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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grieszsuppe bis griffbequem (Bd. 9, Sp. 285 bis 303)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grieszsuppe, f.: nachher thun wir uns über die griessuppen her Rosegger II 3, 117. —
 
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griesztrank, m., la crème de gruau Schwan nouv. dict. 1, 789b.
 
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grieszwart, -wärter, -wärtel, m. , agonotheta, sequester.

[Bd. 9, Sp. 286]



1) form.
a) 2. bestandtheil: ursprünglich swm. griozwarto Graff 4, 346; grieszwarto Diefenbach nov. gloss. 336a sequester; plur. grizuuarton Schmeller 1, 1012; diese schw. form auch im mhd. durchaus herrschend, nur vereinzelt stark; auch in den mhd. und frühnhd. glossaren hält sich die form als grieswarte, grisbart Diefenbach 19a agonitheta, griszwart 529a sequester, grieszwart 313a iustitiarius. ebenso im älteren nd.: grieduuard sequester Gallée vorstud. zu e. altnd. wb. 120, greswort Diefenbach 19a agonitheta; acc. synen greyswarden Karlmein. 526, 62; auch im jüngeren fries. gredwerd Outzen 104. nhd. nur noch in älterer sprache: mit den griesswarten Seb. Münster cosmogr. 697; die grieszwarten Albr. v. Eyb Wilw. v. Schaumburg 157; vereinzelt mit unechtem umlaut (nach -werter, -wertel): grieszwert Diefenbach 19a agonitheta; die grieszwerten Wilw. v. Schaumburg 124. die form auf -er erscheint erst im späteren mhd.: grieszwarter (: marter) Regenbogen bei v. d. Hagen minnes. 3, 351b; griswarter Schmeller 1, 1012; griesswerter mehrfach in der Nürnberger zweikampfordn. bei Haltaus 754. 55; grieswärter Schottel 1234; kreiswärter (als nebenform) Adelung, Heinsius, Campe. auch nd.: kreitwârder Reinke de vos 6264. 6590 Schröder; afries. gretwerdere Richthofen 784; mnl. grietwaerdere Verwijs-Verdam 2, 2136. mit dem 15. jh. gewinnt die form auf -el das übergewicht: griezwartel schon im Rolandsl. s. u. 2 a; grieswartel, -wertel Diefenbach 19a agonitheta; gryeswartel ml. hd. böhm. wb. 17; griswertel städtechron. 2, 21, 11; vgl. die quellen bei Haltaus 753. 54. die lexicographen bevorzugen sie: grieszwärtel interventor Frischlin nomencl. (1586) 281b; grieswartel Schottel 328; grieswartel, -wärtel Stieler 2439; grieszwärtel Apinus gloss. nov. (1728) 255; sie herrscht bis zu den erzählenden autoren des 19. jh., und zwar ausschlieszlich in der umgelauteten gestalt; nur die angeführten lexica conservieren die form -wartel.
b) 1. bestandtheil: seit dem späteren mhd. nicht selten greis-: greysswertel neben grysswertell in einer quelle des 15. jh. bei Haltaus 753; greisswerter, -wertl mehrfach in der Nürnb. zweikampfordn. Haltaus 754 f.; greiszwertel Glaser chron. henneberg. (1755) 166; s. o. a; vgl. auch groiswerter Diefenbach 529a sequester; offenbar vermengung mit kreis (als 'kampfkreis' synonym mit griesz), wie denn das wort hie und da in die form kreiswärtel übergeht, s. th. 5, 2163; eine andere volksetymologische umbildung kriegswart s. th. 5, 2300; eigen grieselwarte Haltaus 755 aus Twingers vocab.
2) bedeutung.
a) stehende figur im personal der turniere und gerichtlichen zweikämpfe; stellung und function wechselnd: 'grieswärtel, derjenige aufseher bei den ehemaligen tournieren, welcher die griesstange führte, und diese zwischen die kämpfenden warf, wenn sie zu hitzig wurden, oder wenn einer der kämpfenden friede begehrte' Hübner zeitungslex. 2, 87a; vgl. grieszstange und stange 2 b, th. 10, 2, 802;

thô wîste man sie zesamene.
thie grieszwartel sie maneten:
ein ander sie ane ranten Rol. 8913 Bartsch;

ich hazze iuch juden sunder mâze,
umb den gelouben swert der kristen trag ich bar
in herz, in hant, die wîl ich lebe,
vrid ûz gegen in! ziuh ûz den boum, griezwarter!
den kampf ich nieman scheiden lâze
Regenbogen bei
v. d. Hagen minnes. 3, 351b;

in (den beiden kämpfern) was alsô gerûmet
daz si dehein griezwarte schiet
Stricker Karl 10153;

als balt brach der von Anhalt den stab in seinen henden habende, gab damit zaichen, dasz die grieszwarten damit schaiden solten Wilw. v. Schaumburg 157; die grieszwerten bedeckten den Schweizer mit einem mantel, trugen in in die schleus 124;

darzu ordneten sie alsander
griswertel und dergleich ein thail,
welche hielten zwischen dem sail
H. Sachs 2, 346, 4 Keller;

[Bd. 9, Sp. 287]


aber so man zum thurnier bereit ist, sollen vier darzu als grieszwerttel und vier zwisehen die seyle verordnet werden Moscherosch gesichte (1650) 2, 376; jede partei hat ihre grieszwärtel, die, statt untergeordneter functionen, auch stellung und aufgabe von secundanten haben können: soll der kempfer durch seinen fursprechen ferner fragen, ob er durch recht und nach ordnung des gerichts icht billich haben solt sein warner, lusner, griesswerter Haltaus 754; es was des Hugo griswertel der herr von Pern und des Petrus griswertel was her Peter vom Roslein städtechron. 2, 21, 11; nach dem die griszwärtel die wehre beyderseits besichtiget Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; bildlich: und einer so ungöttlichen sach machen wir Christum nit allein ein grieszwarter, sonder ein hauptmann Varnbüler dulce bellum (1519) C 3b (et spectatorem et autorem); kampfrichter: grisswärtel sind judicirherren, zu welchen ämptern die vornembste, berühmteste, erfahrnste und ansehnlichste under der ritterschaft erwöhlet werden Moscherosch gesichte (1650) 417; befehlshaber und griesswaertel ... die dann allerding, wie sich ein jeder rott in solchen ritterschimpf und feldscharmützel gebrauch halten, darob seyn und fürsehung thun solten Haltaus 754; in den alten glossaren vielfach mit agonitheta gegeben Diefenbach 19a; vgl. noch bei Stieler: diribitor, distributor et judex armorum 2439; so schon mhd.:

die wîle der man im kampfe stât
und im sîn kampfgenôz niht hât
des wâren sigis aldâ veriehin
und diu vergiht niht ist geschehin
von dem rehten griezwart,
der da ubir ist geschart
daz er die wârheit kiese,
wer dâ mit reht verliese
alder dâ gewinne
H. v. Langenstein Martina 23, 67;

sie (die kinder) wâren eteswenne
mit strîte gemellich,
alsô daz si dô teilten sich
und machten krieges parte:
jô was er ein griezwarte
und ein guot rihter under in
Konr. v. Würzburg troj. 622;

es scheint, als wenn diese bedeutung die älteste ist.
b) aus der technisch begrenzten bedeutung flieszt, nicht scharf zu sondern, eine allgemeinere; statt kampfrichter 'schiedsrichter': grieswärtlin nennt Osw. v. Wolkenstein die schiedsrichterin zwischen 2 streitenden bewerbern, ged. 112, 58 Schatz; vielfach mit sequester übersetzt s. o. 1 a; groiswerter vel richter Diefenbach 529a; richter, grieszwart iustitiarius 313a; nov. gloss. 224b; iusticionarius, iusticiarius Haltaus 755 aus Twingers vocab.; z disem meinem schlrecht hab ich euch für mein aufheben zum richter und grieszwertel erwelt Seb. Franck sprichw. vorr.; da musten die vier obbenannten vertragsfürsten abermalen ihre räthe zu greiszwerteln zwischen den parteien ordnen und niedersetzen, welche über den jüngsten vertrag noch einen beivertrag aufrichteten Glaser chron. henneberg. (1755) 166; statt secundant 'anwalt, sachwalter': der ist seiner sel ein ungetreuer griswarter Schmeller 1, 1012; maister Husse vorprant wart, und dorzu wart gegeben herzog Ludwig von Heidelberg von dem consilium und dem romischen konig also ein grisswerter des gotlichen rechten Haltaus 755; diese bedeutung ist alt, denn schon ahd. grizuuarton caduceatores, legati pacis Schmeller 1, 1012; fraglich, ob hierher: wir haben unsern ... lieben getrewen Adam von Berstheim den ladehof bey Hagenau gelegen mit dem gericht das von alters her darinn gehalten ist, und das grieszwartambt zu Ebenheim ... zu lehen gnediglich geraicht und verlihen Alsatia diplom. 2, 411 Schöpflin (a. 1479).
c) im gedächtnisz der neueren zeit ist nur die bedeutung des untergeordneten turnierdieners geblieben, vgl. Adelung, Campe, Heinsius; die grieswärtel waren zur erhaltung der ordnung bestimmt Vieth encyl. d. leibesüb. 1, 245; die grieswärtel machten ihm in dem gedränge platz Arnim 3, 211 Grimm; die grieswärtel sprangen bereits herbei, die. .. unbehilflichen kämpfer

[Bd. 9, Sp. 288]


auf die mächtigen turniergäule zu heben H. v. Schmid 22, 111. —
 
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grieszwasser, n., medicin gegen den harngriesz: ain griesswasser, wie es herzog Ulrichs von Mechelburg ... wittib selbst brennet zs. d. hist. ver. f. Schwaben 8, 136 (bair. quelle von 1611); recept bei Campe.
 
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grieszweise, adv., durch sandanspülung, in älterer rechtssprache: und wurd mit recht auz bracht, daz der Lech ie dem man, alz daz ruder gat, geben und nemen mag gantzer wasen weis oder griesz weiz mon. boica 22, 349 (quelle v. 1367); vgl. DWB aber was das wasser iemand in grieszweisz gibt und anschütt, das soll dem bleiben und zuesteen, dem es angeschütt und gegeben ist österr. weisth. 1, 158, 8. —
 
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grieszwerk, n.: 'gr., grundwerk alles dasjenige, wodurch eine mühle geschützet, d. i. das wasser gehemmet wird' Jacobsson technol. wb. 2, 152a mit genauer erklärung; das ganze gerippe eines schützenwehres heiszt auch grieswerk, fachzeug Lueger 7, 246; vgl. grieszsäule 1. —
 
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grieszwurz, -wurzel, f., amerikanische pflanze, cissampelos pareira Schwan nouv. dictionn. 1, 789b; Nemnich 209; Oken 3, 2, 1243; zur sache besonders Dietrich 3, 114 f.; diente als heilmittel gegen steinbeschwerden.
 
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griete, f., beim schiffbau rippe zwischen den deckbalken Bobrik 319b.
 
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grietlich, -ling, s. grittlich, -ling.
 
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griff, m. , prehensio, tactus, pugillus, uncus. form.
1) griff ist verbalsubst. zu grîfan, grundbedeutung: das greifen; westgerm. als masc. *gripi-: ahd. -grif (in compositis); mnd. gripe, grepe, nd. grēp, grǟp; mnl. grepe, greep, nnl. greep; aengl. gripe, engl. gripe; nordgerm. als neutr. *gripa-: ält. dän. grib; norweg. grip; schwed. grep (anord. *grip fehlt); daneben steht ein germ. fem. *graipō, grundbedeutung anscheinend: das greifende ding: ahd. greifa bidens Graff 4, 319; mnd. nd. grēpe mistgabel; ebenso mnl. nnl. die beiden substantiva, zu denen noch ein germ. schw. masc. *gripan- kommt (aengl. gripa manipulus, pugillus; norweg. gripe greifende hand, pugillus; schwed. grepe griff, henkel), haben sich gegenseitig beeinfluszt: im nl. sind masc. und fem. infolge der formalen annäherung fast bis zur untrennbarkeit verschmolzen; im nd. scheint der unterschied grēp, m., griff, und grēpe, f., gabel, im ganzen noch intact (s. sp. 10 f. unter 2greif und unten II E 2); im hd. sind wieder vermischungen zu beobachten: es erscheint ein st. masc. greif gabel (s. sp. 10 f. 2greif); ferner griff als gabelförmiger hebel, also in der bedeutung des fem. (s. u. II E 2).
2) ob auch bei gewissen scheinbar rein dialectischen oder usuellen schwankungen in form und schreibung aufgesogene formen mit hereinspielen, sei zur erwägung gestellt; mehrfach erscheint griefe als länge: acc. ein grieffe: dieffe H. Sachs (s. u. II A 3 a); diesen griffe (: tieffe) Kehrein kath. kirchenlieder nr. 478, 38; die schreibung grieff ist häufig, namentlich im 17. jh. und besonders auf ostmd. boden; vor allem im schles., wo die form aus der ma. zu erklären ist (vgl. grieff: schlieff dormivit Logau sinnged. 100 lit. ver.); bei Opitz und Lohenstein reichlich zu belegen; noch Steinbach schreibt nur grieff wb. 1, 639; weiter des öfteren in druckwerken sächsischer herkunft: Mathesius Syrach (1586) 121a. 121b; V. Herberger (s. u. II B 1 c); Chr. Weise d. drei klügsten leute (1675) 127; Schütz hist. rer. pruss. (1592) 6, c ivb; Pape bettel u. garteteufel (1586) P 3 R. auf westd. boden fast ausschlieszlich in Frankfurter drucken (vgl. aus heutiger ma. grief Ruckert unterfr. 64); Kirchhof wendunm. (s. u. II B 4); volksb. v. dr. Faust (s. u. II B 2); Nigrinus von zäuberern (1592) 83. Corvinus fons latin. (1646) 81; sonst ganz selten: Guarinonius (s. u. II B 2); sing. auch grief Lohenstein Armin. (1689 f.) 2, 188b. 355b. 620b; Butschky Pathmos 405; höchst merkwürdig: bey den blutigen griefen Gerstenberg (s. u. II A 3 a). bedeutung.
wie in dem verbum greifen zwei verba verwandter, aber klar gesonderter bedeutung vereinigt sind, nämlich grîfan capere und greifôn palpare (vgl. sp. 14 f.),

[Bd. 9, Sp. 289]


ist auch beim substant. eine zwiefache richtung des sinnes erkennbar, wenngleich sich beim substant. noch entschiedener als beim verbum die bedeutung capere durchgesetzt hat.
I. an grîfen palpare, tasten, fühlen, sind anzuschlieszen
1) griff als gefühl, direct zur bezeichnung des 5. sinnes; bis ins 16. jh. ganz gebräuchlich:

sîn gesicht, sîn hœren und sîn mas,
sîn smak und grif kiusche was
W. v. Rheinau 38, 22 Keller;

(das bestimmen der mineralien) geschicht ... in viererley weg, als im gesicht, am griff, am geschmack und am gehörd Ryff spiegel (1544) 119b; die instrument der empfindtligkeit verletzen, als das aug von hällem glantz, ... den griff wenn etwas zu kalt oder zu warm ist Frisius dict. (1556) 274b; es ist finster und must schier nach dem griff schreiben Luther 23, 471 Weim.; (er) schosz im ritt, im tritt, im lauff, im sincken, nach dem augenmasz, im griff, nach des daumens absehen Fischart geschichtklitt. 284 neudr.; hier ist offenbar die im älteren nhd. nicht seltene bedeutung 'berührung' anzuschlieszen: tactus Diefenbach nov. gloss. 357b; und so man daruff greift, das das pferd den griff nit empfindet Mynsinger v. d. falken 76 lit. verein; lindharte marmolbrüstlein ... auf die prob der spanischen filtz, die nach palmenart vom griff nicht weichen Fischart geschichtklitt. 113 neudr.; die unholden lämend etwan lüt und vych, wenn sy dieselben nun anrüerend, streichlend oder inen griff gebend Staub-Tobler 2, 710 (quelle von 1569); dasz .. leuth gewest seien .. welche nur mit eim griff der schlangen stich geheilet und das gifft, so sie ein hand darauff gelegt, aus dem leibe gezoget haben Heyden Plinius (1565) 7 (serpentium ictus contactu levare solitos, hist. nat. 7, 2, 13); die brechung würdt erkant bey dem griff Braunschweig chirurgia (1539) 95a; so namentlich am griff 'beim berühren, anfühlen': aspera tactu rauch am griff Frisius dict. 1288a; die delphîn ... gespitzelt zungen haben scharpf und rauch an dem griff K. v. Megenberg buch d. natur 235, 21; der honig .. sei .. goldtgelb von farben, .. am griff klebrig und feyst Ryff confectbuch (1548) 2b; die leftzen .. kleiner und am griff härter Wirsung arzneibuch (1588) 541a; so under der haut am leib auflief ein harts gewächs, das sich nit bewegen liesz ... und wer am griff demselbigen glied gleich Paracelsus chirurg. bücher 619 B Huser; vgl. wâ das vel (des menschen) dik ist, dâ ist ez sleht und ains senften griffs K. v. Megenberg buch d. natur 24, 2; im 17. jh. erlischt dieser gebrauch; doch spürt man die nachwirkung noch spät: hiesige wolle, ich bitte hand ans werk zu legen .. die herren selbst aber scheinen nicht von hier zu sein und sich auf blick und griff .. nicht verlassen zu können Hippel lebensläufe 1, 9. in derselben bedeutung wurzelt der griff von geweben: 'ein kleidungsstoff hat griff, wenn er, indem man ihn durch die hand gleiten läszt, innere festigkeit bekundet, ohne gerade steif zu sein' Staub-Tobler 2, 710; alle diese operationen sind bestimmt, das ansehen und den griff der gewebe zu beeinflussen Karmarsch-Heeren 1, 171; eine art des appretirens, .. um .. den geweben griff und steifheit zu verleihen Lueger 5, 19; ähnlich vom mehl: kein müller soll das mel zäch und schlymerig machen, sonders uf den griff (wie mans nennt) malen Staub-Tobler 2, 710 (quelle von 1593).
2) griff als ausdruck der schlächtersprache: 'gewisse kennzeichen vermittelst des anfühlens und angreifens, woraus der schlächter beym einkauf die fleischigkeit, fettigkeit ... eines stücks vieh beurtheilet' Jacobsson technol. wb. 2, 152b;

ein feiszes (kalb) weisz ich fast wol zfinden,
gt am griff, schwr an der gwicht
Georg Binder in: schweiz. schausp. 1, 258;

vgl. DWB denn schon mehr als einer .. hatte mit eigentümlichem griffe meinen strotzenden mantelsack betastet, ungefähr wie die metzger thun, wenn sie ... ein stück rindvieh auf seine fettigkeit prüfen und ihm kreuz und lenden begreifen G. Keller 3, 116; sprichwörtlich: ein

