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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hurra bis hurt (Bd. 10, Sp. 1968 bis 1970)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hurra, hurrah, interj., die erweiterte form der vorigen (wie heia aus hei erweitert ist, sp. 792. 794), schon im mhd. begegnend:

wê! wer sach in rehte gân?
hurrâ! wie er tobet, sô man in niht her enpfeht! minnes. 3, 188b Hagen;

nhd. erst seit der zweiten hälfte des vorigen jahrhunderts in der schriftsprache nachzuweisen, betont húrra und hurráh, als hetz-, eil- und jagdruf: hurra! hu sasa! hinten drein, camaraden! ... heute gefallen mir unsre jungen degenpüppchen wieder einmahl! hurra! hurra! Fr. Müller 2, 112;

hurrah! die todten reiten schnell!
Bürger 15a (von 1773).

in substantiver verwendung:

wer bist du, dasz durch saat und forst
das hurrah deiner jagd mich treibt? 20a.

als freudenruf: hurrah! herr hofmarschall! es wird eine stelle vacant. gut wetter für kuppler! Schiller kab. u. liebe 4, 9; auch in einer weiterbildung freudige eile malend:

ein schlückchen auf den weg vom heiszen traubensohn,
und hurra rax dax! gehts, als flögen wir davon. räuber 4, 5.

die interjection war in den befreiungskriegen schlachtruf der preuszischen truppen und ward auch von fremden angenommen:

und Preuszens blüthe die knospe sprengt, hurrah!
ein jeder zur lanze, zum schwert sich drängt, hurrah!
es dröhnte das hurrah durch mark und bein,
die schaar Alexanders stimmt mächtig mit ein:
hurrah, hurrah, hurrah!
Soltau 592;

wir Preuszen ziehen in das feld
hurrah, hurrah, hurrah!
Hildebrand volksl. 466;

unser könig ist ein braver held, ...
und er soll leben mit hurrah!
hurrah, hurrah, hurrallerallera! ebenda;

das hurrah jauchzt, und die büchse knallt,
es fallen die fränkischen schergen.
Körner 1, 135 (Lützows wilde jagd);

der hochzeitmorgen graut.
hurrah, du eisenbraut.
hurrah! 144 (schwertlied);

und ist seit der zeit beliebt geblieben, als krieger-, matrosen-, jubelruf:

stoszt an, Jena soll leben!
hurrah hoch!
Binzer (von 1818);

das hurrah schallt, die barke fleugt mit vollen
gefiedern.
Uhland ged. 454;

ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
hurrah, du schwarz, du roth, du gold!
Freiligrath dicht. 3, 161;

hurrah, du stolzes schönes weib,
hurrah, Germania! 4, 65.

auch engl. hurra, hurrah, hurraw, dän. hurra, schwed. hurra, mit dem verbum hurra hurrah rufen, wofür deutsch hurrahen gesagt werden könnte. selbst das franz. hat das wort aufgenommen: hourra, cris d'acclamation, aber auch imprécations, maledictions Littré 1, 2056b.
 
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hurrahgeschrei, n.:

Doria führt ihn an bord. ihm folgte der munteren schiffer
hurrahgeschrei.
Pyrker Tunis. 4, 79.


 
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hurrahruf, m.: er ward mit begeisterten hurrahrufen empfangen.
 
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hurre, interj. zur bezeichnung sausender eile; erweiterte form von hurr (s. d.):

und hurre hurre, hop hop hop!
gings fort in sausendem galopp.
Bürger 14b;

[Bd. 10, Sp. 1969]



gehorsam seinen rufen,
kams, hurre hurre! nachgerannt,
hart hinter's rappen hufen. 15a;

und hurre hurre, vorwärts gings
feld ein und aus, berg ab und an. 70a;

den lauf eines spinnrades malend:

hurre, hurre, hurre!
schnurre, rädchen, schnurre! 29b.


 
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hurren, verb., lautmalendes wort, aus der interjection hurr gebildet, sich sausend bewegen, sausend eilen, schon mhd. hurren Lexer wb. 1, 1397; im fuldaischen land, im Haunthal, hurren wild vorwärts rennen, blind hineinstürmen Vilmar 179;

und kamen so grosz stein geschnurrt,
auch so viel bleikugel gehurrt. mückenkr. 3, 634.

schweizerisch ist hurren und hurrnen activ, einen ballon schlagen. Stalder 2, 65.
 
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hurri, n. zusammenstosz, zank, streit:

ich fürcht es wird ein hurry geben,
wenn der hauptmann hört euer leben.
Göthe 13, 70.

aus dem verbum hurren selbständig gebildet, und wol nicht in hinblick auf das gleichformige englische hurry, eile, getümmel, lärm, das mit dem verbum hurry ungestüm eilen, auch treiben, jagen, verwirren, dennoch der engste verwandte zu hurren ist.
 
