Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hungerjahr bis hungermann (Bd. 10, Sp. 1946 bis 1947)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hungerjahr, n. jahr in dem hungersnot herscht, mhd. hungerjâr: der stern (komet) bedäut hungerjâr in dem land, da er den schopf hin kêrt. Megenberg 75, 21; wenn es in disem mon (dem monat mai) donret, so wirt ein hungerjar. anzeiger für kunde d. deutschen vorz. 11, 334 (aus einem kalender von 1428); das hungerjahr 1817. Hannov. mag. 1847 s. 56.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerkorn, n. eine entartung des roggens, bei der das samenkorn in einen langen, pfriemenförmigen, auszen schwarzen, inwendig schwarzblauen oder weiszlichten körper auswächst. Nemnich 4, 1269.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerkraut, n. name des rumex acutus, wilden rhabarbers, des chrysanthemum segetum, der gelben wucherblume, und der viola tricolor, des stiefmütterchens. Nemnich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerkummer, m. kummer, beschwernis durch hunger: ob wir jetzt dem teufel und der welt müssen ein bock halten, und aller welt schawspil und sichermal sein, und in hungerkummer zu fuszen gehen müssen. Mathesius hist. von Jes. Christ. 2, 109a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerkur, f. heilung einer krankheit durch fasten: bedurfte man einer hungerkur. H. Heine 6, 21;

lebt mäszig wie Cornar,
auch eh ihm noch der arzt die hungercur empfiehlet.
Hagedorn 1, 121.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerland, n. verächtlich für ein armes land: zwar wann man einen musicanten vonnöthen gehabt hätte, so wäre ich wol bestanden; aber dasselbe hungerland behalf sich nur mit trommeln und pfeiffen. Simpl. 1, 390 Kurz.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerleider, m. einer der hunger leiden musz:

so dacht ich auch und theilte ein die menschen
in zwei nationen, die sich wild bekriegen,
nämlich in satte und in hungerleider.
H. Heine 16, 108.

seit dem 17. jahrh. oft verächtliche bezeichnung eines dürftigen und kargen oder auch gierigen menschen: hungerleider, esurio Stieler; wenn sie gleich hette so einen hungerleider gekriegt, was were es denn auch? Schoch stud. leb. D 4; und damit ich nicht vor einen hungerleider gehalten würde, stellete ich auch zwo gastereien ... an. Simpl. 1, 323 Kurz; karge filze und hungerleider gebrauchen sich ihres vorraths nicht. pers. rosenth. 8, 140; so werden wir uns viel drum hudeln, ob wir solche hungerleider kriegen oder nicht. Chr. Weise comöd. 310; ich dachte die Franzosen wären hungerleider. erzn. 70; die Pfälzer sind dir keine schmalhänse und hungerleider. Fr. Müller 3, 77; ihr redet wie groszmüthige hungerleider. Göthe 33, 278; hätte ich dem hungerleider doch kaum so viel consequenz zugetraut! Kotzebue dram. sp. 2, 328; ich habe manchen gelehrten hungerleider gesehen. J. Paul flegelj. 1, 67; die veränderung, die er den winter über mit seinen räuberischen vögten und beamten traf, setzte neue und um so gierigere hungerleider an die stelle der alten gewaltthäter ein. Dahlmann dän. gesch. 1, 507;

was Pharaoni träumt, wie sieben magre rinder
verschlungen sieben fett, ereignet sich nicht minder
bei uns und in der that; dann mancher hungerleider
ist fett vom raubebrot, und glänzt durch fremde kleider.
Logau 1, 85, 52;

[Bd. 10, Sp. 1947]



die Gothen sollens, diese hungerleider,
die nach dem segen unsers deutschen landes
mit neidesblicken raubbegierig schauen.
Schiller Piccol. 2, 5.

in freierem sinne:

diese unvergleichlichen
wollen immer weiter,
sehnsuchtsvolle hungerleider
nach dem unerreichlichen.
Göthe 41, 165.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerleiderei, f. zustand des hungerleidens, dürftiges, karges wesen: bei ihm zu hause ist nichts als hungerleiderei.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerleiderisch, adj.: ein hungerleiderisches benehmen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungerling, m. eine sorte roter weinbeeren, die bald reif werden und vielen, aber schlechten und geringen wein geben. Nemnich; bei Frisch 1, 476c hüngerling; hüngerling ist gar ein schlechter und dürrer most. Hohberg 3, 1, 258b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hungermann, m. wie hungerleider:

was fängt er an, der magre thor!
hat so ein hungermann humor?
Göthe 41, 53 (der herold zum geize).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: