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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hüttchen bis hüttenblume (Bd. 10, Sp. 1994 bis 1997)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hüttchen, n. kleine hütte, geringes wohnhaus: hutchen, tugurium Trochus O 4b; hüttchen, domuncula, casula Steinbach 1, 799; niederl. hutteken tuguriolum, casula Kilian;

dein kleines, schwarzes hüttchen,
du guter biedermann,
soll eine kirche werden,
mit einem thurm daran.
Hölty 11 Halm;

liebes hüttchen, das bewohnet
mein geliebter vater hat.
Gleim 7, 1.


 
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hütte, f. tugurium, casa, ein ursprünglich auf das hochdeutsche sprachgebiet eingeschränktes wort, ahd. hutta (aus hutja), mhd. hütte, das aber als lehnwort (wie der stand der dentalen lehrt) auch in andere dialekte gedrungen ist: niederd. (wie hochdeutsch) hutte casa Dief. 104b, tugurium hutte 601a; niederl. hutte tugurium, scena, taberna, tabernaculum, tentorium Kilian; engl. hut, schwed. hytta, dän. hytte, selbst das franz. und span.

[Bd. 10, Sp. 1995]


haben es aufgenommen, jenes als hutte, dieses als huta (Diez wb. der rom. spr. 2, 349). hütte hängt wurzelhaft zusammen mit haus und haut (sp. 640. 701), dergestalt dasz die allen drei zu grunde liegende wurzel sanskr. sku bedecken hier in secundärer weise durch wurzelschlieszende dentalis vermehrt ist, wie in griech. κεύθω berge, schliesze ein.
hütte bezeichnet
1) einen zufluchtsort, bedeckten schutzort im freien, für solche die sich dort zur ausübung ihres berufes aufhalten, namentlich einen unterschlupf von vieh- und feldhütern: hütten, allerlei geheüsz von laden und brättern auf die eil gemacht, taberna, scena, mapalia, tentorium, attegiae Maaler 232a, vgl. DWB feldhütte, DWB hirtenhütte, DWB schäferhütte, viehhütte; die hirten der hütten, heüt stend si, morgen bricht man si ab und setzet si an ain ander ort. Keisersberg granatapfel 1511 M 6a; Jacob zoch gen Suchoth, und bawet im ein haus, und machet seinem vieh hütten. 1 Mos. 33, 17; meine zeit ist dahin, und von mir aufgereumet, wie eins hirten hütte. Jes. 38, 12;

wohl! Lenore bewacht in der ströhernen hütte die leinwand.
Voss 2, 25;

hütte eines weinbergshüters: tugurium ein hutt in vinea Dief. 601a; gheend die schutzen (hüter) in den letsten tagen 1 oder 2 tag ungeverlichen usz yder hütt, so abgelesen ist, alle bede uff den hof. weisth. 4, 524 (weinbergordnung von Eszlingen 1518); — hütte für einen kürzeren aufenthalt im freien, bei festen (wir reden auch modern von einer festhütte, sängerhütte, schieszhütte als von einem aus brettern zusammengeschlagenen bau, selbst gröszeren umfangs) oder beim lagern: umbraculum hütte, schattichter ort, lauberhütte Kirsch cornuc.; ein schirm wider die hitze, eine hütte wider den heiszen mittag. Sir. 34, 19; tentorium hut Dief. 578a neben zelt, beide wörter sind zwar in der ältern sprache begrifflich sonst gesondert:

al zehant ich slahen bat
für die stat verre uf daʒ velt
wol zehen hütte und ein gezelt. frauendienst 68, 22;

aber der unterschied scheint nicht sowol, wie später, auf das material, sondern vielmehr auf form und grösze zu gehen:

dâ stuonden sîdîn hüttenund manic guot gezelt:
der was dâ gar erfülletvor Wormeʒ alleʒ daʒ velt. Nib. 551, 3;

dô hieʒ man ûf den grieʒen manege hütten spannen
mit sîdînen snüeren hern Hartmuote unde sînen mannen. Gudrun 980, 3;

sî giengen ûf dem grieʒedâ man ein hütte vant
von vil rîchen sîden,dâ sî gestuonden under. 1662, 3;

später werden hütten gemacht, aufgeschlagen, gebaut: hie ist gut sein, lasset uns drei hütten machen. Marc. 9, 5;

und bauten hütten tag und nacht,
bis in (dem griechischen heere) die velder überal
z dem geliger warn ze smal. d. städtechron. 4, 349, 200;

hütte eines im walde lebenden einsidlers: der einsidel merkte meine nothdurft, darum liesz er mir den platz allein in seiner hütte, weil nur einer darin ligen konte. Simpl. 1, 27 Kurz;

