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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grattel bis grattlisch (Bd. 8, Sp. 2064 bis 2065)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grattel, m., f., 'hochmut, dünkel', nebenform zu krattel t. 5, sp. 2070; dazu noch gratel (s. v. graddel), m., f. rhein. wb. 2, 1338; graddel, f. Follmann Lothr. 212; grattel Martin-Lienhart 1, 284b; Fischer schwäb. 3, 805; schweiz. id. 2, 822, s. dort auch zur herkunft des wortes.
 
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grättel, m., das gleiche wie gradel (s. d.), eine leinwandart: ob ich aber vom grättl, canevas, druckten leinwat etwas mitbringen werde ..., ist ... noch nicht entschlossen (1773) L. Mozart in: br. 3, 168 Schiederm.
 
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grattel(e)n, vb., s. 1gräteln.
 
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grattelig, adj., 'spreizbeinig'. zu 1gräteln, gratteln (s. d.). ein in den westl. ober- u. md. maa. verbreitetes wort mit den formen grattelig, graddelig rhein. wb. 2, 1339, grättlich Martin-Lienhart elsäss. 1, 285a; auch auf -echt, -icht (vgl. W. Henzen dt. wortbild. 201 f.): gradelecht grillenvertreiber (1605) 1, 271. im adverb vielfach in anlehnung an den typ derer auf -lings (vgl. W. Henzen dt. wortbild. 236): graddeling Vilmar Kurhessen 134, auch mit assimilation gralling ebda, grattlingen Fischer schwäb. 3, 807, grattlings L. Aurbacher volksbüchlein (1835) 245, grätling, grätlings Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b, grättlichs Martin-Lienhart elsäss. 1, 285a. — das wort ist seit dem 16. jh. nachweisbar: vnnd (er) nam ein solchen schwang, dasz er im sattel wie ein fraw zusitzen kam, doch nicht wie ein Hundsruckerin, dann dieselben sitzen grattelig wann sie zu acker fahren (1575) Fischart Garg. 365 ndr.; also zoge der schlottenfeger mit seinem jrrdenen wagenradt, wie ers nennete, die gassen auff vnnd ab, hatte sich gradelecht, wie gemeldt, darauft gesetzt grillenvertreiber (1605) 1, 271; grätling, grätlings, adv. slargando etc., le gambe grätlings gehen, caminare slargando, squadernando, dirancando le gambe Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b; graddeling, gralling reiten, weil die weiber auf dem zwerchsattel ehedem ritten Estor d. Teutschen rechtsgelahrth. 3 (1767) 1409; er krächselte den galgen hinauf, und setzte sich grattlings auf die schultern des armen sünders Aurbacher volksbüchlein (1835) 245. rhein. u. elsäss. noch in speziellen bedeutungen (vgl. rhein. wb. 2, 1339; Martin-Lienhart 1, 285a).
 
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gratteln, vb., s. 1gräteln.
 
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grätten, vb., s. 1gräten.
 
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grattier, n., ursprüngl. wohl in der schweizer. jägersprache benennung für die rötliche gemse, die auf dem grat (s. 1grat B 1 a) oder in anderen schwer zugänglichen bezirken des hochgebirges lebt; im gegensatz zum dunkelbraunen

[Bd. 8, Sp. 2065]


waldtier (vgl. s. v. waldthier 2), das mehr in den waldregionen des gebirges anzutreffen ist. grattier und waldtier sind jedoch ein und dieselbe art (rupicapra rupicapra L., älter capella rupicapra Blas. et Keys oder rupicapra tragus Gray); das wort bereits von Adelung versuch 2 (1775) 781 gebucht:

läszt sichs
der jäger nicht verdrieszen, tage lang
umher zu streifen in des winters strenge, ...
um ein armselig gratthier zu erjagen
Schiller 14, 391 G.;

das gratthier, gemse, ein thier, das den gipfel der felsen bewohnt Stalder schweiz. id. 1, 473; die gratthiere zeigen sich an der grenze der schneeregion Tschudi thierl. (1853) 146; alle jäger unterscheiden grat- und waldtiere Brehm tierl. 3, 403 P.-L. bei F. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 149 fälschlich mit 'rind' glossiert, während die quelle Böhmes, Rochholz alem. kinderlied 372, keinen solchen 'erklärenden' zusatz aufweist.
 
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grättlein, n. 'kleiner korb', nebenform zu krättlein (s. d.): bald drauf kommt aus dem tor ein sauberes bürgermädchen, ... trug ein grättlein am arm und wollte himbeern lesen im Bupsinger wald Mörike w. 3, 150 Maync.
 
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grättlich, adj., s. grattelig.
 
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grattlings, adv., s. grattelig.
 
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grattlisch, adj., s. 2grätisch.

 

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