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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gratulant bis gratulationsvisite (Bd. 8, Sp. 2065 bis 2067)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gratulant, m., aus dem lat. part. praes. gratulans gebildet, seit der mitte des 18. jhs. belegbar, zufrühest in der komposition gratulantenschaar bei J. J. Schwabe belust. (1741) 3, 5. 1) jemand, der gratuliert oder ein glückwunschgedicht bzw. eine glückwunschadresse vorträgt: ich schliepf auch unter die zahl der gratulanten (für Lorenz Hagenauer in Salzburg) hinein und bekräftige alles, was mein lieber vater ganz gewisz aufrichtig gewunschen hat (1770) W. A. Mozart br. 1, 19 Schied.; gratulant v. glückwünscher Schwan nouv. dict. (1783) 1, 706b; die staatsequipagen der reichen gratulanten flogen blitzschnell über den ... schnee Gaudy s. w. (1844) 3, 158; (am silvesterabend in einem Pariser restaurant) im costüm eines marquis aus dem siecle Ludwigs des vierzehnten, trat ein gratulant vor, den man ... für einen mann aus den höchsten ständen hätte halten sollen Hebbel br. 3, 9 Werner; hörst du die kleinen gratulanten, Hansen? rief ich Th. Storm s. w. (1919) 3, 95; für meine person sah ich den teueren mann (den wahnsinnigen Leverkühn) wieder im jahre 1935, als ich, schon emeritiert, zu seinem fünfzigsten geburtstag als trauernder gratulant mich auf dem Buchelhof einfand Th. Mann Faustus (1948) 804. 2) namentlich im 18. jh. 'der dichter eines glückwunschgedichtes oder der verfasser einer glückwunschadresse', aber auch allgemeiner 'ein gelegenheitsdichter, ein dichter, der für besondere anlässe gedichte (auf bestellung) verfertigt': der kerl sah mir so poetisch aus, als irgend ein gratulante aussehen kann Holberg dän. schaubühne (1743) 4, 609; satiren auf die sogenannte gratulanten oder gelegenheitsdichter br., die neueste litt. betr. 14 (1762) 202 Nicolai; Zachariä poet. schr. (1763) 1, 225; poet und gratulant, bänkelsänger und bettler waren damals einerlei; zu Rists

[Bd. 8, Sp. 2066]


zeit war es damit soweit gekommen, dasz in einer groszen stadt die hochzeit und leichengedichte polizeilich verboten werden muszten Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 211.
 
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gratulation, f. , entsprechend lat. gratulatio zufrühest (1561) in der komposition gratulation(s)-notel (s. d.), dann lexikalisch bei S. Roth teutscher dict. (1571), häufiger erst seit dem 17. jh., vielleicht unter einflusz von frz. gratulation. in der heutigen sprache nicht mehr sehr häufig gebraucht.
1) 'das gratulieren, die beglückwünschung' als (oft offizieller) vorgang: (der) reichs cantzler hierauff bedanckte sich ... gegen den könig wegen gethaner gratulation und glückwünschung Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 1037; als nach der thronbesteigung der Maria Theresia ... die gratulationen abgefertigt waren Bettine d. Günderode (1840) 1, 275; am morgen dieses tages erschien ich mit der familie Hühnchen zur gratulation H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 127.
2) mehr der dargebrachte glückwunsch selbst:

weil ich dann auch auff diessmahl hab,
mein lieber Bernd, kein andre gab (als dies gedicht),
damit ich dir könd ehr anthon
zu einer gratulation (d. h. als glückwunsch)
auff diesen tag, der jetzt mit sich
dein nahmen bringt (1611)
W. Spangenberg anbind- od. fangbr. 164 lit. ver.;