[Bd. 9, Sp. 290]


stich und ein griff ist einem metzger erlaubt Fischer schwäb. 3, 833; s. u. II A 3 a; dann auch concret die entsprechenden stellen am körper des schlachtviehs; im schweiz. vorzugsweise der strich der haut vom bauche bis zwischen die hinterkeulen beim rindvieh Staub-Tobler 2, 710; sonst meist das stück fett zwischen den hinterkeulen in der nierengegend Schmeller 1, 991; Amaranthes frauenz.-lex. 688; die faistin oder griff von dem gemästen vich nit herauss zue schneiden Fischer schwäb. 3, 833 (quelle von 1553)
3) griff vom betasten der frauen; die analogie des verbums (II A 3, sp. 24) weist diesen gebrauch auf die linie palpare, obgleich das sprachgefühl der späteren zeit noch energischer als beim vorigen eine umsetzung auf die linie capere vorgenommen hat; schon ahd. concret anegrip secretum mulieris Graff 4, 318; besnîdet ... iwer hente von ubeln griffen spec. eccles. 20, 9 Kelle;

sô gap sie (die weibliche brust) griffe suoze
H. v. Türlin krone 23739;

die unkäuschen schinf haben mit halsen, kussen und bosen griffen Jelinek böhm. 332 aus Joh. v. Iglau; gripet ein mensche den anderen an in unkuschliker leve ... unde wolde he de unkuscheit also gerne don, mochte he de stede unde tyt dar to hebben als den grepe Schiller-Lübben 2, 144;

ein neuer liebender kömmt nicht mit vollen griffen,
es hiesse sonst: monsieur, ihr seyd zu ungeschliffen
Henrici ernst- scherzh. u. sat. ged. 1, 304;

wag es einmal mit unzüchtigem griff meinen leib zu betasten Schiller räuber 3, 1; denn der meister Holder ist auch auf mich zugekommen mit unvorsichtigen griffen O. Ludwig 2, 48. — auf weitere spuren der bedeutung palpare wird unter B 1 c gewiesen.
II. die von grîfen capere, fassen, ergreifen abgeleiteten bedeutungen wiegen seit jeher vor.
A. die thätigkeit des greifens.
1) ahd. nur im compos. anagrif Graff 4, 318 zu belegen; im mhd. voll entwickelt.
a) im eigentlichen sinn:

er (der löwe) hetem den schilt nâch genomn:
sîn êrster grif was alsô komn,
durch den schilt mit al den klân Parz. 571, 24;

wann ihr fein züchtig greifen wolt
und nicht zu geitzig in das golt,
so will ich euch ein griff erlauben
Fischart Eulensp. 443 Hauffen;

eine grosse glücksbude, da griff nun hinein wer wolte, es muste aber die person vor einen iedweden griff einen ducaten geben Chr. Reuter Schelmuffsky 102; indem ich die ärmel wieder hervorziehe, die meinen armen bei dem hohen griff etwas zu kurz geworden Brentano 5, 392; in jüngerer sprache öfter gesteigert zur bedeutung des gewaltsamen ergreifens, packens:

o arm und hände Jesu ...
umbfasset mich nit lind noch leisz,
darf euch der griff ermahnen:
starck heftet mich an seine brust
Spee trutznacht. (1649) 6;

was mir mit ungestümer hand
ein unerlaubter griff entwandt
Triller poet. betracht. (1750) 6, 348;

betracht' ichs recht, so gleicht die hand des menschen,
wenn sie die finger ausreckt, einer spinne.
ein griff — sie hält — und läszt nicht wieder los
Wildenbruch Karolinger (1898) 74;

dasz es (das thier) sich bald seinem griffe entwinden würde Ratzel völkerkunde 2, 29; legte sich hammer und zange zum griffe bereit Immermann 1, 123 Hempel; so wiederholen sich beim substant. bedeutungsschwankungen des verbums, s. greifen I B 3; sprichwörtlich:

fünf finger und ein griff ...
hat mehrmals schon ...
die rechnung ohne wirth gemacht (d. h. gestohlen)
Stoppe Parnasz (1735) 254;

anders: fief finger un een greep is de beste bewies ein handgreiflicher beweis ist der beste Schütze holst. 2, 70;

[Bd. 9, Sp. 291]


er nimmts im griff fährt unbesonnen zu, temere agit Staub-Tobler 2, 709; als technischer ausdruck: und soll darzu vor der entlichen tödtung ... der leib mit glüenden zangen gerissen werden, nemlich mit N. (so und so viel) griffen carolina art. 194; vgl. art. 130; händedruck: ich kannte dich, ohne von einer geheimen gesellschaft zu seyn, am wort, am griff, am schlage Herder 17, 131; in der liebe giebt es, wie in jedem geheimen orden, zeichen, wort und griff Hauff 3, 276; halb concret, der beutung E 1 nahekommend:

ein haus, ein landgut kann der kleinen habsucht stillen,
da stadt und länder kaum der grossen griffe füllen
Hagedorn 1, 56;

geht, nehmt meine zügel aus des alten manns griff Arndt 6, 224 Rösch-Meisner; gelegentlich auch als sichtbare spur des griffs: noch heute ist der griff (des versinkenden ritters, der sich am geländer festzuhalten suchte) auf dem eisen zu sehen Grimm dtsche sagen (1891) 1, 235.
b) in übertragenem gebrauch wesentlich erst im 19. jh.: was wunder, wenn er (könig Franz) da oft mit despotischen griffen dazwischen fuhr Laube ges. schr. 4, 141; niemand war sicher vor den griffen seiner polizei Treitschke dtsche gesch. (1897) 1, 218; der sing. gelangt zu prägnanterer bedeutung: jedes volk arbeitet nach seiner art. der griff, womit es die arbeit anfaszt Riehl dtsche arbeit 1; er (Rudolf v. Habsburg) war erprobt ... als führer von schnellem entschlusz und eisenfestem griff Freytag 18, 81; dem vor lauter nachsinnen ... der beherzte griff des verdichtens abhanden kam E. Schmidt in O. Ludwig ges. schr. 4, 4; besonders von einer maszregel, entscheidung, wahl, die kühn, überraschend, erfolgreich zugleich ist: alles grosze verlangt zu seiner behandlung eine gewisse kühnheit, einen 'griff' O. Ludwig ges. schr. 5, 447; allein wenn es (das bild) gegen die natur ist, so sage ich, es sei der kübne griff des meisters, wodurch er auf geniale weise an den tag legt, dasz die kunst der natürlichen nothwendigkeit nicht ... unterworfen ist Göthe gespr. 6, 110 Biedermann; dies (der renommist) ist das berühmteste unter seinen stücken; er hätte auch viel mehr recht gehabt, sich auf diesen griff etwas einzubilden als auf den Murner Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 4, 103; so namentlich glücklicher griff: weil sie ... auf der gränze des erhaben-poetischen ... steht, so will ... die darstellung mit einem glücklichen griff des geschmacks gehascht sein Göthe 48, 67 Weim.; es war ein unübertrefflich glücklicher griff Scharnhorsts, dasz er die wahl auf Blücher zu lenken wuszte Häusser dtsch. gesch. 9, 127; dieser gang ist für den genialen griff eines ächt analytischen kopfes anzusehen Hegel 3, 349; ähnlich: der seine ansicht aus ganz andern quellen, mit viel praktischerem griff ausgebildet hatte Gentz schr. 1, 230; etwas anders, mit hinneigung zu B:

der feine griff und der rechte ton
das lernt sich nur um des feldherrn person
Schiller Wallensteins lager 6.


2) stereotype präpositionale verbindungen; abgesehen von an (s. o. I 1) und mit wesentlich erst seit dem 18. jh.
a) griff nach präpositionen; am verbreitetsten ist mit, zu dem sich typische adjective gesellen:

du (leier), die sonst meine hand mit kühnem griff gerührt
Cronegk schr. (1766) 2, 219;

die unbequemen thatsachen der geschichte schiebt der idealist mit einigen kühnen griffen zur seite Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 24; so packte er sie (die gans) mit sicherm griff am hals Hebel 2, 215 Behaghel; er wuszte nicht einmal unter den mustern der dichter mit sicherem griffe zu scheiden Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 3, 499; hielt ihm mit einem geschickten griff beide arme gegen den rücken zusammen Fouqué zauberring 1, 127; stieszen mit einem mächtigen griff die ... lanzen fest in die erde hinein Steffens was ich erlebte 8, 83; mit eisernem griff umklammerte ihm Ingo den arm Freytag 8, 99; er musz es ertragen, dasz

