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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hustenkraut bis hut (Bd. 10, Sp. 1978)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hustenkraut, n. tussilago, huflattich. Nemnich.
 
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hustenküchlein, n. arznei wie küchlein, wider den husten. Frisch 1, 479c.
 
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hustenreiz, m. reiz zum husten.
 
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hustenwurzel, f. hustenkraut, huflattich. Nemnich.
 
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huster, m. einer der hustet, in älteren quellen spottname für einen alten welken mann: als nun sein hochgedachter preceptor inn dem 63. jar .. starb: ward ihm geordnet ein anderer alter huster. Garg. 142a; diser alt huster. 158a; (die frau) must sich demnach mit dem alten kalten huster begnügen lassen. Phil. Lugd. 3, 221; aber lebte der alte huster noch, ich wolte ihm die schrift dergestalt allegieren lehren ... Armatus (Rist) rettung 13.
 
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hustfieber, n. vergl. oben hustenfieber.
 
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hustig, adj. mit husten behaftet: zu schliszen, das die medici macht haben, sich zu lib den kranken in allerlai leut zu verändern, wie ain hofman, der ruben laszt biren sein, iz (jetzt) rollig, nun schmollig: iz runzelend, dan schmunzelend: iz hustig, nun lustig. Fischart pod. trostb. bei Scheible 10, 657.
 
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hustlich, adj. exscreabilis, exscreans, phthisicus, aushustlich Stieler 868.
 
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hustpillen, f. plur. pilulae ad tussim. Stieler 88.
 
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hustpulver, n. pulvis contra tussim. ebenda 447.
 
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hut, m. pileus. ahd. mhd. huot; niederl. hoed; dem altnord. fehlt das wort, dafür erscheint ein mit ihm wurzelhaft wol kaum verwandtes hattr, was in schwed. hatt, dän. hat fortlebt; das angels. kennt sowol hôd als hät in der bedeutung pileus, ebenso engl. hood und hat, nur dasz das erstere der ungewöhnlichere ausdruck, die bezeichnung für doctorhut, kappe, das letztere das wort des gewöhnlichen lebens ist; fries. steht hôd und das seltenere hat in völlig gleicher verwendung.Die eigentliche bedeutung von hut ist jedenfalls nur die allgemeine decke, schutz, das wort scheint, wie das folgende und das verbum hüten, zurückzuführen auf eine wurzel skad, sanskr. chad, mit verlust des anlautes und mit derselben mangelnden lautverschiebung des auslautenden consonanten, den auch das gleicher wurzel entstammende, aber anlautend vollständig gebliebene goth. skadu-s schatten zeigt.
hut ist kopftracht beider geschlechter, wird auch in freierem sinne verwendet.
1) hut, als männliche kopfbedeckung.
a) form, stoff und farbe des hutes werden näher bestimmt: hoher, niedriger, flacher, runder, spitzer, dreieckichter hut; ein aufgestülpter hutt, pileus succinctus, collectus Steinbach

[Bd. 10, Sp. 1979]


1, 797; hut von filz, seide, stroh; den hut (des hohenpriesters) von weiszer seiden. 2 Mos. 39, 28; nam er ein filzen ht. Aimon v 4b;

ich hab ein ht,
ist plab, der tt mich frewen.
Uhland volksl. 644;

der erste, der mit kluger hand
der männer schmuck, den hut, erfand,
trug seinen hut unaufgeschlagen;
die krempen hiengen flach herab.
Gellert 1, 9;

der hut wird geschmückt, staffiert (fertig gemacht durch ausputzen), vergl. DWB hutschmücker, hutstaffierer; er ist mit tressen, band oder federn versehen: da brachte man mir ein weiszes hemd, schuhe und strümpfe samt einem überschlag oder kragen, auch hut und federn. Simpl. 1, 73 Kurz;

der erbe reiszt die schnüre los (vom hute),
umzieht den hut mit goldnen dressen,
verherrlicht ihn durch einen knopf,
und drückt ihn seitwärts auf den kopf.
Gellert 1, 11;

bin ich als, edler junker, hier,
in rothem goldverbrämten kleide, ...
die hahnenfeder auf dem hut.
Göthe 12, 79.

