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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
huschen bis husteln (Bd. 10, Sp. 1974 bis 1976)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) huschen, verb. , nach der interj. husch gebildet.
1) in der bedeutung flüchtig über etwas hin gleiten, erscheint es vor dem 18. jahrhundert in der schriftsprache nicht verbreitet (M. Krämer wortbuch in deutsch-ital. sprach 1678 646b verzeichnet es zuerst als eines sinnes mit gleiten, glitschen, das war das hoschen des 16. jahrh., vgl. sp. 1837; nach dem heutigen begriffe steht es zufrühest bei Adelung, als wort des gemeinen lebens), bürgert sich aber schnell, und vornehmlich in der dichtersprache ein: bohren sie das bret, wo es am dünnsten ist. das ist, huschen sie über das weg, was sie zu lange aufhalten wird. Lessing 12, 489; und ein junges mädchen huschte rasch hinüber. Gutzkow ritter vom geiste 7, 93; verdächtige gestalten huschten im zwielicht an uns vorüber; vgl. auch hinhuschen sp. 1444;

bald huschen wir
leis aus der thür,
und fliegen, und fliegen zum tanze!
Hölty 195 Halm;

allnächtlich herunter vom rabenstein,
allnächtlich herunter vom rade
huscht bleich und molkicht ein schattengesicht.
Bürger 62b;

hui! wir schwestern, hand in hand,
huschen über see und land. 289a;

da sie (die fledermaus) durch das offne fenster
abendlich hereingehuscht.
Platen 283;

und hinter ihm, wie eine docke,
ein armes kind im flitterstaat,
mit seidnem fähnchen, seidner locke,
huscht frierend durch den engen pfad.
A. v. Droste ged. (1873) 145;

durch die waldung huschten eigne scheine.
Freiligrath dicht. 3, 31;

was huscht vorüber dort im nu,
verlegen und beklommen? 89.

[Bd. 10, Sp. 1975]



2) huschen, raufen, nach husche 2, aus der sprache des 17. jahrh. bezeugt: ich husche, vellico Steinbach 1, 797 als ein provinciales wort:

wer die warheit singt, den huscht man bei dem schopf.
Wiedemann Jul. 21;

bairisch einen huschen, behuschen, mit der hand an den kopf schlagen. Schm. 1, 1185 Fromm., alem. huschen. Stalder 2, 66.
3) nach husch 1, der interjection bei kälteschauer, ist fränkisch geblieben huschen (neben huscheln und huschern) frösteln und vor frost sich zusammenkauern, einhüllen. Fromm. 3, 132.
4) huschen, hetzen. Schm. 1, 1185 Fromm. Schmid 293; vgl. dazu oben den hetzruf husch, aber auch hurschen sp. 1969. auch niederländ. hussen, husschen, hisschen, stigare, instigare Kilian.
 
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huschern, verb. sich ins bett schmiegen, um sich zu erwärmen, vgl. oben DWB huscheln und DWB huschen 3: sie hat es wol verredt, in 4 wochen nicht bei dem bräutigam zu schlafen; aber stille nur, laszt sie sich nur zusammen huschern, ich weisz, dasz sies keinen augenblick lassen kan. Schoch stud. leb. D 4b.
 
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huschkopf, m. wirrkopf, kopf mit wirren, nicht glatt gekämmten haaren: eine dolde grellrother ebereschbeeren lose in den huschkopf gesteckt — und das kleine ding (ein mädchen) sah bezaubernd aus. Reichenau aus unsern vier wänden 2, 23.
 
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husecke, f. ein mantel des 15. bis 17. jahrh., ursprünglich für beide geschlechter, zuletzt nur für frauen; betont húsècke. das wort geht auf das franz. housse decke, überkleid, mantel (Littré 1, 2057a) zurück, welches der name für ein im 14. jahrh. dort aufgekommenes modisches kleidungsstück war, das sich seit anfang des 15. jahrh. auch in andere länder verbreitete (vergl. Weisz kostümkunde 3, 72. 73); zunächst in die Niederlande, wo wahrscheinlich die bezeichnung auch eine weiterbildung erfuhr, die zum theil in umdeutung übergieng: hussack, husseck, hushuyck toga, pallium, mastruca Kilian, die letztere form mit bezug auf hoike sp. 1731; dann nach Oberdeutschland: mastruga huseck, hasuyk Dief. 351a; husszäcken, langer rock, pallium, praetexta toga Maaler 233a, und mit ausdeutung auf alemannisch hûs, schriftdeutsch haus: mit einer hauszäcken bekleidet, palliatus 214c; palla schaub, huseck, frawenmantel Golii onomast. (1582) 206; pallium, husacken oder mantel dict. lat.-germ. (Frankf. 1610) 619; cyclas, sockeney- oder husacken 621; bei Stieler huschk und husack, diphthera, ein frauenmantel 872; nachdem undter den mannsbilden, nit allein den erbern, sonder auch den gemainen mann, ein mergkliche kostlichait entstanden ist, nemlich mit geprawchung merdreiner veher und ander kostlicher rawher claydung an schawben, hussecken, rocken und menteln. Nürnb. poliz.-ordn. 104; das nun hinfuro einich mannsbildt, burger, burgerskindt oder innwoner diser statt, an einichem rock, hussecken, schawben oder mantel, weder von samat, attlass, damasco oder ander seiden uber ein halbe elen allenthalben nit verpremen oder verpremen lassen, noch die also verprembt tragen soll. 107; wölcher wind hat den layen ir röck und mentel auf die achszel gewäet, wölcher wind hat in ire huszöcken vornen zerrissen, allso das man in sicht dʒ die natur understat z verbergen. Keisersberg schiff d. pen. 40b; Pura die jungkfraw gehet ab, der ritter setzt sich in ihr husecken und piret trawrig nider. H. Sachs 3, 1, 234a; der trabandt zeucht im die handt mit der husecken vom angesicht. 234b; in schwarzen husecken eingewickelt, nemmen sie (die Portugiesen) den schlaaf auf dem stroh. S. Frank weltb. 70b; (die Ungarn) tragen ob allen kleidern ein husecken oder langen rock. 80b; und da man noch husecken und feine lange jenker und ander ehrliche kleidung trüge, stünde es vil besser. Mathes. hochzeitpred. 28b; die aller schönste husäcken, so jemals in occident gesehen worden. Amadis 302; heutiges tages weisz man auch manchmal nicht, wie man die kleiderkästen gnug füllen soll, da haben manche frauen ihre 10. 20. röck nach einander hangen in der ordnung, so viel müder, so viel hussegen, dasz ihnen nur die wahl wehe thut. Creidius 2, 58. vgl. auch heisocke sp. 903.
 
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huseh, jagdruf: mit seiner jägerstimme und in seiner weidmannssprache hub er an zu schreien: frisch auf, gesell! frisch auf, huseh! Bode Th. Jones 6, 477.
 
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huss, hetzruf an hunde; auch gebraucht zum verjagen von thieren. Schm. 1, 1183 Fromm. Lexer kärntn. wörterb. 146. bei schilderung der verfolgung von menschen: und gibt ein ieder husz z, dasz der unden ligt in nöten yemehr von iederman verlassen, und als got und der welt ein grewel, gehaszt wirt. S. Frank sprichw. 2, 38b; da schreyet jederman husz an den

[Bd. 10, Sp. 1976]


ketzer. Mathesius hist. von Jesu Chr. 2, 12b; einige waren so muthwillig, dasz sie durch ein unaufhörliches husz! husz! diese erhitzten vertheidiger der wahrheit in ihren kritischen untersuchungen (gemeint ist eine balgerei aus anlasz einer streitfrage) noch mehr anfeuerten. Rabener sat. 2, 249.
Schweizerisch hat sich ein masc. husz, hausz der hund, aber auch unmensch, wüterich gebildet (Stalder 2, 28. 66), wol nach dem hetzruf. — husz, lang gesprochen, aber ist daselbst ein ausruf des ekels und abscheus. Stalder 2, 66. Tobler 282a.
 
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hussa, jagd- und verfolgungsruf:

(wenn nicht bei) dem hussa! in erschrocknen lüften
dreiszig stimmen durch einander schreien.
Gökingk 1, 46;

da muszten sie springen wie hasen über feld,
und hell liesz erklingen sein hussa! der held.
Arndt ged. (1840) 284;

erweitert:

rischrasch quer übern kreuzweg gings,
mit horridoh und hussasa.
Bürger 70a.

hussa auch jubelruf:

ein lautes hussa schallt bacchantisch durch den sahl,
und jung und alt, was füsze hat, musz springen.
Wieland 22, 216 (Oberon 5, 46).

Englisch ist huzza nationalruf der freude und des beifalls, und in der englischen form wird das wort bisweilen auch von deutschen schriftstellern gebraucht: freiheit war ihm nun nichts mehr als ein leeres huzzageschrei, das aus sklavenhälsen erschallt. Sturz 1, 242.
 
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hussen, verb. huss rufen; hetzen, zunächst von hunden, aber auch von menschen, aufhussen aufhetzen, anhussen antreiben. es ist bairisch-östreichisch Schm. 1, 1183 Fromm. Lexer kärntn. wb. 146. Fromm. 6, 156; und es hat sich daran ein adjectiv hussig, husig, kärntn. hussik schnell, frisch, hurtig, munter, in jenen ländern gebildet.
 
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hust, m. und f., vgl. unter dem subst. husten.
 
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hüst, fuhrmannsruf, für hist sp. 1580; alemannisch hüst fuhrmannswort, um die pferde links zu leiten. Stalder 2, 66; der Theodor sagte: .. hüst um! dort links ist die stubenthür. denn der gast taumelte nach der thür eines milchschranks. Hebel 3, 8.
 
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husteln, hüsteln, verb. leicht oder öfter ein wenig husten: nach einer ängstlichen stunde bequemte sich endlich die alte in einem groben basse zu husten, und zugleich hustelte auch Klärchen, aber wahrlich so harmonisch, dasz der gröszte kenner es eher für eine passage von Gluck hätte halten müssen, als für einen katharr. Thümmel 3, 211;

so schielend und schleichend,
so hüstelnd und keuchend.
Fr. Müller 1, 339;

er hüstelt schon, er magert ab,
die sehnsucht schaufelt sein frühes grab.
H. Heine 18, 28.

 

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