[Bd. 9, Sp. 292]


der kranke nerv seines gewissens mit rauhem griff berührt wird jahrb. d. Grillparzergesellsch. 8, 31; seit dem älteren nhd. häufig:

ich will dich mit eim griff umbbringen
Rollenhagen froschmeuseler (1595) D VIa;

mit einem griff
zergreif' ich den quark
R. Wagner 6, 89;

etwas anders: man könne ein katholisches mädchen von einem protestantischen mit einem griffe unterscheiden Nicolai reise durch Deutschland 2, 467; in derselben bedeutung nl. met éen greep woordenb. d. nederl. taal 5, 635; ich will auf einen griff so viel zu mir stecken, davon ich ein halbes jahr genug zu schiessen ... werde ... haben Zend. a Zendoriis winternächte (1682) 693; wie viele parapluie müssen sie machen, um 100 fl. zu profitiren — hier haben sie sie auf einen griff Bäuerle kom. theater 2, 77; ich ... machte den rantzen auf ... und langte im ersten griff einen seckel herauss Grimmelshausen Simpl. 139 ndr.; ebenso 28;

das steht Cleant nicht an, ...
der was er ohne müh und in dem ersten griff
nicht haben kan, verschmäht
Warnecke poet. versuch (1704) 39;

der alte Gram hatte sie auf den ersten griff Seidel Leber. Hühnchen (1899) 26; vgl. DWB du erlagst bey dem ersten griff Schiller 2, 97; unter den griff, unter dem ich dich hitzt hab, krieget ich dich dann kein zweits mal wieder Anzengruber 1, 119;

die bremse stöhnt laut unter starkem griff
Arent-Conradi-Henckell mod. dichterchar. 56;

seine hand löste sich von der kehle des kindes, welches sich unter seinem griffe wand Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 56; nd. to gräp zur hand, bereit Stürenburg 74a.
b) präpositionen nach griff; am häufigsten in:

steht uns ein griff oft in den glückstopf frey
Günther ged. (1742) 942;

und wenn eine ganze armee viele jahre mit blinden griffen in den schriftsack zubrächte Reimarus wahrheiten d. natürl. religion 126; Lasally ... sagte mit einem griff in die tasche Gutzkow ritter v. geiste 2, 340; es kann der griff in ein wespennest werden Alexis ruhe (1852) 1, 218; nach analogie von ins herz, in den busen greifen (s. sp. 36 f.): (der herr hat den ungetreuen haushalter entlassen): das ware ein grober griff in seinen busen Abr. a St. Clara etwas für alle 1, 245; zuweilen geschieht ein blick, ein grif in den eigenen busen Lichtenberg nachlasz 37, 26; das stumpfe küchenmensch aber antwortete: so bin nicht ich! ... ein eben so tiefer als wahrer griff in das menschliche herz, deren man bey diesem schriftsteller so viele findet Klinger 12, 20; Olga fühlte etwas wie einen kalten griff in ihr herz Gutzkow ritter v. geiste 6, 181; vgl.jenes nagen an dem eigenen herzen, was uns diese stücke (Z. Werners) verleidet, hängt mit diesem unwohlthuenden griffe in unser gefühl zusammen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 5, 610; auch nl. een greep in het gemoed, het hart woordenb. d. nederl. taal 5, 636; jedes grosze werk musz mit einem vertrauensvollen griff in die zukunft begonnen werden Stifter 14, 285; 'eingriff' (vgl. greifen C 2 a, sp. 38):

dies verbrechen, das dem neuen griff
in unser recht erwünschten vorwand lieh
O. Ludwig 3, 130;

nach: sein erster griff war nach der auster in der patrontasche Gaudy 13, 88; der griff nach der Elbgrenze war ein gewaltiger Mommsen röm. gesch. 5, 52; jener griff nach der krone war dem zweiten geschlechte vorbehalten Laube 4, 211;

und eh auf einer dornenkrone schlief,
als einen griff nach einer goldnen wagte
Blumauer ged. (1782) 116;

[Bd. 9, Sp. 293]


feste formel, vgl. greifen B 1 b, sp. 33; schon war ich im grif nach der hand dieser lieben mutter, um sie zu drücken Hippel lebensläufe 1, 180; andere präpositionen seltener: so sind sie müde, satt und trübe, und der griff zum pistol liegt sehr nah Pückler briefw. u. tageb. 1, 305; indem er, durch einen griff an seine violette mütze, das zeichen zum abschiede gab Nicolai Seb. Nothanker 1, 161.
3) verbale verbindungen.
a) einen griff thun in schwankender bedeutung: aliquid comprehendere Steinbach 1, 639;

bald ein hurtiger schwartzer knab
an eine rant, noch fünf mit ihm,
das weib das kunte schwetzen nimm.
es mst zuvor thun einen griff
Fischart flöhhatz 13, 367 neudr.;

indesz, wie nahe es ihm (Pompeius) auch gelegt war, die weisze binde um seine stirn zu legen, ... als es galt den griff zu thun, versagten ihm abermals herz und hand Mommsen röm. gesch. 3, 192; zumeist mit der vorstellung des greifens in etwas: wie knde ich so gern einen sogtanen grif tn (in den schatz des heiles) Seuse dtsch. schr. 258, 14;

herr, thüet ein grieffe.
doch greuffet nicht zu dieffe
H. Sachs 22, 204 Keller-Götze;

er solt ein griff in das gelt thun, was er in den griff bekäm, das solt ihm verehrt seyn Zinkgref-Weidner teutscher nation weisheit 3, 73; so mag man in den sack einen griff unbesehens thun Olearius verm. reisebeschr. 66; auf dieser thätigkeit des greifens ohne zu sehen (vgl. greifen II A 2, sp. 24) beruht der blinde griff: man thue einen blinden griff in die vindicias meines autors Herder 3, 327; (gott) der freylich in seiner wahl keinen blinden griff thut Dannhauer catechismus milch 4, 522; vgl. Reimarus oben 2 b; auch im nl. een blinde greep woordenb. d. nederl. taal 5, 634; entsprechend ins, ans herz greifen (sp. 36 f. 40): er verdruckte seine ächzer bey den blutigen griefen, die diese obotritischen geyer in seinen busen thaten schlesw. lit. br. 24, 22 lit. denkmäler; es wäre von ihnen begehret worden, Turenne solte etwas anfangen, weil Torstenson dem feinde selbst einen griff ans hertze thun wolte Pufendorf kriegsgesch. (1688) 2, 153a; hemmend eingreifen, einen eingriff vornehmen (vgl. greifen C 2, sp. 38):

kein kreuz und trübsal ist so tief,
mein heiland thut darein ein griff,
führt mich heraus mit seiner hand
Joh. Heermann 67;

item soll keyner dem andern in seine förstliche gerechtigkeyt und wildbann eyn griff thun Sebiz feldbau (1579) 561; andere präpositionen seltener; mit vollem halse ruft jeder seinem glükke zu ..., strekket hertz und hand ausz, immer einen höheren grif nach demselben zu thun Schottel friedenssieg 9 neudr.; mit adjectiven (vgl. II A 1 b): wenn er nicht verrückt ist, ... so hab ich einen glücklichen griff gethan und mir einen unschätzbaren cameraden gewonnen Holtei erzähl. schr. 11, 319; du hast einen schlechten griff gethan, Lebrecht. dieses buch hättest du nicht mitnehmen sollen in gottes grünen wald 14, 117; damit (mit dem handbuch) habe ich einen guten griff gethan Gervinus an W. Grimm, briefw. 2, 60; anders: he dede enen goden greep er nahm nicht zu wenig, hatte dabei einen guten vortheil Dähnert 160b; nach I 2: aber der metzger will erst seinen griff thun, eh er einschlägt O. Ludwig 2, 339; vgl.

den ersten griff, den er (der metzger) ja thät,
den thät er nach frauen, ja frauen
Mittler dtsch. volkslieder 204;

im plural:

wer schyessen will, der lg und triff;
dann dt er nit die rechten griff,
so schüszt er z dem narrenschiff
Brant narrenschiff 73, 36 Zarncke;

fleiszig arbeiten:

gschafft und gschaut ... und viel griff than
Stelzhamer 2, 35 Rosegger.

[Bd. 9, Sp. 294]



b) griffe machen ist weniger entwickelt: beim herabklettern am tau musz man ... griffe machen Jahn 2, 70; er ... bebte und muszte an sich halten, dasz seine hände nicht griffe machten, irgend etwas zu vernichten Polenz Grabenhäger 1, 137; im sinne von I 3:

dasz Furbienus dir verspricht,
er wolle nicht mehr griffe machen
Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. 6, 304 Neukirch,

durch die bedeutung B gefärbt: er schämt sich im spiel der allerniedrigsten kunstgriffe nicht ... er hat hiebei das unglück, seine griffe sehr ungeschickt zu machen Hermes Sophiens reise 4, 322; lux. mit spielender formveränderung: griffo machen mausen Gangler 189; lux. ma. (1906) 154b.
c) zu griffe kommen herankommen, anfassen können, nur im nd.: er de lude konden to grepe komen, so brande dat dake ... af städtechron. 7, 402; etwas anders: to greep gaan hitzig zu werke gehn Berghaus 1, 609b; he geit mit mi to greep er geht hart mit mir um Schütze holst. 2, 70; dagegen passivisch: se scholen komen in de grepe alle erer jeghenere ihnen anheimfallen Schiller-Lübben 2, 144.
4) eigen entwickelt sich der gebrauch des wortes im mhd. in der reimmetapher kann sich die bedeutung bis zur bloszen umschreibung verflüchtigen:

ir rede süezekeite vol
unde ir schœner worte grif
hât under mines herzen schif
gezogen und gesenket
K. v. Würzburg Engelhard 2225;

want er vorbesichtic
was und gar intrichtic
in vil wîser sinne grif
N. v. Jeroschin 4835; vgl. 18809;

auf der andern seite ist eine concretisierung zu beobachten:

in sînem vanen stuont ein roch:
daz bedûte sinen wîten grif,
daz im diu erde unt diu schif
volleclîche gâben rîchen zins
Wolfram Will. 382, 3;

