Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätling(s) bis gratschelig (Bd. 8, Sp. 2059 bis 2060)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätling(s), adv., s. unter grattelig.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratlinie, f., 'linie, welche durch den verlauf eines grates gebildet wird'. 1) im anschlusz an 1grat B 1 a 'berggrat': auf den einzelnen felsbrocken, welcher in dieser scharte die gratlinie bezeichnete Barth Kalkalpen (1874) 46; und trotz des geringen neigungswinkels bewältigt die gratlinie an 1200' bis zu ihrer culminirenden höhe ebda 616; grat, gratlinie ... wasserscheiden der hochgebirgsformation mit dachförmiger entwicklung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. 2) an grat B 2 d 'walmdachkante' anknüpfend: dort, wo sich die schnittlinien derselben horizontalen ebene schneiden, sind die punkte der gekrümmten gratlinie (bei der dachkonstruktion) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 465. 3) von der bedeutung grat B 2 e 'gewölbegrat' her: die ziegelschaaren werden senkrecht zur gratlinie gelegt und nach derselben erhält das gewölbe verstärkungsgurten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 786.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratrippe, f., rippe am grat eines gewölbes, s. 1grat B 2 e: sobald eine gratrippe angebracht ist, hört das gewölbe auf gratgewölbe zu sein und wird rippengewölbe Müller-Mothes archäol. wb. 1 (1877) 491a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratsäge, f., zu 1grat B 4 c: (die) grathsäge, gradsäge ... wird dazu gebraucht, kleine sachen, die schon mit dem schnitzer vorgezeichnet sind, nachzuschneiden Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 147b; die grathsäge hat ... ihre anwendung zur hervorbringung der schrägen seiten des hohlen theiles jener art der holzverbindung, welche man 'auf dem grath' nennt Prechtl technol. encycl. (1830) 12, 121. vgl. Hardenberg fachspr. d. berg.-eisen- u. stahlwarenind. 105. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratscharte, f., im anschlusz an 1grat B 1 a für die scharte eines berggrates: kaum war ich wieder auf festem posten jenseits des felsblattes, so gähnte die zweite der beiden groszen gratscharten vor mir auf Barth Kalkalpen (1874) 491.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätschbein, n., 'der im gehen die beine auseinander sperret' Schrader dt.-frz. wb. 1, 570. possessivkompositum (bahuvrihi, vgl. Henzen dt. wortbildung 84) zu 1grätschen, vb. (s. d.); nur lexikalisch, seit dem 17. jh., älter auch mit der 1gräten, vb. (s. d.) entsprechenden nebenform grätbein M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b: grätschbein

[Bd. 8, Sp. 2060]


varus et vatius Stieler stammb. (1691) 124; grätschbein varo Kramer t.-ital. 1 (1700) 74c; grätschbein 'der einen solchen (grätschigen) gang hat' Adelung 2 (1775) 782.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätschbeinig, adj., 'mit gegrätschten beinen', zu 1grätschen, vb. (s. d.), älter auch grätschbeinicht M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 75a, gratschbeinen Kramer hochniderteutsch dict. (1719) 2, 100b:

... plätschernd flosz da ein bach.
grätschbeinig über dem die männer bald
nackt stehn, sich waschen
Paul Ernst d. kaiserb. (1923) 1, 1, 285.

mundartlich für das thüring. (vgl. S. Kleemann nordthür id. 7c; Hertel Thür. 109) u. luxemb. (vgl. grâtsche' bèngtges Gangler Luxemb. 187) nachgewiesen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratsche, f., seitenbildung zu grapsche (s. d.) wie vergleichbares gratschen (s. d.) zu grapschen, gratsen (s. DWB gratschen) zu grapsen. nur mundartlich, im ostmd. verbreitet, vgl.: grotše menschenhand Gusinde sprachinsel im poln. Oberschles. 168b; grôtsche, f., hand Weinhold schles. 29b; Bernd Posen 80.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätsche, f., als terminus der turnersprache zu 1grätschen, vb. (s. d.), für älteres grätschsprung (s. d.). literarisch zuerst bei Fr. L. Jahn greifbar: der grätschsprung oder die grätsche. stütz, hurten, grätschen. die hände stoszen ab und schnellen den körper hinüber, so dasz er auf der r(echten) seite des pferdes mit dem rücken gegen den s(attel) zur erde kommt w. (1884) 2, 46 Euler.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätscheln, gratscheln, vb., 'die beine spreizen, spreizbeinig, ungeschickt gehen, watscheln', seltener krätscheln. iterativbildung zu 1grätschen, (s. d.). literarisch seit dem frühen 17. jh. nachgewiesen: sind herr ... Grüttschreiber, Venediger, Prinz, Antorff abgestiegen, einen fuszsteig hinauf geklettert, der dann dermassen gefährlich abschüssig ... gewesen, dass sie sehr langsam, sonderlich Grüttschreiber, Venediger, Prinz mit solchem ach und zittern, seufzen und beten darüber 'gegrätschelt' und hernach berichtet, sie hätten zeit ihres lebens keinen gefährlichern gang gethan (1627) Zach. Allert tageb. 60 Krebs. terminologisch in der reitkunst der barockzeit: greif mit lincker hand an des sattels knopf, und mit rechter hand hinten an sattel, indem du auf des pferdes lincker seiten stehest, springe mit beyden füszen über den sattel, dasz dein lincker fusz auszerhalb des knopfs kömt, und dein lincker (lies: rechter) fusz auszerhalb des hintertheils an sattel, und du auf die rechte seite zu stehen komst, welches der gekretschelte sprung genennet wird J. G. Pasch kurtze, iedoch gründl. beschr. d. voltesirens (ca. 1660) 8; grätschen oder grätscheln die beine weit von einander setzen Rädlein europ. sprachsch. (1711) 405a. bei Steinbach dt. wb. (1734) 1, 635 als 'vox plebeja, quae in scriptis non adhibetur' gekennzeichnet, bei Campe 2 (1808) 445a als 'niedriges, aber doch nicht verwerfliches wort': da gratschelt's schon den steinweg herauf Sohnrey im grünen klee (1903) 89. mundartl. namentlich md. verbreitet, vgl. gerätscheln Crecelius oberhess. 1, 433; gratscheln rhein. wb. 2, 1366; grätscheln Hertel Thür. 109; grâetschele Kleemann nord-thür. id. 7c; jrātscheln Liesenberg Stieger ma. (1890) 93; gratscheln Müller-Fraureuth obersächs. 1, 437, grätscheln Knothe Markersdorfer ma. 44. wohl vom angrenzenden md. her: gratscheln Schambach Göttingen 68a; gratscheln aber auch bei Frischbier preusz. 1, 251a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratschelig, adj., zum vorigen: das thier war überaus häszlich; ein schwarzer, trächtiger nuszleib mit gelben und schwarzen punkten, und mit fingerlangen, gratschligen beinen Robe könig Og u. s. nachkommen (1839) 1, 97.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: