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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grieszsäule bis grieszsuppe (Bd. 9, Sp. 284 bis 285)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grieszsäule, f., 1) bestandtheil des grieszwerkes (s. d.): 'griessäulen werden die groszen eichenen, gemeiniglich mit laubwerk oder wappen zierlich ausgearbeiteten säulen genennet, welche auf dem fachbaum stehen und den spannrähmen tragen, auch die schutzbretter und griesdocken oder kleine griessäulen zwischen sich haben' allg. haush.-lex. (1749) 1, 620b; vgl. Jacobsson technol. wb. 2, 152a; Karmarsch - Heeren 310, 260. — 2) bestandtheil des pfluges: derjenige stiel, wodurch der untere

[Bd. 9, Sp. 285]


theil des pfluges mit dem baume oder grindel verbunden wird und welcher den vorderen theil des sogenannten pflugkastens ausmacht, heisst die griessäule Thaer grundzüge 3, 25; griess-, griff- oder hauptsäule beschr. d. ackergeräthe 1, 2; griesz-, griff-, kopfsäule Leopold handwb. d. ökonomie (1805) 254a; in Obersachsen griechsäule, griessäule, griffsäule Jacobsson technol. wb. 2, 151b; auch in jüngerer mundart noch, s. Unger-Khull 307; Rosegger schr. 8, 356. griechsäule, griffsäule scheinen secundäre umbildungen; etymolog. anschlusz an griesz 'sand' entgegen Adelung kaum zu bezweifeln: vgl. nd. gretsäule Jacobsson technol. wb. 5, 735b. —
 
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grieszschar, pflugschar: ain grieschar österr. weisth. 1, 294, 14; vgl. grieszsäule 2. —
 
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grieszschmarren, m., eine grieszspeise: meine frau und ich, wir essen gern einen griessschmarren samml. v. schauspielen (Wien 1764) 6, haushaltung n. d. mode 65; vgl. Schmeller 2, 553. —
 
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grieszschmerz, m., durch harngriesz hervorgerufener schmerz: grieszschmertzen zu legen Wirsung arzneibuch (1588) reg.; wieder griesz- und steinschmertzen sind gut unzeitige beeren von hollunder Fleming vollk. teutscher soldat (1726) 335. —
 
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grieszsemmel, f., semmel aus grieszmehl Heinsius, Campe.
 
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grieszsieb, n.: griessib cribrum ruderarium Henisch 1745; Stieler 702; 'ein sieb von draht bei den müllern, den gespitzten weitzen damit zu sieben und gries (das überbleibsel beim sieben) zu erhalten' Voigtel wb. 2, 132a; Adelung, Campe; die griessiebe der müller Muspratt chemie 4, 1285. —
 
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grieszstange, f., die stange, die der grieszwart (s. d.) führte Hübner zeitungslex. 2, 87a; Campe, Heinsius; altes wort:

und itzunt von urloigis mû
begertin der grîzstangin
Samin und Nattangin
Nic. v. Jeroschin 15075

(d. h. sie bekannten sich als überwunden); literarisch meist vertreten durch das simplex stange, s. d., th. 10, 2, 802 f.
 
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grieszstein, m., 1) zufrühest nachweisbar in der bedeutung glarea Diefenbach gloss. 264c; sandstein nov. gloss. 181a unter fragilis; ähnlich noch in modernen maa.: fluszkiesel, geschiebestein aus kiesel Unger-Khull 307; sandstein Follmann 216a; technisch: dieses steinartige wesen (die theilchen, die sich während der gradierung an die dornen hängen) pflegt man auf den meisten salzwerken griessteine zu nennen Langsdorf von salzwerken (1781) 402. 2) blasenstein: dessgleichen auch was sich in der blasen versamlet hat, als namlich ist der sand und griessstein Ryff regiment d. gesundheit (1544) 84b; wie man ... den päbsl. cörper geöffnet, hat man befunden, dasz sich die medici in ihrer meinung, einige griessteine zu liefern, sehr betrogen Prätorius zodiacus mercurialis 173. 3) in mineralogischem sinne der nephrit, jade: 'ist ein blau-grünlicher und gleichsam wie unschlitt oder fett anzugreifender stein, kömmt aus Indien und wird also genennet, weil er für den steinschmerz dienen soll' allg. haush.-lex. (1749) 1, 621; zur sache vgl. Chomel öcon. lex. 4, 1349; Voigt mineral. abhandl. (1789) 2, 276; synon. lenden-, nieren-, schröckstein Jacobsson technol. wb. 2, 152a; ein schaid auss griessstein Fischer schwäb. 3, 832 (quelle von 1611); ain griessstein, auf die puls zu binden ib. (quelle von 1717). 4) ein besonderer mahlstein: 'gute grieszsteine in alten müllerordnungen' Birlinger schwäb. augsb. 204a; die mülen, darinn gewonlich weiszbecken malen, sollen mit gten grieszstain auch aufs mindst zwaierlai gten beüteln zm staub und semelmelb fürsehen ... sein der neue laienspiegel (1518) 25a. —
 
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grieszstock, m., holz am wagengestell Follmann lothr. 216a; anscheinend identisch mit grieszbrett, s. d.
 
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grieszsucht, f., steinleiden: griessucht pertussis (i. e. ptisis) Diefenbach 430c; dazu grieszsüchtig, adj.: griess- und steinsüchtig Guarinonius greuel d. verwüstung (1610) 2. —
 
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grieszsuppe, f.: nachher thun wir uns über die griessuppen her Rosegger II 3, 117. —

 

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