'umfang':

der künic, der si sande,
des hêrschaft hete wîten grif
Konr. v. Würzburg troj. 19409;

ir hete Acratôn genuoc,
diu âne Babylône truoc
ame grif die grœsten wîte Parz. 399, 19;

schlieszlich ganz concret 'bezirk': ein múli mit allem griffe, reht und buwe, so dar z hret zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 16, 107 (quelle v. 1361); diese ... gut ... mit allen iren gebewen und griffen Fischer schwäb. 3, 833 (quelle v. 1371); später erstorben, nur im compos. begriff lebendig geblieben.
B. die art und weise, wie man greift; der gelernte griff, kunstgriff; weiterhin kniff, list, tücke; namentlich im 16. 17. jh. auszerordentlich verbreitet. dieselbe bedeutungsentwicklung auch im nl. und schwed.
1) auszugehen ist von den griffen einer verrichtung, eines handwerks.
a) bei einer schweren geburt sollen die hebammen die schwangere frawe zum bett verordnen und den ersten und besten brauch der schiebung an die hand nemmen, mit allen griffen, wie in dem ersten ... capitel dieses buch gelehret ... wirdt Ruoff hebammenbuch (1580) 87; der meyster sagt im (dem lehrling) nicht ... all griff, spitz und heymlicheyt des handwercks Seb. Franck sprichw. (1545) 1, 91a;

das ist auf sieden recht der griff
Fischart Eulensp. 266 Hauffen;

der weder art noch griff
zum steuern weisz
Opitz nach
Sanders;

so ist doch dieser grief auf leinwand zu mahlen so gemein Lohenstein Armin. (1689 f.) 2, 188b;

jetz schnitzlet er ihm bald ein schiff,
ein wäglein nach bestem griff
Spangenberg-Fröreisen griech. dr. 2, 208 lit. ver.;

[Bd. 9, Sp. 295]


dann auch in der sphäre des unsinnlichen die technik, methode irgend einer kunst:

in ewren ersten jahren
... habt ihr alsbald erfahren
den griff der rechenkunst
Opitz teutsche poemata 234 neudr.;

die Spanier seyn zimlich langsam auf den rechten griff der poesie gerathen Hoffmannswaldau getr. schäfer, vorr.; gte gewaltige griff im reden brauchen nervose dicere Frisius dict. (1556) 865b; es ist ein besondrer griff in der redekunst ..., den namen eines dinges nicht zu nennen, wenn man das ding selbst bey der hand ... hatte Bode Tristram Schandi 3, 67; ein groszer griff in der versification ist es, verwickelte constructionen ... auch im vers anzubringen Lichtenberg verm. schr. 2, 337;

wer wird uns ferner nun mit stiller griffe weisen,
gelehrtem unterricht, erfahrner weiszheit speisen
Treuer deutscher Dädalus 1, 126;

auch im 19. jh. noch, doch wird das wort dann wieder sinnlicher empfunden:

wie bald ist ein kleines
körbchen gemacht, wenn einer den grif nur tüchtig gelernt hat
Voss ged. (1802) 1, 27;

es wird auch nie eine lehrarbeit recht, wenn ein kind die augen nicht steif darauf hält, bis ihm der griff davon in die hand kommt Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 34; andere gehen darauf aus, den geist der kunst ... auf mechanische griffe herunterzusetzen A. W. Schlegel 9, 15; geringere talente glauben immer, es käme nur auf griffe an, welche die groszen meister zufällig entdeckt hätten H. Grimm Michelangelo 2, 5; und mit welcher gewandtheit, die jedes griffs sicher ist, hat der künstler ... Justi Winckelmann 1, 256.
b) speciell technischer griff in der handhabung der waffe: dieser griff und gegenwurf hat wol ein feines ansehen, kan aber leichtlich untüchtig und falsch seyn von der lanze gesagt Reutter v. Speir kriegsordnung 81; der paradeschritt taugt nichts, die griffe bleiben falsch Fontane I 6, 11; wie da die griffe klappten 49; es ist nicht ein griff seit 1812 zugesetzt worden Wilhelm I. militär. schr. 1, 344; griffe kloppen soldatenspr.; zur sache vgl. Poten handwb. d. militärwiss. 9, 157; ähnlich prägnant spricht der turner, der ringer von griffen; im bilde: er (Wagner) ist ein meister hypnotischer griffe, er wirft die stärksten noch wie stiere um Nietzsche I 8, 18.
c) hierher wohl etwas im griff haben, gründlich verstehen, völlig geübt sein (obgleich anknüpfung an griff I tactus nicht undenkbar):

wie luthenschlagen hab ichs im griff
Wickram 5, 127 lit. ver.;

du bereitest es artig und meisterlich als ein künstler, welcher alles im grieff hat Herberger magnatio dei (1607) 427; auch hatte ers im griff, durch leichte bauliche veränderungen die wohnungen um ein kämmerlein ... zu vergröszern G. Keller 6, 290; in jüngerer zeit wird die wendung wieder plastischer empfunden: ebenso hilft es mir nicht, wenn ich den winkel, in welchem ich das rasiermesser anzusetzen habe, ... wenn ich ihn nicht intuitiv kenne, d. h. im griff habe Schopenhauer 1, 98 Grisebach; was da vor wahrheiten mir vor augen stehn, und ich habs nicht so im griff sie in ihrer kraft zu erhaschen Bettina v. Arnim dies buch gehört dem könig 1, 66; in obd. und rhein. maa. heute noch allgemein: der N. hads ziderngspül im griff ist darin sehr geschickt Hügel 71; i hauns im griff wie der mezger im stich Birlinger schwäb.-augsburg. 201b; vielfach mit dem zusatz: er hats im griff wie der bettelmann die laus Fischer schwäb. 3, 833; vgl. Staub - Tobler 2, 710; Martin - Lienhart 1, 271a; Follmann 216b; Leihener cronenberg. 47b; lux. ma. (1906) 154b; Ruckert unterfränk. 64; auch md. und nd., doch meist mit veränderter, an A angelehnter bedeutung, wie auch die präpos. in durch andere ersetzt werden

[Bd. 9, Sp. 296]


kann: das hab ich im griffe ich greife das richtige (das rechte masz) ohne zu sehen Müller-Fraureuth 1, 442; he heft et im greppe as de pracher de luus 'er kann das geschwinde thun' Strodtmann osnabr. 76; 'er hat es geschwinde gefasset oder schnell erdacht' Richey hamburg. 80; mancher hat eine lügen im grif, wie der pracher die laus Reinicke fuchs (Rostock 1650) 213; he het se to grepe as de pracher de luus von jemand, der allzeit mit einer lüge bei der hand ist, brem. wb. 2, 544; he hadde dat upn greep er durfte nur die hand danach ausstrecken Dähnert 160b; vgl. schon bei Kirsch im griffe haben in numerato habere, cornucop. 2, 159a, ähnlich Steinbach 1, 639; wo die präpos. an erscheint (vgl. I 1), taucht auch im sinn die bedeutung I tactus wieder auf:

sie wissen ietz die rechten griff,
wa jeder sitz im narrenschiff,
und die rechten strassen find,
obschon einer wer blind,
das es dannocht het am griff,
wa ieder in den narren schliff
Murner luth. narr. 3939 Kurz;

die schlächter, wann sie schlachtochsen kaufen, habens am griffe wie viel ein ochse talck oder unschlet hat viehbüchlein 7; am (im) griffe haben etwas im gefühl haben, es beim greifen sogleich fühlen Campe; doch hat Steinbach in diesem sinne auch in: er hats im grieffe scit quantitatem ex tactu, wb. 1, 639; varianten: der schulmeister machte eine rechnung vor, die schüler sie nach, ... bis sie das nachmachen in griff bekamen Gotthelf ges. schr. 1, 124; so würde man durch die ... handhabung einen griff darauf kriegen allg. dtsch. bibl. 6, 106; weiter ab steht einen guten griff haben: er musz einen guten griff haben, ein gutes lied sowohl hervorzubringen als zu beurtheilen Bürger 133b; in technischer verengung vom gewandten setzer, der ein möglichst hohes resultat in der satzmenge erzielt; gegentheil: einen schlechten griff haben Klenz druckerspr. 49a.
2) doch frühzeitig verselbständigt und von jedem concreten ausgangspunkt losgelöst, wenn auch die erinnerung daran noch vorhanden ist: (der teufel) saget: hier kanstu zum herren werden, da ist ein reiches weib, treibe der liebe mit ihr ... ohn zweiffel ist mit diesem griff der Joseph in Egypten angegriffen worden Schupp schr. 516; mit solchen grieffen haben beinah allezeit die geistlichen den weltlichen herrn nach ihren gütern gegrieffen Spangenberg henneb. chron. (1755) 346; zunächst ohne tadelnden beigeschmack, 'kenntnis, kunst, mittel': ein unerfahrner kriegsmann, deme die kriegsvortheil und geheymbnussen, die lands, feld, strassen durchstrich und andere dergleichen grieff unbewust Guarinonius greuel d. verwüstung (1610) 109;

doch weil der himmel mir gelück allein gewähret
und nicht zugleich den griff dem glücke fürzustehn
Hoffmannswaldau getr. schäfer 147;

ich müszte durch griffe euere gemüter zu sänftigen mich bemühen Opitz Argenis 1, 737; ich sah dieses als einen griff an mir auf eine gute weise zu sagen, ich würde übergangen werden Lichtenberg briefe 2, 345; in der regel aber mit dem nebensinn des listigen, unfairen, betrügerischen (Hildebrand sucht den ursprung dieser bedeutung zu speciell im kampfleben, s. kunstgriff th. 5, 2701):

der heuchler praucht gleich diesen grieff:
mit süesen worten sich lest hören
H. Sachs 22, 366 Keller-Götze;

die geizigen iren nechsten mit täglichen aufsetzischen griffen betriegen Kirchhof wendunm. 1, 218 lit. ver.; jetz- und erkennest du die wunden meines hertzen, es ist zeit, dasz du deine kunst brauchest, alle deine alten steg und renck, alle liebliche und schmeichelhaftige wort und griff buch d. liebe (1587) 209c;

gewisz ein feiner grif! hört und bewundert ihn!
dasz man vorwürfe macht, vorwürfen zu entfliehn
Lessing 5, 118;

meynst du, vogt, wir mercken den griff nicht. er (der schloszherr) will das wirthshausrecht ins schlosz ziehen

