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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hünenschultrig bis hungerbrunnen (Bd. 10, Sp. 1943 bis 1945)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hünenschultrig, adj. und adv.:

hünenschultrig, wohlgebaucht,
glänzt die schneeige durchlaucht (ein schneemann).
Voss 5, 216.


 
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hünenschwert, n. riesenschwert:

er schwingt sein hünenschwert empor.
Uhland ged. 202.


 
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hünenwuchs, m.: es ist altsächsischer stamm, .. breite schultern, hünenwuchs, offne züge, wucht in jeder bewegung. Freytag handschr. 1, 109.
 
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hunger , m. fames. das wort ist über alle germanischen dialekte gleichmäszig verbreitet, ohne dasz sich eine sichere verknüpfung mit stämmen der urverwandten sprachen darböte: goth. hûhru-s mit dem verbum huggrjan hungern; altnfr. alts. hungar, hunger, niederl. hongher, honger; ags. hungor, engl. hunger; altfries. hunger, honger; altnord. hûngr, schwed. dän. hunger; ahd. hungar, mhd. hunger. Es geht
1) auf die starke begierde nach speise, unterschieden vom appetit, das einen bloszen reiz nach der speise bezeichnen will, der hunger geht vom magen, der appetit vom gaumen aus: ich hatte hunger, aber keinen appetit. H. Heine 11, 141; oft ist hunger mit durst formelhaft verbunden (vgl. th. 2, 1748): frost — blösze — hunger — durst. Schiller räuber 4, 5;

wan daʒ in zallen zîten wê
von hunger und von durste was. Iwein 6209;

werden von einer stat zu der andern gejagt,
im gefengnis mit hunger und durst geplagt.
Schade sat. u. pasqu. 1, 159, 163;

oft hatt er kaum wasser zu schwarzbrot und wurst;
und öfter noch litt er gar hunger und durst.
Bürger 66a;

hunger und verschmachtung: indem er hunger und verschmachtung vor augen gesehen. polit. stockf. 183.
Es heiszt groszer, arger, wütender, scharfer, heiszer hunger; stäter hunger, der nit abnam oder nachliesz, continua fames, unersettiger hunger, hians semper fames Maaler 232d; den gälligen hunger vertreiben, duram famem depellere. ebenda; da zu leiden sie groszen hunger, und müssen fur durst verschmachten. Judith 11, 10; unser haut ist verbrant, wie in eim ofen, für dem grewlichen hunger. klagel. 5, 10; es hatte ein graf ... den predigern und schuldienern kaum so viel gelassen, dasz sie sich des schwarzen hungers erwehren können. Weidner apophthegm. 5 (1655) s. 50;

Recha. gesättigt, will
ich nun nicht sagen; nein — bei weitem nicht —
Daja. den heiszen hunger nur gestillt.
Lessing 2, 268 (vgl. heiszhunger).

man sagt hunger haben; den hunger ertragen; hunger leiden: da nu das ganze Egyptenland auch hunger leid. 1 Mos. 41, 55; sie wissen das wir hunger leiden. 2 kön. 7, 12; vor hunger, durch hunger, im hunger umkommen, verderben: das nicht

[Bd. 10, Sp. 1944]


das land fur hunger verderbe. 1 Mos. 41, 36; fur hunger sollen sie verschmachten. 5 Mos. 32, 24; wie viel taglöner hat mein vater, die brot die fülle haben, und ich verderbe im hunger. Luc. 15, 17; durch hunger sterben: wer in dieser stad bleibt, der wird durch schwert, hunger und pestilenz sterben müssen. Jer. 38, 2;

mit gefahr und tod umgeben,
lebst du kümmerlich dein leben
einen sommer, und du stirbst
halb vor hunger.
Gleim 3, 336;

gewöhnlich hungers sterben: das ir diese ganze gemeine hungers sterben lasset. 2 Mos. 16, 3; den (denen) so da hungers storben. klagel. 4, 9; hungers sterben. Lokmans fab. 3; unterdessen, bis ein kenner uns auffindet, kann man hungers sterben. Göthe 19, 20;

mir lag das prot heut vor den augen,
noch was ich also faul und las,
das ich schier hungers gestorben was. fastn. sp. 565, 1;

dafür auch hunger sterben: da hergegen Gertrud, die den reichen wucherer geheirathet, hunger stirbt. A. Gryphius 1698 1, 765; — bei tausend seind gen Straszburg kummen schon halb hungers todt. S. Frank chr. 243b; den hat man vermauret und hungers getödt. 408a; tödte dich nicht selbst hungers, du hast in viel tagen nicht gessen. buch d. liebe 215c; entdeckte mir, wie ich zum tode des hungers verurtheilt gewesen. Schiller räuber 4, 5; den hunger schärfen:

du gabst — doch gleich auch nahmst du — schier,
um unsern hunger noch zu schärfen.
Freiligrath dicht. 3, 105;

den hunger stillen, famem explere, compescere Frisch 1, 476b; hat .. ihnen also den hunger gestillet und vertrieben. Schuppius 783;

sie stillten ihren hunger,
und löschten ihren durst.
Hölty 9 Halm;

den hunger büszen: schen nicht dann den hunger zu büszen. Frank weltb. 14a; etliche wollen aus diesem samen brot machen, dasz man dasselbige in der theuren zeit, so das korn schwerlich zu bekommen ist, essen, und den hunger mit büszen möchte. Tabernaemont. kräuterb. 539;

ich bitt, gebt mir ein bissen brot,
zu büszen hier den hunger mein.
H. Sachs 5, 230d;

dem hunger rathen, abhelfen: gott gabe im (so viel brot), das er wol kund dem hunger rathen. Luther 4, 184b; vor hunger (durch hunger getrieben) etwas thun: leder vor hunger essen, corio famem levare Frisch 1, 476b; der schlucker, der vor lauter hunger verse machte. Kotzebue dram. sp. 2, 325.
Sprichwörtliches und redensarten. der hunger kost wenig, der verdrusz vil. Agr. spr. 327b; hunger leidt keinn verzug. 307b; hunger ist ein gter koch. hunger macht rohe bonen zu mandeln. der hunger ist die best würz. der hunger macht hart brot zu lebkchen. 67a; freund, hier habe ichs erfahren, dasz der hunger rohe bohnen gar kocht. Riehl culturg. nov. 412;

die dinge wie sie sind, und was der topf bescheret
würzt hunger zu götterkost, — wie unser Horaz uns lehret.
Wieland 5, 55 (n. Amad. 13, 26);

hunger lehrt mausen. Schottel 1114a;

der liebt sonder lust,
trinkt sonder durst,
isset sonder hunger,
stirbet desto junger. 1130a.

der hunger personificiert wa hunger regiert, die sterk man verliert. Garg. 218b;

ihr des magern hungers bundsverwandte,
der pest verschworene!
Ramler 1, 51;

dann wie ein wolf, am hellen tage
kühn tritt der hunger in das haus.
Freiligrath dicht. 3, 188.


2) hunger, die dauernde lage des hungers, leben in dem man nicht das nötige hat sich zu sättigen: er kann sich des hungers kaum erwehren. Schottel 1140a;

laszt weib und kind am hunger gan.
H. Sachs 1, 515a;

in hunger und armuth.
Freiligrath dicht. 3, 152;

(ich träumte) von den vielen, vielen qualen und mühen,
die das leben grimm befallen:
krankheit und hunger und mangel und schmerz. 205;

in bezug auf einen ganzen bezirk, die hungersnot: aber im neunden monde ward der hunger stark in der stad, das das volk des lands nichts zu essen hatte. 2 kön. 25, 3; da war verstörung, schaden, hunger und schwert. Jes. 51, 19; ja hunger und böse wilde thier wil ich unter euch schicken. Hes. 5, 17; wir gott lob durch göttliche gnade, haben noch nicht einen solchen hunger, wiewol einige theurung empfunden und gespüret. Schuppius 783; es ist ein groszer hunger im lande, ingens annonae difficultas in regione est Steinbach 1, 795.

[Bd. 10, Sp. 1945]



3) hunger, übertragen auf irgend ein heftiges seelisches verlangen, begier: (ein büchlein) dahin ich meine zuhörer hätte weisen können, ihren geistlichen hunger darausz zu stillen. Schuppius 215; eine art von unnatürlichem wissenschaftlichen hunger. 23, 25; die vorrede, über welche der leser noch mit dem ersten hunger herfällt. J. Paul grönl. proc. 2, viii; aber der ehrgeiz fängt jedes mal von neuem an ... ja dieser hunger begehrt noch nahrung nach dem tode des magens. nachdämmerungen 79; auch bei Schiller hunger so viel wie ehrgeiz: kann mein herz deinen ungeheuren hunger nicht stillen — o Fiesko! das diadem wird noch ärmer sein. Fiesko 4, 14;

mit reich-frembder waar
des geizes groben hunger büszen.
Weckherlin 380;

irdisch nennt es und vergänglich,
was mit lust so überschwenglich
nur der sinne hunger stillt.
Bürger 74a.

es heiszt hunger nach etwas: sihe es kompt die zeit, spricht der herr herr, das ich einen hunger ins land schicken werde, nicht einen hunger nach brot, oder durst nach wasser, sondern nach dem wort des herrn zu hören. Amos 8, 11; soll man den hunger nach bedienungen (staatsämtern), der jetzt überhand nimmt, .. noch durch vorzüge und ehre reizen? Möser patr. phant. 1, 151; wie soll ich meinen hunger nach empfindungen stillen? Leisewitz Jul. v. Tarent 1, 1; vor hunger nach edlen thaten schmachten. 2, 5; aber wofür der heisze hunger nach glückseligkeit? Schiller räuber 4, 5; so wenig auch für meinen künftigen unterhalt da zu hoffen war, so viel versprach sich mein hunger nach rache. in der rhein. Thalia 2, 31; was sie (die roman- und tragödienschreiber) und die weltleute noch reell erhält, ist der hunger nach geld und nach lob. J. Paul Tit. 3, 172;

verlassen hatten ihn zum ersten mahl
in seinem leben ehr und biedertreu,
und heiszer hunger nach der süszen frucht
der minne jedes edlere gefühl in seiner brust
verdrungen.
Wieland 18, 61.

hunger obscön (vgl. nachthunger):

einer, der seim weib ir nachtmal stilt (stiehlt),
und das unter andern frauen verspilt, ...
und sein frauen daheim lest hunger leiden,
dem sol man sein beide niern auszsneiden. fastn. sp. 309, 25;

nachpaur, ich hab ein diern, die ist stark und faist,
und tuot alles das gern, das mans heist;
die geet umb nach dem zersigen hunger. 348, 2;

der püszt irs hungers unter irm nabel. 747, 33.


 
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hunger, adj. für hungrig, vgl. heiszhunger sp. 919.
 
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hungerbissen, m. bissen für den hunger: ein schatz zum hungerbissen der armen. pers. rosenth. 1, 15.
 
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hungerblick, m. blick der hunger anzeigt: weit schrecklicher durch lumpen und den hungerblick der einwohner. Niebuhr leb. 1, 423.
 
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hungerblümchen, n. draba, ein auf dürren plätzen vorkommendes schotengewächs. auch iberis nudicaulis, die steinkresse, heiszt so.
 
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hungerblume, f. chrysanthemum segetum, die gelbe wucherblume; die blaue hungerblume ist veronica triphyllos, dreiblättriger ehrenpreis (Nemnich 4, 1556).
 
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hungerbrot, n. name von juncus campestris, feldbinsen.
 
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hungerbrunnen, m. ein quell der nicht immer wasser gibt. Frisch 1, 476c; schweizerisch hungerbrunnen, periodische quelle, oder ein brunnen, der bei einfallender trockenheit leicht versiegt. Stalder 2, 63; vgl. Grimm mythol. 557: dann der hungerbrunne. selbiger trocknet zu zeiten aus, und zeigt in diesem fall ein unfruchtbares jahr an. Rüling beschreibung der stadt Nordheim (1779) s. 327. vgl. DWB hungerquelle.

 

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