verschiedene hutform und hutfarbe zeigt verschiedene stände an, vergl. doctorhut, fürstenhut, kurhut, jägerhut, jesuitenhut, kardinalshut, pfaffenhut; daher als symbol der betreffenden würde: bede bebeste .. mahtent ander nuwe cardinale. doch was ir vil, die in dirre zweigunge den ht und daʒ cardinaletm nüt woltent nemen. d. städtechron. 9, 610, 31;

wie ihr denn auch den lohn des fleiszes überkamet,
als ihr den blauen hut von Klio händen nahmet.
Fleming 62 (auf herrn Michels sein doctorat).

der spitze hut, ursprünglich baurentracht, ist seit dem 17. jahrh. charakteristisch für den aus dem plumpen bauer entwickelten hanswurst, dann auch für den intriguanten, und spitzhut, spitzhüter bezeichnet einen zuträger, zungendrescher, verläumder: uber das sind noch die spitzhüter, stiegenträger, die den jungen herren alles was sie hören und sehen, vor die ohren bringen, wenn es gleich erdichtet und erlogen ist. Löhneys regierkunst (1679) 8b.
b) der eiserne hut, wie der helm kopfbedeckung des kriegers, vgl. DWB eisenhut, DWB sturmhut, auch haube:

im (dem ritter) wart bedecket ieslîch loc
mit dem tiuren huote herte.
Wolfram Willehalm 296, 9;

wolten sie rennen, das sie sich mit iren hüten und was zum rennen gehört, als ander von der ritterschaft, erwarten. Wilw. v. Schaumb. 65; selbiger zeit ist eine höchste ehr gewesen, bei früher tagszeit die adeliche hände an den pflug legen, nachmittag aber den helm und huht ergreifen, und selben ritterspielen obliegen. Schuppius 711.
c) der hut ist von alters her zeichen des adels und der freiheit, die edeln werden in den frühlateinischen quellen des mittelalters pileati genannt, vgl. die nachweise bei Grimm rechtsalt. 271. der ein lehen übertragende reichte seinen hut dem lehenempfänger zum berühren hin (a. a. o. 148. Haltaus 983), zum zeichen, dasz ein theil von jenes rechten auf diesen übergieng. daher der hut symbol der herschaft: liesz .. ze Altdorf am platz bi den linden, da mengklich für gon muszt, ein stangen uffrichten, und ein hut oben druff legen, und liesz gebieten mengklichen, im land wonhaft, .. dasz jeder, so da fürgienge, sölte mit neigen und paret abziehen eer und reverentz bewisen, als ob der künig selbs, oder er (der landvogt) an siner statt persönlich da wäre. Tschudi 1, 235a, und danach bei Schiller:

und dieses ist des landvogts will und meinung:
dem hut soll gleiche ehre wie ihm selbst geschehn.
man soll ihn mit gebognem knie und mit
entblösztem haupt verehren. Tell 1, 3;

auch später zeigt sich das noch, so wenn der hut als symbol des ehelichen regiments auftritt, den bei eingehung der ehe die frau dem manne überreicht: braut und bräutigam liefern einander die gewöhnlichen präsenten, wie bei dieser löblichen stadt bräuchlich und herkommens ist. er ihr ... einen ring, sie ihm einen hut. Creidius 1, 496;

und das liebende mädchen (schenkte) zur gegengabe dem jüngling
einen prunkenden hut, und stattliche bräutigamshemde.
Hölty 40 Halm;

der frau den hut überlassen, unter den pantoffel kommen:

drauf, hocherfreut in seinem muth
gab er an seine frau den hut,
mit diesem stipulinen:
ihn basz zu karessiren.
Overbeck ged. 150;

[Bd. 10, Sp. 1980]



der mann ward, wie es sich gebühret,
von einer lieben frau regieret,
trotz seiner stolzen männlichkeit!
die fromme herrschte nur gelinder!
uns blieb der hut und ihm die kinder.
Hagedorn 3, 72.

ebenso zeigt auch der hut die exemtion von der herschaft eines andern, die freiheit an:

du bists der uns den hut der göldnen freiheit schenket.
Logau 3, 243, 142;

im hut der freiheit stimmet an
voll ernst der freundschaft lied.
Voss 4, 128;

des menschen zierrath ist der hut, denn wer
den hut nicht sitzen lassen darf vor kaisern
und königen, der ist kein mann der freiheit.
Schiller Piccolomini 4, 5.


d) durch das abnehmen des hutes bekennt man sich daher als diener jemandes, eine sitte die ursprünglich nur von dem niedern gegen den höher stehenden geübt werden konnte:

und als er im (ein edelknabe einem junker) sô nâhen quam,
sînen huot er abe nam.
hie mite êret er in alsô.
der junkherre gruoʒt in dô. Wigalois 41, 12;

auf der wol auch die ceremonie des studentischen landesvaters ruht, dergestalt dasz der abgenommene, auf den schläger gesteckte hut die hingabe an die vertheidigung von fürst und vaterland ausdrücken soll. das durchbohren der aufgethürmten hüte von studenten mit den degen auf das wolergehen der landesherren wird bezeugt in Reupsch schilderungen 2 (1759) 137; sie (die studenten) singen einer nach dem andern landesvater, trinken wein und stecken die hüte auf den degen an die decke. der deutsche student (1779) 18;

seht hier den geweihten degen,
thut, wie brave bursche pflegen,
und durchbohrt den freien hut.
A. Niemann vom j. 1781, vgl.
Hoffmann volksthüml. lieder 6.

jene sitte schwächt sich zur reinen höflichkeitsbezeugung ab; in einer reihe von redensarten: vorm seiden kleid ziehet man den hut ab. Lehmann 106; wann man ein jahr vor einem den hut abgezogen, so siehet man was hinder ihm ist und wie fromm er ist. 17; kleine dieb hänkt man, vor den groszen thut man den hut ab. 136; den hut in händen tragen, schadet nicht. 134; deswegen hielt ich vor nötig, mich wieder demüthig zu stellen, obschon ichs nicht sei, mit den gemeinen kerlen wieder unten und oben zu ligen, vor den höhern aber den hut in händen zu tragen. Simpl. 1, 304 Kurz; greife langsam nach dem beutel und oft nach dem huth. Schuppius 263; gute wort im mund und den huth in der hand, das kostet kein geld, und bringet einen ehrlichen kärl oft sehr weit. daselbst;

hut in der hand
hilft durchs ganze land.
Simrock sprichw. 272;

heute grüszt man durch abnehmen, ziehen des hutes, in bequemerer weise nur durch rücken, lüften, lüpfen des hutes:

hier lupft er ein wenig den hut.
Wieland 5, 180 (neuer Amadis 18, 32);

von einem der lässig zu dieser höflichkeitsbezeugung ist, sagt man scherzweise, er hat sperlinge unter dem hut, kann ihn nicht abnehmen; er hat vögel unter dem hut, sein hut ist aufgeleimet. Duez sprichw. 60.
e) der hut wird abgelegt, wenn man in ein zimmer tritt, er wird wieder genommen, wenn man aus dem hause gehen will. daher den hut nehmen, sich bei jemand verabschieden: wie er sah dasz die romanze kein ende nehmen wollte, nahm er seinen hut, zog seinen reverenz, und entfernte sich. Wieland 12, 92; aber auch durchgehen, ausreiszen, sich heimlich entfernen: kerl, der nunmehr den hut aufsetzen, und davon gehen will. causenmacher 39.
f) in der freude wird der hut geschwungen:

jetzt schwingen wir den hut.
der wein der war so gut.
Hebel 1, 241;

wohl jauchzen die andern und schwingen die hüt',
viel bänder darauf und viel edle blüth'.
Uhland ged. 211;

im festesjubel bekränzt:

mit eichenlaub den hut bekränzt!
wohlauf! und trinkt den wein!
Voss 4, 36;

oder mit bändern geschmückt: der hochzeitbitter, .. dessen verlegene miene mit seinem putze und mit dem lustigen busche von gewisz fünfzig farbigen bändern am hute wenig übereinstimmte. Immermann Münchh. 3, 16; so bei den zu soldaten ausgehobenen burschen:

[Bd. 10, Sp. 1981]


als ich zur fahne fortgemüszt,
hat sie so herzlich mich geküsst,
mit bändern meinen hut geschmückt.
Hauff 1, 41;

in kecker stimmung auf ein ohr gesetzt: als Berlichingen und Werther noch neu waren, nam jeder junge mensch, der geniedrang fühlte, oder vielmehr, zu fühlen glaubte, sich vor andern was heraus, sezte den hut auf ein ohr, zog den rock aus, schmis alle die ihm zu nahe kamen, mit kot. almanach für bellettristen 1782 s. 102;

frisch auf, ihr beckknecht alle,
schafft euch ein frischen mut!
laszt die trompeten schallen!
setzt nach der seit den hut!
Schade handwerkslieder 3 (17. jahrh.);

setzt den hut frei nach der seiten!
fragt wo ist das beste bier. 87 (17/18. jahrh.).


g) den hut drückt in die augen, wer sich nicht sehen lassen will oder sich schämt: wer inn seinem herzen keinen nagenden wurm hievon flet und darf für menniglich den hut nit in die augen ziehen. Mathes. Sar. 156a; dem dummen wird ein breiter hut aufgesetzt, der ihn am sehen hindert, ein breit herunter hängender hut ist zeichen eines hanreien. Prutz Holberg s. 308. 479. 480; er wolte lieber keinen kopf als einen breiten hut tragen. E. Francisci lustige schaubühne 3, 986; und damit stillete sie den guten mann, dasz er den breiten hut willig aufsetzte und fünf grade sein liesze. lyrum-larum no. 7; um einen zu hänseln, dreht man ihm den hut: wie ich in erstgedachter bursche höhnischen angesichtern lesen kondte, bedunkte mich, sie wurden sich endlich underfangen, mir den hut zu trähen, und den Kunzen mit mir zu spielen. Simpl. 3, 149 Kurz (vgl. dazu auch unter Kunz theil 5, sp. 2751); hätten sie ihm .. nasenstüber gegeben, ihm den hut gedrehet und ihn vor ihren narren gehalten. 412.
h) der bettler hält den hut hin, um eine gabe darin aufzufangen: die pfennige, die er euch abquälte, dem ersten dem besten bettler in den hut warf. Schiller räuber 1, 1.
i) unterm hute, für im kopfe; unterm hute nicht richtig sein, nicht recht bei verstande: derowegen er denn für unrichtig unter dem hutte gehalten wird. Butschky kanzl. 236; dasz man mit händen greifen kann, dasz sie nicht wohl unter dem hut verwahret sind. Liscov 242; wiewohl die irrenden ritter die solche thaten thun (jeden zwingen wollen zu bekennen ihre dame allein sei schön), in den augen kluger leute ihre entschuldigung unter dem hute tragen (d. h. durch mangelhaften verstand entschuldigt werden). Wieland 24, 51.
k) sonstige fügungen und sprichwörtliches. von eim ding daran man gar zweifelt, und von weitem nit kennen kan, sagt mann, .. es ist ein schiff oder ht. Agr. spr. 298a; man schlägt den hut und meint den kopf. Lehmann 201; es ist viel verricht, wann zwei köpf sich mit einem hut behelfen. 186; viel köpfe sind schwer unter éinen hut zu bringen;

