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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hutzel bis hutzig (Bd. 10, Sp. 2000 bis 2002)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hutzel, f. etwas eingedorrtes, geschrumpftes (vergl. unten hutzeln), namentlich
1) gedörrtes obst, äpfel- oder birnenschnitz. die form hutzel, in den schriftlichen denkmälern bevorzugt, ist die oberdeutsche, namentlich im bairischen sprachgebiete gewöhnlich (Schm. 1, 1195 Fromm.; in Tirol. Fromm. 5, 230; in Böhmen. 6, 172), während mitteldeutsch das stammhafte u mit o wechselt: im nassauischen hutzel und hotzel Kehrein 203; ebenso hessisch. Vilmar 176; in Düringen und Obersachsen gilt nur hotzel, eine form die auch Bürger in der schriftsprache anwendet:

hu! ich will ihn trillen, zerren,
kraus, wie heu und hotzeln, dörren! 288b (Macbeth 1, 3).

Adelung schreibt, mit langem vocal, huzel (was in Colditz in Sachsen eine schiefgebackene semmel bezeichnet) wie das entsprechende verbum hûzeln; das späte mhd. gewährt hützel und hutzel (Lexer wb. 1, 1410); Stieler 803 hutzel und hotzel, pomum et pyrum siccatum; von durren pirn oder von groszen huczeln. kuchenmeist. a 6; diese werden von etlichen schön empfangen und mit dürren hutzlen, milch und erbisz gelabet und gespeiset. S. Frank weltb. 51a; wegen der gedörrten hutzeln und schlehen. Jucundiss. 111; wurde brod gebacken, das mit hutzeln und nüssen ausgefüllt war. Auerbach dorfgesch. 1, 228; an jedem gaubloch hängen perlenschnüre von getrockneten schnitzeln und hutzeln. Bettine briefe 1, 21; als redensart: frisz hutzel, wenn dir dieses nicht schmeckt, si non vis pasci his deliciis, non invideo tibi Cyprii bovis merendam. Serz 73a; ich will dir hutzel anrichten, male mulcaberis; duras partes sustinebis. ebenda;

und gibst hutzeln für feigen hin. fastn. sp. 478, 12;

ich gib euch hutzeln dürr und grün. 614, 13;

pfui teufl mit der runzelten altn!
sie ist gar eingschnurt und verschmort
und wie ein hutzel eingedort.
Ayrer fastn. sp. 14b (2404, 26 Keller);

und solst du zu einer hutzel braten. 85c (2769, 3).


2) hutzel, bairisch, ein runzlichtes altes weib; in Nassau eine alte eingeschrumpfte person, aber auch ein guter tropf, gutmütiger

[Bd. 10, Sp. 2001]


mensch (Kehrein a. a. o.). an diesen letzteren sinn rührt es, wenn scherzend mägde hutzeln genannt werden: was können doch die ehrlichen und aufrichtigen armen hutzeln oder frommen mägde und dienstboten für einen solchen schleppsack. mägdelob 4;

wie müssen sich die guten mägd,
die armen hutzeln doch zerleiden. 49.


3) hutzel und huzel, die holzbirne, pyrus communis sylvestris. Nemnich.
4) hutzel, in einem ausrufe, scheint mit anklang an die interjection hutz verwendet: schwur auch bei meinem bart und so lieb mir mein calenderhandel wäre, ich wolte ihme, ehe einer sagte: hutzel! wieder zurecht helfen (von der maulsperre). Simpl. 2, 277 Kurz.
 
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hutzelbirne, f. gedörrte birne, oder holzbirne? gute huczelbirn. kuchenmeist. b 3. im Appenzell ist hutzelibera eine besondere art von birnen. Tobler 278a.
 
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hutzelbrot, n. brot mit hutzeln gefüllt. Frisch 1, 480c.
 
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hutzelbrühe, f. decoctum pirorum siccatorum. ebenda.
 
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hutzelkrämer, m. händler mit hutzeln: hutzelnkrämer, hutzelwasserhändler zu Augsburg. Fischart groszm. 49.
 
