinenygel, die stächend haut, hülschen oder rinden darinn die kestinen wachsend, echinus. Maaler 242d. Stalder 2, 68.
f) igel, eine in igelform zubereitete fleischspeise, mit pinien und länglich geschnittenen mandeln besteckt. Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 1521.
g) igel auch wol eine grobe bürste, da igelshaut zum putzen der kleider diente (vgl. oben unter 1 die stelle aus Forer); in einem spottliede auf die unterworfenen Erfurter von 1664 heiszt es:

dückt euch,schmügt euch,
last mit igelneuch abstriegeln
und fein putzen,
last doch eure hörner stutzen.
Hildebrand volksl. 503.

nach Stieler 731 heiszt die flaschenbürste igel oder krätzer.
h) in Appenzell bedeutet igel auch ein maulband mit eisernen stacheln, damit das saugen des jungen thieres von der mutter nicht gelitten werde. Tobler 284a.
7) igel, als name eines sternbildes im munde eines betrügers und schatzgräbers: höret ihr, sagte er darauf, der schatz hat abermal verblühet, welches alle sieben jahre einmahl geschiehet. er ist zeitig und musz ausgenommen werden, dieweil die sonne noch im igel gehet, sonst wirds künftig vor verflieszung anderer sieben jahr umsonst sein. Simpl. 3, 101 Kurz.
8) igel, eine viehkrankheit: der igel, ist auch ein krankheit, so das rinderhaft vych überkumpt zwüschend den klauwen, darvon es hinken msz. Maaler 235b. vergl. dazu unten das verbum igeln.
 
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igelaloe, f. aloe ferox, stachelaloe. Nemnich 1, 194.
 
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igelart, igelsart, f.
1) art, gattung des igels.
2) art und weise des igels:

Hans Widerborst ist igelsart,
hält jedermann das widerpart.
Simrock sprichw. 277.

 

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