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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hutschen bis hutstock (Bd. 10, Sp. 1993 bis 1994)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hutschen, verb. , in mehreren bedeutungen.
1) rutschen, auf dem boden gleiten, kriechen: repere hytsczen, hutschen Dief. 493a; hutschen (neben schwanken, schaukeln, s. 2) auf dem hintern fortrutschen, wie kleine kinder, kriechen. Schm. 1, 1192 Fromm.; hutschen, quatere, serpere, proserpere, trahere, auf dem hindersten hutschen, trahere se podice Stieler 782; rheinisch hutschen, sich auf der erde kriechend fortbewegen, auf dem hintern fortrutschen, wie kleine kinder, als seltenes wort, mit dem dimin. hutscheln gleicher bedeutung. Kehrein 206; schwäb. hutschen (neben hotschen und hottern) auf dem boden umher kriechen, auch gekrümmt sitzen Schmid 290; auch niederd. hutschen, am boden kriechen Schambach 90b; he was lam, daʒ her muste hutschin. Ködiz 73, 9; wir wollen an benken gehen, auf der erden hutschen. Lehmann 25; sprichwörtlich: ich denke, ich denke, es wird der hund zu letzt mit ihm hutschen. Filidor Ernelinde s. 43, vergl. dazu hund I, 13, b sp. 1916. s. auch hatschen sp. 559.
2) hutschen, von spielen: in Kärnten transitiv und intransitiv schaukeln Lexer 146; in Baiern schwanken, schaukeln. Schm. 1, 1192 Fromm.; im Salzburgischen hutschen auf einem seile

[Bd. 10, Sp. 1994]


schaukeln. Höfer 2, 82; sonst auch auf dem eise gleiten, wofür es eine ganze menge kinderausdrücke gibt, vgl. unter kascheln theil 5, 247: hutschen est lubricis pedibus volare, cursum agitare lubricum, lubrico modo labi, ut pueri in glacie. Stieler 872. vgl. dazu auch hotzen, hotzeln.
3) hutschen, reizen, locken, hängt wol eng mit dem lockrufe hutsch (s. d. no. 3) zusammen: hortari, anreiszen, hutzschen, auctoritate et precibus Trochus Y 2a; stimulare anreyczen ł hutschen Dief. 553a; hutschen, canes ad venandum incitare, anhutschen, die hunde an einen hutschen, instigare canes in aliquem Stieler 782; bairisch hutschen, hetzen, incitare Schm. 1, 1192 Fromm.; schwäb. hutschen, aufreizen, aufhutschen, zu händeln, mit andern aufreizen, hetzen Schmid 290; er hutschete auch sogar noch andere an mich, dasz sie ihren spasz haben ... solten. Simpl. 1 (1713) s. 144; wann sie also zusamm gehutschet. 560.
 
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hutschieszen, n. ein spiel der jugend, wobei es gilt, geld- oder blechstücke aus einer gewissen entfernung in einen hut zu schleudern: habend wir ... das kluckeren, stöcklen, hutschieszen und derlei spiel, wie es die jungen in übung habend, genzlich abgestelt. mandat u. ordnungen ... der statt Zürych (1637) D 1a.
 
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hutschmuck, m. schmuck des hutes:

mein hutschmuck die rose,
mein lager im mose,
der himmel mein zelt.
Scheffel gaudeamus 115.


 
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hutschmücker, m. ausputzer eines hutes, der ihn mit band, feder, tressen u. s. w. verziert. Schm. 1, 1190 Fromm. (aus Augsburg von 1649). vgl. hutstaffierer.
 
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hutschnur, f. schnur um den hut, spira. Stieler 1907: dann da tragen sie hutschnüre von seiden, von silber, von attlasz, von daffat, dann gestickt, dann geschlagen, dann geflochten .. Phil. Lugd. 2, 103; er reiszt seine goldene hutschnur ab und erdrosselt sich. Schiller räub. 5, 1. in Düringen heiszt es bis über die hutschnur in schulden stecken, wie sonst bis über die ohren; in Sachsen das geht über die hutschnur, ist zu arg, superat modum.
 
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hütschpott, m. als name eines ragouts, hochepot, salmigondis Rondeau 312 der name ist dem niederländischen entlehnt, aus welchem Kilian verzeichnet hutspot, caro jussulenta, jurulenta, carnes e jure, aulicocia, dicitur a concutiendo (d. h. nach dem niederl. hutsen, hutselen quatere): quod carnes conscissae et in jure suo coctae a coquo in olla fervente concutiantur, succussentur et invertantur. auch ins franz. ist das wort als hochepot, ins englische früher als hotspote, hotchepot aufgenommen, in welcher sprache es aber die umprägung hodgepodge, hotchpotch erfahren hat und nun allgemein mischmasch, gemengsel, quodlibet bedeutet.
 
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hutschraube, f. schraube der hutmacher, um einen zu engen hut zu weiten.
 
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hutstaffierer, m. der einen hut nach der mode ausrüstet, auch so fertig gestellte hüte verkauft: man sagt, dasz ein edelmann zu einem huhtstaffirer geschickt, und einen hut bei ihm hab borgen wollen. Schuppius 616.
 
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hutstein, m. markstein, wieweit die hut eines ortes geht. Frisch 1, 480a.
 
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hutstepper, m. hutstaffierer; in Östreich. Jacobsson 6, 127b.
 
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hutstock, m. forma pilei lignea. Stieler 2162, dasselbe was hutform.

 

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