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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gusel bis güssenholz (Bd. 9, Sp. 1197 bis 1202)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gusel, m., erregung, aufregung, vereinzelt güsel; alem. wort, postverbale von alem. guseln, vgl. besonders dessen bed. 'lustig sein; kitzeln, stechen; antreiben', s. Staub-Tobler 2, 474; das vb. ist nicht über die mundart hinausgelangt; dasz guseln zu anord. giosa gehöre (Staub-Tobler 2, 477), ist aus den bedeutungen beider verben nicht zu entnehmen.
in ältrer zeit bes. vom zustand sinnlicher erregung: (die esel) reyssen sich z zeyten ausz den halfftern, springen auff die sttten ... dasz in diser gusel vergange, sol man sy ein weyl eynspannen und das mülinrad ziehen lassen Gesner-Forer thierb. (1563) 49b; man soll die geile hur ... in kalt wasser setzen, wie man einer hennen pflegt zu thun, so immerzu brütlen will, damit ihr der güsel gelege Joh. Grassäus d. kleine baur (1618) 236;

den jungen lecker nem beym kamm
und werff ihn in den kercker nein,
vertreib darmit den gusel sein
Birck ehespiegel (1598) 142;

neuerdings im allgemeineren sinne von 'aufregung, eifer, freudiger stimmung': (der pachtherr hatte den armen pächtern hinterlistig zugeredet, ihren ertrag durch kauf von dung auf borg zu steigern) er hatte seinen zweck erreicht, neu in gusel hatte er die leute gebracht J. Gotthelf (1855) 19, 110; s. Staub-Tobler a. a. o.
 
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gusel, adj., ganz ähnlich wie geil 'fröhlich oder sinnlich erregt', zu gusel, m., und dem ihm zugrunde liegenden vb.; alem., auszer schweizerisch: frisch, gails, gusels rosz Altenstaig voc. (1516) 35c; ein esel aber, wann man ihm ruh laszt ... so wird er gimmelich, geil oder gusel J. H. Heerbrand fasten 22; dieweil unser fleischlicher Adam so gusel und geil ist, so ist von nöten, dasz der mensch sein fleisch ... lerne abwürgen und tödten J. Willing pred. in Alemania 7, 190. bes. auch gusel machen:

das du so frolichen lachst
und dich so recht gusel machst,
darum das du erwellet bist
ze kung so ain kurtze frist
Jörg Zobel bei
Schmeller-Fr. 1, 951 (a. d. j. 1455);

die münch werden dis jar vil kesz samlen, wann das fter ist wol geraten, das wirt sie faszt stechen und gusel machen, vorausz die noch schopff und schwantz haben dr. Roszschwantz practica (1508) cap. 14;

las von dir schrepfen dasselbig bluot,
das dich zuo geile reitzen duot ...
schrepfft hindan das böse bluot,
das uch so gusel machen duot
Murner badenfahrt 14 Martin; auch: luth. narr 44 Kurz.


 
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güsel, n., 'abfall, rückstand, kehricht, staub', auch giesel, vereinzelt gusel. postverbale von guseln, z. b. 'stöbern; durcheinander regnen' (Staub-Tobler 2, 474); güseln,

[Bd. 9, Sp. 1198]


guseln, z. b. fein zerbröckeln, zerfallen' (477); vgl. s. v. gusel, m. alemannisches wort: pulvis güsel staub, pulver Frisius dict. (1541) 717b; nauci alles das vom obs als unnütz abgaat ebda 572; güsel, n., alles das man ring hinwirfft, peripsema; auszwüscheten Maaler 198b; pulver stup, staub, gusel, niszl Roth dict. (1572) n 6b; als giesel kehricht Kirsch cornu copiae (1732) 911a; bes. abgang vom getreide, kleie, s. Stalder 1, 501, sowie grannen, hülsen, spreu: Obermüller z Dbendorf sol 30 β um güsel (1489) dokum. z. gesch. d. bürgm. H. Waldmann 2, 226 Gazwardi; (wer sein lehngut aufgeben will, soll das angebaute getreide mähen und ausdreschen) und dann uf dem gut lassen stro, güsel und anders weist. 5, 115 Grimm; bildlich: der geist gottes ... verwejet ... alls gstüpp und güsel der glychsnery Zwingli dt. schriften 1, 193; (dasz er) der sophisten güsel nit recht erlesen hat ders. üb. M. Luters buch, bekentnusz genant (1528) 82b; anders:

ich wird der welt ein schowspil werden,
veracht wie s gusel uff der erden
Joh. Aal tragödia Johannis q 1.

von gesteinsschutt: er wirdt alle altarsteyn machen wie güsel zerschlagnen (l. zerschlagner) steynen sicut lapides cineris allisos (Jes. 27, 9) zürch. bibel (1531) 2, 84a; die kolhüfen und güsel von dem zerfallnen und verbrunnenen kloster ab der hofstatt ze rumen geschichtsfreund 3, 181. von rückständigen bruchteilen in der molke: gysel Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 49 a. d. kanton Glarus; s. gisel Staub-Tobler 2, 468. in der bed. 'kehricht' vielfach in compositis lebendig, z. b. güselbesen ebda 4, 1669; güselchübel 3, 113; güselfuhre 1, 972. die reichere dialectische bedeutungsentwicklung s. ebda 2, 473; 476.
 
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guselicht, adj., wie einfaches gusel, adj.: ich höre wol, welcher nicht gern tänzt, nicht frech, prachtig und unzüchtig gebaret, nit wüst und guselecht ist ... der ist ein mönich, tolpe, sawerseher M. Ambach v. tantzen (1545) j 2b.
 
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guseln, vb., s. DWB gusel, m.
 
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güsse, f. u. n., die überschwemmung. nur hochdeutsch belegtes wort. ahd. cusse cataclismum, diluvium ahd. gl. 1, 81, 34; cussa inundatio 1, 282, 39; cussi adluvionem 1, 511, 40; gusu flumina Tatian 43, 1; vgl.urguse affluentia, superabundantia Notker 1, 91, 20; 484, 7. wie das nebeneinander von einfachem und doppeltem spiranten lehrt, das auch in mhd. güse Hugo v. Trimberg renner 2518; Zürcher bibel (1531) psalm 32 und in nhd. gusi, güsi Staub-Tobler 2, 477; 478 wiederkehrt und sich aus einem ursprünglichen paradigma *gusi, *gusjes erklärt, gehört güsse als -ja- und -jō-stamm zu *geus in an. giósa 'hervorströmen' und nicht mit dentalsuffix zu der wurzelvariante *geut in gieszen, vgl. Walde-Pokorny 1, 564 gegen Fick 34, 136 und Schatz ahd. gr. § 201. doppelbildung von -ja- und -jō-stämmen ist nicht selten, vgl. die parallelen bei Schatz ahd. gr. § 375. — formen ohne umlautsbezeichnung mit vorhandenem wie apokopiertem -e sind häufig (durch einflusz von gusz?). das ahd. endungs-i ist in den alemannischen formen gusi, güsi bis heute vertreten, s. Fischer schwäb. 3, 937; J. v. Watt 2, 147; Staub-Tobler 2, 477; 478. die zu gisz entrundeten formen können durch ahd. giozo torrens, mhd. giesze beeinfluszt sein, z. t. sind sie mit diesen identisch, s. Fischer 3, 938; österr. weisth. 2, 251 (16. jh.); Tschinkel Gottschee 310. das neutrum ist nur selten bezeugt, im schwäbischen gehört es namentlich dem norden an, s. Fischer a. a. o.; auch ahd. ist das neutrum nördlich, das fem. südlich. schw. pl. findet sich zweimal: Fischer 3, 937 (1424); österr. weisth. 2, 251 (16. jh.). in der Schweiz begegnet der pl. güsine, s. Staub-Tobler 2, 478. bedeutung und gebrauch.
1) güsse bezeichnet das ergieszen, die überschwemmung, schon seit ältester zeit belegt, s. die ahd. belege oben, seit jeher der vorherrschende gebrauch, vgl. die belege bei Staub-Tobler 2, 478; Fischer schwäb. 3, 937; Jelinek mhd. wb. 337: inti nidarsteic regan inti quamun gusu (venerunt flumina) Tatian 43, 1; 2; der abganch ist, das die gusse

[Bd. 9, Sp. 1199]


wol das dritail paws verderbet hat daz noch nieman pawen mach fontes rer. Austr. (1310) 36, 155 Zahn; biz du ûf gesihst, sô hat daz güsse daz hûs undergraben Berth. v. Regensburg 1, 45 Pf.; wan swer ein hûs ûf eine bœse gruntvesten bûwet, daz nimt schiere ein ende, ob ez ein groz wint bestêt oder ein regen, ein güsse 1, 44;

daz geschach von der gusse
diu kom mit solhen fluzzen
daz diu wazzer sich enkuzzen
und daz darüber nieman mohte
Ottokar österr. reimchron. 9071;

ey wie sälig er da was,
der vor der gusse genasz!
Heinrich v. Neustadt Apollonius 9158;

wann der Neker usget oder gussen hat (1424) Fischer schwäb. 3, 937; item desselben sumers was gar grosser schaur, das erschlg das trait gar vast und warff heusser und städel darnider und ward grosz guisz, das sy den leuten an hew, an fter grosz schaden tet und dörfer hinfürt (1447) städtechron. 4, 114; besonders häufig in chronikalischen berichten als grosz güsz, vgl. städtechron. 1, 75; 349; 2, 352; 3, 287; 15, 149 u. ö.; auch was das gusz oder wasser (alluvio in latein) deinem acker zugeit, ist dein clagantwurt (1497) 62b;

nun war das geschrey im dorffe sein,
die güss im winter hett voran
der Ysser-brucken schaden than
Hans Sachs 17, 285 lit. ver.;

item, auch sol niemant kain holz slahen vor den güetern, da die guss mocht angeen und das gross wasser österr. weisth. 5, 525 (16. jh.); es solt auch kainer den grossen gatter aufthon, dieweil die gisz get, es ist verboten bei funf pfund perner österr. weisth. 2, 251 (16. jh.); so wirdt jn die güse der grossen wassern nit berüren Zürcher bibel (1531) 2, 13, ps. 32 (diluvio aquarum multarum, Luther: grosse wasserflut); ... der mülibach so erschreckenlich grosz ward, dasz man nacht lüt uf die blaiche schikt, die linwat ufzeheben, damit si vor der güszi errett wurde J. v. Watt 2, 177 G.; darnach im somer ward der Rin so grosz, dasz er zu Straszburg an der stainstrasz ainen hochen turn underfrasz und umstiesz und allenthalb vil schadens tet mit güsinen 2, 288; da lieff der flusz Tanarus ausz und thet der statt grosze hilff, da warde jn profandt und hilff in der gusz auff dem flusz Tanaro und Pado von den eydtgenossen und bundsverwandten zgeschickt ... nach der verlauffenen gusz brachen die unsern bey nacht ... in die statt Seb. Franck chron. Germ. (1538) 164a; auch die güsz allenthalb vil dörffer hinrisz ebda 56;

bach, brunn und flusz, ja grosze gusz
der armen wein wirdt machen
für gott dem herrn, das die feynd wern
desselben gar nicht lachen
Forster frische teutsche liedlein 177 ndr.;

... das dy wasser mechtig in augusto grosz, auch im september grosz gusz het. es luff seer ausz, thet grossen schaden städtechron. 15, 154 (um 1547); der Neckher vil prucken, schewren und heuser weggefürt Joh. Herolt chronika 149 Kolb; doch das si die jung prt wider in das wasser, darausz sie durch die güsz getragen seind, werfen bair. landtsordnung (1553) 152a (gegen das auswerfen von gruben, in denen nach der überschwemmung fische zurückbleiben); wie die Cimbri aus ursach der güsse des meeres verlassen haben die lander, in welchen der Rein in das meer auszgeet Lacius khunigreich Hungern (1556) b 6b;

das erdterich vor jaren alt,
war gantz allda, hett keinen spalt,
hernacher es die wasserflüsz
zertheylten, und die grosse güsz
Spreng Äneis (1610) 53a;

in den beiden letzten fällen von der meeresüberschwemmung. von der flusz Enypei wegen, der alle gelegenheit herumb mit seim gusz unwegsam gemacht hette L. Tatius in Fronsperger kriegsbuch 3 (1573) 247a;

weil noch das bächl seicht her rindt,
da solt man wern und retten,
wen kombt ein güsz, so reist es geschwindt
das landt ein und die gstätten
Theob. Höck schönes blumenfeld 82 ndr.;

[Bd. 9, Sp. 1200]


darüber sich am 18. juny ein grosse mechtige gusse an dem wasser, die Liser genannt, erhoben H. Megiser annales Carinthiae (1612) 1479; item fürbau und verwörung der gewässer und gissen österr. weisth. 5, 480 (17. jh.); item wenn ain güsz der wäszer ist, was dann die Mhuer von schufen, flesden, holz alt oder neu bringet österr. weisth. 6, 326 (17. jh.); die weil sich auch oft begibt, dasz die steurer und schärler mit den leeren schiffen am entgegenfahren durch güszl oder wasserpläen ... verhindert werden (1616) Lori bair. bergrecht 501b; das ist die gross güsi g'sîn van deren d'historenen erzellen tuend Staub-Tobler 2, 477; vereinzelt von der sündflut als der gröszten, bekanntesten überschwemmung:

dô wert diu güss und der regen,
unz in got sant sînen segen,
vierzic tag und vierzic naht
Jansen Enikel weltchron. 2583;

dâ (auf den baum) hêt diu güss ûf getragen,
daz mac ich wol für wâr sagen,
ein âs, des was der rab frô 2637;

ûz der archen wîlent liez
einen raben her Noê, den er hiez
den gevangen bringen liebe mêre,
ob daz güse verflozzen wêre
Hugo v. Trimberg renner 2518;

auch von der künstlich herbeigeführten überschwemmung:

... die tam, die da sint geslagen
für daz wazzer datz Valbach,
bî der naht er dise ûf brach
unde macht ein gusse grôz,
wand daz wazzer mit kreften flôz,
da des kunics her lac
Ottokar österr. reimchron. 11308;

schweres hochwasser heiszt wuetgüss: item, wenn ain wuetgüss oder ain gros wasser auskümbt ... so hat kain vischer recht das guet aufzuvahen österr. weisth. (1450) 7, 926; vgl.guetgüss ebda 7, 785; 7, 787. eine überschwemmung durch vereisung eisgüss: item in wuetgüssen, in eisgüssen und in grossen sturmwinten sol man nicht mer geben an das lant wen den dritten phenning österr. weisth. (1450) 7, 928; in der bedeutung 'überschwemmung' auf tränen übertragen:

sîn kumber leider was ze grôz,
ein güsse im von den ougen vlôz
Wolfram v. Eschenbach Parzival 93, 6;

daz gap zahers gusse
ir friunde ougen unde herzen
Ottokar österr. reimchron. 9951;

von hier aus bei den dichtern des 14./15. jhs. in umschreibenden (blümelnden) gen. auf alle arten von concreten und abstracten subst. bezogen:

überhebet mich verderbnusse
in diser urliuges gusse
Ottokar österr. reimchron. 35341;

ze kêren in den val
der verdampnusse
und der helle gusse 52138;

wirf in mit zornes güsze
in die uzzern vinsternisse
Heinr. v. Neustadt gottes zukunft 7250;

lieht ane vinsternisse,
freude ane truren gusse,
friede, sicherheit ist da gantz 7765 var.;

das rein formale prinzip solcher bildungen kennzeichnet folgende steigerung:

er wære âne widerstrît
von kummers übergusse
verdorben in der vancnusse
Ottokar österr. reimchron. 39708.


2) güsse meint die wogen, grosze wassermassen in starker bewegung:

daz sich von dem wâcgedrenge
diu güsse begunde werren,
blôdern unde kerren
als ein windesprût ûf dem mere weinschwelg 139 Schröder;

hat bein und arme ragen
als in diu güsse dar habe getragen
Konrad v. Haslau jüngling 560;

vgl.: (im sattel sitzen) als ob in dar die güsz hab gefürt Schmeller 1, 951 (aus cgm. 379); wann da zu ihrem tode

[Bd. 9, Sp. 1201]


die guise von grosse der wind al so hoch wurden und der steurnagel des schiffs verloren was ... und das schiff ward von uibrigen guisen gar zerprochen dialogi Gregorii (1476) 89; darumb aber, dasz der geist des lebens inmitten des menschen ligt, so ertrinckt er, gleich wie ein mann, den das gusz ubereylet und nit ab stadt fliehen kan Paracelsus opera (1616) 1, 516 Huser.
3) regengusz; güsse platzregen Fischer schwäb. 3, 938; jedoch: gišše sprühregen Tschinkel Gottschee 310:

güsse schadet dem brunnen
Spervogel minnes. frühl. 30, 34;

ich hab eins regens und nicht einer güsz begehrt, sie ist von einem engel zu einem groszen teufel worden Bebel facetiae (1589) 58b; wie ein gemacher regen mit kleinen tropffen die erde viel besser und fruchtbarer besprenget, als wann eine gähe güsse oder wolckenbruch herabfället Hohberg georg. cur. 1 (1682) 52b;

gleich wann in einer güsz unt wann die wolcken regnen
zwen wasserlauf in grund einander sich begegnen
Hohberg habsb. Ottobert (1664) N 5b;

het mir z freuden auszgesät,
ein ander hat mirs abgemät,
das macht das wetter unstät,
ein kleiner wind der mirs hin wät;
do kam ein groszes güsse
und fürt mir alles dahin,
schafft dasz ich so traurig bin
L. Uhland hoch- u. niederd. volkslieder 128;

in umschreibendem genitiv:

grôzer sorgen gusse
ir herze begôz
Ottokar österr. reimchron. 6594.


