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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hut bis hütel (Bd. 10, Sp. 1983 bis 1986)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hut, f. custodia; ahd. huota, mhd. huote und gekürzt huot, niederd. hôde (Möser osn. gesch. 1, 70, von dem schutz- und abhängigkeitsverhältnisse eines lehnsmanns zu einem kloster), niederl. hoede, das substantiv zu dem unten folgenden verbum hüten. in der ältern nhd. sprache, bis ins 17. jahrh. hinein, ist die form hute nicht ungebräuchlich: custodia hte, hude (neben hut) Dief. 164c; hte, wachung, excubiae, custodia Dasyp. (daneben das in ht ist custoditum); dasz er ihm (gott) um seine hute und barmherzigkeit danke. Simpl. 2, 232 Kurz; auch umgelautet: custodia huyde, hide Dief. 164c;

und solte gleich die hte
der welt zu grunde gehn,
so wird doch sein gemte
darunter sicher stehn.
Opitz 2, 135 (nach Horaz od. 3, 3).

hut bedeutet
1) behütung, aufsicht, fürsorge, schutz im allgemeinen: ht und das aufsähen, custodia, sichere ht der hunden, canum fida custodia Maaler 233c; gut braucht hut. Simrock sprichw. 217;

es kan und wil auf seine hut
allzeit mein muth
sich billich gern verlassen.
Weckherlin 9;

eigen hut
am besten thut.
Lehmann 84;

nein, unter vieler starken hut
fehlt es auch hasen nicht an muth.
Hagedorn 2, 34;

auch du (spricht der haushund) scheinst mir geschickt zu hut und gegenwehr. 26;

er (gott) schützte mich mit unsichtbarer hut.
Gotter 3, 569;

eine gute, sichere, tapfere hut: in gter ht haben, probe custodire Maaler 233c; gute hut macht guten frieden. Simrock sprichw. 272;

eʒ enist kein huote alsô guot,
sô da's ein wîp ir selber tuot. Freidank 101, 7;

fressen, saufen in sichrer hut.
Murner schelmenz. 10a;

so halt syn wyb im husz gut hut.
sy bedt, sy wescht, sy zwagt im (dem manne) dar. geuchmatt 953 Scheible;

der bauer hat sein gut
zum festen ort geflüchtet und hälts in tapfrer hut.
Uhland ged. 367;

formelhaft ist hut mit ähnlichen begriffen verbunden, hut und acht, hut und schutz, hut und sorge: (dasz) man desselben jamers noch hut noch acht hat. Luther 1, 84b; man solle kein hut, wache, oder acht, nachlassen, sie sei wie klein sie sei. 3, 325b; es ist alles gottes segen, gottes hut und sorge, nicht das wir darumb solten müszig gehen, nichts erbeiten noch hüten, sondern sollen das unser thun mit erbeiten und hüten, aber doch wissen, das gott müsse das gedeien und geraten geben in unser erbeit und hut. 5, 481a;

dessen fromb und teutscher muht
ist sein bewehrter schutz und hut
darunter sein herz triumfieret.
Weckherlin 385;

reimende formel ist gut und hut: die nicht so engstlich thun nach gut und hut. Luther 2, 394b. br. 2, 607.
Es heiszt hut setzen, in hut nehmen, in der hut sein, liegen, halten, behalten:

swer den vrowen setzet huote,
der tuot daʒ übele dicke stêt. minnes. frühl. 65, 21;

diesz vermagst du zu vollenden,
nimm es herr in deine hut.
Göthe 41, 58;

zu einem guten hausvater gehöret, nicht allein wie er geld und gut erwerbe und heimbringe, sondern wenn er das kan

[Bd. 10, Sp. 1984]


und thut, das ers auch verwaren und in der hut behalten könne. Luther 5, 510a; was den unfrieden mehrt, und die nachbarn stört, behalte nicht in hof und hut. Freytag handschrift 1, 185;

wenn das ir muter an ir (der tochter) waisz,
so schol sis halten wol in hut. fastn. sp. 748, 31;

das neue testament, der letzte wille dessen,
der menschlich starb, nun göttlich lebt, und hut
für diese hält, so heiszen gottes gut.
Fleming 547;

wo die verborgnen schätze
sind unter deiner (des teufels) hut.
A. Gryphius 1698 1, 60;

(am gestade) allwo er, in der hut
des rosigen gesträuchs, am letzten strahl der sonnen,
halb angekleidet, matt und keichend ruht.
Wieland 17, 36 (Idris 1, 47);

sei ruhig! bin in gottes hut.
Hauff 1, 41;

und liegt auch das zünglein in peinlicher hut,
verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut.
Göthe 1, 228;

hut wider etwas: eine hut wider das straucheln. Sir. 34, 19.
2) hut, von der schützenden, hütenden person selbst (vgl. unten no. 6):

ein schrecken seines feinds und seiner freinden hut.
Weckherlin 688;

