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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätschen bis grattel (Bd. 8, Sp. 2062 bis 2063)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätschen, gratschen, vb., vgl. auch kratschen teil 5, sp. 2069, 'knirschen, knarren, knistern, krachen', schallnachahmende bildung, namentl. in obd. dialekten (vgl.gretsch ún Lexer Kärnten 122, gratschn, grâtschn, in Defreggen auch gretschn knarren Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251, grätschen II schweiz. id. 2, 830, grätschen Martin-Lienhart elsäss. 1, 286, hierzu vielleicht auch gratschen Fischer schwäb. 3, 804 von einem wagen und einer alten schreibfeder, das Fischer auf 1grätschen bezieht), aber auch grätschen 'knirschen' wb. d. luxemb. ma. 152b. literarisch nur aus mundartlicher literatur:

aft hats bald anghöbt zu grátschen
schier zu krachen und zu knall'n
als wann die karfreitárátschen
samt der thurm war umergfalln bei
W. Pailler weihnachtslieder u. krippensp. 2 (1884) 178.


 
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grätschen, gratschen, 'grell schreien', s. DWB krätschen teil 5, sp. 2069.
 
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grätscher, m., 'jmd. der spreizbeinig geht'. zu 1grätschen (s. d.). im 17. u. 18. jh. lexikalisch bezeugt: grätscher divaricans vel distendens pedes Stieler stammb. (1691) 691; der grätscher, grätschbein, der einen solchen (d. h. grätschigen) gang hat Adelung versuch 2 (1775) 782. mundartlich im kärntn. (grätscher Lexer 122), schwäb. (grätscher Fischer 3, 805), fränk. (Sartorius Würzburg 49), thür. (Hertel 109) und rhein. (rhein. wb. 2, 1366) nachgewiesen.
 
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grätschig, adj., zu 1grätschen (s. d.), älter auch in den formen grätschicht, grätsicht und, wohl im anschlusz an 1gräten (s. d.), grätig, welche bildung aber neben grätschig nicht durchgedrungen ist und nur mundartlich in schwäb. grättig Fischer 3, 806, elsäss. grattig 'krummbeinig' Martin-Lienhart 1, 284b erhalten ist; jünger mundartlich gratschig 'krummbeinig, watschelig' rhein. wb. 2, 1367, grātschig luxemb. ma. 152: grätsicht ... einen grätschichten gang, einen grät- oder grätsch-gang haben Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b; (man sagt) im gemeinen leben grätschig; einen grätschigen gang haben im gehen die beine aus einander sperren, im obd. grätig, grittächt(!) Adelung versuch 2 (1775) 782.
 
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grätschsprung, m., älter für grätsche (s. d.): man nennt diesen sprung ... den ... grätschsprung Vieth encyklop. d. leibesüb. (1793) 2, 263; nadel. gaffel. grätschsprung (seitensprünge) Fr. L. Jahn w. 2, 43 Euler.
 
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gratsen, vb., s. DWB gratschen.
 
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gratsparren, m., älter auch grad- und grathsparren. 'sparren des dachstuhls, welcher die walmkante eines daches bildet', im anschlusz an 1grat B 2 d β: anno

[Bd. 8, Sp. 2063]


1727 den 3. sept. abends um 5 uhr hat er abermahl in das münster geschlagen, unter der schlag-glocken an der seiten gegen mittag einen gratsparren entzwey geschlagen Elias Frick templum parochiale Ulmensium (1731) 60; dergleichen ('höltzer, die das dach an einem hause formiren helffen') sind die grad-sparren, welche zwey und zwey von dem balcken ... bis oben in den forst mit ihren spitzen zusammen lauffen Wolff mathem. lex. (1734) 1, 1159; Campe 2 (1808) 445a; gratsparren ... bei einem walmdach die ecksparren Mothes ill. baulex. 2 (1882) 519. in zutreffender glossierung?: der grathsparren ... in der zimmermannskunst, diejenigen sparren, welche den grat oder forst des daches bilden Adelung versuch 2 (1775) 781.
 
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gratstichbalken, m., im anschlusz an 1grat B 2 d (s. d.): gradstichbalken ... sind diejenigen balken einer balkenlage, in welchen die gradsparren einstehen Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 159; Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 89.
 
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grätt, f., s. 2gräte.
 
