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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hungerschwarm bis hungerthurm (Bd. 10, Sp. 1949)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hungerschwarm, m. ein bienenschwarm, der mit der königin den stock aus mangel an nahrung gänzlich verläszt. Nemnich.
 
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hungersfall, m.:

im hungersfall ein bissen brot,
ein labeschluck in durstesnoth
genügen uns zur kost.
Bürger 112b.


 
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hungersnoth, f.
1) quälender hunger (eines einzelnen menschen):

sone heter keʒʒel noch smalz,
weder pfeffer noch salz:
sîn salse was diu hungernôt,
diuʒ (das erlegte wild) im briet unde sôt,
daʒ eʒ ein süeʒiu speise was. Iwein 3279;

klagte dem wirte hungersnôt. Parz. 142, 21;

gab mir al tag für hungersnoth
nicht mehr, als nur zwei stücklein brot.
J. Ayrer 341d (1711, 29 Keller);

voll angst ist dem sein herz, wer leidet hungersnoth. pers. rosenth. 7, 20;

des müllers henn und wittwers magd,
hat selten hungersnoth geklagt.
Pistorius thes. par. 5, 30

ich jage (spricht der wolf)
nach einem bissen sieben tage,
die freiheit bringt mir hungersnot.
Gleim 3, 380.


2) not des hungers (in einem ganzen bezirke): in hungersnot oder in hungers zyt, in fame Maaler 233a;

die ûʒeren sprâchen: hungersnôt
habt ir gedolt, ir armen (belagerten). Parz. 209, 4;

unter dem käyser Honorio ist zu Rom eine solche grausame hungersznoth entstanden, dasz die menschen haufenweis einander angefallen. Schuppius 782;

(ich habe) die stadt in hungersnoth mit ostens korn gespeiset.
A. Gryphius 1698 1, 378;

hungersnoth am Nil.
Gotter 1, 63.


 
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hungersplage, f. malesuada fames, inedia. Stieler 1458.
 
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hungerstelle, f. anstellung die das darben nicht hebt: wir haben hier eine hungerstelle (sagt eine arme lehrersfrau). Auerbach neues leben (1862) 2, 14.
 
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hungersterben, n. das sterben durch hunger: so hette er das hungersterben auch gewisz vor sich. anm. weiszh. lustg. 681.
 
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hungerstötig, adj. hungerig, der groszen hunger hat, esurio, cibi avidus Maaler 233a; hungerstötig wölff, turba impasta luporum ebenda; famelicus, das ist hungerig, hungerstötig, hungernötig. Thurneiszer magn. alchym. 2, 113.
 
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hungerstötige, f. jejuna cupido. Maaler 233a.
 
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hungersucht, f. krankhafter hunger:

der hungergott fuhr
ausz seiner kalten hölenkluft
und schwang sich gar schnell durch die luft,
fund Erisichton, das er schlief,
dem bliesz er ein gar stark und tief
die unersetten hungersucht.
H. Sachs 4, 3, 112b.


 
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hungertag, m., plur. -tage, tage wo hungersnot herscht:

aus feldesfrüchten hab ich ihn (den kranz) gewunden,
wie du in hungertagen sie gespendet.
Uhland ged. 148.


 
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hungerthurm, m. thurm in den verbrecher zum verhungern geworfen werden: dann werden wir (in einem trauerspiel Ugolino) in den hungerthurm geführt. Göthe 33, 214; wenn ökonomische schreiber den leser lange durch nöthige hungerkuren und fastenzeiten durchgezogen, und sie ihn eben nun, da er fürchtet, in einen Ugolinos-hungerthurm hinab zu steigen, plötzlich vor eine suppenanstalt bringen: himmel, wer beschreibt das entzücken und den genusz? J. Paul vorsch. der ästh. 2, 44; der könig schrieb zurück, die mutter solle in den hungerthurm geworfen werden. da wurde die gemahlin des

[Bd. 10, Sp. 1950]


königs wirklich in den hungerthurm gesperrt. Vernaleken österr. kinder- u. hausmärchen s. 178.

 

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