öfter noch in die bedeutung 1 übergreifend:

lönet mirs diu guote,
wir zwei betriegen unser huote. minnes. frühl. 68, 5;

vil selten âne huote man rîten lie daʒ kint. Nib. 26, 1;

auch von einem schützenden gegenstand: so lange die wolke auf der wonung bleib, so lange lagen sie stille, und wenn die wolke viel tage verzoch auf der wonung, so warten die kinder Israel auf die hut des herrn und zogen nicht. 4 Mos. 9, 19; von einem schützenden orte, gewahrsam:

denn Aeolus der lose man,
der hat ausz lauter übermut
und fürwitz ausz befohlner hut
on mein vorwissen seine windt
herauszgelassen. mückenkr. 1, 638.


3) in speciellem sinne ist hut die militärische wache, der posten zum schutz gegen einen feind oder kriegerischen überfall: excubiae, ht, wachung tag und nacht Dasyp.; die in der ht stehen, stationarii ebenda; auch wart den viertelmeistern nemlich befolhen, mit iren heubtleuten zu bestellen, wenn zu der wacht gepotten wart, das der mit seins selbs leib da sein solt, .. das er an die hute gee, dahin man yn weist. d. städtechron. 3, 359, 13; es wart Jorgen Coler, zu den zeiten richter zu Werde befolhen, .. ein wachte daselbs zu machen, die weil der kungkleich tag weret, und daʒ sie dest basz in hute weren. 384, 10; die auf die thor und thurn und auch unter die dor bestalt waren, yder an sein hutt. 385, 30; item in Crutenouwe und in andern vorstetten was nahtes grosze hte. 9, 826, 16; herr, ich stehe auf der warte imerdar des tages, und stelle mich auf meine hut alle nacht. Jes. 21, 8; steckt nu panir auf die mauren zu Babel, nemet die wache ein, setzet wechter, bestellet die hut. Jer. 51, 12; die bei Messana auf der hut stehenden schiffe (die flotte, welche Messana blokierte). Heilmans Thucyd. 488; der gröste theil entkam in das bolwerk, alwo sie mit dem daselbst auf der hut befindlichen soldaten fronte machten. 504; die eine hälfte der Korinthier welche zu Kenchrea auf der hut stand, damit die Athenienser nichts auf Krommyon unternemen möchten. 514.
4) von dieser bedeutung, die seit dem vorigen jahrhundert in der technischen sprache ganz ausgestorben, ist die redensart auf der hut sein, in freier verwendung noch übrig, früher auch auf seiner hut stehen, securitati suae prospicere. Frisch 1, 479c; Graun hingegen hatte einen viel zu zärtlichen geschmack, um in diesen fehler (einer ausgebildeten tonmalerei) zu fallen; aber die hut, auf der er desfalls beständig stand, machte auch, dasz er selten oder gar nicht mahlte. Lessing 11, 344; wie sehr man bei ihnen auf seiner hut sein musz, Danae! Wieland 10, 113 (grazien 6); ich habe brave leute gekannt: sobald sie meine freunde waren, muszt ich vor ihnen auf der hut sein. Lenz 1, 214;

läszt seine königin, nah bei der thür, im schutze
des treuen Scherasmin, dem er auf seiner hut
zu sein gebeut.
Wieland 22, 220 (Oberon 5, 54)


5) hut, dann auch hinterhalt, vgl. hinterhut sp. 1508: dornach kurzlich kamen ritter und knecht fur Piberach und namen daʒ fih mit 20 gleffen (lanzenreitern) und hetten in der hut 50 gleffen. d. städtechron. 1, 36, 14; item am pfincztag an sant Gallen tag riten die unsern hie aus mit 24 pferden und hielten

[Bd. 10, Sp. 1985]


in einer huet bei Schelnberg. 2, 173, 2; und als sie in nach eilten bisz zu der huet, da brach der hauf ausz der huet. 199, 28; der gereisig zeug reit fürbasz gegen Vorchaim wertz in ein huet. 220, 17; da seind dieselbige hueter (auflaurer) auf der huetten gewest und seindt seiner gewahr worden. weisth. 3, 752; also das in der osterwuchen gesagtes jars ein heimliche unbekante ht uff in zwischen Delsperg und Bruntrut gehalten. ist aber, wil er verwarnet worden, zeruck verbliben. Basler chron. 1, 216, 8.
6) hut, persönlich (vergl. oben 2), der reisige wächter, soldat auf wache; im collectiven singular: die andern porten die men tages uf det, die worent alle besetzet mit hte und mit geweffeten lüten. d. städtechron. 9, 852, 26; sie gingen aber durch die erste und ander hut. ap. gesch. 12, 10.
7) anders heimliche hut, spion, nachsteller: und wil man ouch heimliche hten darüber seczen die daruf warnemen süllent (auf aussetzung von kindern). d. städtechr. 9, 1029, 24.
8) hut, in alten nürnbergischen quellen, waldhut, district eines erbförsters: wer reisach hawet, daʒ niht pauholcz ist, der ist schuldig zu geben dem erbvorster, in deʒ hut er eʒ hawet, deʒ jars .. 4 haller. d. städtechr. 1, 30, 10; in swelhes forsters huote der walt prinnet. Nürnb. poliz.-ordn. 299; so weist innen (den der holz hauen will) dann der amptman in ein huet. Tucher baumeisterb. 89, 27.
9) hut, das hüten des viehs, grundstück auf dem dieses geschieht und das gehütete vieh selbst: hut, pascua, der platz worauf man das vieh weiden kann. Frisch 1, 479c; eine hut gänse, eine hut schafe ( Adelung), so viel deren zusammen gehütet werden; weil mich der herr unter seine herde hat genomen, und mit seiner weide und hut versorget. Luther 6, 339b; was der hirt in seiner hut verliehret, das soll er gelten. Pistorius thes. par. 8, 96;

