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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
huppen bis hürdengerte (Bd. 10, Sp. 1956 bis 1957)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) huppen, hüppen, verb. für hüpfen, s. d.: wolten erforschen, wie lang ein floch leben könne? wie weit ein floch hüppen könne? Schuppius 818;

wenn der hunt thet tanzen und huppen,
lieszen sie im machen ein feiste suppen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 172, 658.


 
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hüppen, hüppenbube, s. hippe, hippenbube sp. 1552. 1553.
 
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hur, st. n. unzucht, ehebruch, ahd. mhd. als huor ziemlich oft begegnend, später zu gunsten von hurerei selten geworden und abgestorben, nur noch als erstes glied der composita hurhaus, hurheit, hurkind, hursohn geblieben. adulterium ubirhr Dief. 15a; incestus sippehr 291c.
 
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hürchel, f., dim. hürchelein, tauchente: etliche (nennen den vogel mergulus) ein hürchele. Heuszlin vogelb. 49a; das hürchelin, duchentlin, düchelin colymbus minor Maaler 232a.
 
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hürcheln, verb. röcheln, vgl. DWB hörcheln sp. 1802.
 
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hürchen, n. meretricula, scortillum. Steinbach 1, 796; meretricula hurichin Dief. 357c. vgl. hürlein.
 
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hürde, f. flechtwerk von reisig oder stäben, neben horde sp. 1804; eine form die sich aus der gen.- und plur.-form hürde vom entsprechenden mhd. hurt entwickelt hat, doch vor dem 16. jahrh. nicht nachgewiesen werden kann, und so, dasz noch in dieser zeit, namentlich in oberdeutschen quellen, die alte form hurd, hurt, aber erstarrt, und ohne umlaut im gen. wie im plural, dauert: crates hurt, hurd Dief. 155b; hurd cratis, est instrumentum de virgultis contextum. voc. inc. theut. k 5a; crates, cratis ein flosz oder hurd, craticus das von hurden ist, cratire mit hurden decken Dasyp.; die hurd, crates Maaler 233c; hurd, korb crates Frischlin nomencl. 470; dy (äpfel) leg in einen trucken keller auf ein hurd. küchenm. b 1; also namen sie in uf ein hurdt. Zimmer. chron. 3, 279, 12; noch im öcon.

[Bd. 10, Sp. 1957]


lex. (1731) sp. 1077 hurt viereckigtes geflechte von weidengerten, aber als minder gebräuchliche nebenform zu horde; darausz machen sie küglein, machen sie dürr auf hurten im heiszen sommer. Bock kräuterb. 204; der immenkorb oder dasz papiapiarium, da unsere binen in wonen, schwärmen und iren honig machen, wird mit zähen und starken Lövischen und Parisischen, Jesuwiderischen und Dillingischen wilgengerten, hurten und zäunen, durch einander geflochten. bienenk. 235b; die brücken überlegt man mit brettern oder hurden. Kirchhof disc. milit. 42;

der bäumen frucht und obs lag sicher auf der hurt (zum dörren).
Weckherlin 772;

beim wollenweber das geflecht worauf die wolle zum schlagen liegt: holt dann die woll von der hurt. Ulensp. 51, s. 75 Lappenb.; noch heute in Baiern die hurd, aber mit dem plur. die hürd bewegliche wand, thür u. dgl. aus flechtwerk. Schm. 1, 1160 Fromm.; auch Maaler 232a kennt die pluralform die hürd, geflochten körb, gerrae.
Zwischen der alten form hurd und hürde steht das erweiterte, aber unumgelautete hurde, plur. hurden (noch heute in Kärnten blosz liegende baumwurzeln, einen mit den wurzeln ausgegrabenen baumstrunk bezeichnend, Lexer 146): das der ein einen haufen nüsz auf einer hurden ersehen. Wickram rollw. 105, 4; eine form die auch bei Luther in den früheren drucken seiner bibel und auslegungsschriften erscheint, in der ausgabe von 1545 aber dem umgelauteten hürde oder hürte gewichen ist. und zwar ist das wort nun vorwiegend auf die wände aus reisiggeflecht bezogen, mit denen die hirten des nachts ihre hutstatt umstellen, in welcher bedeutung es bis heute gebräuchlicher als horde (sp. 1805) und besonders auch in gewählter sprache üblich ist: wir wöllen nur schafhürten hie bawen fur unser vieh. 4 Mos. 32, 16; warumb bleibstu zwisschen den hürten, zu hören das blecken der herde? richt. 5, 16; ich wil sie auf die beste weide füren, und ire hürten werden auf den hohen bergen in Israel stehen, daselbs werden sie in sanften hürten ligen, und fette weide haben. Hes. 34, 14; es waren hirten in der selbigen gegend auf dem felde, bei den hürten, die hüteten des nachts irer herde. Luc. 2, 8; in iren hürden und bei ihren altarn. Mathes. Sar. 82a; in schafstellen, hürten und pferchen. 118b;

und den hürten an dem Rheine (bei den schäfern)
bleibt sein schöner geist bekandt.
Neumark lustw. 101;

munter eröfnet bereits der schäfer die hürden.
Zachariä 2, 7;

hurtiger treibet vom berg der schäfer auf steinigtes brachfeld
seine heerde zur hürde, die ihre schranken verschlieszet. 62;

wie die schafe des reichen manns in der hürde
zahllos stehn. Ilias 4, 433;

wo lebte wohl in forst und hürde,
und wo in luft und meer ein thier,
das nimmermehr geliebet würde?
Bürger 27a.

auf menschliche wohnstatt übertragen:

was noch so wüthend ringt, sich zu zerstören,
verträgt, vergleicht sich, den gemeinen feind
der menschlichkeit, das wilde thier zu jagen,
das mordend einbricht in die sichre hürde,
worin der mensch geborgen wohnt.
Schiller Wallensteins tod 1, 6.

hürde, vinea, flechtwerk zum schutz bei belagerungsarbeiten: die Römer schanzten zu den mawren mit ihrem sondern gezeug bedeckt und gerüst, als mit schnecken und hürden. Rihel Liv. 403; flechtwerk zum trocknen von etwas: an demselben ort (Trebbin) hat jeder bawer uber seinem kachelofen eine geflochten hürten, darauf sie winterzeit die kesen zu trucknen pflegen. B. Krüger Hans Clawert (Berlin 1591) s. 5; und fiel mit der hürten vom ofen heruntr. s. 7; die magd des verwalters hat einige handkäse oben auf der hürde vor dem giebelfenster zum trocknen ausgelegt. L. Schücking im deutschen nov.-schatz bd. 15, s. 210; hürde, flechtwerk, als hindernis bei pferderennen: die distanz war 4500 meter, die hindernisse eine anzahl hürden. Karlsruher zeitung vom 31. aug. 1875.
 
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hürden, adj. aus reisiggeflecht: hürdine wände parietes cratitii Frisch 1, 478b (aus Wurstisens Basler chron.).
 
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hürden, verb. hürden machen: hürden, horden flechten Schottel 1339; in hürden einthun: die schafe werden des nachts gehürdet.
 
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hürdendraht, m. dicker draht, wie er zu darrhürden gebraucht wird.
 
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hürdengerte, f. gerte, wie sie zum flechten der schafhürden dient; hürtgerten vimen Schottel 1339.

 

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