und wenn ihr halbweg ehrbar thut,
dann habt ihr sie all unterm hut.
Göthe 12, 100;

vom hut zum schuh, wie sonst vom kopf zum fusz:

die leute. wo denken, und wie denken wir?
Diogenes. so hört doch auf zu belfen!
der denker denkt vom hut zum schuh,
und ihm geräth, in blitzes nu,
das was, das wie, das beste. 3, 115;

mit einem hute wird etwas verdeckt:

da sach er ain veiol sten.
mit freuden und mit hohen muot
decket er in mit seinm huot. fastn. sp. 418, 19;

in ihn werden die lose geworfen: und denn sol ain schriber ir aller namen an ain sunder brieflin schriben, und die brieflin alliu in ainen hut legen und denn sol der amman in den hut ungeverlich grifen und ain brieflin nach dem andern herusz nemen und allweg wehels nam des ersten herusz kumbt der sol auch der erst sin. statuten der stadt Isny (ende des 14. jahrh.) im anz. - für kunde deutscher vorzeit 1859, 92. ein böser scherz liegt in der folgenden redensart: wenn aber dazwischen die hrn. kommissarien dem rath und den ältesten hatten zuentbieten lassen, und zu gemüte geführet, sie sollten sehen, womit sie umgingen, und es also machen, dasz sie auch hüte aufsetzen könnten (d. h. nicht geköpft würden), waren sie was kleinmütiger, als zuvor, worden. Schweinichen 2, 117; vgl. dazu auch unter hütlein.
2) hut, der träger des hutes, der mann, wie franz. chapeau (Littré 1, 555c), und vielleicht daher erst entlehnt: denken denn

[Bd. 10, Sp. 1982]


die herren hüte, dasz die damen nicht auch wein trinken wollen? Lessing 2, 545;

aus diesem unbewiesnen grunde hat alle zeit und iedes land
witz, vorrecht, herrschaft, ruhm und freiheit allein dem hute zuerkannt.
Günther bei
Steinbach 1, 798;

sind alle personen vom stück
auf éinmahl in éinem sahl an éiner tafel beisammen, ...
fünf schöne prinzessen, die alle aus Bambos lenden stammen,
und (mit dem neger) ein hut auf jeden unterrock.
Wieland 5, 157 (n. Amad. 17, 41).


3) auch die kopfbedeckung der frauen von ähnlicher form heiszt hut:

der sitte ist in Oesterrîch
unminneclîch,
daʒ schœne vrouwen
tragent alle hüete breit. minnes. 2, 283b v. d. Hagen;

waʒ obe si gêt an disem tanze?
frowe, dur iuwer güete
rucket ûf die hüete!
Walther 75, 9;

bei dem augspurgischen und salzburgischen frauenzimmer ein von zartem filz spitzig und hoch zubereiteter hut, den sie zur sommerszeit über ihre gestricke und hauben aufzusetzen pflegen. Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 1, 1495; bis der kahn an eine wurzel stiesz und ihr ruder in das wasser fiel. und als sie sich darnach bückte, gingen hut und sonnenschirm denselben weg. Freytag handschr. 1, 42;

ihr (der bäuerin) huet ist haberstro.
Opitz 1, 156;

und scheint die liebe sonne warm,
dann kommt der mägdlein schaar,
den rock geschürzt, mit bloszem arm,
strohhüt auf glattem haar.
Voss 4, 111;

wenn ich doch so schön wär
wie die mädchen auf dem land!
sie tragen gelbe hüte
mit rosenrothem band.
Göthe 1, 32.