auch Jacob dient durch kält und hitz
inn ht (indem er hütete) seins schwehers schaf und kitz.
Schwarzenberg 156b;

den reihentanz vollenden
die hirten auf der hut.
Hagedorn 3, 70;

dann auch die hürtenstelle. Schm. 1, 1190 Fromm.; die hut aufsagen, den hüterdienst, figürlich jeden dienst überhaupt aufsagen. ebenda; ich habe diese grille so lieb, dasz ich dem, der mich eines besseren belehren wollte, sogleich hut und weide aufkündige. Leisewitz briefe 224; endlich ist hut auch die hutgerechtigkeit: die hut auf einer flur haben.
10) in der bibelsprache ist hut ein wachtdienst der Leviten im tempel: und solt fur der hütten des stifts tag und nacht bleiben sieben tage lang, und solt auf die hut des herrn warten. 3 Mos. 8, 35; darumb sollen die Leviten der hut warten an der wonung des zeugnis. 4 Mos. 1, 53; die priester stunden in irer hut. 2 chron. 7, 6; und er stellet .. die Leviten auf ire hut zu loben und zu dienen fur den priestern. 8, 14.
 
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hutabnehmen, n., vergl. DWB hut 1, d sp. 1980: tief bewegte mich das demüthige hutabnehmen eines mannes, den ich einst reich und vornehm gesehen. H. Heine 1, 259.
 
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hutaffe, m. eine bengalische affenart, franz. bonnet chinois. Nemnich 4, 1301.
 
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hutanger, m. anger worauf vieh gehütet wird: in Bamberg wird im nächsten jahre auch ein volksfest gefeiert werden. der dortige magistrat hat zu diesem zwecke zum festplatz den städtischen hutanger zur disposition gestellt. didaskalia 1853 no. 254.
 
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hutband, n. spira. Stieler 154.
 
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hutbaum, m. terminalia catappa, ein malabarischer baum. Nemnich.
 
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hutbinde, f. spira. Stieler 152.
 
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hutblume, f. pinguicula vulgaris, fettwurz. Nemnich.
 
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hütchen, n. kleiner hut: pilleolum hoetghen Dief. 435a (kölnisch, anf. des 16. jahrh.); piliolus houdeken nov. gloss. 291 (niedersächsisch); hüttchen, pileolus Steinbach 1, 798; ein allerliebstes Pariser hütchen. E. T. A. Hoffmann (1844) 1, 182; kleiner hut der gaukler (vgl. hütlein), davon unter dem hütchen spielen, heimlich etwas treiben, mit dem nebensinne des überlistens: dasz ich mit andern leuten unter dem hütgen spiele. Chr. Weise comöd. 260;

weil sich die erde fühlt
und unterm hütgen spielt. curiöse gedanken v. deutschen versen 425;

ein hutähnlicher gegenstand: lichtknecht, hütchen, ein von zinn, messing oder anderm metall hohl getriebenes, und an dem einen ende zugespitztes hütchen, so man über die lichter

[Bd. 10, Sp. 1986]


beim auslöschen deckt. Jacobsson 2, 609a, ferner ein ähnlich geformtes gerät, welches über wunde weibliche brustwarzen gezogen wird, um kindern das saugen zu ermöglichen; die kleine mit etwas zündmasse versehene metallkapsel auf den hahn eines percussionsgewehres, vergl. zündhütchen; endlich auch der punkt auf dem i: (einer) welcher von dem hütchen über dem buchstaben i 2 folianten voll erklärungen heraus zu geben versprach. Günther 1107.
 
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hütebube, m. bube der vieh hütet: die hochmüthigen plänkler, welche .. durchgepeitscht werden sollten, wie die hütebuben in der ochsenherde. Hallische zeit. vom 28. oct. 1866.
 
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hütel, n. vgl. hütlein.

 

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