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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
guldener bis guldenschreiber (Bd. 9, Sp. 1066 bis 1068)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) guldener, m., auch guldiner, güldener, gildener u. ä.; zu gulden, m., wie schillinger (s. d.), örterer (s. u.), kreuzerer (s. z. b. Joh. Chr. Hirsch münzarchiv [1756] 1, 401; 8, 495) zu schilling, ort, kreuzer. offizielle, durch die reichsmünzordnungen von 1524 und 1551 eingeführte bezeichnung für die neue silbermünze vom werte eines goldgulden; oft reichsguldener, daneben vereinzelt, s. Hirsch a. a. o. 1, 423 z. j. 1560, goldguldiner genannt: zum ersten das stuck oder pfenning, deren einer einen reinischen gulden thut, und acht auff ein marck geen, funfzehen lot feines silbers halten ..., sollich stucke durch das reich güldener genannt werden sollen. ... mit der gutten silbrin müntz, als ... guldenern, halb guldener, örtterer und zehener (1524) Hirsch a. a. o. 1, 241 bezw. 243; zum ersten, ain stuck das ain goldtgulden oder zwen und sibenzig kreutzer gelten, ... soll durch das reich ain guldiner genannt werden (1551) ebda 345. die reichsmünzordnung von 1559 (in einzelnen ländern schon 1535 vorweggenommen, s. den münzvertrag Hirsch 1, 269) ordnete guldener vom werte eines rechnungsguldens an: zum ersten ein stuckh das 1 reichsguldens oder 60 kreuzer gelten, ... soll durch das reich ein reichs gildener genendt werden ebda 384, auch 401. die bezeichnung wie die münze nicht sehr häufig: nimb zu einer prob, wanns thaler sein, 9 schweren rein bley, und zu den neuwen güldnern 8 schweren Ercker mineral. ertzt (1580) 25b; man werde die reichsguldiner schwerlich umb 16 bazen zu Ulm annemmen (1595) bei Fischer schwäb. 5, 254; ebda weitere belege, auch 3, 910. für die späteren silbergulden, s. DWB gulden 3, noch bis ins 19. jh. verwendet, z. b. Apinus glossar. novum (1728) 260; Hirsch a. a. o. 8, 522; Weilmeyr 1, 277; im steir. zu gulinger entstellt Unger-Khull 314a.
 
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guldenfusz, m., eigentlich der münzfusz des gulden. seit dem 18. jh. spricht man von einem 18, 20, 24 oder 24 guldenfusz, womit die ausprägung einer kölnischen mark silbers zu 18, 20 etc. guldenstücken, bezw. gulden kleingeld, angegeben ist (vgl. v. Schrötter wb. d. münzkde 418): (der vf.) rühmt den schweren conventionsfusz, d. i. den 20 guldenfusz allg. dtsche bibl., anhang 1 (1771) 318; die einführung des 24 guldenfuszes (wird für Hessen befürwortet,) doch so: dasz sowohl der 20 als 24 fusz beybehalten wird; ersterer zum behuf ... derjenigen grenzgegenden, wo der 20 guldenfusz eingeführt ist, letzterer aber zum gebrauch des inneren verkehrs und der übrigen reichsländer, die den 24 guldenfusz haben ebda, anh. zu bd. 25-36, 2207; die prägung (des herzogt. Nassau) beschränkte sich ... auf zwanziger oder eindrittelguldenstücke des 20 guldenfuszes K. Braun bilder 32 (1876) 152; er begann ... eine zeitschrift ... unter dem namen: 'der süsze breite gänsefusz' (wird im vierundzwanzigguldenfusz bezahlt) Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 478; durch die annahme des zollpfundes als münzgewicht (1857) wurde aus dem ... 24 guldenfusze ein 52 guldenfusz hdwb. d. staatswissensch.2 (1898 ff.) 5, 899.
 
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guldengroschen, m., ein groschen, d. i. eine silberne dickmünze, im werte eines goldguldens, zuerst 1484 in Tirol ausgeprägt, dann vorzugsweise in Sachsen (vgl. v. Schrötter wb. d. münzkde 558a): und gilt der silberin guldengroschen eyner, auf 21 zinszgroschen geschlagen, 23 und 24 groschen pfenning Agricola sprichw. (1534) x 5b; zum sibenden ... gantz guldengroschen (zu prägen), der 8 groschen auf (Nürnberger) mark geen (1536) Joh. Chr. Hirsch teutsch. reichs münzarchiv (1756) 1, 275; das der güldengroschen ... uber 25 groschen nicht

