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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ichen bis ichmasz (Bd. 10, Sp. 2032 bis 2033)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ichen [îchen] verb. eichen (vgl. theil 3, sp. 80). die älteste nachweisbare form dieses wortes ist ächten: ellü mas und ellü gewäge dü stant in der vier und zwenzigon gewalt eins ielichen dinges, und swenne si die gemaʒont und geähtint, so sun si sü eime empfelhen, swem sü went, und swer mit minre oder merre maʒe oder gewäge koufit oder verkoufit, der begat düpstal. Schreiber urkundenb. 1, 82 (von 1275); dieser form steht zunächst das aus dem osterlande (Lexer mhd. wb. 1, 1412) und aus Hessen (Vilmar 83) beigebrachte ichten: auch sal man zu allen ungeboten gerichten alle mosz, sie syn trogken adir nasz, die sal man brengen hir an dit gerichte, unde sal sie daran ichten. weisth. 3, 356 (Breitenbach in Hessen von 1467); man solt besichtigen alle masz trocken und nasz, und wo gebrech were oder funden worde, solt man dieselbigen vor gericht besichtigen und die ichten lassen. 376 (Salzschlirf von 1506); weiter ab schon eichten, hessisch (Vilmar a. a. o.), und nach dem subst. eichter, gewichteichter Schm. 1, 24 auch bairisch; mit verlust des inlautendem t entwickelt sich îchen und eichen: sal sin maisz (masz) laszin ichen zu allen ungeboden dingen (Franken von 1453); nd. iken, nnl. ijken, schweiz. îcha den keltereid schwören, neben îchta eichen Tobler 283a;

(ich) bit dich das du helfst mir
das mir mein teil auch werd gereicht
und in maszen recht gleich geeicht,
eim als dem andern ganz und gar. fastn. sp. 78, 14.

diesem verlaufe der formen gegenüber läge es nahe, eine herleitung des wortes vom adjectiv echt legitim, unverfälscht zu vertreten und stufenweise verdunkelung der ältest belegbaren form ächten anzunehmen, wenn nur das adjectiv echt nicht ausschlieszlich niederdeutsch und mitteldeutsch und den obern dialecten unbekannt gewesen wäre (vgl. th. 3, sp. 20), während gerade der älteste beleg des verbums aus Freiburg im Breisgau stammt.
ichen, eichen bildete früher auch starke formen: das part. praet. geeichen Michelsen rechtsdenkm. aus Thüringen 50; dasz .. alle und jede eychen (probationes mensurae aut ponderis) .. durch die geschworne eycher geychen und mit nägeln .. bezeichnet werden soll. Würtemb. herbstordn. (Stuttg. 1651) 7, § 10; der wein seie dann zuvor in ordentlichen eychen geychen und .. verzeichnet. 15, § 27.
 
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icher, m. von Klopstock gegen Fichte und dessen wissenschaftslehre gebraucht:

welche verbildung der philosophie, die der icher im ernst macht!
noch verbildete so niemals ein mahler im scherz. 7, 350.

in Hamburg bedeutet ikkert einen egoisten. Schütze 2, 191.
 
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icher [îcher] m. obrigkeitlicher prüfer des maszes und gewichtes, neben eicher theil 3, 81: daʒ niemand kein wein eichen sol mit butten, kubeln, gelten oder andern geschirren im feld oder in der stat, heimlich oder offenlich, dan mit der rechten ame, und mit dem geschwornen ycher. weisth. 3, 607 (Wirzburg, 14. jahrh.).
 
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icherei, f.: bald nachher standen die erlegten ich in der Fichteschen aseïtät, icherei und selbstlauterei in masse wieder von den todten auf. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 180.
 
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ichhaft, adj. selbstisch, egoistisch: weswegen ist die repräsentativ-regierung (in Frankreich) untergegangen? .. weil alle oratorischen und politischen talente anstatt patriotisch zu denken, ichhaft dachten, coterien bildeten. Augsb. allg. zeit. 1854, 2730.
 
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ichheit, f.
1) empfindung und betonung des eigenen ich, egoismus: der mensche solt als gar frîe ân sich selber stên und sîn, das ist ân selbheit, icheit, mir, mîn, mich und des glîchen, alsô das er sich und des sînen als wênik sûchte und meinte in allen dingen, als ob er nicht wêre, und solt ouch als wênik von im selber halden, als ob er nit wêre und als ob ein ander hête alle sîne werk getân. theol. deutsch 26; der alde mensche das ist Adam und ungehôrsam, selbheit und icheit und des glîchen. 28; der mensche solte an im selber sterben, das ist der menschlîchen lustigkeit, trost, freude, begirlikeit, icheit, selbheit, und was solches ist in dem menschen. 29; dar umb ist ouch geschriben: sô ie mêr selbheit und icheit, sô ie mêr sunde und bôsheit. ouch ist geschriben: sô mîn, ich, mir, mich, das ist icheit und selbheit, sô das ie mêr in dem menschen abe nimpt, so gottes ich, das ist got selber, ie mêr zu nimpt in dem menschen. 31, vgl. auch 3. 44. 62; lasz dich dise wörtlin sich und ich,

[Bd. 10, Sp. 2033]


sichheit und ichheit nit bevilen, dann du weiszt, dasz sie in deiner teutschen theologia vielmal stehen. Karlstadt bei Jäger 327; alles darin ich und ichheit, mich und meinheit kleben mag, dasselb musz ausgehen und abfallen, soll ich gelassen sein. ebenda; ein gelassen ich oder ichheit ist, wann ich mich veracht und übergib und gib dem alles das gut, der mirs geben hat. 335; ichheit und selbheit, das gehöret alles dem teufel zu. Luther theol. Tauleri;

die unglückselge ichheit setzt dich wider alle deines gleichen;
du willt der andern menschen ich, und sie dem deinen auch nicht weichen.
Brockes 6, 545;

wo, entwürdigt fast zur thierheit,
unfrei ichheit schwärmt und wirheit.
Voss 5, 249;

o wirf die welt dir vom genick
und deine ichheit wirf ins meer.
Rückert 346;

du hast mit deiner locken band
der ichheit fesseln abgestrüpft. 347.


2) das geistige im menschen, das wesen des reinen ichs in Fichtes philosophie: der mensch soll sein, was er ist, schlechthin darum, weil er ist, d. h. alles was er ist, soll auf sein reines ich, auf seine blosze ichheit bezogen werden; alles was er ist, soll er schlechthin darum sein, weil er ein ich ist. Fichte 6, 296; dies war die bedingung der ichheit, der vernünftigkeit überhaupt. naturrecht 34.
3) person, persönlichkeit: ich will nur zu bedenken geben, welche sonderbaren eindrücke in der seele eines kindes (das den namen Ulrich erhalten) entstehen müssen, wenn es sich immer mit einem dumpfen laut, wie ein verzauberter geist, Ulrich gerufen hört, wenn es diesen seltsamen klang mit dem begriff seiner ichheit verbindet. Tieck 15, 125.
 
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ichlebigkeit, f.: Herder aber war gekommen mit dem vollen selbstgefühl, der vollen ichlebigkeit die er besasz; er wollte seinem eigenen leben, seiner geistigen arbeit nachgehen und er wollte ganz und vollaus seinen beruf erfüllen. L. Schücking volkshalle (1866) s. 215.
 
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ichlein, n. kleines ich: das kleine geistige ich oder ichlein. J. Paul Levana 1, 130.
 
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ichlich, adj. dem ich gemäsz: aufgenommen in einen allgemeinen begrif .. des ichlichen. Fichte nachgel. werke 1, 273.
 
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ichling, m. egoist: allerdings genieszt der ichling den grösten grad häuslichen glücks, nämlich sein eignes. J. Paul friedenpr. 29.
 
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ichmasz [îchmasz] n. eichmasz: ichmasz pinta Dief. 436a.

 

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