4) flieszendes wasser, flusz, bach, sturzbach; gusse torrens voc. teutonicus (1482) Diefenbach gloss. 589b:

mînes sinnes kraft vert oben hin
als über ein güse ein dürrez ris
Hugo v. Trimberg renner 13948;

die zeher gelîchent sich der güsse diu vaste ze tal loufet und die steine mit ir füert deutsche pred. d. 13. u. 14. jhs. 16 Leyser; das schöne frische wasser, bronnen und weyerwerck auff Melantz, und der klein gussen under dem gschloss Tratzberg Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 418; ist für thunlich angesehen worden, die roboten in disem markt Sillian in drei thail abzutheilen, darunter die giss, worunter das cruzifix stehet, und das pächl bei der Scharlingerschen wirtstafern, die abtheilungsmarch sein sollen österr. weisth. 5, 580 (17. jh.); über die güsz Cedron, id est ein wasser, das het etwen wasser und etwen nit, und darumb hiesz es ain güsz Schmeller 1, 951; sie stosseten das kind in eine güsse oder ausfluss des Jnns bei Schöpf tirol. id. 225 (beleg v. 1738); güsi brausender wasserstrom Staub-Tobler 2, 477. bildlich:

man sach die güsse (blutströme) enouwe gân
sam von regen tuot ein bach Dietrichs flucht 9278;

vnnd von der güsz alles wollustes werdenn sy getrenckt (nach psalm 35, 9 torrente voluptatis tuae) Kaisersberg granatapfel g 7d.
5) compositionsbildungen: güszbett gemauerte stelle, über die sich das wasser des angeschwollenen teiches ergieszt: ist überkomen mit ... (den) steinmetzen des güszbetts halb am see zu Liebenzelle, als das yetzt schadhaftig ist herfunden worden, dasselb widerumb zu bessern (1485) Mone anzeiger 6, 253; gemauertes bett für ausgetretene wasser, für das wasser des mühlbaches: mer soll der stadt paumeister machen lassen und in wesen halten das güspett, das do ist unterhalb des wers zwischen dem newen fleischhaus und der müll, die im wasser steet doselbst, also wenn güsz sein und das wasser uberfelt, das es dann nit als sere spüll, als es sust thet Tucher baumeisterbuch 201 lit. ver., vgl. 167; 180; 217 u. s. w.; die suw füret in zuo ainem güssbett, durch das das waszer uff die mulin louffet Steinhöwel Äsop 216 lit. ver.;

und führt den wolff nahent darbey
zum wasser, das auff ein güspet,
auff ein mül schnell zulaufen thet
H. Sachs 17, 461 lit. ver.;

[Bd. 9, Sp. 1202]


allg. haushalt.-lex. (1749) 1, 1640;
 
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-feier das stilliegen der schifleute wegen güssen Lori bair. bergrecht (1764) 641b (glossar): vergleich des churbaierischen salzfertigers und der schiffleute wegen der güszfeier (1685) ebda 516;
 
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-feyrgeld: nachdeme gedacht churbaierischer salzfertiger und gegenschreiber mit denen samentlichen schifleuten zu Lauffen wegen 45 fl. 45 kr. güszfeyrgelds und anders halber einen rechtstritt angefangen (1685) Lori bair. bergrecht 516a;
 
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-fischlein von fischen, die das güsse herbeigeführt hat Fischer schwäb. 3, 938;
 
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-geld: güszgeld wartgeld, so den schifleuten wegen den güszfeyren bezahlt wird Lori 641b (glossar): und wann unterwegen ohne ihr schuld ein schif zerbrochen wurde, solle dasselb auf des fertigers kosten gemacht und alsdann durch sie gegen bezahlung des hernach benannten güszgelts herein gebracht werden (1581) ebda 323; wenn das beschicht, als dann zahlt ihnen der salzfertiger das güszgeld nach gelegenheit des orts, da sie die güsz angetroffen (1616) 501b;
 
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-holz durch wasser herbeigeschlepptes holz: in allen bantaidingen soll man guete ordnungen machen wegen des güssholz, damit dasselbe keiner einfüre österr. weisth. 6, 213;

 

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