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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grieszschmerz bis grieszwasser (Bd. 9, Sp. 285 bis 288)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grieszschmerz, m., durch harngriesz hervorgerufener schmerz: grieszschmertzen zu legen Wirsung arzneibuch (1588) reg.; wieder griesz- und steinschmertzen sind gut unzeitige beeren von hollunder Fleming vollk. teutscher soldat (1726) 335. —
 
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grieszsemmel, f., semmel aus grieszmehl Heinsius, Campe.
 
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grieszsieb, n.: griessib cribrum ruderarium Henisch 1745; Stieler 702; 'ein sieb von draht bei den müllern, den gespitzten weitzen damit zu sieben und gries (das überbleibsel beim sieben) zu erhalten' Voigtel wb. 2, 132a; Adelung, Campe; die griessiebe der müller Muspratt chemie 4, 1285. —
 
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grieszstange, f., die stange, die der grieszwart (s. d.) führte Hübner zeitungslex. 2, 87a; Campe, Heinsius; altes wort:

und itzunt von urloigis mû
begertin der grîzstangin
Samin und Nattangin
Nic. v. Jeroschin 15075

(d. h. sie bekannten sich als überwunden); literarisch meist vertreten durch das simplex stange, s. d., th. 10, 2, 802 f.
 
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grieszstein, m., 1) zufrühest nachweisbar in der bedeutung glarea Diefenbach gloss. 264c; sandstein nov. gloss. 181a unter fragilis; ähnlich noch in modernen maa.: fluszkiesel, geschiebestein aus kiesel Unger-Khull 307; sandstein Follmann 216a; technisch: dieses steinartige wesen (die theilchen, die sich während der gradierung an die dornen hängen) pflegt man auf den meisten salzwerken griessteine zu nennen Langsdorf von salzwerken (1781) 402. 2) blasenstein: dessgleichen auch was sich in der blasen versamlet hat, als namlich ist der sand und griessstein Ryff regiment d. gesundheit (1544) 84b; wie man ... den päbsl. cörper geöffnet, hat man befunden, dasz sich die medici in ihrer meinung, einige griessteine zu liefern, sehr betrogen Prätorius zodiacus mercurialis 173. 3) in mineralogischem sinne der nephrit, jade: 'ist ein blau-grünlicher und gleichsam wie unschlitt oder fett anzugreifender stein, kömmt aus Indien und wird also genennet, weil er für den steinschmerz dienen soll' allg. haush.-lex. (1749) 1, 621; zur sache vgl. Chomel öcon. lex. 4, 1349; Voigt mineral. abhandl. (1789) 2, 276; synon. lenden-, nieren-, schröckstein Jacobsson technol. wb. 2, 152a; ein schaid auss griessstein Fischer schwäb. 3, 832 (quelle von 1611); ain griessstein, auf die puls zu binden ib. (quelle von 1717). 4) ein besonderer mahlstein: 'gute grieszsteine in alten müllerordnungen' Birlinger schwäb. augsb. 204a; die mülen, darinn gewonlich weiszbecken malen, sollen mit gten grieszstain auch aufs mindst zwaierlai gten beüteln zm staub und semelmelb fürsehen ... sein der neue laienspiegel (1518) 25a. —
 
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grieszstock, m., holz am wagengestell Follmann lothr. 216a; anscheinend identisch mit grieszbrett, s. d.
 
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grieszsucht, f., steinleiden: griessucht pertussis (i. e. ptisis) Diefenbach 430c; dazu grieszsüchtig, adj.: griess- und steinsüchtig Guarinonius greuel d. verwüstung (1610) 2. —
 
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grieszsuppe, f.: nachher thun wir uns über die griessuppen her Rosegger II 3, 117. —
 
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griesztrank, m., la crème de gruau Schwan nouv. dict. 1, 789b.
 
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grieszwart, -wärter, -wärtel, m. , agonotheta, sequester.