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soll ... eingenommen werden (1542) sächs. münzordn. ebda 306, auch 312; in bestegen (eine erdschicht) findet man offt weisz silber, so klein als wer es von einem güldengroschen abgefeilet Mathesius Sarepta (1571) 28a; das einer dem andern ein güldengroschen leihet ders. Syrach (1586) 2, 22b; im laufe des 16. jh. durch die bezeichnung thaler (s. d.) verdrängt, vgl. DWB thaler oder güldine groschen (1549) Hirsch a. a. o. 1, 316, auch 323: erstlich soll unser muntzmaister schlagen und muntzen 1 guldengroschen, welche man auch daller nenet (1573) zschr. f. gesch. d. Oberrheins 6, 303; f. g. (d. i. florenus grossus) (bedeutet) guldengroschen, die man taaler namset Seb. Helber teutsch. syllabierbüchl. (1593) 49; im bergbau länger im gebrauch: dannen her die bergleut noch einen thaler lieber mit dem alten nahmen einen güldengroschen nennen P. Albinus meiszn. bergchronica (1590) 31; es gebühret sich ..., von erlangten silbern ... ein güldengroschen ... uff ieden kux auszutheilen A. v. Schönberg ausführl. berginformation (1693) 1, 7; güldengroschen ... bey den sächsischen bergleuten ... ein speziesthaler zu 32 gr. Jacobsson techn. wb. (1781) 2, 172a. in süddeutschen münzurkunden nach 1559 häufiger mit guldener (s. d.) für den ausgemünzten rechnungsgulden synonym gebraucht, z. b. (1571) Hirsch a. a. o. 2, 89 (vgl. v. Schrötter a. a. o. 247a), oder contaminiert, ebenso mit reichsguldener oder reichsgulden; dabei wird guldener z. t. als adjectiv angesehen, s. DWB golden, adj.: 43 werckh (prägungslieferungen) reichsguldener groschen (1562) Hirsch a. a. o. 2, 5; zwey werck reichs guldene groschen ... 48 werck reichs fl. groschen (1563) ebda 7; 58 werck guldener groschen (1567) ebda 31; so auch schon einmal (1529) bei Schmid schwäb. (1831) 244; vgl. DWB groschen II 1. im 18. jh. in Mittel- und Norddeutschland wiederum für den ausgemünzten rechnungsgulden, s. DWB gulden 3, belegt, z. b. güldengroschen, ist auch so viel als ein 16 groschenstück oder 60 kreutzer Frisch d.-lat. (1741) 1, 382b; ebenso Weilmeyr 1, 283; beide unterscheiden davon einen alten guldengroschen oder zwanzigbätzner. vgl. noch: der erste nürnbergische güldengroschen oder sechziger von 1559 allg. dtsche bibliothek (1765 ff.) 4, 2, 125; guldengroschen 'eine holländische silbermünze' Jacobsson techn. wb. (1793) 5, 760b; 'ein conventionsgulden' ebda 6, 681a. s. auch guldentaler.
 
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guldenkabinett, n., als büchertitel nach dem muster von thaler- und groschenkabinett (s. d.) gebildet: vollständiges guldencabinet von A. Chr. Weise (1780).
 
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guldenkraut, güldenkraut, nur als bicompositum: tausendguldenkraut, n., das rosablühende, als besonders heilkräftig geltende centaurium, gr. κενταύριον. die mlat. nebenform centaurea ergab in etymologisch falscher, willkürlicher übersetzung hundertgulden, volkstümlich stets zu tausendgulden gesteigert (vgl. Hegi flora v. Mitteleur. 5, 3, 1969): dusentgüldinkrut ... in latinischer zungen centaurea, von den Tütschen dusentgüldin. billicher hiesz es hundert güldin, wann centum heisset hundert und aureum golt ... des kruts geschlecht zwei sint grosz und klein H. Braunschweig kunst zu distilieren (1500) 38a; hunderguldin oder fieberkraut Pinicianus promptuar. (1516) a 6b; im 15. und 16. jh. vorwiegend noch uncomponiert: dusentguldin (md. 15. jh.) bei Diefenbach gloss. 112b; tausentguldin (15. jh.) ebda; ebenso Trochus voc. rer. prompt. (1517) k 6b; tusentgulden vocabularius theut. (1515) l 2b Hüpfuff; centauria sive centaurium ... tausendgulde Frisius dict. (1556) 209a; so auch häufiger bei Bock kreuterbuch (1539) u. Tabernämontanus s. u. deutlich als fem. gebraucht und antiker überlieferung folgend die pflanze als kleines centaurium einer andern als groszes (vgl. H. Braunschweig a. a. o.; Nemnich lex. d. naturgesch. 1, 936; 2, 35) gegenüberstellend: (wir kommen) zur kleynen dausentgulden Bock kräuterb. (1539) 1, 35, ebenso 1, 153; (Aetius schreibt) dasz die klein tausendtgülden ein krafft ... habe, ... schleim ausz dem leib zu führen Tabernämontanus (1588) 2, 456b; grosz tausendtgülden heist lateinisch centaurium maius ebda 2, 455a. das jetzt allein übliche compositum tausendguldenkraut

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schon seit dem anfang des 16. jh.: 1500 bei H. Braunschweig, s. o.; eyn handtvol dausentguldenkraut Bock kreuterbuch (1539) 1, 35; das bitter dausentguldenkräutlin ebda; Tabernämontanus (1588) 2, 456a; Calepinus dict. IX ling. (1598) 220b; Dentzler (1716) 2, 284;

ich bin kein arzet nicht, doch sag ich überlaut,
das beste mittel hier sei tausendguldenkraut
Joh. Grob dichter. versuchgabe (1678) 27.

in der Schweiz erscheint der name übertragen auf die gleichfalls heilkräftigen pflanzen potentilla, hypericum perforatum, epilobium angustifolium, s. Staub-Tobler 3, 892 f. ein anderes gülden-, guldenkraut als zss. mit dem adject. gülden s. oben sp. 1064.
 
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guldenland, n.: selbst unsre fürsten geben etwas dazu, einen gulden oder einen thaler, je nachdem sie über gulden- oder thalerland herrschen Immermann 1, 29 Boxb.; der Westerwälder des südabhanges wohnt noch im guldenlande, er rechnet aber trotzdem nach thalern W. H. Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 1, 194. —
 
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guldenmesse, f., eigentlich 'goldene messe', von Luther 1, 424 W. in satirischer absicht als guldeneinbringende interpretiert (aureae missae ... ab aureo nummo sic dictae); so auch Eb. v. Günzburg: die prediger münch erdencken siben guldin mäsz, die darumb guldin haissen, dann man musz in ein guldin ... geben 1, 160 ndr., s. DWB golden. —
 
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guldenmünze, f., münze vom typus des gulden: unser mitscheffe und radgeselle hat uwerer keyserlichen gnaden begere und meynunge der guldenmoncz halber uns anbracht (1475) bei P. Joseph goldmünzen 205; zum 12. soll die guldenmünz bei 19 graden bleiben Knebel chron. v. Kaisheim 289 lit. ver. in weiterem sinne, münze 7, teil 6, 2706, entsprechend, das recht, guldenmünzen zu prägen: (der bischof zu Bamberg) mag ein guldein müncz haben und daselbst haizzen slahen (1354) zschr. f. numism. 28, 324; auch als prägestätte der guldenmünzen: Peder Donne, der goltsmydt und isengreber (münzstempelschneider) der guldenmoncze by uns (1427) K. Bücher Frankf. berufswb. 63b, vgl. DWB münze 6. —
 
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guldenpfennig, m., goldmünze: einen vreimden guldenpenning ..., de wale 5 mark wert was (1396) Köln. zunfturk. 2, 552 Lösch; (könig Karl sprach:) kauft mir für meine guldenpfennige, was ich bedarf W. Grimm d. sagen (1891) 2, 64; so viel wie guldengroschen (s. d.): Binder-Ebner württembergische münzkunde 40; vgl. auch den familiennamen Güldenpfennig. —
 
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guldenschein, m., auf gulden lautende banknote: (die mutter) steckte ein schmales häufchen guldenscheine, wohl ihren ganzen nothpfennig, sorgsam in ein papier P. Heyse novellen 10. samml. (1875) 31; mit zahlwort als bicompositum: einen zehnguldenschein in kreuzer (umwechseln) Mommsen red. u. aufsätze (1905) 245.
 
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guldenschreiber, m., vom 15. bis 17. jh. häufig als titel für schreiber, schreib- und rechenlehrer; ursprünglich illuminist, s. Nyström schultermin. 141; vgl. aurigraphus guldenschriber neben goltschriber (s. d.) Diefenbach gloss. 62b; guldenschryber aurigraphus est, qui scribit cum auro vocab. (1515 Hüpfuff) k 5b: Johannes Konig, guldenschriber, 11 sch., 6 hl. pagavit Frankfurter urkde von 1463 bei Lexer 1, 1115; des guldenschribers sun (15. jh.) chron. d. d. städte 10, 306 u. ö.; vier künstliche alphabet oder ABC, allen canzeleien und guldenschreibern nützlich und lustig zuo gebrauchen buchtitel (16. jh.) bei Staub-Tobler 9, 1539; er kondt die gelegte, die gebrochene, die currentschrifft ... wie ein dintenklitteriger guldenschreiber und schlangenzgmaler Fischart Garg. 277 ndr.; rechenmeister und guldinschreiber (1521) Fischer schwäb. 6, 2079; in pädag. lit. fälschlich auf einen gulden lohn gedeutet, vgl. S. Nyström schultermin. 142. hierzu

 

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