einsiedler. hockt auf! hier in die hütte rein.
Göthe 13, 79;

hütte eines bewachenden hundes, vgl. DWB hundehütte.
2) hütte, von der bedeutung 1 aus namentlich in der technischen sprache mehrfach.
a) bei den steinmetzen: erkundigen wir uns nun nach den innern verhältnissen dieser gesellschaft, so treffen wir auf das wort hütte, erst, in eigentlichem sinne, den mit brettern bedeckten raum bezeichnend, in welchem der steinmetz seine arbeit verrichtete, im uneigentlichen aber als den sitz der gerechtsame, der archive und des handhabens aller rechte. Göthe 43, 434; in diesem sinne auch im compositum bauhütte: eine arbeit des aufsehers und polirers der bauhütte. 432.
b) beim bergwerk: hütte, insonderheit bei den bergwerken, horreum, armarium, darinnen ist aller vorrath so zum bergwerk gehört, berge, seile, und alles zum verkaufen fertige, metalle und anders gut. Frisch 1, 480b; welk man den anderen befinde over synen schaden, den he ome dede an sinen hutten, edder an synen berchwerke. weisth. 3, 266 (Goslar, 15. jahrh.);

der ganc (spricht ein betrügerischer bergmann) der ist zerhouwen,
den wir heten bestochen,
und ist wundern wol gebrochen.
nû sulle wir zuo der hütten varn. Germania 1, 348, 193.


c) hütte, officina, zur arbeit in metallen, mineralien und anderm: die hütte stehet kalt, non laboratur in officina. Frisch 1, 480b;

[Bd. 10, Sp. 1996]


so wie sie (die Bode im Harz) durch unwirthbare berge wohlthätig
dahin flieszt,
läszt an ihren gestaden der genius über die gruben
puchwerke, mühlen und hütten aufsteigen.
Zachariä tageszeiten (1757) s. 83.

vgl. dazu hüttenwerk unten, und eisenhütte, glashütte, schmelzhütte u. a.
d) hütte, der schuppen, unter welchem bei einer glashütte der verglasungsofen steht. Jacobsson 6, 127b.
e) hütte, eines vogelstellers: sobalden nun besagter maszen alles gerichtet und bereitet worden (zum vogelfange), so musz man auch die hütte verfertigen: selbige pflegt man aus einigen in den boden gesteckten baumästen zu machen, und mit stroh zu umlegen, auch solle sie nicht mehr dann drei schuh hoch, ingleichem oben nicht zugedeckt sein. jagtsergötzl. 3, 93.
f) hütte, der obere theil über dem halben verdecke eines schiffes, im hintertheil über der pflicht oder plicht. Jacobsson 2, 298a.
g) hütte, die breterbude eines verkäufers, krambude: wer ein hutten will setzen, der soll geben dem zoller vier pfenning und dem abbt seinen zinsz. weisth. 4, 187. vgl. DWB hüttholz und DWB hüttler.
3) hütte, auf den wohnraum nomadisierender völker bezogen, zum unterschiede des fester und für immerwährenden aufenthalt hergerichteten hauses: da wurden si (alte völker) von tag ze tag menschlich vernunft an sich nemen, .. und machten sich zesamen und viengen an hütten ze machen mit ainem tüll (zaun) und mit ainem aufgeworfen graben, und irn hüttlach (collectiv, hütten) mit gerör gemacht. d. städtechron. 4, 280, 8; darnach brach er (Abram) auf von dannen an einen berg, .. und richtet seine hütten auf. 1 Mos. 12, 8; wie ich die kinder Israel hab lassen in hütten wonen, da ich sie aus Egyptenland füret. 3 Mos. 23, 43;

laszt mich nur auf meinem sattel gelten!
bleibt in euren hütten, euren zelten!
Göthe 4, 7;

hütten bauen, das zeugnis für eine niederlassung, ein längeres weilen:

da sprach ich oft mit recht: hier laszt uns hütten bauen!
Günther 317;

hier, rief er seinem freund, vom unverhofften schauen
des schönen orts entzückt, hier lasz uns hütten bauen!
Wieland 23, 84 (Oberon 8, 23);

laszt uns
zurück — hier ist kein hütten baun.
Grabbe don Juan u. Faust (2. aufl.) 107.


