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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hundswurzel bis hünengrab (Bd. 10, Sp. 1942 bis 1943)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hundswurzel, f. triticum repens, quecke, hundsweizen.
 
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hundswut, f. tollwut der hunde. als wiedergabe eines französischen pflanzennamens: das colchicum oder die weiszen zeitlosen. welches auch zu französisch chien rage, das ist hundswüte, oder saffran bastard .. genant wird. Sebiz feldb. 457.
 
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hundswütig, adj. die hundswut habend: hundswütige thiere (hunde, füchse, wölfe, katzen). Hannov. mag. 1844, s. 315.
 
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hundszahn, m.
1) zahn eines hundes.
2) nach der ähnlichkeit heiszen hundszähne die augen- oder spitzzähne der menschen, canini dentes.
3) hundszahn, name der pflanze erythronium.
4) name einer schneckenart, dentalium entalis.
5) ein spitzer meiszel oder eisen der bildhauer.
 
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hundszecke, f. hundslaus, acarus ricinus (oberdeutsch, vgl. hundsticke); bei Maaler masc.: der hundszäch, redivius 232d.
 
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hundszorn, m. carlina acaulis, stammlose eberwurz. im Würtembergischen. Nemnich 2, 891.
 
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hundszunge, f. zunge eines hundes; auch name der pflanzen cynoglossum und anchusa officinalis, und des fisches pleuronectes cynoglossus.
 
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hüne, m. riese. das mhd. Hiune, dem ahd. Hûn, und mittellat. Hunnus entspricht: die Hunnen, Hünen Hunni Maaler 233a, war von dem begriff des Hunnen seit dem 13. jahrh. auch auf den eines riesen übertragen worden (vergl. Grimm mythol. 489 f.), und hielt sich in dieser bedeutung unter verschiedener dialektischer form bis ins 16. jh. hinein, mittel- und niederdeutsch als hûne, ober- und schriftdeutsch als heune (vgl. sp. 1290): gigas rese ł hune, hune ł heune Dief. 262b; gygas recke, rese, hune nov. gloss. 192a;

des achten wie kleine so ein har,
si bringen hunen ader resen.
Liliencron volksl. 1, 223b (brandenburgisch, v. 1414).

die oberdeutschen gegenden lassen um die oben angegebene zeit das wort aussterben (soweit nicht in dem ersonnenen eigennamen Hans von Hun stratiota bei Stieler 750 ein nachklang erhalten sein mag), während die niederdeutschen mit der ihren lautverhältnissen angemessenen wortform hüne einen reichen, um dieselbe angeschossenen sagenschatz bewahren, einen sagenschatz, der gleichmäszig im norddeutschen tieflande von der Weichsel bis über die Ems hinaus, so weit sächsisches und von Sachsen colonisiertes land geht, sich erstreckt, und der auch bis in mitteldeutsche gegenden, wie Hessen (Vilmar 178), hinunter reicht. als der sammelfleisz des 17 jahrh. curiositäten, darunter auch sagen jener landstriche sammelte, wurde das wort in der niederdeutschen form dem deutschen publicum wieder bekannt gemacht, nun unterschieden von Hunne, das nach der oben angegebenen mittellateinischen form sich festgesetzt hatte, obschon die gelehrten schriftsteller der zeit sich des zusammenhangs von hüne und Hunne bewust sind: es sind noch heutiges tages nachrichtungen in Hinterpommern, das Hungeren drin musten gewesen sein, dann wenn sie einen groszen und starken menschen sehen, nennen sie ihn einen hünen, wie also die Hungern zu der zeit genennet sein. Micrälius altes Pommern 2, 200. hüne wird nun von solchen schriftstellern als synonym mit riese ausdrücklich erklärt: sonsten finde ich auch nachrichten von hünen oder riesen in Vorpommern. ebenda; ein hühne oder riese. Behrens Hercynia

[Bd. 10, Sp. 1943]


curiosa 127; ist aber vor der 2. hälfte des 18. jh. in diesem sinne nicht verbreitet, zuerst, wie es scheint bei Wieland, der für seine romantischen epen ein solch seltenes wort sich nicht entgehen liesz:

auf abenteur zu gehn,
und wilde hünen zu bestehn. 21, 208 (Klelia und Sinibald 2, 249);

bekämpft die hünen und die drachen,
die um das schlosz, worin sie schmachtet, wachen. 22, 184 (Ober. 4, 20, später in riese geändert);

dann von andern:

sein lanzenwurf traf einen kriegesmann,
den hühnen Akamas, Eüssors sohn,
den rüstigsten der Thracier.
Bürger 169a;

vgl. auch hünenschultrig, hünenschwert, hünenwuchs.
 
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hünenbett, n. riesenhügel, riesengrab; niederdeutsch hünebedde. Grimm mythol. 489. Frisch 1, 448c.
 
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hünengestalt, f. von einem grosz gewachsenen menschen, neuerdings beliebt: es ist eine wahre hünengestalt. vergl. DWB hünenwuchs.
 
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hünengrab, n. grab eines riesen, hünen; oberdeutsch im 14. und 15. jahrh. heiszen örtlichkeiten ze Húnengrebern, an Húnungreber weg Mone urgesch. des badischen landes 216, vgl. 220 fg. (s. auch heidengrab sp. 805); später ist der name auf Norddeutschland eingeschränkt: da die Greifswaldischen im jahr 1594 in der Buggenhagen güter ... etliche grosze feltsteine aus den hügeln, oder wie sie sonst genennet werden, hünengräbren, kleuben und abschlichten lieszen. Micrälius altes Pommern 2, 200;

wo ... wacholdergesträuch um die hünengräber der vorwelt
wuchernd kroch, und stechender hulst mit glänzenden blättern.
Voss 1, 54 (Luise 1, 438).

 

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