Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hundsfisel bis hundsfurz (Bd. 10, Sp. 1934 bis 1936)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hundsfisel, m. penis caninus; als schimpfwort: darnach sah er, was für hundsfisel dise zwen birschützen, seine verwarer, wern. Garg. 255b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfiselig, adv.: dessen (des hosenlatzes) form ward fein gemodelet nach gestalt eines gespanten bogens, wie er zu Roan in der kirchen hanget, war nicht so hundsfiselig gespitzet, wie der Spanier geiszreuter. Garg. 114b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsflechte, f. lichen caninus. Nemnich 3, 395.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfliege, f. musca canina. Stieler 510; mhd. huntvliege und hundsvliege: cinomia haiʒt ain hundsmuck oder ain hundsvlieg. .. diu vlieg belaidigt der hund ôrn gar sêr sumerzeiten, wan wie dick si die hund dar ab slahent, als dick koment si wider. Megenberg 298, 9 (sie wird dann auf den teufel ausgedeutet); hundsfliege als bild für eine plage, etwas quälendes:

und wenn nun solche hundesfliegn
im bittern tod verborgen liegn.
Ringwald l. w. 405;

ich hat viel hundesfliegn,
that manchen guten man betriegn. t. E. J 7a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfloh, m. ricinus, reduvius. Stieler 521.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfott, hundsfutt, m. schimpfwort für einen verächtlichen, vorzüglich feigen menschen. dasz dieses wort, dessen zu zweit gesetzte form die ältere, aber heute nicht mehr vorkommende ist, eigentlich vulva canina bedeute und nur übertragen in seiner heutigen bedeutung stehe, ist unter fut theil 41 sp. 1060 ff. zu ausführlich abgehandelt worden, als dasz hier darauf zurückzukommen sein dürfte. auch Logau kennt den eigentlichen sinn wol:

den, der sich nicht wehren wil, heist man, wie man heist das theil,
das desz hundes weib so frei pflegt zu brauchen und so geil. 2, 93, 79.

als schimpfwort läszt es sich seit dem 16. jahrh. nachweisen: (Gargantuas herkunft lasse sich darthun) vil besser als der schönsten wüsten unflätigen parisischen pastetenbecken, weibische hundsfutt Paris von Troia. Garg. 31a; sind freche Parides, die in den toden Achillem stechen, sind hasen, die umb den toden lewen danzen und ihm den bart auszreiszen, daher sie heiszen vom bartreiszen, sind öpfelspiler zu ernst, wie ihr hundsfutt Parisz. 149b; auch als derbes scherzhaftes kosewort: dann ihr meine lieben hundsfütt wüszt, im krieg ist das gebratens das allerbest. 228b; hier steht wahrscheinlich das wort noch als femininum, wie noch manchmal im 17. jahrh. (theil 41, 1062 unten), aber der umstand, dasz mit ihm männer gescholten werden, läszt es seit dem 17. jahrh. allgemein als masc. verwendet werden. es bilden sich die zwei zu anfang genannten formen aus,
1) hundsfutt mit dem plur. hundsfütter: so bald er unter die thüre kam, sagte sie zu ihm: ach schatz, was seit ihr worden? er aber lief die stiege hinauf (ärgerlich), und im vorbei gehen sagte er zu ihr: ein hundsfutt bin ich worden! Simpl. 2, 200 Kurz; (die studenten) fahen einen tumult an, schärfen in die steine, und schreien hundsfutt kom raus von der hure. Schoch stud. leben K vb; es ist nicht zu sagen, wie greulich sie mich armen hundsfutt verfolget und angefeindet (der teufel sprichts). Schuppius 405; ich bin ein armer hundesfut, ich hab mein tage zu fusze gedient. Chr. Weise comöd. 19; du hunnsfut! Jucundiss. 121; so hieszen sie ihn einen hunnsfut über den andern. 123; wie ein lustiges wasser uns die hunnsfüter zu saufen gegeben. 183; ihr hundsfütter! schurken! Fr. Müller 3, 185; das ist ein schurkischer streich darüber du ohrfeigen verdient hättest von einem hundsfutt. Göthe 57, 198; niemand macht mir mehr freude als die hundsfutter, die ich nun so ganz vor mir gewähren und ihre rolle ausspielen lasse. an frau v. Stein 1, 135;

der Tüffenbach sagt zu der zeit,
dasz ihr schlimme hundsfüder seid.
Opel u.
Cohn 28, 66 (von 1619),

hundsfütter, kerls, seid ihr!
Zachariä 1, 77.