4) hütte, für kleines schlechtes haus: hütten, ein pauwren hausz mit einem strauw oder schaubtach, tugurium, casa Maaler 232b; eine kleine, schlechte, elende, erbärmliche hütte; man sagt auch das ist eine wahre hütte von einem hause; er (der schulmeister) wohnte in einer hütte von lehmwänden, die auszer der schulstube nur sein schlafkämmerchen faszte. Immermann Münchh. 1, 72; auch in poetischer sprache: ir wonunge müsse wüste werden, und sei niemand der in iren hütten wone. ps. 69, 26;

die sittsamkeit flieht goldne fürstensäle,
und liebt die niedern hütten nur.
Hölty 181 Halm;

wenn ihr müde seid
und wenig euch genügt, so kommt in meine hütte;
da steht euch milch und brot, und eine gute schütte
von frischem stroh zu dienst.
Wieland 22, 166 (Oberon 4, 37);

in Myrtills zerfallner hütte
schimmerte die lampe noch.
Schlotterbeck (vgl. Hoffmanns volksthüml. lieder s. 91);

nun verlass ich diese hütte,
meiner liebsten aufenthalt.
Göthe 1, 46;

siehst du eine hütte im felde frei,
weiszt nicht ob sie dir ein liebchen hegt. 5, 70;

raum ist in der kleinsten hütte
für ein glücklich liebend paar.
Schiller parasit 4, 4;

o winter, schlimmer winter,
wie ist die welt so klein!
du dringst uns all in die thäler,
in die engen hütten hinein.
Uhland ged. 32;

(das recht) das im lande ein und aus
der armuth hütten schützt. 85.


5) hütte, von der wohnung im jenseits: ich wil wonen in deiner hütten ewiglich. ps. 61, 5; bisz ich endlich in die ewige hütten zu dir aufgenommen werde. Schuppius 684.
6) hütte, vom leibe, gleichfalls nach der bibelsprache: wir wissen aber, so unser irdisch haus dieser hütten zubrochen wird (ὅτι ἐὰν ἡ ἐπίγειος ἡμῶν οἰκία τοῦ σκήνους καταλυθῇ), das wir einen baw haben von gott erbawet. 2 Cor.

[Bd. 10, Sp. 1997]


5, 1; denn ich achte es billich sein, so lange ich in dieser hütten bin, euch zu erwecken und erinnern, denn ich weis, das ich meine hütten bald ablegen mus. 2 Petr. 1, 14; ausz dieser sterblichen hütten in gottes gewalt dahin fahren. Schuppius 455; wenn mich gott, durch ablegung dieser fleischlichen hütten, bald follkommen machen wil. Butschky Patm. 548.
7) hütte, für den sarg:

die engen todtenhütten fallen,
wie sehr ihr klammert und verpicht.
A. Gryphius 1663 485;

öffne meine bange kleine hütte,
bring in flammen liebende zur ruh!
Göthe 1, 250.


8) nur in der bibelsprache ist hütte auch die stätte der verehrung gottes, zunächst angeschlossen an die bedeutung 3, während des wanderlebens der Juden, vgl. DWB stiftshütte: Aaron und seine söne, ... wenn sie in die hütten des stifts gehen, oder hin tretten zum altar. 2 Mos. 28, 43; dann aber auch auszerhalb dieses anschlusses: und höret eine grosze stim von dem stuel, die sprach, sihe da, eine hütte gottes bei den menschen, und er wird bei inen wonen. offenb. 21, 3. — von einem götzentempel: und ir namet die hütten Moloch an. apostelgesch. 1, 43, doch nur im gegensatz zur stiftshütte: es hatten unser veter die hütten des zeugnis in der wüsten. 44.
9) sprichwörter. schöne hütten, schlechte sitten. andre hütten, andre sitten. Simrock sprichw. 272; manch aufrichtiges herz siehet einen heuchler für seines gleichen an und vermeinet lehr und trost von ihm zu schöpfen, da doch nichts in der hütten ist (nichts dahinter). Otho 757.
 
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huttelbeere, f. crataegus torminalis, elsenbeere, darmbeere. Nemnich 2, 1272.
 
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hütten, verb. in abhütten theil 1, 58.
 
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hüttenabtreiber, m. beamter in einer schmelzhütte, der über die schmelzarbeit die aufsicht führt. Jacobsson 6, 128a.
 
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hüttenafter, m. das gekrätze, welches auf schmelzhütten von der arbeit fällt. Jacobsson 2, 298a.
 
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hüttenamt, n. behörde über schmelzhütten.
 
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hüttenarbeiter, m. arbeiter in einer schmelzhütte.
 
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hüttenbeamter, m. beamter, aufseher eines hüttenwerks.
 
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hüttenbedienter, m. ebenso.
 
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hüttenblume, f. syringa vulgaris, türkischer hollunder. Nemnich 4, 1414.

 

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