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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
hälizen bis hallelujalied (Bd. 10, Sp. 227 bis 232)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) hälizen, verb. ausgleiten: häliczen labi Diefenb. 314a; mundartlich noch in Ober- und Mitteldeutschland: bair. hälizen ausglitschen Schm. 2, 166; kärntn. halitzen labere, lubricare Lexer 131; im Voigtlande helzeln auf dem eise schleifen, kascheln, was schon in einem ostlechischen vocab. von 1432 erscheint: labi heliczen oder schleifen auf eisz Fromm. 4, 304b. es gehört mit schwed. hal-ka ausgleiten, ausglitschen, halkning das ausgleiten, hal-ke glatter weg, hal-kig glatt, schlüpfrig zum adj. hahl, hähl, mhd. hæle sp. 158.
 
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hall, m. sonus, mhd. hal, ahd. nicht aufgewiesen. für den begriff eines weithin sich fortpflanzenden tones hat die deutsche sprache mehrere worte mit nur verschiedener anlautsstufe, neben mhd. hal geht gal, und diesen zur seite steht wieder das ahd. verbum kallôn, challôn laut rufen, nhd. kallen (5, 69). in diesen wörtern prägen sich alle drei stufen der anlautenden gutturalis aus; es ist anzunehmen, dasz sie bereits in sehr früher zeit wurzelhaft geschieden waren, wenn auch vielleicht selbst diese wurzeln in näherer verwandtschaft stehen. wenigstens wird hall nebst seinem verbum mhd. hëllen, mit dem altn. hall-mæli übele nachrede, tadel, und hallmæla lästern, von griech. καλέω, lat. calare, lit. kal-ba rede, gerede nach dem gesetz der lautverschiebung nicht zu trennen sein, während zu mhd. gal das skr. khara-s rauh, scharf, stechend, was nach Böhtl.-Roth 2, 600 häufig von rauhen, stechenden lauten gebraucht wird, sich stellt, und kallen wol wieder mit skr. gar rufen, preiszen (Böhtl.-Roth 2, 689), lat. garrire, garrulus in nächster verwandtschaft steht. zu hall und seinem verbum mhd. hëllen gehört auch das begrifflich gleiche schall mit dem verbum mhd. schëllen, ahd. scëllan, welchen worten s vorgetreten ist (vgl. DWB schmelzen und ags. meltan, narr und mhd. snarren), was ursprüngliches k gegen die lautverschiebung schützte. hall und schall, mhd. auch hal unde gal werden formelhaft verbunden: hall und schall. Harnisch 249; der gal und der hal. d. myst. 2, 286.
hall wird gebraucht
1) allgemein von jedem weithin hörbarem laute und vollem, tönendem geräusch: sonus hal Diefenb. 542b; crepitus hal 157a; wann ich einen solchen knebelbartfressigen namen hette,

[Bd. 10, Sp. 228]


der von gethön und hall den leuten auszusprechen ein lust gibt. Garg. 107a; die irdenen gefäsz bewärt man im hall, aber die menschen in der redt. S. Frank chronica 108a, gut gebrannte irdene gefäsze müssen beim anklingen einen vollen ton von sich geben; denn gleichwie das regal, positiv oder orgel, wenn es keinen wind in sich empfangen, durchaus keinen ton, hall oder schall von sich gibt, wie heftig auch der organist bemühet, also kann solches auch von unsern leibern gesagt werden. Fioravanti kunst- u. weltspiegel, übers. v. Jennis (1618) s. 19; that es einen hall. med. maulaffe 435; zwischen dem knall oder hall und der gegenstimme oder echo gibt es keinen geringen unterscheid. Happel acad. rom. 208; der hall der schritte in öden straszen;

do ging das pulfer one (an),
mit einem starken knale
sant Jorg (ein mit pulver gefülltes, in den ofen geschobenes
holzbild) mit lautem hale
ein ritte durch den ofen. meisterl. fol. 23 no. 221.


2) von einem durch die luft widerklingenden tone, widerhall, echo: mhd. zuo glîcher wîs, als obe einer stüende vor eime hôhen berge und ruofte 'bistu dâ'? der gal und der hal ruofte wider bistu dâ'? d. myst. 2, 286; nhd.

bis ein fertiger gesang
muthig durch die lüfte drang
und den hall zum nachruf zwang.
Hagedorn 3, 58;

und stehest du auf dem felsen,
traut liebchen, ich rufe dir zu;
die halle sagen es weiter,
doch niemand hört es, als du.
Uhland ged. 45;

es liebet
einen schatten Narziss, aber ihn liebet ein hall. s. 144;

und jeder hall, in spalt und kluft versteckt. s. 157;

wie den gesang, den zu des liebchens preise
der schäfer angestimmt aus voller seele,
gedankenlose halle weitertreiben. s. 180;

ich weisz mir eine grotte,
gewölbt mit bergkrystalle;
die ist von einem gotte
begabt mit seltnem halle:
was jemand sprach, was jemand sang,
das wird in ihr zu glockenklang. s. 397,

wann seines jagdhorns liebeweckend ach
zog durch die wälder, öffnet ich die lippen,
und lispelt es mit leisen hallen nach.
Rückert 83;

ich bin das bild, der spiegel, der hall und widerhall. s. 327.

bair. hall geben, auf einen ruf durch gegenruf antwort geben. Schm. 2, 166; in der Heanzen-mundart häll geben Fromm. 6, 183.
3) namentlich vom klange der stimme, der worte, des liedes: wann gots wort ain eusserer hal, stimm und wort were. S. Frank spr. 2, 79; wird singen ein lied .. des hall erschallen wird bis an der welt ende. Jer. 25, 30;

der hall gadt durch die ganzen wält,
das uns der lieb gott nit mit gält
noch keim zytlichen werde
gelöset hat vons tüfels rt.
A. Blaarer ein gsang uff den pfingstag

des gedankens zwilling, das wort, scheint hall nur,
der in die luft hinflieszt (nichts als leerer klang).
Klopstock 2, 59;

wenn von diesen (handlungen) bis zum fernsten
hall sich jede verlor, zum letzten
lispel sich, redet es (das geisteswerk) laut. s. 82;

nun höret ich donner, nun harfen,
dann die stimme der rufer am thron; doch der stimme gedanken
konnt ich nicht fassen, denn einzelne halle nur hört ich vernehmlich,
und die andern versanken im rauschenden strome der donner. 6, 132 (Messias 18, 480);

todeshauch verwehte deinen hall.
Bürger 76b;

zu Priams burg ruft uns der stimmen lautster hall.
Schiller 33;

oft zu gebrochenem laute der mägdlein
zwang er den männlichen hall.
Voss 3, 247.

von der stimme der nachtigall:

still, wie leisen hall
einer nachtigall
oft sie nachgetönet.
Voss 5, 202,

ärmer ist die nachtigall,
die nicht kann zerflieszen,
sondern nur der sehnsucht hall
lässet sich ergieszen.
Rückert 1, 830.


4) dann auch besonders häufig von dem durchdringenden klange der posaunen und hörner, der glocken, der trommeln: mhd.

ich wünsch daʒ im iht helle
an dem gereit sîn walthorn,
daʒ eʒ den hal hab verlorn,
und es werde timmer (dumpf). lieders. 2, 427;

[Bd. 10, Sp. 229]


nhd. als das volk den hal der posaunen höret. Jos. 6, 20; (das ross) zittert und tobet und scharret in die erde, und achtet nicht der drommeten halle. Hiob 39, 24; meine seele höret der posaunen hall. Jer. 4, 19; er hat der drometen hall gehöret. Hes. 33, 5;

und grüszten da den lieben tag
mit trommen und trommeten schall,
da es gab durch den see ein hall.
Fischart schiff 197;

schweigt, unglückliche trommeten!
eines vaters eingeweide
wenden sich bei eurem hall.
Herder Cid 36;

sobald der hall
der cymbeln und drommeten uns den dank
des chors verkündet.
Stolberg 4, 172;

zog ihn der hall von Friedrichs siegreicher trommel nach Böhmen. Schiller 115;

nur einer schellen schall,
die mit vergebnem hall
uns in die ohren dringet.
Opitz 3, 107;

o gebenedeites,
heiliges getön,
wann des grabgeläutes
dumpfe halle wehn.
Voss 5, 230;

nach dem letzten hall der sterbeklocken
denkt kein mensch des guten jünglings mehr.
Matthisson ged. (1794) s. 127;

und es tönt der hall der glocken.
Platen 5;

das fest der pfingsten kommt im hall der glocken.
Geibel ged. (1858) s. 271.

von dem metallenen tone der waffen, fesseln:

(dasz) die felder nicht, die berge von dem hall
geschlagner waffen, schilderklang ertönen.
Tieck 2, 27;

die lieb ist reines sphärenrauschen,
darein kein hall von fesseln klirret.
Rückert 328;

vom tone des donners, vgl. DWB donnerhall 2, 1244; bildlich:

einem anderen chor entströmeten halle des donners.
Klopstock 5, 113 (Messias 12, 145).


5) endlich auch von dem klange eines kusses:

wo die freierischen westen
buhlen mit den schwanken ästen,
und wehn einen hall darein,
als es solten küsse sein.
Fleming 443.


 
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hall, n. salzwerk, was halle 3, nur in Schwaben und Baiern. Schm. 2, 167;

welcher in seim jungen tagen
zu Hall im hall (var. hal) hat block tragen. Peter Lewe 62 (weim. jahrb. 6, 426).

das geschlecht fällt auf; das wort mit Schm. zu salz zu stellen, so dasz wie früher vielfach angenommen wurde, den sonst in diesem worte erscheinenden sauselaut hier ein hauchlaut ersetze, kann in keiner weise gerechtfertigt werden, wie auch unten der zusammenhang von halle salzwerk mit salz geläugnet ist. das ungewöhnliche neutrale geschlecht des wortes scheint durch allmähliche kürzung eines compositums veranlaszt, ahd. hiesz salina halhûs (Graff 4, 1055), das hat sich später in Schwaben zu halles verflüchtigt (Schmid 255, woneben haal n. sowol den platz der salzsiedehäuser, als auch die siederschaft selbst bezeichnet) und ist in der form hall noch weiter zurück gegangen, so dasz von dem nun ganz gewichenen haus nur noch das geschlecht zeugt.
 
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hallasch, m. salzschiff kleinerer art in Baiern. Schm. 1, 122. vgl. DWB asch 1, 578.
 
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hallbube, m. wol ein bube, der sich an den verkaufshallen des marktes umhertreibt, straszenbube, gassenjunge: denn wie Vergerius desz bapsts legat in Teutschlande war, da hetten in die hallbuben, als des bapsts mutter, schier mit dreck zu tode geworfen. Luther tischreden 245b.
 
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hallbursche, f. bursche der im salzwerke (halle 3) beschäftigt ist, salzsieder. Frisch 1, 401c. vergl. unter hallor.
 
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halle, f. im allgemeinsten sinne überdeckter raum. das wort ist in den deutschen dialecten, wiewol in etwas verschiedenem, nachher näher anzuführendem sinne weit verbreitet: ahd. halla, mhd. mnl. nnl. halle, altsächs. halla, ags. heal, engl. hall; altn. höll, schwed. hall, dän. hal. wie verschieden auch die hallen ihrer bauanlage nach sein mögen, éin gemeinsames merkmal kennzeichnet sie, es ist das, dasz die bedachung entschieden hervortritt, die seitenwände untergeordneten rang einnehmen, sei es, dasz die letzteren bis auf pfeiler oder säulen sich verflüchtigen (offene hallen), sei es dasz in dem groszen raume, den eine halle einschlieszt, dem beschauer die decke des gebäudes viel mehr zur geltung kommt, als die entfernter stehenden und unbedeutender

[Bd. 10, Sp. 230]