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hurrig, adj. bei Fr. Müller, soll wol das summende, drehende gefühl eines kranken kopfes bezeichnen:

mir ist oft so hämisch, so dämisch und dumm,
so hurrig und schnurrig und weisz nicht warum. 1, 314.


 
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hurschen, verb. accelerare, die hunde anhurschen, anhetzen, incitare canes Frisch 1, 478a als altes wort, ohne quellenangabe. es gemahnt an ahd. hurscan exercere, properare Graff 4, 1041, dem denominativ von horsc, alacer, celer, praepes und ähnl., was später ausgestorben ist. doch ist wol darauf zurückzuführen das schweizerische hurrsch, hursch eine interjection zur bezeichnung einer »mit geschnurr verbundenen« geschwindigkeit, auch in der bedeutung hinweg, fort!; mit hursch treibt man schweine zum gehen an; das davon gebildete verbum hurrschen, hurschen heiszt sich raufen, zanken, lärmen, verwirren. Stalder 2, 65.
 
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hursohn, m. auszerehelich erzeugter sohn, folglich unehrlich; und daher als hartes schimpfwort:

ich klag euch uber disen schalk,
ein hursun deckt im seinen palk. fastn. sp. 155, 34;

der hürsuns paur leugt in sein mund. 349, 2;

ach Gruomatsack, lieber gvatter mein,
wie gar huorsunn mögen die pauren sein! 367, 18;

wiltu dich des nicht maszen
und dein unnütz claffen laszen,
so mustu in dem treck auf stan
und wirt dir als eim hürsun ergan. 587, 26;

wan er der gröst hürsun was. 590, 31.

vgl. DWB hurensohn.
 
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hurst, m. und f. oberdeutsche form zu horst strauchwerk, gebüsch (sp. 1833), in quellen des 16. jahrh. häufig: so wolt er (Christus) das sie (Maria) wer, wie ein gilg, die in den hürsten und in den dornen wechset. Keisersberg Marie himelfart 15c; darumb sol er (der hut) haben zwo schnüer, das .. er dir von den hürsten und bromberhecken nit abgezogen und gezert müg werden. bilg. 61c; einer hüw (hieb) widen ab, der ander hesel hürst. 62c; msz erst abstigen, und erst die hürst und die bengel (eines hags) zerhouwen. 120c; das er den ganzen wald, alle bäum, stock und stauden, das hoch und nider gehölz, das baw- und daubholz, alle hursten, vom nidersten liebstöckel an bisz zum cederbaum hinauf, und uberall den forst niderschlug. Garg. 147a; der baur, welcher ein heilige allgemeinhilfliche purgaz seinen verlohrenen esel zu finden einnam, und denselben als er sich zu pflütteren beim zaun nidersetzet, durch die hurst ersahe. 172a; wiewol wann ich vil soll durch hursten kriechen, und uber zäun und stauden klimmen, so laszt mein kutt das haar. 244a; kroch zu aller nechst am wasser in ein dicke hurst. Wickram rollw. 120, 15 Kurz; kroch er ausz der hurst. 121, 7;

si schluffen beid in einen strauch,
verbargen sich in hürsten rauch. reit. bilg. 13;

der ander garten umbzeunt war
mit rosenhürsten ganz und gar. 78.

sprichwörtlich auf die hurst schlagen wie auf den busch schlagen (theil 2, 558): die alte schlug von fernen auf die hurst, wolte

[Bd. 10, Sp. 1970]


die begier der Arsace im nicht so deutlich offenbaren. buch d. liebe 211d. — hurst geradezu für wald:

das ich mein kind musz sterben lan
in der verfluchten wilden hurst.
Haberer Abraham (1592) G 3a.

die jüngere nhd. sprache hat das wort zu gunsten von horst auf gegeben, oder gewöhnlicher ganz fallen gelassen; wenn es erscheint, ist es auffrischung des alten: wo dies münster jetzt steht, waren zuvor nichts denn hursten, wildnis und mistlachen. Simrock volksb. 2, 295.
 
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hurt, m. das mhd. hurt der turniersprache, stosz, anprall, stoszendes losrennen, dem franz. heurt, ital. urto stosz entlehnt (vgl. Lexer wb. 1, 1397), ist seit dem 14. jahrh. erloschen, soweit es nicht noch in dem unten folgenden adj. hurtig, sowie in der kärntnischen mundart fortlebt: hurt, m. die schnelligkeit, das rasche muntere arbeiten, an hurt haben, schnell sein, eile haben Lexer 146.

 

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