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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hüpfen bis hüpfung (Bd. 10, Sp. 1954 bis 1956)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hüpfen, verb. saltare. auf die interjection hopp führte direct das sp. 1799 aufgeführte verbum hoppen zurück, das nicht nur nieder- und mitteldeutsch, sondern gleichmäszig oberdeutsch bezeugt ist. nebenform zu diesem hoppen ist das unten folgende huppen, hüppen; diesem zunächst steht die form hüpfen, dessen labiale pf nach oberdeutscher neigung aus pp verschoben ist. der umlaut ist, namentlich in der ältern sprache, sehr schwankend durchgedrungen, neben hopfen sp. 1795, das sich dem vocale nach ganz zu hoppen stellt, erscheint hupfen häufig, und noch von Göthe bevorzugt; hupfen salire Graff 4, 833 (vom ende des 11. jahrh.); hupfen, salire, assilire, saltare, vulg. springen, hupfen vor freiden, assilire, pre gaudio salire. voc. inc. theut. k 5a; tripudiare uffspringen ł. -hupfen mit schritten vor freuden. Dief. 597b; hupfen als alleinige form verzeichnet Frisch 1, 477a; ebenso bair. nur hupfen Schm. 1, 1141 Fromm., wie überhaupt in den süddeutschen mundarten.
Das wort bedeutet
1) sich in kurzen, stoszweisen sprüngen bewegen; selten als eine art des hinkens, vergl. oben hüpfebein; weil er (der hund, dem drei beine abgehauen waren) gleichwoll auf dem einen hüpfete. pers. rosenth. 1, 6; vielmehr als eigenthümliche bewegung leichtfüsziger oder freudig bewegter menschen und gewisser thierarten: das kind hüpft; vögel hüpfen auf den zweigen; der floh, der frosch hüpft; frewet euch als denn und hüpfet, denn sihe, ewer lohn ist gros im himel. Luc. 6, 23; da ist die stimme meines freunds, sihe er kompt und hüpfet auf den bergen, und springet auf den hügeln. hohel. 2, 8; ir berge, das ir hüpfetet wie die lemmer, ir hügel, wie die jungen schafe. ps. 114, 6; doch das solt ir essen von vogeln, das sich reget und gehet auf vier füszen, und nicht mit zweien beinen auf erden hüpfet. 3 Mos. 11, 21; die krahe gehet irs hupfens nicht abe. Neander spr. 8; mit gleichen füszen hüpfen, ludere junctis pedibus, mit einem beine hüpfen, unica tibia saltare, Empusae ludum ludere Stieler 856;

vil kleine grasemücke (zu einem mädchen gesagt),
wâ wiltu hüpfen hin
ûʒ dem neste? minnes. Hagen 2, 124a;

man soll den fröschen ein tanz machen (ihnen zusetzen),
das ihnen das hüpfen vergieng. froschmäus. Nn 5a (3, 1, 1);

die elster renkt den steisz und läst das hüpfen nicht.
Günther 972;

schon als hüpfender knab, ehe der bardenkunst
funken in mir entglomm.
Hölty 69 Halm;

der kleine flügelbube hupft.
Göthe 1, 149.

als sinnverwandt wird formelhaft verbunden hüpfen und springen, und auf die wesentlich gleiche bedeutung zielt die redensart gehupft wie gesprungen, tout même chose Fromm. 6, 156 (aus Tirol, aber auch in Mitteldeutschland verbreitet); doch ist auch hüpfen dem springen entgegengesetzt:

wie jeder doch die beine lupft!
sich wie er kann herauszieht!
der krumme springt, der plumpe hupft
und fragt nicht wie er aussieht.
Göthe 12, 228.

