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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ichlebigkeit bis ichten (Bd. 10, Sp. 2033 bis 2035)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ichlebigkeit, f.: Herder aber war gekommen mit dem vollen selbstgefühl, der vollen ichlebigkeit die er besasz; er wollte seinem eigenen leben, seiner geistigen arbeit nachgehen und er wollte ganz und vollaus seinen beruf erfüllen. L. Schücking volkshalle (1866) s. 215.
 
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ichlein, n. kleines ich: das kleine geistige ich oder ichlein. J. Paul Levana 1, 130.
 
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ichlich, adj. dem ich gemäsz: aufgenommen in einen allgemeinen begrif .. des ichlichen. Fichte nachgel. werke 1, 273.
 
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ichling, m. egoist: allerdings genieszt der ichling den grösten grad häuslichen glücks, nämlich sein eignes. J. Paul friedenpr. 29.
 
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ichmasz [îchmasz] n. eichmasz: ichmasz pinta Dief. 436a.
 
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ichschwarm, m. schaar von egoisten:

der gottheitläugnende ichschwarm.
Baggesen.


 
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ichsucht, f. egoismus, von J. Paul oft gebraucht: das wachsthum des egoismus oder der ichsucht. friedenpr. 29; so ungeheuer weit die ichsucht die europäische erde überstrickt. dämmerungen 92; doch war er so sehr ohne ichsucht. Hesp. 1, 167; die willkür der ichsucht. vorsch. d. ästh. 1, 32.
 
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ichsüchtig, adj.: (der jetzige zeitgeist) der lieber ichsüchtig die welt und das all vernichtet, um sich nur freien spielraum im nichts auszuleeren. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 32.
 
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ichsüchtler, m.: die letzte und beste frucht, die spät in einer immer warmen seele zeitigt, ist eben weichheit gegen den harten, duldung gegen den unduldsamen, wärme gegen ichsüchtler und menschenfreundschaft gegen den menschenfeind. J. Paul Siebenk. 3, 194.
 
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icht, subst. pron., aliquid.
1) ahd. êo-wiht, êoweht, eowit, iowiht, ieweht, iuuiht (Graff 1, 732), alts. êo-wiht, mit der noch ganz durchsichtigen bedeutung irgend ein ding (über das alte êo vgl. unten unter je), mhd. in den verschiedensten formen gekürzt. schon Notker schreibt ieht; im 13. 14. jh. ist iht die gewöhnliche form, woneben icht, ieht, iet, itt (ytt Altswert 148, 8), id, iewet, iwit, iut, üt, üd, ut in gebrauch waren (vgl. Weinhold alem. gramm. § 322, bair. gramm. § 255). mnl. und nnl. entspricht iet; ags. âviht, âvuht, âuht, âht, engl. aught, ought (I never gave you aught. Shakespeare Hamlet 3, 1); altfries. âwet, âet, neufries. aet.
icht ist noch im 15. und 16. jahrh. ein häufig gebrauchtes wort, das erst im 17. abstirbt. mundartlich, schwäbisch gilt bis jetzt icht in der verbindung ichtes icht (Schm. 1, 30 Fromm.).
2) icht wird zunächst wie ein substantiv flectiert und in verschiedenen casus gebraucht. über den genitiv ichtes, ichts s. unter ichts; der dativ, namentlich in den formeln mit ichte (mhd. mit ihtiu in instrumentaler flexion krone 11670), in ichte: mit heiszen messern, holzern oder ichte anderm. Nürnb. poliz.-ordn. 229; daʒ sich die baʒ versuchen sullen, ob sie mit ichte

[Bd. 10, Sp. 2034]


ein richtigung darzwischen finden und treffen mügen. deutsche städtechron. 1, 434, 11; ob eur weisheit in ichte irrig were. 10, 319, 8; dafür im 16. jahrh. mit icht, schon in der verblaszten bedeutung irgendwie:

derhalben weil er deinem got
zu dienst noch nie gestanden hot,
auch nie mit icht ist gwest vorwant
in all seim wesen, lebn und stant.
Schade sat. 1, 122, 395;

vorwar, ider der nur mit icht
etwas verstehen kan, der spricht:
disz spil hat kein mensch zugericht. 1, 90, 375;

es soll der kleinste tittel nicht
vom gsetz verruckt werden mit icht.
Bresnicer christl. rittersch. (1553) E 8b.

ein dat. ichten, in schriften des 16. jahrh.: gots wort mag nit gefangen oder von ichten begrieffen werden. S. Frank;

wenn unverständig leut mit ichten
ein schweren handel wollen richten.
Eyering 2, 417.

in dem adverbialen sinne etwa, irgend, einmal (der im mundartlichen niederdeutschen ichtens, jichtens noch haftet. Fromm. 5, 149. 6, 213; vgl. unten ichtens):

baustu in (den kindern) ichten ein hausz
so zier es fein und machs gar aus.
Eyering 1, 161.