dieser kam alsobald und legte seine gratulation ab Riemer polit. maulaffe (1679) 147; wolle der barmhertzige ... gott sie ferner bey beständiger gesundheit ... erhalten, mich aber so glückselig machen, dasz ich noch vielmal meine ergebenste gratulation bey dieser gelegenheit abstatten könne G. Schuster christ-erbaul. sendschreib. (1742) 762; früh verschiedene gratulationen angenommen (1801) Göthe III 3, 1 W.; mit verlaub, dasz ich allerseits meine gratulation anbring Bäuerle kom. theater (1820) 1, 90; so hole ich denn auch meine gratulation zu vorgestern (Lachmanns geburtstag) hier noch nach (1839) Jac. Grimm in: briefw. 2, 697 Leitzm.; ich befinde mich in der seltsamen lage, vormittags gratulationen und gaben für mich in empfang zu nehmen, weil ich meinen geburtstag begehe Holtei erz. schr. (1861) 12, 254; zur erdmessung des Eratosthenes nehmen sie meine aufrichtige gratulation (1868) W. Scherer in: briefw. 121 Leitzm.
3) 'die (offizielle) schriftliche glückwunschadresse', auch 'das glückwunschgedicht': die Asseburg hat im nahmen der vögel, als papagey, eine recht artige gratulation gemacht, die einen guten ton hat und überhaupt wohl gerathen ist Göthe IV 8, 9 W.; ich hatte eine lateinische gratulation so gut ich in der eile konnte, entworfen und drucken lassen Jac. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 171; in hochzeitsgedichten, gratulationen, ehrengedichten, stammbuchblättern, epitaphien, kürbisinschriften und confectdevisen Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 313. —
 
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gratulationsbrief, m., im anschlusz an gratulation 2 'brieflicher glückwunsch': der herr Johannes wird wohl den gratulationsbrief empfangen haben, den wir haben schreiben wollen (1770) W. A. Mozart br. 1, 15 Schied.; gestern mein ... geburtstag: 8 gratulationsbriefe A. Schopenhauer br. 406 Gr.
 
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gratulationscour, f., zu gratulation 1 gebildet, erst aus dem 19. jh. belegbar: bei der heutigen gratulationskour bei prinzesz Alexandrine grüszte mich der könig im gedränge vorübergehend wieder sehr freundlich Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 345; Fontane ges. w. (1920) II 4, 330. —
 
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gratulationsgedicht, n., zu gratulation 3: Kotzebue s. dram. w. (1828) 30, 35; am geburts- und neujahrstage macht er (Brockes) regelmäszig ein gratulationsgedicht an sich selbst Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 3, 520. —
 
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gratulationskarte, f., zu gratulation 2: aber der dr. Bamberg hatte die narrheit oder die aufmerksamkeit ... mir frühmorgens eine gratulations-karte zu schicken

[Bd. 8, Sp. 2067]


Hebbel br. 3, 52 Werner; vgl. tageb. 2, 384. —
 
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gratulation(s)notel, f., vgl. gratulation 1, 'glückwunschadresse': nach angehorter dieser gratulationnotel die gesandten sich in ihre herberge vorfueget (1561) bei Bienemann br. u. urk. (1865) 5, 212. —
 
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gratulationsrede, f., zu gratulation 1: da diese (rede) geendiget, wurde sie von dem bürgermeister Senning, so unten stunde, mit einer gratulationsrede wieder beantwortet (1713) Berl. geschr. zeitungen 2 Friedländer.
 
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gratulationsschreiben, n.: die Nannerl hat das (italienische) ... gratulationsschreiben recht gut deutsch übersetzet (1772) L. Mozart in: br. W. A. Mozarts 3, 127 Schied.; O. v. Bismarck br. an s. braut u. gattin 38 H. v. Bism.
 
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gratulationsschrift, f., entsprechend gratulation 3 'offizielle glückwunschadresse': die hier folgende anrede ist einer gratulationsschrift vorgedruckt, welche im jahre 1828 zur feier von Sömmerings doctor-jubiläum erschien Baer reden (1864) 1, 288; die gratulationsschrift (Grimms) zu Savignys fünfzigjährigem doctorjubiläum Scherer kl. schr. (1893) 1, 16. —
 
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gratulationsvisite, f., was gratulation 1: wie man die gratulations- condolenz- bedanckungs- glückwündschungsvisiten ... eintheilen müsse Chr. Weise polit. redner (1677) 205; an jedem neujahrstage statten wir (meine geschwister und ich) uns aber, wenn es irgend angeht, eine gratulationsvisite ab und wünschen einander ironisch glück dazu, dasz wir uns noch am leben finden (1864) W. Raabe s. w. I 6, 4.

 

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