4) hut, nach der ähnlichkeit der form, auch von andern dingen
a) eine decke überhaupt; so die nebeldecke einer bergspitze:

hat der Pilatus einen hut,
dann wird das wetter gut. wetterregel am Vierwaldstädter see, bei
Bädeker Schweiz s. 78;

beim bergwerk, der oberste aus einer besondern ausfüllungsmasse bestehende theil mancher gänge nahe der gebirgsoberfläche an ihrem ausgehenden. Veith 279;

es thut kein erzgang gut,
er hat ein eisern hut. sächsischer bergmannsreim;

die decke der gährenden trauben: mann und weib, jung und alt arbeitet in dem weinberg, man leset die trauben, man schüttet sie auf und lässet sie liegen, bis sie den hut aufsetzen, man hebt ihnen den hut ab, dir aber o groszer Jupiter machet kein mensch reverenz, der dir um das reiche wimmet danken thäte. Abr. a S. Clara etwas für alle 1711 3, 485; bei den gerbern heiszt hut die alte lohe, womit die ausgesetzte grube oben bedeckt wird.
b) hut, im hüttenwerk, eine runde eiserne, inwendig mit lehm überzogene decke über dem treibherd, welche an einem krahn über dem herd hängt, und wieder weggezogen werden kann. Jacobsson 2, 296a.
c) im schmelzofen ist hut oder haube die innere höhe oder vertiefung des treibherdes selbst. das. 2, 227a.
d) hut oder haube, ein kleines dach über dem pferdegöpel der bergmaschine, welches das sparrenwerk desselben gegen die witterung beschützt. ebenda. sonst ist im bergwerk der hut, auch wetterhut ein über der mündung eines schachtes angebrachter beweglicher holzaufsatz, durch welchen der wind aufgefangen und in den schacht geleitet wird. deutscher hut, ein in seinem querschnitte nicht vollkommen rund, sondern eckig gebohrtes bohrloch. vgl. Veith bergwörterb. 573. 280.
e) der obere theil der destillierblase, auch blasenhut oder helm; alsô geschiht auch dem dunst, der dâ kümt von rôsen prennen oder von wein prennen: wenne der den kalten pleienne huot rüert, sô entsleuʒt er sich auch in waʒʒer. Megenberg 81, 14.
f) hut nennt der orgelbauer den deckel von gedeckten pfeifen.
g) hut, pileus, der oben auf dem strunk befindliche mehrentheils tellerförmige theil eines pilzes. Nemnich 4, 966.
h) hut, calyptra, auch kappe, mütze, ein kleiner häutiger, kegelförmiger theil der mose, der ihre büchsen oder urnen bedeckt, so lange sich dieselben noch nicht geöffnet haben. 1, 768.
i) hut, die oberste garbe eines getreideschobers, tirolisch. Schöpf 270; auch rheinisch. Kehrein nachtrag 22. sie heiszt sonst haube oder kappe, vgl. theil 5, 195.

[Bd. 10, Sp. 1983]



k) hut, eine schneckenart, helix pileus, auch hutschnirkel. Nemnich 3, 123.
l) nach der spitzen kegelförmigen gestalt der alten hüte heiszt der gewöhnlich in eine solche form gebrachte zucker ein hut, schon seit dem mittelalter: item fihr hute czucker und nicht mynner (soll verkaufen beim handel im ganzen) ein gast dem andern, den burgern einen hut. urkundenb. der stadt Leipzig 1, 315 (vom jahre 1464).
m) auch ein hut salz: die Holländer .. schicken das geläuterte salz auf dem Rhein herauf in viele gegenden Deutschlands und haben davon zu Bingen am Rhein eine niederlage, wo es hutweise, der hut zu 172 pfd., verkauft wird. Schedel waarenlex. 2, 340a.
n) ähnlich geformte metallgegenstände, vgl. DWB fingerhut, lichthut, hütchen; auch die hülse eines thurmknopfes: dasz sie (die vom hafner gefertigten knöpfe an thürmen und erkerdächern) vorausz ser woll geprennt und verglast, auch unden an hüten weit sein. Tucher baumeisterb. 105, 1.

 

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