[Bd. 10, Sp. 1935]



2) hundsfott mit dem plur. hundsfötter: gnädigster könig und herr, wir sind für unserm herren gott alle arme hundesfötter. Leyermatzs lust. correspondenzgeist (1668) s. 170; nun so hat er an mir wie ein anderer hundsvott gethan. causenmacher 99; die kerle hieszen einander hundsvötter. 107; du extract von allen hundsvöttern. 125; du hundsfott, sagte er. avantür. 1, 73; kann man euch hundsvötter so ins bockshorn jagen? Lessing 1, 416; ich wollte lieber mein ander bein dazu verlieren als so ein hundsfott sein (wie Weislingen). Göthe 8, 71; aha! ein rothröckiger schurke, der uns die frage vorlegen wird, ob wir hundsfötter sein wollen. 106; angefaulte hundsfötter. 42, 151; so gewinnt man auch bei einer solchen behandlung des Franz Moor (wie sie Iffland in spätern jahren machte) nur das, dasz endlich ein würdiger hundsfott fertig wird, den ein ehrlicher mann ohne schande spielen kann. 49, 177.
3) die eigentliche, noch lange nachgefühlte bedeutung des wortes läszt manche verhüllungsversuche aufkommen, entweder indem man es in der schreibung unvollständig läszt: ich könte nicht ersinnen, welcher unter diesen beiden s. h. der gröste hundsf. sei. Simpl. 4, 247 Kurz; ich will meins nams imer und ewig ein hunds et cetera sein, wan ichs nit auf der stell zruckschick. Schwabe tintenf. A 5b; oder indem man es umdeutend verändert: einem eingebildeten ungeschrumpelten hundespfuten. Leyermatzs lust. correspondenzgeist (1668) s. 142; hundsvoigt, wehr dich! Chemnitzer rockenphil., 2. hundert, cap. 52;

wer eine hure nähm wissentlich,
der wär ein hundsvoigt öffentlich. das. cap. 11 (als altes sprichwort).

wie denn auch, unter manchen andern etymologischen versuchen, die abstammung des hundsfutt aus hundsvoigt verfochten wird: hundsvoigt, canum praefectus, dieses ist der teutsche hundsfutt, und bedeutet mithin einen, der über die hunde gesetzet ist. Hederich 1342. vgl. auch hundertfutter sp. 1927, und unten hundskutt, sowie hundsnase.
4) hundsfott, bei den seeleuten, ein kleiner stropp (kurzes tau), der am stropp eines blockes befestigt ist, um daran vermittelst eines maulstiches den läufer oder mantel eines takels festzumachen.
5) das dim. hundsföttchen heiszt bei den buchbindern eine kleine umbeugung an beiden enden des rückens von pergamentbänden. Jacobsson 6, 124b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfötterei, hundsfütterei, f. hundsföttisches verfahren: kriechende gefälligkeit, ein schales loben, wo nichts zu loben ist, sinnlose titular- und bücklingsschmeicheleien, .. jene süszliche hingabe, die man (man verzeihe der niedrigsten sache einen niedrigen ausdruck) kaum anders als deutsche hundsfötterei nennen könnte, legen uns (er meint die deutsche nation) treudevotest zu füszen der majestät Dullness. Herder zur litt. 18, 174; wann man bei der schönsten herbstzeit im bette liegt und noch dazu mit s. v. hundsfüttereien geplagt wird. Höpfner in Mercks briefsamml. 2, 110.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsföttisch, hundsfüttisch, adj. und adv. einem hundsfott gemäsz, erbärmlich:

Barrabas was dunkt dich desz gselln,
er thut sich gar hundsfüttisch stelln,
und ganz verzagt zu unsern thaten,
förcht er werd uns ein mal verrathen.
H. Sachs 3, 1, 194a;

ich werde sagen, dasz ich gelogen habe, und dasz es eine hundsföttische sache ums lügen ist, weil man drüber ertappt werden kann. Lessing 1, 555; 's ist hundsfüttisch, herr! spitzbübisch! Fr. Müller 2, 41; bei meiner hundsföttischen ehre! (der Mohr zu Fiesko). Schiller Fiesko 2, 15; wie 1700, so fand das jahr 1801 den schwülstigen Lohensteinschen, oder jenen nervlosschlaffen geschmack, den ich den hundsföttischen nennen möchte. Herder zur litt. 18, 108;

das weib ist toll, rief Salomo!
hat zu viel schnaps genommen!
was seiner majestät also —
so — hundsföttsch anzukommen?
Bürger 49a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfottkrieg, m. ersonnener name für einen erbärmlichen krieg: ja ich bin im hundsfuttkrieg darbei gewesen, da ein esel zu dem fensterladen herausz sprunge, und also die pferd, die ihn geschlagen hetten, verriht. Garg. 133b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
hundsfremd, adj. wildfremd, ganz fremd: Beaumont und Fletscher, sich hundfremd, nähten an éinem gemeinschaftlichen schneidertische schauspiele. J. Paul flegelj. 1, 114, die ausgabe von 1804 hat hundsfremd.

[Bd. 10, Sp. 1936]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hundsfurz, m.: 'hör Juvenal, stosz den hund ausz, wer hat so gefeust?' was? kanst du kein hundsfurz riechen, so solst du kein wildpret fressen. Garg. 87b.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: