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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
griesz bis grieszbier (Bd. 9, Sp. 273 bis 280)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) griesz, m. n. , sabulum. form.
1) ahd. grioz, crioz sand, kies, gestade; asächs. griot sand, ufer; mnd. grêt sand; mnl. (selten) griet grober sand; nnl. ebenso; afries. grêt sand, ufer; aengl. greót sand, staub, erde; anord. grjôt steine; schwed. gryt korn. germ. greu-ta, wie das synonyme grien, zur wurzel gru zerreiben Fick 43, 145; vgl. ahd. firgriozan, stv., zerreiben; das wort erscheint zufrühest in dem stammnamen Greutungi, d. i. strandbewohner, s. Zeuss 407. auszerhalb des germ. sind verwandt lat. rudus; aslav. gruda erdscholle; russ. grúdá steinhaufen; lit. grúdas korn, grúdżiu stampfen; lett. grauds korn; ohne dental cymr. gro sabulum; corn. grou arena; aus dem germ. entlehnt ital. greto steiniger ufersand; prov. greza grobkörniger sandstein; frz: grès sandstein u. a., vgl. Diez 2, 330; junge entlehnung aus dem deutschen ist norw. gris feine grütze.
2) das wort ist im anord., aengl., mnl., wohl auch im asächs. neutrum; ahd. als masc. bezeugt durch den plural grioza, merigrioza Graff 4, 345; mericreozza ahd.

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gl. 1, 245, 35; mhd. meist masc.: ûfen griez Parz. 41, 25, vgl. 519, 15; guldeinen griez K. v. Megenberg 485, 12; der grysz des meeris Rothe thür. chron. 237; nur im alem., zumal im schweiz., neutrum: an daz griez gestade Konr. v. Würzburg troj. 25333; ûf daz griez R. v. Ems Wilh. 14923; daz griez an dem stade des meres pred. 1, 113 Grieshaber; der sîn korn sæt an daz griez v. d. Hagen gesamtab. 2, 219, 17; dasz gries des mers Birlinger wb. z. volkst. 36 (aus Bebenhausener legendar von 1439); das griese furfures Staub-Tobler 2, 801 (15. jh.); uf das undergriess ib. (a. 1606); begruben alda iren könig Adelreich .. in das gries oder kiese Hertzog chron. Alsatiae (1592) 109;

am ufer wütet sehr das griesz
daran die windtsbraut heftig bliesz
Spreng Äneis 4b;

das sand .. und auch das grisz Bech Agricola (1621) 225; auszerhalb des alem. selten: das gries oder sant tirol. weisth. 1, 26, 20; auf ein steyniges griesz Fronsperger kriegsb. 2, f f 2v; nur in der bedeutung 'blasenstein' herrscht im 16. 17. jh. das neutr. allgemein, um dann wieder vom masc. verdrängt zu werden (genaueres s. bed. 4); von modernen dialecten gebraucht das schweiz. noch weithin das neutr. Staub-Tobler 2, 801; im schwäb. stellenweise neutr. im sinne 'blasenstein' und 'geschrotenes getreide' Fischer 3, 831; auch im lothr. und hess. erscheint das neutr. noch Follmann 215b; Vilmar 137. für gries in flur- und ortsnamen scheint das neutr. noch heute die regel (vgl. den plural griesser) Fischer schwäb. 3, 830; Birlinger schwäb. 203; Schöpf 213. auf ein fem. deutet ein freilich unsicherer beleg:

wir stehn auf einer griesse
und freust uns an die füesse;
wir stehn auf einem gilgenblatt
gott geb euch allen ein gute nacht neujahrswunsch a. d. 15. jh. (handschr.).


3) schwäb. gelegentlich mit ü (unter dem einflusz des synonymen grûz?): das grüse, das in der blauter wirt Birlinger schwäb. 204; gicht, zipperlein und grüsz (: füsz) Weckherlin 1, 494; vereinzelt auch im bair.: für das grimen des harms oder grüesz Unger-Khull (quelle d. 16. jh.); hie und da mit epithetischem e: an das lant in den griesse Arigo decam. 107, 10 Keller; ebenso 92, 8. 123, 5; das griese furfures Staub-Tobler 2, 801 (quelle des 15. jh.).
4) zur orthographie des auslauts sei bemerkt, dasz die s-form noch im 17. jh. selten ist, aber schon in die wörterbücher einzudringen beginnt: gries, griesz furfures Henisch; differenciert: gries arena, rudus, furfures; griesz nephritis Stieler; im 18. jh. gewinnt sie die vorherrschaft, auch die lexicographen entscheiden sich für sie: Kramer, Frisch, Gottsched (dtsch. sprachk. [1748] 82), Adelung, Campe, Heinsius bis hinab zu Sanders schreiben gries, nur Steinbach hat noch griesz. manche scheiden die formen nach der bedeutung, aber ganz willkürlich: gries arena, griesz nephritis, furfures Chomel öcon. lex. 4, 1347; gries arena, griesz furfures H. Braun wb. (1793) 126b; Täubel buchdruckerk., anh. 11; bis gegen ende des 19. jh. herrscht gries, gestützt durch die nachbarschaft von grus und kies, mais und reis, fast unbeschränkt, und zwar auch im inlaut: mit feinem griese Barth kalkalpen (1874) 581; griese sind .. bruchstücke des mehlkörpers Muspratt chemie 2, 89; dagegen: am podagra und griesze Droste-Hülshoff werke (1879) 1, 230. heute hat die schulform griesz wieder die vorhand. bedeutung.
1) sand, kies, sandfläche.
a) sand schlechthin: griess arena Diefenbach nov. gloss. 33a; arenosus voll sand und griesz Frisius dict. (1556) 116a; griesz, sandt gravier Hulsius-Ravellus (1616) 145b; des griezes (wüstensandes) hitze Ulr. v. Eschenbach Alex. 9806;

lag gantz todt uff desz sandes griesz
Wickram 7, 264 lit. ver.;

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in älterer literatur beliebt namentlich in gewissen vergleichen, die der bibel entstammen; nach 1. Mos. 22, 17 (vgl. 1. Kön. 4, 20 u. a.): das unzehlliches groszes volk also der grysz des meeris Rothe thür. chron. 237; sahen den keysser mit eyner unczelichen schare, als gryss unde grass dess ertriches, kummen Gerstenberg chron. 112 Diemar; to hant quemen dar der ouelen geyste so vele alse grases unde gretes Schiller-Lübben 2, 144a; vgl. DWB sand th. 8, 1758; nach Hiob 6, 3: ob der mensch auch so vil mörde ... diebstal het getan wievil griesz ist in dem möre Eyb spiegel d. sitten (1511) l iia; nach 1. Mos. 13, 16. 15, 5:

ob du des mers griez soldes zeln
und alle sternen sunder nennen, ich bin unverlorn wartburgkr. 23, 11 Simrock;

zähl jemand, wo er kann, den griess am Oderstrande
Günther ged., nachlese (1742) 14;

sprichwörtlich:

der sîn korn sæt an daz griez,
der nem auch allen sîn geniez
v. d. Hagen gesamtab. 2, 219, 17;

auf das sand oder griesz syen, sein arbeit verlieren Frisius diction. (1556) 798a; und din griez (staub) niemer mzze kumen z andrem griezze schwabensp., landr. cap. 263 Lassberg (aus dem judeneid); und jeder müllner (soll) die neugehauten stain zuvor mit seinen aignen grischen beschiten und das gries oder sant sauber darmit herabmallen und putzen tirol. weisth. 1, 26, 20; der griesz oder sand von denen gepochten ertzen, daraus der gute schlich gezogen ist Herttwig bergbuch (1734) 6b; besonders von dem sande, der von gewässern mitgeführt wird:

wan vil wazzer in ir lant truoc
für den griez edel gesteine Parz. 519, 15;

wann wie lauter ein wasser ist, fleuszt es durch sandigen griesz, das wasser wirt betrieb Hartlieb Ovid (1482) 50a; durch die wulkenbrüch gond die wasser an, brechend aus und verfüerend die felder mit gries, steinen, stauden und stöcken Staub-Tobler 2, 801 (quelle v. 1582); der strom kann einem grundeigenthümer land oder sand (wasen oder griesz) anschütten und abtreiben Grimm rechtsalterth. 42, 77; fliezendeu wazzer ... diu ziehent guldeinen griez und etleiche edel gestain K. v. Megenberg 485, 12;

der flüsse schönes gold verwandelt sich in griess 'die Lohe an die Oder', epicedion bei
Lohenstein Ibrahim sultan;

bei Minerophilus anscheinend prägnant für goldsand, bergwerkslex. (1730) 304. 311; weiter vom grund eines gewässers: (das schiff) mer dann halbes in den griesse und grunt sancke Arigo decam. 123, 5 Keller; trinckt er ausz ainem schiffreichen wasser sibentzehen elen tief hynein, das man auf den griesz sehen kan Lindener katzipori 187 lit. ver.;

wan got den gerechten nie geliesz,
ob er das schiflin sinken liesz
etwan nach bis uf den griesz,
berüert doch nie den grund bibl. älterer schriftwerke d. Schweiz I 4, 11;

gelegentlich auch im plural: der steine vindet me dâ alsô vile sô der grieze ged. d. 11. u. 12. jhs. 366, 14 Diemer; ein wazzer, heizet Hermus, da bi vindet man guldine griese Lucidarius 15, 16 Heidlauf; entsprechend noch in neuerer ma. ein sing. gries, sandkorn Loritza 54b.
b) daneben seit alters und je später um so entschiedener 'grober sand, kies'; meist glossiert mit sabulum: grysz, griesz, gries Diefenbach 506a; sand, griesz Frisius (1556) 1171b; kysz oder grysz Brack vocab. rer. (1491) 37b; grossior arena griesz Pinicianus (1516) k viiic; grob sand, griesz Golius onom. 36, ebenso Calepinus xi ling. (1598) 1283b; dann auch mit glarea: griez Diefenbach 264c; gries nov. gloss. 194b; glarea est tenuissimus lapillus in torrente, griez Schmeller 1, 1012 (mskr. d. 15. jhs.); glarea griesz, das ist steinächtig sand am gstad der wasseren Frisius dict. (1556) 605b; glarea griesz oder kisz Calepinus xi ling. 618b; ager calculosus

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steinacker, voll griesz, steinächtig Frisius 61b; scrupeus quod est lapillosum voll steinlin und griesz Calepinus 1314a; ebenso in modernen maa.: grobkörniger sand, kies Staub-Tobler 2, 801; kies und sand Fischer schwäb. 3, 830; kies Meisinger rappenau. 78; steingerölle, sandmasse Birlinger schwäb. 203; grober sand Schmeller 1, 1012; Unger-Khull 307; grobkörniger sand Crecelius 436; steingeröll aus kleinen steinen Leihener cronenberg. 47b; grober sand, kies Sallmann esthl. 21b; schon in alter sprache mit sand zusammengestellt, doch wohl als das gröbere:

ne mag im sand endi greot
geuuredien uuið themu uuinde Heliand 1821;

der nimt vür golt griez unde sant Renner 2368 Ehrismann;

auch den boden etwas mit frischem sand und griess übersäyen Sebiz feldbau (1579) 96;

als vil thut an desz meeres rand
zerstrewet ligen griesz und sand
Spreng Ilias 2, 27b;

unbescheidenen strömen gleich, die aus ihren ufern treten und die fruchtbaren felder mit sand und gries bedecken Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 447; deutlicher für grobsand: dorsum in mari ein kleiner bühel von griesz oder grossem sand gesamlet Frisius dict. (1556) 449a; auf gedachte pfähle (des fundaments) soll man kalch mit groben sand und griesz führen und ausfüllen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 24;

wie ein Atlas an gebärde
hebt er boden, rasen, erde,
kies und gries und sand und letten,
unsres ufers stille betten Faust II 7540;

der grus, den man auch gries, und wenn die stücke etwas gröszer sind, grand und kies nennt, ist das resultat einer ziemlich weit vorgeschrittenen zerstörung .. der gesteine Oken allg. naturgesch. 1, 533; noch gröber: zermürbtes, gepochtes gestein, schutt, geröll: die steinbrückel und das grisz, aus dem pauchtrog dises zeugs genommen ..., soll der arbeiter oben in den durchschlag werfen Bech Agricola 228; ist der berg mit ... rasen bedeckt, der ... an manchen stellen den granit und den steinigen gries des grundes hervorschauen lässt Stifter 4, 1, 258; die schuttlehnen im sprunge hinab, der rollende gries vor meinen füszen .. das ganze feld in bewegung Barth kalkalpen 70; splitteriger gries 326; aus den klüften des berges ziehen straszen von schutt und gries ihr breites band schräg nieder zwischen den starren felsmassen Rosegger II 7, 190.
c) sandfläche; zumeist 'gestade, ufer', auf grund von griez ufersand: grioza syrtium Graff 4, 345;

than is im so them saltethe man bi sees stade
uuido teuuirpit:than it te uuihti ni dog,
ac it firiho barnfotun spurnat
gumon an greote Heliand 1373;

án demo grîeze des stádes Notker 1, 87;

er treip hin an des landes griez
diu schif
Konr. v. Würzburg troj. 25288;

noch wart vor liuten niht gesehen
der anger noch des stades griez 25221;

häufig besonders in der Kudrun, vgl. Martins anm. zu 91, 1, auch oft im plural:

si stuonden unde wuoschenaber daz gewant,
daz si getragen hêtennider zuo den griezen 1205, 3;

von leyde und amacht nider sancke auf den griesse (su'l lito) Arigo decam. 92, 8 Keller; in dem komen sie an den gries bey dem wasser, das In genent Luther 23, 467 Weim.; gehe hin auf ein steyniges griesz, an einem fliessenden wasser Fronsperger kriegsb. 2, f f 2v;

zwischen wasser und gries
hat der edle hirsch gewaschen seine füsz
Erlach volkslieder d. Deutschen 1, 513,

in diesem sinne häufig in bair.-österr. rechtsquellen: esz soll auf der auen, freiung, griesz, perg oder bei der

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Muer niemant ... nichts einzuzeinen sich unterstehen österr. weisth. 6, 257, 28; in allen zu dem südweesen gelegten waldungen, auen, grieszen Lori bair. bergrecht 420 (quelle von 1671); noch heute 'uferland, flaches sandiges ufer' Schöpf 213; Schranka 64; Lexer kärnt. 124; auch 'inselartige sandbank in einem flusse': sie (die sandläufer) bruten hier zu lande auf groszen in denen flüssen liegenden und umflossenen insuln oder griesen auf blosen sande Hohberg georg. cur. aucta (1715) 357b; griesz sandinsel im Main Sartorius Würzburg 143; 'griesze heiszen die zahlreichen grieszbänke des Lechs'; 's griesz in Günzburg eine insel am Kappenzipfel Birlinger schwäb. 203; mittergriessl kleine sandinsel in einem flusse Lexer kärnt. 124; prägnanter: 'platz am ufer eines flusses, wo das auf demselben geflötzte holz gesammelt wird' Schmeller 1, 1012; Schöpf 213; item wer santholz klaubt in der au oder auf dem griesz tirol. weisth. 2, 158, 1; so sollen die laiter und ire knecht ... die ordnung halten, dasz sy kein holtz vom gries füren, es sey dann davor aufzaint Lori bair. bergrecht 140 (quelle von 1509); vgl. grieszamt, -beil, -meister; grundstück am fluszufer: der ander purkfridt gewert von markt hinausz in dasz Mischl zu den groszen stain gegen desz Girczmayr griesz über österr. weisth. 6, 257, 2; das trockene bett der wildbäche Schöpf 213; Lexer kärnt. 124; indessen nicht nur vom ufersand: sumitur etiam pro quolibet loco arenoso et lapidoso vel sabuloso Stieler 702; sandboden, gegend der leichten, sandigen bodenarten Follmann 215b; gries, grieser heiszen sandige äcker Schöpf 213; das ist alter sprachgebrauch:

ac hie ist astandan iuendi sind thesa stedi larea,
thit graf an theson griote Heliand 5824;

specieller: gries (fälschlich gedeutet als greis kreis) circus, locus in orbem septus ad certamina et ludos, vel ad supplicii sumendi securitatem, vel denique ad pecora cogenda Haltaus 753; 'kampfplatz': griesz vel kreisz stadium Diefenbach 550a; vgl.

dâ mite stach er den môr
hinderz ors ûfen griez Parz. 41, 25;

sie rennent ûf dem grieze
Seifr. Helbling 15, 249;

vgl. kreis II 2, th. 5, 2146 und grieszwart; 'richtstätte':

thuo sia thar an grietegalgon rihtun
an them felde uppanfolc Judeono Heliand 5532;

auf dem gries bey dem galgen wart der rost bereit Luther 23, 467 Weim. (hier freilich zugleich fluszufer). als flurname im elsäss. anscheinend nur in älterer zeit: z grius (1277), uf griez (1299) Schmidt elsäss. 155a; auch im schweiz. seltener als grien: uf das undergriess (a. 1606); 's gries bucht einer bachmündung; gries hinterste sennhütte am fusz des gletschers (also: gletscherschutt) Staub-Tobler 2, 801; umso häufiger im schwäb. Fischer 3, 831; vgl. Buck flurnamenb. 90; vielgebraucht als name für straszen, plätze, stadttheile, ortschaften im schwäb. u. bair.-österr., z. b. in Landshut, Burghausen eine am wasser entlang führende gasse; am Griesz platz in Augsburg; Ochsengries, Salzgries in Wien; vgl. ochsengriesz, umgezäumter ort, wo ochsen verkaufft werden Joh. Heumann opusc. (1747) 696; Gries stadtbezirk in Graz; den grunt und poden des heüsls, so da ligt auf den Gries zu Rovereid Brandis landeshauptleute v. Tirol 39 (quelle von 1319); Gries bei Bozen, auf dem Brenner, pasz in Oberwallis. bestimmungsort in zahlreichen bergnamen, von denen der Griesmuttekopf (als Grieszmutt s. 153) und der Grieskopf in der Ferwallgruppe (als Grieskogl s. 169) schon in Maximilians gjaidbuch genannt werden.
2) allgemein für ein mahlproduct der getreidemüllerei; zur sache vgl. allgem. haush.-lex. (1749) 1, 620a; Muspratt chemie 2, 89; in der regel ein feinkörniges product (gegenüber den gröberen grütze, schrot, kleie), doch schwanken die dialecte: 'gries heiszt in Oberdeutschland überhaupt soviel als grütze, in Niederdeutschland verstehet man aber darunter eine vorzüglich feine grütze'

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Jacobsson technol. wb. 2, 151b; 'griesz heiszt man im Glarnerland nicht, wie anderswo, eine art feiner grütze, sondern die schlechteste sorte mehl (rauchmehl), die nur noch dem grüsch (den kleien) vorgeht und ordentlicher weise nicht als menschenspeise, sondern zum futter der schweine und des federviehs dient' Staub-Tobler 2, 801 (quelle von 1813); vgl. dazu: item für das krüsche und das griese, so von myner herren brot etwenn vor zyten gefallen ist, soll myner herren kammer den husgenossen geben 11 pf. ib. (15. jh.); heute im schweiz.: grobgeschrotenes mehl, in der mitte zwischen backmehl u. kleie; grütze, grobgemahlener weizen, hafer, mais Martin-Lienhart 1, 282; feinere grütze Schmeller 1, 1012; grütze, grieszmehl Schöpf 213; grobes mehl Bacher Lusern 263; grütze Lexer kärnt. 124; ebenso Loritza 54b; Sartorius Würzburg 49; griesmehl, grütze Follmann 215b; greis lux. ma. (1906) 154a; grob gemahlenes getreide, grütze Crecelius 436; Vilmar 137; greīs feine grütze Bauer-Collitz 41a; frischgemahlener weizen, aus dem mehl gemahlen wird Müller-Fraureuth 1, 441; jrîsz grieszmehl Liesenberg 148; feine buchweizengrütze Schütze holst. 2, 67; weetengries das grobe vom weizenmehl, was im siebe bleibt Richey hamburg. 80; jrîss Fischer samländ. 53; auch hinsichtlich der getreidearten herrscht schwanken; oft speciell für den weizengries: der sogenannte griesz wird aus den besten weitzen gemacht, und ist dessen zweyerley gattung, ein grober und ein feiner griesz Marperger küchen- u. keller-dict. (1716) 436b; griesz ist der kern oder das beste von dem weitzen Chomel öcon. lex. 4, 1347; Wiener gries der feinste, aus bestem weizen hergestellte gr. Adelung; im ostdeutschen auch für hirsegries Hübner zeitungslex. 312, 86b; lexicalisch seit dem 15. jh.: far gryesz vel gryeszmel Diefenbach 225b; farrago griesze vel klien 226a; furfur griesz 253a; oryza grisz 401a; oziza (l. oriza) gris 404c; farrago griesz, grieszmel nov. gloss. 167a; puls griesz 309a; simela griesz 339a; adeps das marck des korns, der griesz desz korns, das da recht schmiltzt dar in Melber a 5a; crimnum, crassior tritici et zeae farina, ex qua puls fit, griesz vocab. rei numm. (1552) j 1a; gries, semelen, kleien furfures, farinae recrementum crassius; brot mit dem griesz, kleienbrot panis furfuraceus Henisch 1745; (ein edler) desz vatter hat gemacht bumblebum (ein küfer war), oder focht mit der stählenen stangen umb, der masz dem bauren griesz, oder randt mit dem judenspiesz (der ein grieszhändler, krämer war) Fischart groszm. (1607) c 7a; im plural: grosze ... bruchstücke bezeichnet man als schrot, kleinere als griese Karmarsch-Heeren techn. wb. 6, 1.
3) seltener für die zerkleinerungsproducte anderer stoffe: gries kleine steinkohlenstücke von der grösze einer haselnusz Scheuchenstuel österr. berg- u. hüttenspr. 108; da der schiefer in der kohle grob eingesprengt vorkommt, so muss die zerkleinerung der grosskohle auf die erzeugung von .. gries ausgehen Karmarsch-Heeren 5, 71; griess kohlenklein Hoyer-Kreuter technolog. wb. 1, 312; kleine steinkohlenstücke Unger-Khull 307; kohlenstaub Leihener cronenberg. 47b. gries, walgries rudus, fragmenta lapidum Henisch 1745; gries sive steingemüse rudus, .. ruinarum materies, schutt Stieler 925; gries, gravois, ist das gemülle von eingerissenen mauern, aus kleinen stückchen kalk, stein, leimen etc. bestehend Eggers 1, 1107; wenn man die steige mit dem griesz alter zerbrochener mauren bedecket allg. haush.-lex. 2, 235b; gries .. der kalktuft, welcher sich an die gradierreiser der salzwerke anlegt Voigt mineralog. abhandl. (1789) 2, 276; im obd. jeder grobe bodensatz, besonders der des weines Campe, Heinsius.
4) harnsand, blasen-, nierenstein, vom frühen 15. jh. bis in die neueste zeit: partusis der griesz, morbus vesicae Diefenbach nov. gloss. 289b; calculus ..., lapillus in vesica der stain oder griesz Pinicianus (1516) g vic; arenosa urina sandächtiger harn oder voll griesz oder steinlinen Frisius dict. (1556) 1413a; griesz der nieren nephritis Henisch 1745; griesz sive schleim des harns sedimentum urinae Stieler 770;

[Bd. 9, Sp. 279]


fürs gries und für den kram
ward mir die haut erperet
von vieren
Osw. v. Wolkenstein 86, 1, 15 Weber;

im 16. 17. jh. vorwiegend neutrum: den stein, das griesz und blasenwee Seb. Franck Germ. chron. (1538) 258a; bibergeiln ist gt für den schwindel ., das griess Heyden Plinius (1565) 167; (ein zeichen) für das griess oder lendenstein Paracelsus opera 2, 544; der seinen landleithen die drei schmertzlichen kranckheiten, ritten .., das gries und den stain so maisterlich vertriben Brandis ehrenkräntzel 166; vgl. Fischer schwäb. 3, 830; Schmeller 1, 1012; dialectisch hält sich das neutr. noch heute:

dar äpfel ischt süess,
doch macht ar dar 's gries
S. Sailer geistl. reden 27;

daneben aber seit dem 15. jh. (s. o.) das masc.: (das bad) nimpt hinweg ... den griess und risenden stein Seb. Münster cosm. 470;

der greisz und auch der blasenstein
H. Sachs 4, 407 Keller;

also ein anders ist der griesz im menschen, ein anders der griesz in bächen Paracelsus opera 1, 283 c; calculus renum der griesz oder lendenstein Zehner nomencl. (1645) 283;

ein persischer kalif, der zwar den griess,
das zipperlein und eine fistel hatte
Pfeffel poet. versuche 3, 19;

seit dem 18. jh. in der schriftsprache allein herrschend; auch von einer krankheit des falken, die sich durch das abgehen kleiner weiszer steinchen äuszert: von der hauptschwachheit unsrer vögel, nämlich der croyen, so etliche das griesz nennen d'Arcusia falconaria (1617) 82; ausführlich beschrieben allg. haush.-lex. (1749) 1, 620a.
5) anderes vereinzelt: staubartiger anflug: um die unterlippe (der schlange) zieht ein gries von hornbrauner farbe, das auch die schnauze .. färbt Linck schlangen Deutschlands (1855) 84; der gries kleine weisze knötchen auf der gesichtshaut Hügel 71; entengries oder bloszes gries für lemna, wasserlinsen Pritzel-Jessen 206 (Frankfurt a. O.); seltsam ist: ulva (gryesz) crescit in profundo maris Brack vocab. rer. (1491) 52a; irrthümlich scheint die gleichsetzung von mhd. griez mit polygonum fagopyrum Pritzel-Jessen 298. — wohin gehört: antwort der geist: .. dein verzweifelt hertz hat dirs verschertzt. darauf sagt d. Faustus, hab dir S. Veltins griesz und crisam, heb dich von dannen volksb. vom dr. Faust 17, 14 neudr.?
 
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grieszamt, n., hat an salinenorten die holztrift zu überwachen Schmeller 1, 1012; vgl. griesz 1 c. —
 
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grieszanliegen, n., grieszleiden: gutt obs, so ime in seinem beschwerlichen griessanligen angenem Ulr. Krafft reisen 430. —
 
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grieszanschutt, m.: wurzhafter wasen verbleibe dem, von dessen grund er (durch flieszendes wasser) abgebrochen sei, der grieszanschutt gehöre dem, dessen boden er sich ansetze Grimm rechtsalterth. 4 2, 78; vgl. griesz 1 c. —
 
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grieszasche, f., calcinierter weinstein Chomel öcon. lex. 4, 1348; Adelung; 'aus weinhäfen gebrannt, caustica zu machen' Frisch 1, 372b; vgl. griesz 3 bodensatz des weines.
 
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grieszbank, f., sandbank: neu entstandene grieszbänke bestecken sich leicht von selbst mit holz durch natürlichen samenanflug Behlen 3, 496. —
 
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grieszbart, m., name des geisfuszes, aegopodium podagraria Holl 135b; Pritzel-Jessen 12 notiert grieszbart als schles.; grieszbart, wilde angelick oder giersch Chomel öcon. lex. 4, 1348; 'name des hindlaufes oder zipperleinkrautes, ... welches wieder den lendengries und das podagra gerühmt wird' Adelung.
 
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grieszbaum, m. = grieszsäule 1 (s. d.) Mothes illustr. baulex. 2, 528. anderen stammes ist griesbaum cerasus, s. griese sp. 265; doch gehört hierher ahd. kreozpaum iuniperum Graff 3, 121; danach anscheinend enkele, dubbele gries einfacher, doppelter wachholderbeerbranntwein Müller-Weitz aachen. 74. —
 
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grieszbeere, f., name des gem. sanddorns, hip-

[Bd. 9, Sp. 280]


pophaë rhamnoides Holl 135b; nach Pritzel-Jessen 182 tirolisch; vgl. Schmeller 1, 1012. —
 
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grieszbeil, n. 1) grieszbeihel stange mit eisernem haken zum auffangen und abstoszen des triftholzes Schmeller 1, 1012; grieszbeichl, m. Schöpf 213; Unger-Khull 307a; altes wort: grieszpäll österr. weisth. 1, 19, 45 (quelle von 1437); dasz meniclichen sei verpothen etlich wöhren, nemblich alsz hacken, die grieszpeil mit den dreien orthen 1, 191, 34. 2) bergstock Unger-Khull a. a. o.; der andere rüstig den bündel steigeisen und das griesbeil schulternd Stifter werke (1901) 2, 39; das eisenbeschläge seines griesbeils schlug funken aus den steinen des weges Rosegger schr. 3, 76. —
 
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grieszbier, n., cerevisia tenuis ex furfuribus creta Henisch 1745; Stieler 702. —

 

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