[Bd. 9, Sp. 297]


Pestalozzi sämtl. schr. 1, 47; 'dergleichen diebes- und andre dergleichen griffe mehr sonderlich in einer wirthschaft im schwange gehen, davor sich aber ein hauswirth wohl vorzusehen hat' allg. haush. lex. 1, 621; noch heute im dialect: der steckt vollen griffe ränke Fischer schwäb. 3, 833; namentlich von kunstgriffen und ränken in politik und diplomatie: wie aber dieses fehl schlug, nam er einen andern griff vor die hand und liesz ... ein schreiben ... an den obercommendeur abgehen Chemnitz schwed. krieg 1, 455; es steckt aber dahinter ein nicht geringer politischer griff Leibniz dtsch. schr. 1, 194;

es hat der staatskunst griff manch volk ins joch gebracht
Schwabe belustigungen 5, 84;

in diesem regewerden der verachtung aller gewöhnlichen diplomatischen formen und griffe J. Grimm an Wilhelm briefw. 386; überaus häufig ferner in der geistlichen kampfliteratur (s. u. 3—5), gern auch von den schlichen des satans: das ist des diaboli griff, ut 'in occulto' Luther 17, 1, 55 Weim.; derhalben uns auch der getreue gott so treulich ... für desz teuffels grieffen ... wahrnet volksb. von dr. Faust 8 neudr.;

o griff des satans
Triller poet. betracht. 1, 300;

item das ist auch eyn gryff des eygennützes, das drey odder vier kauffleut haben eynerley odder zweyerley wahr unter yhren henden Luther 15, 308 Weim.;

in der stadt,
da eine von den grösten frauen
den griff der buhlerey mir wollen anvertrauen,
ich weisz es, was mein sinn von ihr gelernet hat
Hoffmannswaldau getr. schäfer 21;

bisweilen mit abgeschwächtem sinn als 'maszregel': auf das wir aber die sach mit recht angreiffen und, wie angefangen, hinausz füren, ist das der rechte natürliche griff, das bey nächtlicher weil ein yeder auf der gassen ein windtliecht tragen soll Lindener katzipori 64 lit. ver.; ja eben der griff oder verhüllen war für gott auch nicht ein gut werck sondern sünde Irenaeus Adam u. Eva (1570) S 5b; oder gefärbt als 'geheime absicht, zweck, grund':

das ich sytz vornan in dem schyff,
das hat worlich eyn sundren gryff,
on ursach ist das nit getan
Brant narrensch. 1, 2 Zarncke;

ich hab noch kain lust zu euerm haufen, weyl also rutzigs und reudigs durcheinander geet ... es hat auch sunst noch ein griff; ist der feel, ist es noch hohe zeyt H. Sachs 22, 68 Keller-Götze; L.: warumb blieb der Eberlin nit zu Rynfelden? Z.: do ist ein heimlicher gryff. pfaff N. und N. haben geldt und gutten wein Eb. v. Günzburg 3, 157 neudr.; eigen ist eine nur lexicalisch zu belegende bedeutung: id enim quasi caput et columen impensarum est das ist der recht hafft oder griff, der zu erkennen gibt, ob das gält wol oder übel angelegt seye Frisius dict. (1556) 253a; caput autem est hoc das ist das fürnemst, oder der rächt griff 189b; continens et firmamentum causae dicitur latine quod punctum litis decisorium vocant der recht griff, der fürnembst artickel oder hefft eines rechtshandels 322a; vgl. DWB haft m. 4, th. 4, 2, 130.
3) dem unfesten und sittlich indifferenten character des wortes entspricht es, wenn es in der regel durch attribute ergänzt wird.
a) von den typischen adjectivattributen bewahren einige die erinnerung an den sinnlichen begriff des subst., so vor allem das häufigste, geschwind (ziemlich beschränkt aufs 16. jh.): ambiguitates crocodilinae sophistische argument oder gschwinde griff der sophisten Frisius dict. 346a ; deren überauss geschwinde und bosshaftige griff vil teurer heiligen bey den alten erfaren haben Hedio chron. germ. (1530) Va; die warheyt hat ein einfeltige red und darf nit geschwinder griff oder umbschweyf der auszleger S. Franck sprichw. (1541) 2, 101b; seltener ohne tadel: eines solchen geschwinden griffs sollen sich

[Bd. 9, Sp. 298]


dise ... thier gegen den muscheln z ihrem forteil wissen zgebrauchen Heyden Plinius 368 (tanta sollertia animalium hebetissimis quoque est, nat. hist. 9, 30, 90); solche sprüche werden sie alle mit behenden griffen verdrehen Luther 28, 110 Weim.; mittler zeit nun erfuhr Evander von seiner Pamfilen täglich, was die vorige nacht unter ihnen vorgegangen, ja er wuste fast alle krumme calvinische griffe groszer klunkermutz (1671) 40; später wieder sinnlicher gefühlt:

ein weiser lebt, obgleich nicht krumme griffe
ihm geld und trost in schränk und kasten ziehn
Hagedorn poet. werke 1, 14;

ein blinder griff fallacia Er. Alberus dict. (1540) 89a (blind im sinne falsch, unrecht th. 2, 122); die papisten ... wollen ihr opfermesse ... mit listen und blinden griffen erhalten Luther 30, 2, 612 Weim.; weil wir nu hie so schönen gewaltigen text haben, so last uns fest daran halten und mit keinem blinden griff der vernunft meistern noch verfinstern ... lassen 28, 68; häufig bei Luther, vgl. Dietz 2, 167b; verborgener griff hat concretere bedeutung: 'versteckter mechanismus' (vgl. grifflein): in wölchem ... sehr vül wasserkunst, sonderlichen von verborgnen grüffen; do einer ettwan hinein geth ... hatt es seine grüf, das einer aller nass wüert Sam. Kiechel reisen 227;

auch war ein heimlich schlosz daran,
das kondt nicht öffnen jederman,
es hett verborgne griff zugleich
Spreng Ilias 191a;

fiengend in an mit subtilen griffen anzzepfen, kondten aber nichts von im erfaren Wickram 2, 69 lit. ver.; auss ursachen die lemures zu erkennen ist ein subtiler griff Paracelsus opera 2, 511 Huser; listige griffe namentlich im 17. jh. häufig: wie vielerley arten an schatzung und listige griffe, geld damit auszufischen, sie .. erdacht Breckling regina pecunia (1663) 10; die listigen griffe der clerisey Hahn einl. zu d. teutschen staats .. historie 2, 170;

der aber gewandert ist ein weil
und glernt hat frembde griff,
der weisz wie man der Venus pfeil
schiest
Hock blumenfeld 37 neudr.;

wie es beym dantz abgieng, allwo ich mancher künstlicher und vorteilhaftiger griff warnahm Grimmelshausen vogelnest 2, 397 Keller; ward er (der angreifer) durch einen sonderlichen künstlichen griff des hohmeisters ... anders wohin abgewendet Schütz hist. rer. pruss. (1592) 3, V ivc; einen betrüger, der mit sonderlichen griffen denen leuthen das geld aus dem säckel practiciren kan mediz. maulaffe (1719) 115; ich weisz einen guten grif, mit gott und predigern zu handeln gewissenh. priester (1694) 105; dasz der beste griff sei zu erhalten, was einer gern hab, dasz er einem jeden sage, was er gern höret Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 391; über rechten griff s. u. 4. 5.
b) andere attribute bezeichnen die sphäre der herkunft:

sophistisch griff, ränck, tück und stück
Fischart jesuiterhütl. 893 Hauffen;

du gost mit socratischen griffen um verzucket Pasquinus (1543) 131b; der verfluchte kerl! mit seinen juristischen griffen Gottsched dtsch. schaub. 5, 355;

ich tett ains mauls ain schwebschen griff
H. v. Sachsenheim mörin 5848;

(im selben sinn:

und tet ain tuck nauch schwebscher art 5855);

alle yhre bubenstücke, romische gryff und kunstleyn Luther 18, 255 Weim.; das sie sich von den frantzösischen griffen, die voll list und betrugs seien, weiszlich gehütet haben Achatius 144b;

baut er nur auf schlaue streiche, wälsche griffe, list und kunst
Schönaich Heinrich d. vogler (1757) 6;

auf böse rencke gedencken und auf juristen griffe Luther tischr. 334a; advocaten-, huren-, kunst-, liebes-, schelmen-, wortgriff Kramer teutsch-ital. (1700) 1,