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gratte, m., (f.), 'korb, wagenkorb, karren', nebenform zu kratte, m. (s. teil 5, sp. 2070) in alem. u. bair.-österr. mundarten, vgl. gratta, grätta Kuen oberschwäb. wb. 21; grotte, m., f. Fischer schwäb. 3, 860; gratto, m. Schmeller cimbr. 188a; Schmeller-Fr. 1, 1385; gratte, m. Lexer Kärnten 122; grttn, gratte, m., grattl, n. Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251: so sollen dieselbigen mairleut da haben zwen grottn und der mair im Sagk auch ain grottn und iedlicher grot sein arbaiter (Tirol 1542) österr. weist. 4, 71; verer volgen die multen. erstens von ainen wagen ain pfunt perner, ... von ainem prozen sechs kreizer und von ainem graten auch sechs kreizer (1716) ebda 42.
 
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grattel, f., m., n., nomen postverbale zu 1gräteln, grateln (s. d.). ein im wesentlichen auf mundartlichen gebrauch beschränktes wort, das sich wmd. und alem., dort vielfach neben grittel, findet und dem bair. graitel Schmeller-Fr. 1, 1077 entspricht. neben inlautendem dental steht allgäuisch guttural (vgl. DWB grattel, graggl K. Reiser sagen d. Allgäus 2, 704), welcher form sich dann schles. grâgel Weinhold schles. 29a, auch grackel Kehrein Nassau 170 anfügen lassen. sonst erscheint der dental md. meist als einfaches d, selten t. in den alem. maa. ist die doppelschreibung - tt - allgemein.umgelautete formen werden nur schweiz. und elsäss. bezeugt, jedoch erwähnen die hess. wbb. (vgl. Vilmar 133; Pfister nachtr. 83) für diesen dialekt ein älteres gredel bzw. grell. das von Pfister dafür beigezogene mhd. grel, grelle (vgl. mhd. wb. 1, 569b; Lexer 1, 1077) ist aber kaum dasselbe wort (vgl. auch teil 4, 1, 6, sp. 103 s. v. grelle). — rhein., elsäss. und schweiz. hat das wort neben femininem auch mask., schweiz. auszerdem auch neutr. geschlecht. 1) 'spreizung', namentlich 'spreizung der beine', auch 'astgabel'. literarisch nur vereinzelt, aus der mundart: zu derselbigen zeit waren die fazinetle noch nicht im brauch, und daher schlenzten einige das ding gleich von sich weg, was jetzt die vornehmen leute in den sack stecken; andere schmierten es unter die grattel, wo es sich wieder von selbst abwetzte Aurbacher volksbüchlein (1835) 207. mundartlich 'spreizung der beine, zwiesel', s.kraal, krael, kratl Schmid Westerwald 88; grattúl, f. Lexer Kärnten 122. daneben 'astgabel', vgl.grackel, f. Kehrein Nassau 170; grättel, m. Martin-Lienhart elsäss. 1, 285a. meist in beiden bedeutungen verzeichnet: graddel, m., f. rhein. wb. 2, 1338; gradel, f. 'regelmäszig grall, krall gesprochen' Vilmar Kurhessen 133, dort auch ein beleg von 1734 in der form gredel; Pfister nachtr. 83; gradel (grll) Crecelius oberhess. 432; grattel, f. Fischer schwäb. 3, 805; grâgel, graegel, f. Weinhold schles. 29a. 2) von der bedeutung 'spreizung, gabel' her mundartl. gelegentlich in besonderen nuancierungen: grattel, f. ... 'stellung mit gespreizten füszen' Fischer schwäb. 3, 805; ebenso grattel, graggl K. Reiser sagen d. Allgäus 2, 704. — graddel ... m., f.,

[Bd. 8, Sp. 2064]


... 'verächtlich (für) krumme beine' rhein. wb. 2, 1338. — grättel, m., ... grätten, m., f. ..., gretti, f., ... n. ... 'die zwei seitenarme am pflug, ... die von der hinterachse des wagens ausgehenden, nach vorn sich vereinigenden ... arme oder schenkel' schweiz. id. 2, 823. 3) ohne erkennbaren anschlusz an die grundbedeutung 'gabel' und fraglich, ob überhaupt zu grattel zu stellen: grattel, f. ... 'kralle' Fischer schwäb. 3, 805; grättel, m., grätten, m., f., gretti, f., n. ... 'geripp eines noch nicht ausgebauten hauses' schweiz. id. 2, 823.

 

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