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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
iebe bis ifel (Bd. 10, Sp. 2042 bis 2044)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) iebe, f. übung, gewohnheit, art, für übe, mhd. üebe (Lexer wb. 2, 1685):

mein herr Moringer het die ieb
dasz kein gast auf seiner burg entschlief,
er sung dan vor ein hovelied.
Uhland volksl. 780;

allzeit het ers in groszer ieb,
das er sich keiner liegen tet verschulden.
Gödeke u.
Tittmann liederb. 325.


 
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ieben, verb. für üben, mhd. üeben: lechterliche hoffwort und schwenk ieben. G. v. Ehingen 9;

und so wirs etwo hetten nicht
nach notturft gnugsam ausgericht,
so bitt wir, nemt itzund für lieb,
bisz sich ein jeder besser ieb,
wenn er mer zeit und weile hat.
P. Rebhun Susanne, beschlusz v. 126.


 
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iechze, f. bei Hohberg für üchse, mhd. üechse, achselhöhle: die schmalzfedern unter den iechzen und um den steus soll man ausziehen (bei gänsen, die gemästet werden). 2, 336b.
 
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iechzen, verb. ächzen, keuchen, eins jener lautmalenden wörter, von denen unter keichen theil 5, sp. 438 eine gröszere anzahl aufgezählt sind, vgl. auch DWB hechzen oben sp. 741 und achzen, ächzen theil 1, sp. 172;

mich dunkt, ich hör was iehtzen dort inn.
ja sich! da kreücht die frau herausz.
J. Ayrer 267c (1337, 3 Keller).


 
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ielen, verb. alemannisch für eulen heulen (vgl. theil 3, 1194):

und weinen, ielen, hülen, schrien.
Murner geuchm. v iijb.


 
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iender, ienders, iendert, adv. , das mhd. iener, ahd. ioner, êoner (zusammengezogen aus êo in eru, usquam terrarum gramm. 3, 220 ff.), mit eingeschobenem, etymologisch unberechtigtem d, das in oberdeutschen quellen bis ins 16. jh. sich findet, zum theil in der form indert, im alemannischen, bairischen und pfälzischen noch heute lebt (als iend, ienden, iendert, ienderts Schm. 1, 9 Fromm.). es steht in localem, temporalem und modalem sinne.
1) local, irgendwo: so ligt der krieg auch mer uff uns und haben mer sloʒ ümb uns ligen, dorawʒ man uns teglich angreift und beschedigt, danne dhein ainige stat die iender in dem punde ist. d. städtechron. 1, 159, 22; derwegen wol z vermten, dasz kein maulesel yenders in der wält seie, der seiner art nach an im selbs fürkomme: dann die maulthier nit gebären noch werfen wie anders vich. Forer thierb. 48b;

mag ich dich furpas indert erraichen. fastn. sp. 508, 20;

ob üns ünser vint iendert wider gen,
daʒ wir in mʒen wider sten
und wir in gesigen an.
Uhland volksl. 823;

und ob ich indert (im buche) hät gesetzt
das waren christenglaiben letzt,
ich volg der hailgen kirchen mer,
halt nichtzet wider göttlich ler.
Schwarzenberg 159d.

vgl. auch endert theil 3, sp. 460.
2) temporal, je, irgendeinmal: ob sy indert selbschol (selbstschuldner) oder bürg gegen in worden weren. d. städtechron. 1, 112, 13; daʒ sie da warten solten, ob sich die feint indert herzu wolten laszen. 2, 188, 29;

ob er indert pei uns tanz. fastn. sp. 430, 22.


3) modal, irgendwie, irgend, ein folgendes zahlwort oder subst. verallgemeinernd: ob ewern gn. yendert anders von uns fürpracht und gesagt würde. d. städtechron. 5, 341, 31; obe man yendert wege erfunden möchte, dadurch wir des Nenningers entladen würden. 352, 25; ir gewerb ist mancherlei, künstlich, als iendert ein volk auf erdtrich. Frank weltb. 46b; ob yendert einer wer, der solichs nit vermöcht. 145b; wo yndert ein bischoff, priester oder diacon .. nit communiciert. chron. 1531 318b; der geschmack und farw des sandharzes sich der bibergeile

[Bd. 10, Sp. 2043]


gar vergleicht, mer weder yender andere ding. Forer thierb. 25a;

ist iendert man auf erden,
der doch der sach nem acht.
Uhland volksl. 914;

ob jndert einer wer,
der diser arzenei beger,
der such uns in der herberg hie.
H. Sachs 1, 469d;

ist indert ein weib oder man.
Schmelzl Saul 20a;

in verbindung mit einem ortsadverb:

ist iendert hie ein christen man.
H. Sachs 3, 1, 250a.