[Bd. 9, Sp. 286]



1) form.
a) 2. bestandtheil: ursprünglich swm. griozwarto Graff 4, 346; grieszwarto Diefenbach nov. gloss. 336a sequester; plur. grizuuarton Schmeller 1, 1012; diese schw. form auch im mhd. durchaus herrschend, nur vereinzelt stark; auch in den mhd. und frühnhd. glossaren hält sich die form als grieswarte, grisbart Diefenbach 19a agonitheta, griszwart 529a sequester, grieszwart 313a iustitiarius. ebenso im älteren nd.: grieduuard sequester Gallée vorstud. zu e. altnd. wb. 120, greswort Diefenbach 19a agonitheta; acc. synen greyswarden Karlmein. 526, 62; auch im jüngeren fries. gredwerd Outzen 104. nhd. nur noch in älterer sprache: mit den griesswarten Seb. Münster cosmogr. 697; die grieszwarten Albr. v. Eyb Wilw. v. Schaumburg 157; vereinzelt mit unechtem umlaut (nach -werter, -wertel): grieszwert Diefenbach 19a agonitheta; die grieszwerten Wilw. v. Schaumburg 124. die form auf -er erscheint erst im späteren mhd.: grieszwarter (: marter) Regenbogen bei v. d. Hagen minnes. 3, 351b; griswarter Schmeller 1, 1012; griesswerter mehrfach in der Nürnberger zweikampfordn. bei Haltaus 754. 55; grieswärter Schottel 1234; kreiswärter (als nebenform) Adelung, Heinsius, Campe. auch nd.: kreitwârder Reinke de vos 6264. 6590 Schröder; afries. gretwerdere Richthofen 784; mnl. grietwaerdere Verwijs-Verdam 2, 2136. mit dem 15. jh. gewinnt die form auf -el das übergewicht: griezwartel schon im Rolandsl. s. u. 2 a; grieswartel, -wertel Diefenbach 19a agonitheta; gryeswartel ml. hd. böhm. wb. 17; griswertel städtechron. 2, 21, 11; vgl. die quellen bei Haltaus 753. 54. die lexicographen bevorzugen sie: grieszwärtel interventor Frischlin nomencl. (1586) 281b; grieswartel Schottel 328; grieswartel, -wärtel Stieler 2439; grieszwärtel Apinus gloss. nov. (1728) 255; sie herrscht bis zu den erzählenden autoren des 19. jh., und zwar ausschlieszlich in der umgelauteten gestalt; nur die angeführten lexica conservieren die form -wartel.
b) 1. bestandtheil: seit dem späteren mhd. nicht selten greis-: greysswertel neben grysswertell in einer quelle des 15. jh. bei Haltaus 753; greisswerter, -wertl mehrfach in der Nürnb. zweikampfordn. Haltaus 754 f.; greiszwertel Glaser chron. henneberg. (1755) 166; s. o. a; vgl. auch groiswerter Diefenbach 529a sequester; offenbar vermengung mit kreis (als 'kampfkreis' synonym mit griesz), wie denn das wort hie und da in die form kreiswärtel übergeht, s. th. 5, 2163; eine andere volksetymologische umbildung kriegswart s. th. 5, 2300; eigen grieselwarte Haltaus 755 aus Twingers vocab.
2) bedeutung.
a) stehende figur im personal der turniere und gerichtlichen zweikämpfe; stellung und function wechselnd: 'grieswärtel, derjenige aufseher bei den ehemaligen tournieren, welcher die griesstange führte, und diese zwischen die kämpfenden warf, wenn sie zu hitzig wurden, oder wenn einer der kämpfenden friede begehrte' Hübner zeitungslex. 2, 87a; vgl. grieszstange und stange 2 b, th. 10, 2, 802;

thô wîste man sie zesamene.
thie grieszwartel sie maneten:
ein ander sie ane ranten Rol. 8913 Bartsch;

ich hazze iuch juden sunder mâze,
umb den gelouben swert der kristen trag ich bar
in herz, in hant, die wîl ich lebe,
vrid ûz gegen in! ziuh ûz den boum, griezwarter!
den kampf ich nieman scheiden lâze
Regenbogen bei
v. d. Hagen minnes. 3, 351b;

in (den beiden kämpfern) was alsô gerûmet
daz si dehein griezwarte schiet
Stricker Karl 10153;

als balt brach der von Anhalt den stab in seinen henden habende, gab damit zaichen, dasz die grieszwarten damit schaiden solten Wilw. v. Schaumburg 157; die grieszwerten bedeckten den Schweizer mit einem mantel, trugen in in die schleus 124;

darzu ordneten sie alsander
griswertel und dergleich ein thail,
welche hielten zwischen dem sail
H. Sachs 2, 346, 4 Keller;

[Bd. 9, Sp. 287]


aber so man zum thurnier bereit ist, sollen vier darzu als grieszwerttel und vier zwisehen die seyle verordnet werden Moscherosch gesichte (1650) 2, 376; jede partei hat ihre grieszwärtel, die, statt untergeordneter functionen, auch stellung und aufgabe von secundanten haben können: soll der kempfer durch seinen fursprechen ferner fragen, ob er durch recht und nach ordnung des gerichts icht billich haben solt sein warner, lusner, griesswerter Haltaus 754; es was des Hugo griswertel der herr von Pern und des Petrus griswertel was her Peter vom Roslein städtechron. 2, 21, 11; nach dem die griszwärtel die wehre beyderseits besichtiget Moscherosch gesichte (1650) 2, 276; bildlich: und einer so ungöttlichen sach machen wir Christum nit allein ein grieszwarter, sonder ein hauptmann Varnbüler dulce bellum (1519) C 3b (et spectatorem et autorem); kampfrichter: grisswärtel sind judicirherren, zu welchen ämptern die vornembste, berühmteste, erfahrnste und ansehnlichste under der ritterschaft erwöhlet werden Moscherosch gesichte (1650) 417; befehlshaber und griesswaertel ... die dann allerding, wie sich ein jeder rott in solchen ritterschimpf und feldscharmützel gebrauch halten, darob seyn und fürsehung thun solten Haltaus 754; in den alten glossaren vielfach mit agonitheta gegeben Diefenbach 19a; vgl. noch bei Stieler: diribitor, distributor et judex armorum 2439; so schon mhd.:

die wîle der man im kampfe stât
und im sîn kampfgenôz niht hât
des wâren sigis aldâ veriehin
und diu vergiht niht ist geschehin
von dem rehten griezwart,
der da ubir ist geschart
daz er die wârheit kiese,
wer dâ mit reht verliese
alder dâ gewinne
H. v. Langenstein Martina 23, 67;

sie (die kinder) wâren eteswenne
mit strîte gemellich,
alsô daz si dô teilten sich
und machten krieges parte:
jô was er ein griezwarte
und ein guot rihter under in
Konr. v. Würzburg troj. 622;

es scheint, als wenn diese bedeutung die älteste ist.
b) aus der technisch begrenzten bedeutung flieszt, nicht scharf zu sondern, eine allgemeinere; statt kampfrichter 'schiedsrichter': grieswärtlin nennt Osw. v. Wolkenstein die schiedsrichterin zwischen 2 streitenden bewerbern, ged. 112, 58 Schatz; vielfach mit sequester übersetzt s. o. 1 a; groiswerter vel richter Diefenbach 529a; richter, grieszwart iustitiarius 313a; nov. gloss. 224b; iusticionarius, iusticiarius Haltaus 755 aus Twingers vocab.; z disem meinem schlrecht hab ich euch für mein aufheben zum richter und grieszwertel erwelt Seb. Franck sprichw. vorr.; da musten die vier obbenannten vertragsfürsten abermalen ihre räthe zu greiszwerteln zwischen den parteien ordnen und niedersetzen, welche über den jüngsten vertrag noch einen beivertrag aufrichteten Glaser chron. henneberg. (1755) 166; statt secundant 'anwalt, sachwalter': der ist seiner sel ein ungetreuer griswarter Schmeller 1, 1012; maister Husse vorprant wart, und dorzu wart gegeben herzog Ludwig von Heidelberg von dem consilium und dem romischen konig also ein grisswerter des gotlichen rechten Haltaus 755; diese bedeutung ist alt, denn schon ahd. grizuuarton caduceatores, legati pacis Schmeller 1, 1012; fraglich, ob hierher: wir haben unsern ... lieben getrewen Adam von Berstheim den ladehof bey Hagenau gelegen mit dem gericht das von alters her darinn gehalten ist, und das grieszwartambt zu Ebenheim ... zu lehen gnediglich geraicht und verlihen Alsatia diplom. 2, 411 Schöpflin (a. 1479).
c) im gedächtnisz der neueren zeit ist nur die bedeutung des untergeordneten turnierdieners geblieben, vgl. Adelung, Campe, Heinsius; die grieswärtel waren zur erhaltung der ordnung bestimmt Vieth encyl. d. leibesüb. 1, 245; die grieswärtel machten ihm in dem gedränge platz Arnim 3, 211 Grimm; die grieswärtel sprangen bereits herbei, die. .. unbehilflichen kämpfer

[Bd. 9, Sp. 288]


auf die mächtigen turniergäule zu heben H. v. Schmid 22, 111. —
 
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grieszwasser, n., medicin gegen den harngriesz: ain griesswasser, wie es herzog Ulrichs von Mechelburg ... wittib selbst brennet zs. d. hist. ver. f. Schwaben 8, 136 (bair. quelle von 1611); recept bei Campe.

 

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