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hutzeln, verb. schrumpfen, rugosum fieri. Frisch 1, 480c. Schm. 1, 1196 Fromm.; vergl. auch DWB einhotzeln, DWB einhutzeln th. 3 sp. 205, und verhutzeln. das wort darf wol als éines ursprungs mit dem sp. 1846. 1847 aufgeführten, meist mundartlichen hotzeln schüttern, rütteln angesehen werden, hat aber seine bedeutung in der angegebenen weise eingeschränkt.
 
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hutzelprediger, m. im sinne von elender prediger, ein von Carlstadt angewendetes wort, das von Luther verspottet wird: das ander stück der hohen vernunft ist, das Carlstad einher feret, als habe er es erstritten, das nichts denn brot und wein im sacrament sei, und sagt, wo Christus habe sein leib zu empfahen befohlen, der doch habe gesagt, nemet das brot und esset. darumb solten die hutzelprediger (o schön deudsch) haben gepredigt, wie man des herrn brot wirdiglich esse, wie Paulus predigt. Luther 3, 80b.
 
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hutzelwasser, n. brühe von gekochten hutzeln; bildlich schlechter kaffee oder met. Schm. 1, 1196 Fromm.:

ir lieb und gunst kan mir wol kummer stillen,
wie hutzelwasser, sawersenft und enzian. meisterl. ms. fol. 23 no. 11.


 
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hutzen, verb. , nebenform zu hutschen sp. 1993, und in bedeutungen desselben.
1) kriechen, rutschen: repere hutczin voc. Vratislav. ms. sec. 15.
2) hutzen, reizen, locken:

sondern wolt in noch mutzen, hutzen
mit schelten, bochen und mit trutzen.
Fischart dicht. 1, 124, 35 Kurz.


3) mit dieser bedeutung berührt sich hutzen für rennen, stoszen wie böcke, und rennen machen, ein vorzugsweise fränkisches wort (Schm. 1, 1195 Fromm.), das aber auch sonst sich findet, in der bedeutung auf einen feindlich losgehen: etwen verhengt gott über sölch menschen, die sich also von im keren z der welt, das sich ir die welt nit vermag, das inn kein freud noch mtwill z lieb würd und das die welt wider sy pfiset und pfutzt und uff sie hutzt. Keisersberg bilg. 119c; und das unter hürzen sp. 1972 auf andere verwandtschaft zurückgeführt werden muste. eine specialisierung der ersteren bedeutung von hutzen ist es wol, wenn voigtländisch, böhmisch hutzen (auch hûzen gesprochen) umherlaufen, auf besuch gehen heiszt; schon im 16. jahrh.: was spacieren und immer hutzen gehet .. das

[Bd. 10, Sp. 2002]


gibt selten gute hauszhalterin. Mathes. hochzeitpr. 25a; auch fränkisch, hutzen gehen, in alterius domo consortium quaerere Frisch 1, 480c: andere mundartliche formen werden bei Kuhn 17, 12 aufgeführt (doch mit unrichtiger etymologischer anlehnung).
4) wieder ein anderes hutzen, rütteln, schüttern hängt mit hotzen und hotzeln sp. 1847 zusammen: ein vorster sol auch uf einen zun träten, und sol dreistund (dreimal) hutzen, und wo er bricht, da sol er demselben gebieten, des der zun ist, dasz er in besser mache. weisth. 1, 138 (canton Zürich, von 1484); erhutzen erschüttern: als das krütz zum dritten mal in dem stein erhutzt ist, dasz alle sine wunden wider ufbrachen. das grosze gebet 89.
 
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hutzer, m. nach hutzen 2, aufreizer: ein hutzer und anzünder des gemeinen pöbels. bairische quelle bei Schm. 1, 1195 Fromm.
 
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hutzig, adj., nach hutzen 3, zu feindlichem losgehen geneigt, streitsüchtig: das ein narr, das ein gauch, das ein hutziger, der also, das ist der welt eigenschaft. Paracelsus opp. 2, 175 B.

 

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