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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ichtig bis ideal (Bd. 10, Sp. 2037 bis 2039)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ichtig, adj. was etwas ist: man nimet den geist in zweierleie wise. zum ersten alse her ist ein forme des libes und gibet deme lichame leben; zum anderen male als her ist ein ichtige nature, vornunftig bi sich selber. H. v. Fritzlar in Wackernagels leseb. 12, 855. auch wie icht, etwas, irgend etwas: aufrichtig oder recti heiszen eigentlich die, so nicht heucheln, sondern thun was recht ist, keine person, gunst, gelt, ehre, noch jchtiges angesehen. Luther 5, 204b.
 
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ichtwan, adv. irgend einmal, irgend, die durch das adverbiale icht (sp. 2035) verstärkte zeitpartikel wann, für die häufiger das im ersten theile anders zusammengesetzte etwan (th. 3, 1182 ff.) sich findet: wie ich zu ichtwan einer angenehmen gesellschaft widerumb gelangen möchte. Philander 1, 342; und ichtwan mit einem stück tuch .. unter die arme zu greifen. 671; weil sie das weib ichtwan einmal des jahrs angelacht. 2, 337.
 
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ichtwas, pron. aliquid, das durch adverbiales icht verstärkte was, dem sinne nach gleich mit etwas (th. 3, 1185), aber seltener

[Bd. 10, Sp. 2038]


und vorzugsweise nur im 16. und 17. jahrh. hier gern im feierlichen, gerichtlichen oder briefstil verwendet: aliquid icht wat Dief. 23a (niederdeutsch, 15. jahrh.); aliquale ichtewat, ichteswat nov. gloss. 16a; so wollen wir an uns ungern ichtwas lassen erwinden. kurf. Johann Friedrich bei Melanchthon 5, 746 Bretschneider; es treffe den process des kammergerichts oder ichtwas anders an. reichsabschied bei Schottel 543; darum so wil ich ichtwas interloquirn lassen. Ayrer proc. 1, 9; dasz ich ichtwas verwirket habe. ebenda; umb ichtwas ansprechen. Philander 1, 34; ichtwas derogleichen. Harnisch 186; kan aber eu. excell. meine wenigkeit auszerhalb herrendiensten in ichtwas zu gehorsamen die gelegenheit haben. Simpl. 1, 283 Kurz; davon er doch kein intresse, keinen nutzen, keinen gewinn, keine belohnung, noch etwas anders oder ichtwas dergleichen zu hoffen hat. 3, 424; haben die zeugen ichtwas widriges einzuwenden. Abele unordn. 2, 245; ichtwas zu gewinnen, ist .. eine kunst. 4, 242; so sollen auch in den feuer-pfannen auf den gassen .., sobalde sich diszfalls bei nächtlicher weile ichtwas erreget, pechkränze, kühn oder ander holz angezündet werden. der stadt Leipzig ordnungen (1701) 543; alterthümelnd noch bei Rabener: (dasz nicht) sonst auf dergleichen weise ichtwas zum nachtheile der wolhergebrachten gerechtsame zu verhängen sei. satiren (1761) 2, 415;

er hat ingleichen sie durch ichtwas nie betrübt.
Hallmann Adonis s. 9.

ichtwas adverbial, irgendwie, einigermaszen: so bald die anwesende sahen, dasz ich desz alten freündschaft hatte, dorfte oder wolte deren keiner mehr mich ichtwas angehen oder fragen. Philander 2 (1643) s. 38.
 
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ichtwasig, adj. etwas seiend, einigermaszen geltend: dem schlummernden könige wird zu ichtwasziger besänftigung ein anmuttiges nacht-liedgen gespielet. Hallmann Theodorich, vorrede.
 
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ichtwer, pron. irgend wer: es mag ichtwer kommen, quantus quisque ambiat Stieler 884.
 
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ichtwo, adv. irgend wo: ichtwo ankommen, vel levissimum officium consequi (vergl. DWB ankommen theil 1, sp. 385 oben) Stieler 884.
 
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ichelei, icklei, m. cyprinus alburnus, kleiner weiszfisch, sonst ückelei, uckelei, ocklei (Nemnich 2, 1354).
 
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ickeln, verb. ärgern, verdrieszen: in icklet das in der man so verschmehet. Ulenspiegel 77, s. 112 Lappenberg. s. DWB igeln.
 
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ickis, als name des buchstabens X: mache ein ickis für ein v. Conr. von Dankrotzheim (1435) bei Weigand 22, 1115.
 
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ideal, n. der nur in der vorstellung vorhandene begriff einer sache: ideal bedeutet die vorstellung eines einzelnen, als einer idee adäquaten wesens. Kant 7, 78; das ideal, worunter ich die idee nicht blos in concreto, sondern in individuo, d. i. als ein einzelnes durch die idee allein bestimmbares oder gar bestimmtes ding verstehe. 2, 440; dennoch sind menschen dieser art auszer uns, was die ideale im innern sind, vorbilder, nicht zum nachahmen, sondern zum nachstreben. Göthe 20, 164; es heiszt ideal eines dinges oder von einem dinge: der mittelmäszigen portraits sollten unter den kunstwerken nicht zu viel werden. denn obschon auch das portrait ein ideal zuläszt, so musz doch die ähnlichkeit darüber herrschen; es ist das ideal eines gewissen menschen, nicht das ideal eines menschen überhaupt. Lessing 6, 382; diesz ist freilich sehr viel; aber für mein ideal eines übersetzers noch nicht genug. Herder zur litt. 2, 55; mein ideal von schönheit ist ein anders. das wort geht aus der philosophischen sprache in die gewähltere des gewöhnlichen lebens über: so würde er meine gestalt doch kennen und kein unerreichbares ideal sich träumen. Kotzebue dram. sp. 3, 198;

barockischer konnte man nichts als Blaffardinen sehn;
vom kopf zum gürtel so scheuslich, als bis zum knöchel schön!
von unten der besten nymfe von Vanloo zu vergleichen,
von oben ein ideal um vögel zu verscheuchen.
Wieland 4, 166 (n. Amad. 7, 30);

diesen feinen Seladon,
das ideal von einem besenbinder. 18, 151.

der geliebte nennt die geliebte sein ideal:

es war sein ideal, was er verkörpert erblickte. 4, 267 (neuer Amad. 11, 29);

ja freilich, du bist mein ideal,
hab dirs ja oft bekräftigt
mit küssen und eiden sonder zahl.
H. Heine 16, 181.

ideal, von einem vollkommenen kunstwerke, im gegensatze zur wirklichen lebenden körperwelt:

[Bd. 10, Sp. 2039]


doch nein! es (eine statue) ist kein ideal!
wo sieht man eines, das só den seher täusche?
nein, nein! diesz athmende leben schafft weder pinsel noch stahl;
man fühlt, mit den augen sogar, in diesem schönen fleische
elastische wärme wallen — es athmet wirklich!
Wieland 4, 218 (n. Amad. 9, 31).

Bürger, der das ideal unter dem bilde eines in den himmelssaal fliegenden vogels faszt, braucht dem entsprechend masculines geschlecht:

zur seite fliegt der ideal
dem wunder-phönix der moral.
wie dieser strahlt in heiligkeit,
so jener in vollkommenheit. 93b.

Nach Lessing 11, 326 scheint der italiänische jesuit Franc. Lana (gest. 1687) der erfinder des wortes ideal zu sein. das adjectiv idealis, ad ideam pertinens, in der spätern latinität bei Martianus Capella (Forcellini).
 
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ideal, adj. dem ideale entsprechend: die ästhetische welt, das reich der schatten im idealen sinne. Schiller an Göthe 1, 168; wenn die jugend die zukunft des lebens nur voll idealer blüten und das alter sie voll dürrer reiser erblickt. J. Paul herbstblum. 3, 3.

 

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