3) gewöhnlich ist aber icht nur als nominativ und accusativ, in der bedeutung etwas, verwendet. ein näher bestimmendes substantiv tritt im theilungsgenitiv hinzu: geviel den an dieselben gut (güter) iht irrung oder kriegs. d. städtechr. 4, 137, 42 (v. 1368); wer es daʒ wir iht treffenlichs erfüren oder gewar wurden. 3, 345, 32 (v. 1414); ob icht fürnemens geschehe. urk. Max. 35; dir wäre laid von herzen, das im icht übels widerfre. Keisersberg predigen teutsch (1510) 110d; do der herr Jesus ward geschlagen, do hat er niemants icht übels gewünschet. 111a; dir wäre laid von herzen, das ir icht übels darumb beschäh. 115a; du möchtest ir icht des geleichen auch thn. ebenda; ist yt gttes an dir, das ist gottes und nit din. bilg. 148d; über die verbindung ichtes icht vergl. unten unter ichts und ichtesicht;

hab wir icht unzucht hierinn verpracht,
das sult ir uns nachlassen fein. fastn. sp. 39, 10;

das sie darauf gar fleiszig spehen,
wie diesem menschen sei geschehen,
ob er iht schaden hab genumen. 214, 16;

ich weisz noch nüt,
ob er hab ler und tugent üt.
Brant narrensch. 6, 92;

wer sinem frund üt ubels dt. 10, 5;

(er) redt keim menschen üt gts noch (nach),
er si joch nider oder hoch. 19, 51;

seltener ist, nach moderner weise, zu iht statt des gen. ein bestimmender acc. getreten:

hastu icht guoten alten wein,
des soltu mir füllen das fläschelein. fastn. sp. 501, 19;

ungewis, ob gen. oder acc.:

du solt eim andern stelen nicht,
auf niemand falsches zeugen icht.
Luther 8, 362a;

icht ohne solche nähere bestimmung: also hilten die feind bei sant Wilboltz prünlein, und die unsern ranten hinaus gegen in und zetzten (neckten) sich lang mit in, ob sie in icht mochten abbrechen. d. städtechr. 2, 174, 8; wer icht trug, daʒ an die peut gehört, dem nam man daʒ. 260, 1; ich würd (werde) vertrukt und verschmacht, niemans haltet icht von mir. Keisersberg predigen teutsch (1510) 110b; und das wir nit vor der zeit .. reden, schreiben, schweigen, und icht thn oder lassen, dann das er in uns tht. S. Frank chron. vorr. a ba; sie (die falsche liebe) tht niemandt icht vergebens, sonder sihet schalkhaftig allein auf den dank. Agr. spr. (1560) 139b; vermag nicht aus nicht zu machen icht. Luther 1, 477b; besser icht als nichts. A. Gartneri dicteria proverbialia (1598) 85b;

ein armer singt fri (ohne sorge vor räubern) durch den walt,
dem armen selten üt entpfalt.
Brant narrensch. 83, 54;

in der form ichte: ob ew von des verclagens wegen .. ichte wissent sye, das ir uns das besunderbar under andern dingen by disem poten verschriben wissen lassent. d. städtechron. 5, 349, 11.
4) in abhängigen und conditionalen sätzen in negativer bedeutung, im sinne von nichts: auch sol man besehen, waʒ die paurn in dem mist aus der stat fürn und mit langen spiesen durchstechen, daʒ sie icht fürn, daʒ der stat schedlich sei. d. städtechr. 2, 283, 11; sollen sy die (stadtmauer) versehen, daʒ andern leuten icht schad darvon beschehe. 5, 215, anm. 1;

[Bd. 10, Sp. 2035]


fraw, ich will das von euch han:
hat Neithart gen euch icht getan,
so gebt im eur huld. fastn. sp. 423, 30.

vgl. dazu unten no. 6.
5) icht wird adverbialer accusativ, wie schon mhd., mit der bedeutung etwa, irgend: ob daʒ wer, daʒ er yemanden iht brief geben het. d. städtechron. 1, 194, 20; ob sie aber ander sache dabei icht beteidingt oder czu schiken haben, des wissen wir niht. 439, 21; ieder teil, ob er dem andern slosz, vesten, stet oder merkte in dem krieg icht angewunnen. 2, 166, 9; man schaut auch in die rugzettelen, ob er icht gerügt wer. 262, 24; und ob icht geste und frembd leut .. zu der hochzeit herkomen wern. Nürnb. poliz.-ordn. 77; ist aber das icht ein scherz. Steinhöwel bl. 62 (1487); ob du in deiner wohnung oder in deinem kaufhaus icht schreiende oder mutwillige kinder hettest. 3b (1555);

set hin, ir vercleiter knecht,
clinglent aver die icht recht? ring 38a, 17;

ob man mich gleich icht fangen thut,
so hab ichs bei den menschen gut.
Eyering 1, 10;

wan icht ein pfründ und pfarr vacirt. 91;

do einer icht verwirkt den todt. 2, 400.


6) icht in abhängigen und conditionalsätzen mit negativer bedeutung, wie nicht: so mussen wir gedenken, wie wir uns selber erwern odir weg vinden, daʒ wir iht verdürben. deutsche städtechron. 1, 148, 40; ouch ligen die fursten noch vor Windsheim, wiṙ hoffen aber, daʒ wir kurzlich dorzu wollen, daʒ sie iht lang da ligen. 156, 17; auch sol man die laib zuschneiden, das sie icht geferliche sach darinnen hin ausz tragen. 2, 283, 13; eʒ sullen auch dy von Augspurg zu geleicher weis abnemen und widerrfen all zöll ..., daʒ wir und unser land davon fürbaʒ icht beswärt werden in dhain weis. 4, 178, 24; so musz man des pachs auch eben war nemen hinnen in der stat .. das icht pretter und waschpenk im pach sein. Tucher baumeisterb. 229, 21;

zecht nicht vil in nunnenzellen,
das euch der eilft vinger icht werde geswellen. fastn. sp. 168, 28;

wolt ir dann euer ee icht zuprechen,
so solt ir in kein hausmeid zechen. 23;

in einem verbietenden satze:

dasz keiner ja icht auszen blieb
und das sie nu allsampt erschienen.
Eyering 1, 51.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ichten, verb. zu etwas machen: nicht also daʒ der geist zu nichte werde, sunder daʒ er geichtet werde an gote. H. v. Fritzlar in Wackernagels leseb. 12, 858.

 

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