es heiszt davon, dahin, fort, heran, herein, hervor u. s. w. hüpfen; auf etwas oder einen, in etwas, über etwas hüpfen: wo die stigel nider ist, da hupfen die hund all uber. S. Frank sprichw. 2, 38a; die andern hupften alle einer umb den andern hernach (der erste war über den zaun gesprungen). Kirchhof wendunm. 257a; mit diesen worten hüpfte ich .. zu meiner theorbe, leierte, indesz ich sie stimmte, ein präludium. Wieland 12, 92;

sie hüpfet mit im, als ein ziege,
in der stuben en twer. Hagens ges. abent. 3, 121, 372;

konik, der Markolf ist uns entslupft,
ausz unsern panden ganz gehupft. fastn. sp. 539, 24;

drumb lasz mich (einen floh) wider anhin hupfen.
B. Waldis Esop 3, 82, 9;

der frosch hüpft in den pfuel,
wan er auch säsze auf güldnen stuel.
Schottel 1131a;

[Bd. 10, Sp. 1955]



mit dem blumenstrausze vorn am busen
hüpfte dann das mädchen
durch die veilchen.
Hölty 59 Halm;

Laura, die grazie,
Laura hüpfet daher. 70;

vergönne doch auch der süszen Cythere
den zutritt, und o! dem freundlichen Amor,
der leicht gerüstet vor ihr hüpft.
Ramler 1, 6;

hüpfte die kleine liederfreundin (eine wachtel)
auf die laute des mädchens. 18;

Freude hüpfe voran, Unschuld begleite dich. 100;

unter dem schauer
hüpfte Packan (der hund) frohknurrend hervor; und sie wehrte dem schmeicheln.
Voss 1, 102 (Luise 2, 225).

mit einer ins zeitliche umschlagenden näheren bestimmung:

wie solch ein nützlicher roman
fing eure liebe sich einst an.
doch nach verlauf der ersten bände ...
da hüpftet ihr geschwind ans ende
und wurdet glücklich.
Gotter 1, 44.

unter spielen wird aufgezählt hupf inn klee. Garg. 168a; ein ersonnener eigenname ist Hupfinsgrasz. ebenda 161a.
2) hüpfen, tanzen, tanzsprünge machen: tripudio ich hupfe, danze Dasyp.; da sie den könig David sahe hüpfen und spielen (vor der bundeslade). 1 chron. 16, 29; da danzten, schupften, hupften, lupften, sprungen (sie) .. nach den lustigen schalmeien. Garg. 82b; da hüpfen sie auch wol nach einer rostigen trumpel, hackmesser, becken oder dergleichen. fac. fac. 428;

zippelzehen, hüpfen nâch der gîgen,
wandelieren hin unt her,
des sint si meister gar. minnes. 3, 280, 6 Hagen;

da fiengen sie auf einem plan
bei Arnensberg zu hupfen an,
und hielten einen singentanz.
E. Alberus 238;

wie sich leise der kahn schaukelt auf silberner flut,
hüpft der gelehrige fusz auf des tacts melodischer woge.
Schiller der tanz.


3) hüpfen, von ähnlichen bewegungen des herzens, des blutes in der freude: ein reizender gegenstand! rief Serlo; das herz hüpft. mir, wenn ich sie ansehe. Göthe 19, 169;

mîn herze hüpfet manegen sprunc. minnes. 3, 370a Hagen;

vor freudt hupft mir das herze mein.
J. Ayrer 45c (240, 22 Keller);

dasz die hoffnung zu erwerben das blut in den adern hüpfen macht. Freytag handschr. 3, 124;

wohl dem menschen, dem das blut
in den adern hüpfet.
Gotter 1, 109.

in grausamem scherze ward bei der enthauptung gesagt, der kopf hüpfe über die klinge (vgl. th. 5, 1173): man solt wol fürsten funden haben, wenn er (Carlstadt) solche stücke in iren landen fürneme, .. die im, sampt seiner rotte, den kopf hetten uber eine kalte klingen lassen hüpfen. Luther 3, 46b;

das er in lasz hupfn uber klingn.
H. Sachs 3, 1, 118d.

das ungeborne kind hüpft im mutterleibe: sihe, da ich die stimme deines gruszes hörete, hüpfet mit freuden das kind in meinem leibe. Luc. 1, 44.
4) hüpfen bildlich, von flüchtigem hingehen über eine sache: Ecolampad, wenn er uber die schrift gehüpft hat, die im fürgelegt wird. Luther 3, 349b; ich hüpfte mit dem auge blos auf den nahen laub- und blütenknospen herum. J. Paul Hesp. 1, 21.
5) hüpfen von dingen, die dadurch ein eigenes leben bekommen: das bächlein, das durch Elterlein hüpft. J. Paul flegelj. 1, 54; erst plumpten die schwereren (steinbrocken) und hupften mit dumpfem getön an die kegelseite (des Vesuvs) hinab, die geringeren klapperten hinterdrein. Göthe 28, 30;

schnee die von dem gebürg abgehend brausend rauschen,
hüpfende hagelstein, frost und steinhartes eis.
Weckherlin 129;

(wie er) manches goldene sternchen
auf die hüpfenden wellen streut.
Hölty 68 Halm;

ich rathe der jugend nicht, dasz sie sich um dactylische verse bekümmere (sie zu machen strebe), denn sie hüpfen zu sehr. Bödiker grundsätze der teutsch. spr. (1729) 335; hüpfende verse. Platen 278; die trunkener entgegenhüpfenden töne. J. Paul Tit. 3, 109;

schnell hüpfte zwar der leichte fidelbogen
... in des geigers hand.
Gökingk 2, 214;

schöne, unzusammenhängende hüpfende gedanken und empfindungen dachte und fühlte die begeisterte seele des knaben. Klinger 8, 335; fuhr oft über die nassen augen, um den

[Bd. 10, Sp. 1956]


feurigen schatten wegzuwischen, der auf alle gipfel und alle stufen hüpfte. J. Paul Tit. 1, 14; das blumige lustlager des hüpfenden frühlings. 141. — der hüpfende punkt, punctum saliens: eben weil die akademie noch der einzige hüpfende punkt, wo noch der geistige bildungtrieb gestaltet, in den neuern staaten ist. freih.-büchl. 104.
 
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hupfen, n. apium graveolens, eppich. Nemnich 1, 380. der name aus apium entstellt; vgl. auch DWB hepfen sp. 999.
 
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hüpfer, m.
1) einer der hüpft, saltator. Stieler 856; in Tirol gras- oder heuhupfer, heuschrecke, erdfloh. Fromm. 6, 156; auch die tanzfliege, empis, heiszt hüpfer. Nemnich 2, 1486.
2) hupfer, ein sprung. Schm. 1, 1142 Fromm. in der Wetterau ist hüpfer ein tanz, sonst hopser (sp. 1801).
3) hupfer, eine art fuszfessel. bairisch. Schm. a. a. o.
4) ein theil der angelschnur zur kleinen springfischerei. Jacobsson 6, 125a.
 
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hüpferling, m. monoculus satyrus, eine art schildflöhe. Nemnich 3, 594.
 
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hüpfhaft, adj. saltans, saliens, tripudians. Stieler 856.
 
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hüpfhahn, m. hahn der so grosz ist, dasz er bis auf eine gewisse höhe hüpfen oder fliegen kann. Grimm rechtsalt. 376, anm. 1.
 
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hüpficht, adj. gern hüpfend: hüpfichtes feuer, ignes fatui, hüpfige flöhe, salientes pulices Stieler 856.
 
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hupfiglich, adv. subsultim. Dasyp.
 
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hüpflein, n. kleiner hupf, sprung; schnatter-, schnitterhüpflein, sprüchlein, aus vier, gewöhnlicher zwei, gereimten versen bestehend, das als tanzweise gesungen oder aufgespielt werden kann. Schm. 1, 1142 Fromm.
 
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hupflustig, adj.: gelangt endlich das geschöpf auf die oberfläche, so ist es hupf- und sprunglustig. Göthe 55, 320.
 
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hüpfung, f. das hüpfen: hupfung tripudium Dasyp.

 

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