[Bd. 9, Sp. 299]


559a; diebesgriff th. 2, 1095; hilpertsgriff th. 4, 2, 1332; th. 5, 2701.
4) oft erläutern parallel geordnete, synonyme oder sinnverwandte substantiva den begriff des wortes: das ist nichts denn ein falscher tuck und böser griff Luther 26, 584 Weim.; schalckeit und griffe 34, 2, 381; ja er hat ihre griffe und boszheiten vor unzehlig gehalten Arnold kirchen u. ketzerhist. 2, 194b; weil sie die rechte griff und renck nit drauf wissen Aeg. Albertinus zeitkürzer (1603) 61b; kam ihm zu sinn eine practick und grieff, von diesen beyden (einem liebespaar) eine beut zu erlangen Kirchhof wendunm. 2, 444 Oesterley; er erdenkt den list und griff Luther tischr. 326a;

der butz ist wider auf der ban,
braucht vil geschwindigkeit und griff
Fischart d. gelehrten d. verkehrten 1352 Kurz;

durch allerley schlupfwinckel und griffe den Frantzosen die pferde ... practiciren Hohberg georg. cur. aucta 3, 87b; ihre spitzfindigkeit, ihre griffe und hinterhalte Hippel lebensläufe 2, 439; unsre altvordern brauchten das wort finanz ... für böse griffe und kniffe zum übervortheilen Körte sprichwörter 101; in harmloserem sinne: wilche die rechte kunst und der rechte griff ist, aus aller not und angst zu komen Luther 19, 215 Weim.; vorzeiten haben die könige diesen griff und kunst gebrauchet Barth weibersp. (1565) D viib; durch was für griffe und künste sie (die stadt) gewachsen und bis noch im flor stehe Butschky Pathmos 491; diese koppelung bis ins 17. jh. nicht selten; vgl. DWB kunstgriff, das, im 18. jh. in schwang kommend, den ersatz des in diesem specialsinn absterbenden griff übernimmt; es ist gold ... durch einen so gar kleinen und ringen griff und weg der alchimia zu machen Paracelsus opera (1590) 6, 387; und gleich einen rechten feinen griff und mas zeiget, die schrift zu lesen und handeln Luther bibel 7, 464 Bindseil; (Clemens IV.) welcher schöne griff und mittel kont erfinden, gelt und gut zusamen zurasselen Fischart binenkorb (1588) 237b;

ich weiss die rechte griff und weiss,
mein gold machen behelt den preiss
Rollenhagen froschmeuseler (1595) N viib;

weysz ich noch kaum ein gesatz und griff, damit man gemainen landfriden beständiger ... mög erhalten S. Franck chron. Germ. (1538) 259b; die rächten gründ und griff eines redners Frisius dict. (1556) 82b; dis ist die regel und griff die schrift auszulegen Luther wider d. bapstum (1545) Vja; ich spür in historiis zwen griff oder vorteil, damit uns Teutschen der Türck so hart kriegt S. Franck chron. Germ. 154a; bisweilen nähert sich die bedeutung dem sinne 'erkenntnisz, einsicht' (vgl. greifen B 1, sp. 25): die juden hatten ein ... gesatz, die falschen propheten z tdten ... das haben sie nie an keinem falschen propheten vollstreckt, sonder allweg die rechten propheten darfür ergriffen ... es flt ihr (der welt) am griff und urtheil S. Franck paradoxa (1558) 34a.
5) stereotype verbalverbindungen: qui hoc potest facere, der hat den rechten griff Luther 28, 68 Weim.; ein ieder buchstab in der ebreischen sprache ein sonderliches geheimnüs ... in sich habe; aber den rechten grif hat noch keiner Zesen rosenmand (1651) A 5b; davon stehe nur bald ab, es ist nicht der gryff dazu (Bucer: nequaquam hac via assequeris quod venaris) Luther 14, 23 Weim; ähnlich 33, 106, 35; es gehört eyn ander griff datzu, die gewalt thuts nicht 11, 264; und aber so man mit dem rechten griff kompt, alsdann so scheid sich der tartarus in brentenwein Paracelsus opera 1, 55 A Huser; geschiehet wol oft, dasz es einem so sichs unterstehet, aber die rechte griff nicht weisz, also miszlingt Agyrtas grillenvertreiber (1670) 20; disen griff kondt C. Caesar Octavianus Stumpf Schwytzerchronik 171a; der meister hat grosz macht in dem kopf stecken, er gibt gute griff Keisersberg evang. (1517) 15b; ettliche subtile ... männer die haben die bewärung der evangelischen leer erfunden im sybende hausz der hymelschen figur, ... in welchem

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winckel inen die Venus ein gryff hat geben Gengenbach 202 Goedeke; hette freilich der teufel kein neher noch mechtiger griffe erdencken können Luther 30, 2, 598 Weim.; bald erfand er aus der feldstreitkunst einen neuen grif die schlachtordnung zu stellen Zesen gekrönte majestät (1661) 38; lieber, wiltu ketzerey vertreyben, so mustu den griff treffen Luther 11, 269 Weim.; da hat der teufel eynen hübschen griff troffen, das er die leut von der schrift risse 12, 360; mit solchen griffen gehen sie umb Melanchthon in: corp. doctr. christ. (1560) 203; wo mit thut ers aber und was ist der griff, den er dazu braucht Luther 12, 571 Weim.; ebenso im schwed. bruka fina grep.
C. das, woran man etwas ergreift, die handhabe, der handgriff; jung, erst im 17. jh. häufiger; literarisch am weitesten verbreitet ist der griff der hieb- und stoszwaffen: ein ungewöhnlich groszes schwert mit langem griffe Hauff werke (1890) 1, 121; stach seinen degen ihm bisz an den griff ins hertze Lohenstein Armin. 1, 50a; langsam schritt er einher, die linke am griff der seitenwaffe Holtei erzähl. schr. 20, 96; bildlich: (Marduff:) ich bin der griff am schwert Müllner dram. werke 3, 197; vom messer: den griff hatt ich davon verlohren Schoch stud. leben (1657) E 4v; ein florentinischer dolch ..., von zierlich gearbeitetem griff Gutzkow ritter v. geist 2, 380; wie vertraut war die hand meiner väter mit diesen griffen an den lanzen Tieck schr. 11, 82; ist es gestochen, so musz das gewehr von der spitze nach dem griffe zu ... geschmieret werden Fleming vollk. teutscher soldat 356a; englische (gewehr) schäfte haben weder backe noch griff Karmarsch-Heeren 3, 453; den griff der andern pistole ... im kaftane haltend Stifter 3, 31; (den pfeil) faszt er sogleich mit dem griffe des bogens Vieth encyclop. d. leibesübungen 1, 135; des spatens griff Freytag 2, 100; lehnte sich auf einen kleinen stock von ebenholz mit rundem griff Laube 4, 35; der griff oder hals an besaiteten instrumenten Walther musical. lex. 380; vgl. lautengriff manico d'un liuto Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 559b; legte ihre schere mit dem groszen und dem kleinen griff ... auf den tisch Auerbach 15, 33; dasz ... es unmöglich ist, die griffe (eines galvano-elektrischen apparates) loszulassen Seidel vorstadtgesch. 180; da ich eben den griff der thüre in die hand nahm Thümmel reise 3, 212; einen nachtriegel fand sie eben so wenig; es fehlte der griff desselben Holtei erzähl. schr. 3, 42; als technischer ausdruck: von vorn wird sie (die vene) durch die thymus und den griff des brustbeines bedeckt Sömmering bau d. menschl. körpers 3, 2, 298; in andern fällen mehr mit der vorstellung des henkelförmigen:

und in des schildes griff musz sich die linke fügen
Schiller 6, 378;

noch hab ich einen korb von mittelmäszger weite
mit einem deckel drauf und griffen an die seite
Dusch verm. werke 476;

eine rokokokommode, die mit schildpatt und groszen goldenen griffen .. ausgestattet war Fontane I 4, 109; verblaszt: seine bücher waren schwarz eingebunden. silberne griffe ..., das heiszt: der titel war mit versilberten buchstaben eingestochen Hippel lebensläufe 3, 237; unsinnlich wie handhabe:

beut den griff
dazu nicht dar, dasz man dich werfe
hin in die gassen
Herder 27, 150;

wenn men nit mit flattiere d' sach g'winnen chönn, so sei sie verloren; gesetzlichen griff hätte man keinen Gotthelf nach Staub-Tobler 2, 710; nd. greep handgriff Dähnert 160b; grepe, gripe handhabe Schiller-Lübben 2, 144; ansia eyn hantgrepe Diefenbach nov. gloss. 25b; ancilla, anxilla grepe ib.; grepe vel togel ut in januis Schiller - Lübben 2, 144 (quelle von 1445); grebb handhabe, henkel, öhr Schmidt-Petersen 53b; dagegen ist den obd. maa. diese bedeutung anscheinend von haus aus fremd; im schweiz. fehlend, im schwäb. 'mehr gebildet' Fischer 3, 833.