sich zeigenden seitenwände. von dieser vorzüglich ins auge fallenden eigenschaft der halle, die somit wesentlich als überbau erscheint, scheint sie auch ihren namen empfangen zu haben, der wol mit lat. oc-cul-ere verdecken, verbergen, cel-are verbergen, griech. καλύπτειν verhüllen, bedecken, κρύπτειν verbergen in engem etymologischen zusammenhange steht. zur verwandtschaft gehört auch das goth. hallu-s fels, den man sich auch sonst als deckend, überhangend vorstellt, sowie goth. halja, mhd. helle, nhd. hölle, worüber unter diesem worte mehr. — halle sich unter anlehnung des eben erwähnten goth. hallus zunächst als steinbau, felsensaal zu denken, geht, wenn man die eigenheiten der ältesten deutschen bauart berücksichtigt, in keiner weise an.
halle bezeichnet:
1) das wesentlich an den seiten offene, nur überdachte bauwerk, das theils als bloszer schuppen in schlichter ausführung sich zeigt, so landschaftlich in Baiern: holzhalle, wagenhalle, zeughalle Schm. 2, 166; tugurium halle Diefenb. 601a; phala halle 223a; theils in reicherer ausführung als gebäude erscheint, das wenigstens von einer seite ohne wand ist; so heiszen die öffentlichen niederlagen von handelswaaren hallen, und ist dieser ausdruck für die sache schon alt, da bereits das mittellat. halla, sowie das franz. halle das wort in diesem sinne verwenden: Sempronius hat die hallen oder gäden zu der gemein gekauft. Rihel Liv. 802; als doch gewonlich alle stette in iren hallen zu Frankfort ordenung haltend. Straszburger quelle des 16. jahrh. bei Scherz 1, 596; halle, taberna, domus mercium, und daher auch forum rerum venalium bei Kilian; so heiszt ferner der nur theilweise mit seitenwänden versehene vorbau eines hauses, eines öffentlichen gebäudes, einer kirche eine halle, was mhd. auch als loube bezeichnet wurde (vgl. auch vorhalle): porticus halle Diefenb. 448c; hall porticus Alb. x 3a; in der halle oder vorschupfe Petrarcha 86a; und sind alle diese dinge geschehen in dem dorfe N. mehrgenannt unter der hallen vor des zentgrafen hus. weisth. 4, 544 (im selben bande s. 662 no. 25 ist für halle hahle zu lesen, ein kessel und ein hahle, vgl. sp. 158). in dem letztern sinne wird es von Luther häufig angewendet, es übersetzt, wenn in der septuaginta nicht das hebr. αἰλάμ stehen geblieben ist, griech. στοἀ, lat. porticus: bawet eine halle fur den tempel, zwenzig ellen lang, nach der breite des hauses, und zehen ellen breit fur dem hause her. 1 kön. 6, 2; er bawet auch eine halle von seulen. 7, 6; und bawet auch eine halle zum richtstuhl. v. 7; fur der thür am tempel des herrn, zwischen der halle und dem altar, da waren bei fünf und zwenzig menner. Hes. 8, 16; bis an die halle am innern thor, da man hineingehet. 40, 15; (das thor) hatte sieben stuffen, da man hinauf gieng, und hatte seine halle davor. 40, 22; und er mas die lenge des gebews ... das war auf jeder seiten hundert ellen mit dem innern tempel und hallen im vorhofe. 41, 15; und Jhesus wandelte im tempel in der halle Salomonis (goth. in ubizvai Saulaumonis, ags. on Salomones portice, bei Behaim in den schopfen Salomônis). Joh. 10, 23; lief alles volk zu inen in die halle, die da heisset Salomonis. ap. gesch. 3, 11; und waren alle in der halle Salomonis einmütiglich. 5, 12. auch von den offenen hallen um einen heilkräftigen teich: es ist aber zu Jerusalem bei dem schafhause ein teich, der heisset auf ebreisch Bethhesda, und hat fünf halle. Joh. 5, 2. nach Luther wird doch das wort in gemeiner rede nicht mehr recht gebraucht, Stieler 737, Steinbach 1, 670 verzeichnen es zwar, aber, wie namentlich aus Steinbachs erklärung prodomus templi, vestibulum templi hervorgeht, doch nur, weil sie es in der bibel fanden. Frisch 1, 401b kennt das wort nur als veraltetes; auszer im technischen gebrauch (s. auch unten 3) und in einigen zusammensetzungen (s. oben 1) mochte es wol um 1740 nicht mehr vorkommen.
2) die erneuerung des wortes geschah nach der 2. hälfte des 18. jahrh., Ramler in der einleitung in die schönen wissensch. 1774, 1, 222 zählt es unter den alten wörtern auf, die dichter wieder aufnehmen: anstatt verdeckte gänge oder vorhöfe sagt ein poet die halle. einflusz auf das wiedererscheinen des wortes hat wol zunächst einerseits das englische gehabt, wo das wort in stetem lebendigen gebrauche war und ist, andererseits das altnordische; wenigstens fällt das neue vorkommen von halle mit der zeit zusammen, wo man sowol mit vorliebe den englischen familienroman und Ossian in deutschen übersetzungen las, und wo das interesse an Shakespeare sich in reger weise geltend machte, als auch, wo man in Deutschland das studium der Edda betrieb und aus dieser den ganzen apparat altnordischer gottheiten in die deutsche litteratur einzuführen strebte. aber durch diesen einflusz erlangte

[Bd. 10, Sp. 231]


zugleich das wort neben seiner bleibenden bedeutung 1 (wir sprechen noch heute in diesem sinne von einer offenen halle), die durch die autorität der bibelsprache gestützt wurde, einen modificierten sinn.
Das alts. halla, ags. heal, engl. hall, altn. höll, hatte im gegensatz zu der bed. 1 den groszen, an den seiten geschlossenen raum mit breitem dache bezeichnet, den hauptbau eines hofes, den raum, der groszen versammlungen, bewirtungen und ernsten geschäften diente, und der im alts. auch seli, seli-hus, ahd. sal, mhd. sal hiesz, was in letzterem dialecte nicht immer streng von dem fremden palas geschieden ist. auch auf den hauptbau eines gotteshofes war das wort bezogen worden, ags. heal heiszt auch templum, eine bedeutung, die bis ins ahd. hinüberreicht: halla templi Graff 4, 859, so gut wie ahd. sal templum bezeichnet (6, 176). hierauf hin wurde halle in dem sinne eines weiten und groszen, einheitlichen raumes verwandt, mochte die überdachung desselben gewölbt sein oder aus bretterdecke bestehen und das gebäude heiligen oder profanen zwecken dienen: diese merkwürdigen hallen und pfeiler (des Kölner doms). Göthe 26, 287;

wirke! das ist das grosze gesetz, in der halle
marmor gehauen.
Klopstock 2, 82;

auf! schon tönet ihr schritt, naht die vortrefflichkeit
in der halle. s. 87;

der tempel schwieg, wann dumpf die klock erklang;
gehemmt sank erdwärts der gedanken flug;
der hallen weisze grabsteinwänd' entlang
verschwand im dunkel der vestalen zug.
Matthisson ged. (1794) s. 58;

wie wenn .. urplötzlich wild,
der hörner lärm, der bässe rauschen
die halle füllt.
Gotter 1, 154;

in diesen mauern, diesen hallen,
will mir es keineswegs gefallen.
Göthe 12, 94;

mit göttern erfüllt sich
die irdische halle.
Schiller 50b;

freude war in Trojas hallen. 61a;

nimmer lausch ich deiner waffen schalle,
einsam liegt dein eisen in der halle. räuber 2, 2;

hier prangte vor zeiten ein lustiges schlosz,
das längst schon in schutt und in trümmer zerschosz.
noch wölbten sich keller und halle.
Bürger Lenardo u. Blandine;

du schauest in des tempels hallen.
Uhland ged. 3;

die särge seiner ahnen
standen die hall entlang. s. 198;

vernahmst du aus hohen hallen
saiten und festgesang? 207;

als knabe stieg ich in die hallen
verlaszner burgen oft hinan. 223;

in der hohen hall sasz könig Sifrid. 225;

die mauern liegen nieder, die hallen sind zerstört. 392;

ihre (der burgen) mauern sind verfallen,
und der wind streicht durch die hallen.
Kugler;

doch wie der krieger aus dem schalle
des ehrnen feldes still zurück
sich sehnt nach seines hauses halle,
des lebens heim gebliebnem glück.
Rückert 221.

auch von dem grabgewölbe, der gruft:

in des grabes halle
verstummen pflicht und recht.
Gotter 3, 342,

wofür Uhland schlummerhalle braucht:

drunten in der schlummerhalle
ruhen sie beisammen alle. ged. s. 6.

und in ganz freier anwendung:

auf des moders halle feiert
frühlingsfeste die natur.
Salis 125.

so hat sich das wort vollständig wieder eingebürgert und wird vielfach nicht nur von dichtern gebraucht, und zwar in dem doppelten sinne eines offenen, nur bedachten raumes, und dem eines seitlich geschlossenen groszen saalbaues; so haben wir einerseits markthallen, die dem kaufe und verkaufe dienen: es (die kreuzgänge) sind bedeckte hallen, meistens mit kreuzgewölben versehen, im viereck einen garten oder begräbnisplatz umschlieszend. Lübke abrisz d. gesch. der baukunst (1861) s. 144; andrerseits nennt ein schenkwirt der dem publicum ein geräumiges local eröffnet, dasselbe weinhalle, bierhalle, der kaufmann seinen groszen laden kaufhalle, waarenhalle; und je nach den darin verkauften gegenständen spricht man von einer tuchhalle, leinwandhalle, lederhalle; turner bezeichnen das gebäude, worin sie ihre übungen anstellen, als turnhalle; ein groszer saal für concerte heiszt tonhalle, für die ausstellung und den verkauf von kunstgegenständen kunsthalle, bilderhalle; dichterisch hat man auch von einem platz, über den das laub hoher bäume sich wölbt,

[Bd. 10, Sp. 232]


baumhalle gebildet. vgl. auch DWB buchenhalle 2, 471, schon aus dem j. 1779, wofür etwa gleichzeitig auch buchengewölbe erscheint.
3) halle der platz für die bereitung und aufbewahrung des salzes. man hat geglaubt, dieses halle von deutschem ursprunge völlig lösen und ihm auf grund des kymrischen hal salz eine keltische abkunft zulegen zu müssen; indes Diefenbach in Jahns jahrb. 1858 s. 751 fg. hat uns belehrt, dasz dieses wort, sowie die nach ihm gebildeten ortsnamen Halle, Hallein, das echt deutsche halle ist, hier auf den offenen schuppen in dem die salzwirker arbeiten, κατ' ἐξοχήν bezogen, wofür auch die zusammensetzung salzhalle neben salzkothe (Frisch 1, 401c) spricht: komet ouch eine clage usz der halle umb kothstete .. so sollen die bornemeister mit den scheppen zcu hand darczu gehen miteinander. Hallisches thalrecht aus d. 14. jahrh. in den mittheil. des thür.-sächs. alterthumsvereins bd. 11 s. 441; armen knechten die sich in der halle vorerbeithet haben. s. 442; vor der .. bornknechte häuser, die nicht gar zu weit von der halle oder den thale gelegen seind. Hohndorf beschreibg. des salzwerks zu Halle in Sachsen, neu von Dreyhaupt s. 35. in Baiern und Schwaben steht dafür das neutr. hall, über das oben sp. 229 gesprochen ist.
 
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halle für halde, vgl. sp. 221.
 
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hallebarte, f. s. DWB hellebarte.
 
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hallelujah, halleluja, der hebr. jubelruf preiset gott, der aus den psalmen (als alleluia) in die lateinischen hymnen der christlichen kirche, durch Luther auch in das deutsche kirchenlied übergieng:

des wir sollen frölich sein,
gott loben und dankbar sein,
und singen haleluia, haleluia. werke 8, 359b.

seit dem 16. jahrhundert vielfach gebraucht, in hymnen und andern stücken religiösen schwunges:

halleluja dem ders gemacht!
halleluja dem ders gegeben!
Fr. Müller 1, 19;

lebst noch, herz? lebest, ach ja!
du lebest, o halleluja!
wer hat dich errettet, wer dich beschützet?
der aus den wolken auf verräther blitzet.
halleluja! 3, 257;

auch als substantivum:

wenn ich mich in die jubelchöre. ...
mich in den ruf der frohen halleluja dränge,
der laut entzückungen ruft.
Klopstock 7, 294;

daher: seit der stunde singt es durch alle meine gedanken und empfindungen immer und immer wie ein himmlisches hallelujah. Immermann Münchh. 4, 136. aber es ist auch volksmäszig geworden und scherzend in profanen gebrauch übergegangen, wer mit einer schweren arbeit fertig geworden, ruft hallelujah, freudiges bewegtes leben, auch in einem wirtshause, hört man im Osterlande ein hallelujah nennen, wol nicht ohne dasz die substantivisch gebrauchte interjection halloh (s. unten) hierauf eingewirkt haben mag; bekannt ist die triviale redensart aus dir wird nichts, hallelujah, die einem ältern studentenliede entstammt, und in der, wie auch sonst öfter und namentlich in den oben von Müller gegebenen stellen die betonung hallelújah der hallélujah gewichen ist.
 
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hallelujalied, n.:

will ich mein volles herz
in heiszern hallelujaliedern,
ewiger vater, vor dir ergieszen!
Klopstock 1, 61.

 

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