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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ichhaft bis ichsüchtler (Bd. 10, Sp. 2032 bis 2033)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ichhaft, adj. selbstisch, egoistisch: weswegen ist die repräsentativ-regierung (in Frankreich) untergegangen? .. weil alle oratorischen und politischen talente anstatt patriotisch zu denken, ichhaft dachten, coterien bildeten. Augsb. allg. zeit. 1854, 2730.
 
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ichheit, f.
1) empfindung und betonung des eigenen ich, egoismus: der mensche solt als gar frîe ân sich selber stên und sîn, das ist ân selbheit, icheit, mir, mîn, mich und des glîchen, alsô das er sich und des sînen als wênik sûchte und meinte in allen dingen, als ob er nicht wêre, und solt ouch als wênik von im selber halden, als ob er nit wêre und als ob ein ander hête alle sîne werk getân. theol. deutsch 26; der alde mensche das ist Adam und ungehôrsam, selbheit und icheit und des glîchen. 28; der mensche solte an im selber sterben, das ist der menschlîchen lustigkeit, trost, freude, begirlikeit, icheit, selbheit, und was solches ist in dem menschen. 29; dar umb ist ouch geschriben: sô ie mêr selbheit und icheit, sô ie mêr sunde und bôsheit. ouch ist geschriben: sô mîn, ich, mir, mich, das ist icheit und selbheit, sô das ie mêr in dem menschen abe nimpt, so gottes ich, das ist got selber, ie mêr zu nimpt in dem menschen. 31, vgl. auch 3. 44. 62; lasz dich dise wörtlin sich und ich,

[Bd. 10, Sp. 2033]


sichheit und ichheit nit bevilen, dann du weiszt, dasz sie in deiner teutschen theologia vielmal stehen. Karlstadt bei Jäger 327; alles darin ich und ichheit, mich und meinheit kleben mag, dasselb musz ausgehen und abfallen, soll ich gelassen sein. ebenda; ein gelassen ich oder ichheit ist, wann ich mich veracht und übergib und gib dem alles das gut, der mirs geben hat. 335; ichheit und selbheit, das gehöret alles dem teufel zu. Luther theol. Tauleri;

die unglückselge ichheit setzt dich wider alle deines gleichen;
du willt der andern menschen ich, und sie dem deinen auch nicht weichen.
Brockes 6, 545;

wo, entwürdigt fast zur thierheit,
unfrei ichheit schwärmt und wirheit.
Voss 5, 249;

o wirf die welt dir vom genick
und deine ichheit wirf ins meer.
Rückert 346;

du hast mit deiner locken band
der ichheit fesseln abgestrüpft. 347.


2) das geistige im menschen, das wesen des reinen ichs in Fichtes philosophie: der mensch soll sein, was er ist, schlechthin darum, weil er ist, d. h. alles was er ist, soll auf sein reines ich, auf seine blosze ichheit bezogen werden; alles was er ist, soll er schlechthin darum sein, weil er ein ich ist. Fichte 6, 296; dies war die bedingung der ichheit, der vernünftigkeit überhaupt. naturrecht 34.
3) person, persönlichkeit: ich will nur zu bedenken geben, welche sonderbaren eindrücke in der seele eines kindes (das den namen Ulrich erhalten) entstehen müssen, wenn es sich immer mit einem dumpfen laut, wie ein verzauberter geist, Ulrich gerufen hört, wenn es diesen seltsamen klang mit dem begriff seiner ichheit verbindet. Tieck 15, 125.
 
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ichlebigkeit, f.: Herder aber war gekommen mit dem vollen selbstgefühl, der vollen ichlebigkeit die er besasz; er wollte seinem eigenen leben, seiner geistigen arbeit nachgehen und er wollte ganz und vollaus seinen beruf erfüllen. L. Schücking volkshalle (1866) s. 215.
 
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ichlein, n. kleines ich: das kleine geistige ich oder ichlein. J. Paul Levana 1, 130.
 
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ichlich, adj. dem ich gemäsz: aufgenommen in einen allgemeinen begrif .. des ichlichen. Fichte nachgel. werke 1, 273.
 
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ichling, m. egoist: allerdings genieszt der ichling den grösten grad häuslichen glücks, nämlich sein eignes. J. Paul friedenpr. 29.
 
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ichmasz [îchmasz] n. eichmasz: ichmasz pinta Dief. 436a.
 
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ichschwarm, m. schaar von egoisten:

der gottheitläugnende ichschwarm.
Baggesen.


 
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ichsucht, f. egoismus, von J. Paul oft gebraucht: das wachsthum des egoismus oder der ichsucht. friedenpr. 29; so ungeheuer weit die ichsucht die europäische erde überstrickt. dämmerungen 92; doch war er so sehr ohne ichsucht. Hesp. 1, 167; die willkür der ichsucht. vorsch. d. ästh. 1, 32.
 
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ichsüchtig, adj.: (der jetzige zeitgeist) der lieber ichsüchtig die welt und das all vernichtet, um sich nur freien spielraum im nichts auszuleeren. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 32.
 
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ichsüchtler, m.: die letzte und beste frucht, die spät in einer immer warmen seele zeitigt, ist eben weichheit gegen den harten, duldung gegen den unduldsamen, wärme gegen ichsüchtler und menschenfreundschaft gegen den menschenfeind. J. Paul Siebenk. 3, 194.

 

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