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D. das, was man greift, als ungefähres masz: 'grif heisset so viel man mit allen fingern in einer hand fassen kann' allg. haush.-lex. 1, 621; schon das ahd. hat hantgrif für pugillus Isidor 19, 9 Hench; auch mhd. gelegentlich:

herze, dirst ze gâch.
volgest dû den ougen nâch
dâs ein schœne wîp ersehen,
sô verst in den sprüngen brehen
unde gedenkest 'heyâ, het ich disen goldes grif'
Neidhart 100, 35;

die wohlgenährten räte mit einem guten griff der kassengelder in der tasche Hauff 2, 61; einem vogt zuo Zürich süllen werden die buossen, so vor im erteilt werden, die griff salz und der boden wyn und nicht mer Staub-Tobler 2, 711 (quelle v. 1465); von jedem fass fisch bezahlte man 1 griff als zoll, ib. (quelle v. 1474); 'greepe sind in der pomm. haffordnung eine partey fische, welche bey der eisfischerey sich die bedienten und andre von einem zuge ohne entgelt anmassen' Dähnert 160b; ein grieff wolle hapsus lanae Steinbach 1, 639; ein armvoll abgeschnittener halme Campe;

hinter den mähern
sammelten knaben die griff' und trugen sie unter den armen
rastlos jenen hinzu
Voss Il. 18, 555;

(παῖδες δραγμεύοντες, ἐν ἀγκαλίδεσσι φέροντες,
ἀσπερχὲς πάρεχον Σ 555)

im forstwesen = spanne Adelung, in älterer sprache geradezu 'umfang': ist zu versehung solcher schedlicher unortnung (des schlagens von zu jungem holz) geortnet worden, das denen darzue verordneten ein gewise masz, so vil ieder paumb zum wenigisten an dem griff haben musz, zugestölt worden österr. weisth. 11, 407 (quelle v. 1600); vgl. griffig; beim nadler: 'diejenige menge von abgeschnittenen stücken oder drahtenden, soviel ein arbeiter davon auf einmal zwischen seinen fingern halten kann' Jacobsson technol. wb. 2, 152b; beim setzer: eine anzahl gesetzter zeilen Klenz druckerspr. 49a mit weiteren erklärungen; s. auch DWB griffchen; vgl. grips.
E. das, was greift.
1) von thierkrallen:

(der drache) fuorte mit im an den kampf
beidiu rouch unde tampf
und andere stiure ...
an zenen unde an griffen Tristan 9025;

frühzeitig beschränkt auf die klaue der raubvögel (vgl. fang):

sein griff so adeliche,
kain nachtegall fzz ward nie so gar geklenket minnefalkner 45;

und würt ynen (den adlern) der griff oder die klawen ynwerts gebogen Eppendorff Plinius 10, 140; in dem sie uns ... mahlen ... bald mit klawen und griffen, da wir doch weder adler noch greiffen sin Moscherosch gesichte (1650) 25; der grosze adler ... mit ungemein starken griffen Ritter erdk. 4, 52; noch heute ausdruck der jägersprache Behlen forst- u. jagdkunde 3, 497; auch übertragen für einen krallenschuh: pflegt man ihnen (den jagdfalken) einen griff (ist ein finger oder zähe wie ein lederner daumling) zu machen Harsdörffer poet. trichter 3, 191; unklar ist griff als jagdausdruck an folgender stelle:

man wolt nicht lokchen sprintzen
durch paizzen mit dem smalen griff
Suchenwirt xviii, 139.


2) eisenspitze am schuh oder vorn am huf von zugtieren, gegen das gleiten auf eis und schnee Fischer schwäb. 3, 833; Staub-Tobler 2, 711; Martin-Lienhart 1, 271a; da es auch glatt eiset, soll man die hufeisen der arbeitspferde mit scharfen griffen versehen allg. haush.-lex. 1, h 2b; fuszeisen mit zinken, die auf die absätze von bergschuhen genagelt werden Staub-Tobler a. a. o., grobe schuhnägel Martin-Lienhart a. a. o., vgl. griffeisen; hebel, der zum eingreifen in den boden unten mit einer eisernen gabel beschlagen ist Schmeller 1, 991; Fischer schwäb. 3, 833; das nd. hat in der bedeutung (mist)gabel in der regel ein fem. grēpe (vgl. sp. 10f. unter

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2greif), doch sind die belege, namentlich aus älterer sprache, z. th. zweideutig: grepe ciragra (l. creagra) Diefenbach nov. gloss. 118a; tridens 371a; gloss. 596a; tridenarius gloss. 595c; vgl. gräp gabel mit drei zinken Stürenburg 74a; greep fischkesser Dähnert 160b; tasche Schütze holst. 2, 70.
F. griff in der sprache der musik vereinigt verschiedene bedeutungen:
1) urprünglich beim saiteninstrument das greifen der saiten, das den ton erzeugt; dabei liegt das gewicht bald auf der bloszen thätigkeit (griff A), bald auf der kunstfertigkeit des greifens (griff B):

er konde woll der engel griff (beim saitenspiel) Salman u. Morolt 2513;

(die laute) erlangt so viel mit künstlich griffen
als selbst die leut mit ihrem rffen
Fischart lob d. lauten v. 219 Hauffen;

die leyr durch die nägel oder andere instrument durch die schlahenden griff als vilfeltig underscheidliche mancherley stimmen ... zwegen bringen Ryff anatomi (1541) K via;

so leicht
als ein akkord dem griff des lautenspielers
steht euch mein geist nicht zu gebote
Schiller 5, 192,

die töne seiner griffe waren wie ein leises flüstern Heinse 4, 95; er lasse hören, ob er einen bessern meister gehabt hat, dann ich erkenne es balð am ersten griffe, was hinter einem steckt Weise d. drei ärgsten erznarren 202 neudr.; dann auch, mehr als terminus technicus, der griff der linken hand, der den ton variiert, indem er die saiten gegen den hals des instrumentes preszt: die ander art der saitenspiel: dye selben haben nit schlüssel, aber bünde und sunst gewise zile oder gemercke, do man sicher griff mag haben Virdung musica getutscht 10 neudr.;

(der violinist) leistet durch der griffe sicherheit
und seiner finger schnelligkeit
mehr als man menschen möglich dachte
Ayrenhoff 5, 52;

in diesem sinne auch von der flöte: dieser griff gibt C sol Agricola musica instr. 12 neudr.; doch findet dieser griff nur bey langsamer bewegung statt Quantz anw. d. flöte zu spielen (1789) 35; vom tasteninstrument: (der organist) musz ... in der linken hand ... rein anschlagen, als auch mit der rechten hand alle griffe, wie sie ihm vorgeschrieben Scheibe crit. musicus 415; bisweilen allgemeiner 'spiel': ich kenne einen menschen, der in seiner schweren kranckheit an dem lieblichen griff eines clavichordii tausendmal süssere erquickung empfunden Er. Francisci lust. schaub. (1698) 2, 430; häufigste verbale verbindung: (sie) that einen griff in die saiten Göthe 15, 148 Weim.;

doch klingt ein griff verwandter töne,
den gott in unsre harfen thut,
von je und jetzt in gleicher schöne
Brentano 2, 494

(hier klingt die bedeutung 2 an); nachdem er einige griffe auf der laute gethan Gerstenberg Ugolino, dtsch. nat. lit. 48, 266;

als ich nun den letzten griff fast auf rohr und pfeife tähte,
wie hastu dich dar betrübt
Stieler geharnschte Venus 12 neudr.;

nun that er noch einige lebhafte griffe auf dem clavier Fr. H. Jacobi werke 1, 128;

den poeten,
der keinen ton versteht und auf den heischen flöten
stets falsche griffe macht
Gottsched crit. dichtkunst (1751) 53.


2) vom vorigen nicht immer scharf zu trennen ist eine concretisierte bedeutung 'tonfolge, accord', sowohl als grifffigur wie als tonbild (vgl. D):

auch soltu weiter mercken darneben,
das die melodey des griffs wird gehört
und etwas lenger denn sonst gespört
Agricola musica instr. 70 neuar.;

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gleicherweis die falschen griffe auf der lauten dem gehör verdrüsslich, die kunstmässige angenem sind Harsdörffer frauenz.-gesprechsp. 4, 209; welche (trias harmonica) man ... zu nennen pfleget: einen accord oder ... griff Heinichen generalbasz 120; arpeggiare ... gebrochen spielen, oder den vorkommenden griff nicht zugleich, sondern die in selbigem enthaltene noten eintzeln und nach einander anschlagen Walther musical. lex. 51; bey solchen mehrstimmigen griffen die beyden äussersten stimmen auf halben tönen gegriffen werden müssen Bach art d. klavier zu spielen 1, 36; nachdem sie die sanfte weise ... in vollen schönen griffen durchgespielt hatte Fouqué altsächs. bildersaal 4, 575; bisweilen fast = 'klang':

ihr leisen griffe! flieht gemach!
schlaget! locket!
Stoppe Parnasz 125;

wie die griffe rauschten
Denis lieder Sineds 188.


3) nach anderer richtung hin concretisiert (vgl.C): die stelle am hals des instrumentes, gegen die die saite zur erzeugung eines bestimmten tones gedrückt wird: der lauten ihre griffe mit bänden von darmseiten unterschieden seyn Baron instrument der lauten 153; (die cistra) hat beynahe die gestalt einer laute, aber einen längern in 18 griffe abgetheilten hals Walther musical. lex. 166.
 
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griffbequem, adv.: Sophokles, Euripides ... befanden sich griffbequem auf dem bücherbrett just dem sitzenden gegenüber Vischer auch einer 52, 55. —

 

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