 
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ienen, ienent, in alemannischen quellen derselben bedeutung wie das vorige iendert, und vielleicht eine andere verstümmelung des beiden zu grunde liegenden mhd. iener, vielleicht aber auch eine andere bildung, zusammengezogen aus einem freilich nur vorausgesetzten, nicht zu belegenden ahd. êo in êwun irgend in der welt oder in der zeit. ein schon mhd. ienen wird bewiesen durch die negation nienen, nienent (Lexer wb. 2, 77), die als niene, nienen noch heute schweizerisch ist (Stalder 2, 237. Tobler 333b). für das gewöhnliche ienen wird auch nur iena gewährt: nun was der Tell gar ein guotter schütz, als man inn im lande yena finden möchte. Etterlin in Wackern. leseb. 3, 1, 70.
ienen steht
1) local, irgendwo: losa, losa ho, sind yenen menschen vorhanden, die kömmind har z mir. Diogenes (1550) C vb; kömmind alle die anfechtungen die yenen sind, so mag sy der wys man mit vernunft dämmen und überwinden. Db; yenen, etwan an einem ort, uspiam, usquam Maaler 569d; lieber geschauw die farb seines angesichts, zeiget sy yenen ein zeichen der scham? das.; (die mäuse machen löcher) in der stuben, küche, .. und anderen orten, wo sy yenen proviant wüssend. Forer thierb. 108a;

ein gt vernunftig, witzig, man
desz glich man nit möcht yenen han
in aller welt, als Socrates.
Brant narrensch. 112, 2;

Iphis. hast du ein wund am leibe ienen?
Jephthes. nienen. Jephthes (Straszburg bei Rihel) Da.


2) temporal, irgend, irgendwann: wer hat dich yenen übertroffen, quis homo te exuperavit unquam gentium? Maaler 509d.
3) modal, irgend, irgendwie: wo es yenen müglich ist, si ullo modo est ut possit. ebend.; so yenen einem etwas durch betrug und list entraubet und entzogen wirdt. Forer thierb. 164b;

kein gröszern zorn man yenant spürt,
dann so ein wibsbild zornig würt.
Brant narrensch. 64, 45;

und helfent, wo ir konnent ienen. fastn. sp. 832, 32;

ob jenen eyr (einer) vom bundtsch wär,
dem do für käm disz schlecht gedicht,
bit ich er wels verachten nicht.
P. Gengenbach 28, 182;

ob ich mög yenen
in gttem das umb dich verdienen. Daniel (1545) Db.


 
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ieren, verb. für irren, stören, hindern (s. d.): ich enpfind wol in mir die stechent gerst, gedenken und herzigungen z gytigkeit und unluterkeit, dise gerst sticht mich, und iert mich in minem herzen. Keisersberg bilg. 9d.
 
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ieren, verb. für gären?: nyeman mag von dem andern ein wort erlyden, es kumpt als do har, dasz wir uszblodern (herausfahren), und nit in uns ieren. 'ach wan ich es numen einem menschen gesag, so würd mir dester lichter, so gat es mir ein wenig von dem herzen'. Keisersberg bilg. 88a. — Unser gären ist u. a. mhd. jern, später jeren, vgl. th. 41, 1350; das wort wird auch vom kochen der leidenschaften in der seele gebraucht, vgl. ebenda sp. 1355.
 
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ietlich, pron. jeder, mhd. ietelîch, ieteslîch aus ie etelîch, ie eteslîch; eine seltenere und nur in ältern quellen vorkommende bildung, die durch jeglich (s. d.) unterdrückt worden ist: die sechs waren ir ietlicher 4 tag auf der vesten. d. städtechr. 2, 284, 16; es ist unter einem ietlichen tor gestellet worden ain wagenbüchsen. 290, 9; iedlichem sein gepürlich recht zu geben. 10, 232, 16; die mühe und arbait so ietlicher haben musz. 11, 793, 23; welche ouch uns alle ingemein und ein iedlichen insunders uberhorten und frogten einen nach dem andern. Basler chron. 1, 448, 26; wie ein yedlicher mensche für sich selbs msz rechnung geben vor dem strengen gericht Christi. 458, 12; wie dan ein yedlicher in glichem vall begert mit im gehandlet ze werdenn. 466, 42;

ein ietlicher tht sein heiligen rüemen.
Schade sat. 1, 17, 178.

in der form idlich: und di juden ir idleicher taidingt sich selb aus umb gelt. d. städtechron. 1, 26, 1; von eim geherten stadel von idleichem anderthalb guld. 29, 19.

[Bd. 10, Sp. 2044]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ifel, iffel, n. aus dem lat. infula verderbt: infula ifel, yffel neben infle Dief. 298a; die yffel, mitra, bischoffsht. Maaler 510b.

 

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