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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gratleinen bis grätsche (Bd. 8, Sp. 2059 bis 2060)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gratleinen, n., gradleinen: 'gradleinen, nennt man im österreichischen die zeuge, welche man anderswo zwillich mit seidenen streifen nennt. verschiedene örter in Böhmen liefern diese waare in menge zum handel' Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 724b. mit dem a. a. o. 724a bezeugten, unter gradel (s. d.) zitierten böhmischen tucherwort gradel identisch? unsicher bleibt auch die beziehung zu 1grat B 3 a 'streifen, rippe eines köpergewebes' und den dort aus dem bair.-österr. raum erbrachten nachweisen.
 
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grätlich, adj. wohl zu 1grat in dessen bedeutung 'rückgrat', s. d. A 3 b, vielleicht soviel wie 'bis aufs rückgrat': er schunde selbst in seiner scheune auf dem denne mit dem hirten die haut (der toten kuh) herunter, liesz hernachmahls das aas grätlich zertheilen. halb legte ers in saltz, sein gesinde zu speisen: und halb schickte ers ins hospital Joh. Riemer verm. lust-redner (1717) 345.
 
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grätling(s), adv., s. unter grattelig.
 
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gratlinie, f., 'linie, welche durch den verlauf eines grates gebildet wird'. 1) im anschlusz an 1grat B 1 a 'berggrat': auf den einzelnen felsbrocken, welcher in dieser scharte die gratlinie bezeichnete Barth Kalkalpen (1874) 46; und trotz des geringen neigungswinkels bewältigt die gratlinie an 1200' bis zu ihrer culminirenden höhe ebda 616; grat, gratlinie ... wasserscheiden der hochgebirgsformation mit dachförmiger entwicklung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. 2) an grat B 2 d 'walmdachkante' anknüpfend: dort, wo sich die schnittlinien derselben horizontalen ebene schneiden, sind die punkte der gekrümmten gratlinie (bei der dachkonstruktion) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 465. 3) von der bedeutung grat B 2 e 'gewölbegrat' her: die ziegelschaaren werden senkrecht zur gratlinie gelegt und nach derselben erhält das gewölbe verstärkungsgurten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 786.
 
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gratrippe, f., rippe am grat eines gewölbes, s. 1grat B 2 e: sobald eine gratrippe angebracht ist, hört das gewölbe auf gratgewölbe zu sein und wird rippengewölbe Müller-Mothes archäol. wb. 1 (1877) 491a. —
 
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gratsäge, f., zu 1grat B 4 c: (die) grathsäge, gradsäge ... wird dazu gebraucht, kleine sachen, die schon mit dem schnitzer vorgezeichnet sind, nachzuschneiden Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 147b; die grathsäge hat ... ihre anwendung zur hervorbringung der schrägen seiten des hohlen theiles jener art der holzverbindung, welche man 'auf dem grath' nennt Prechtl technol. encycl. (1830) 12, 121. vgl. Hardenberg fachspr. d. berg.-eisen- u. stahlwarenind. 105. —
 
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gratscharte, f., im anschlusz an 1grat B 1 a für die scharte eines berggrates: kaum war ich wieder auf festem posten jenseits des felsblattes, so gähnte die zweite der beiden groszen gratscharten vor mir auf Barth Kalkalpen (1874) 491.
 
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grätschbein, n., 'der im gehen die beine auseinander sperret' Schrader dt.-frz. wb. 1, 570. possessivkompositum (bahuvrihi, vgl. Henzen dt. wortbildung 84) zu 1grätschen, vb. (s. d.); nur lexikalisch, seit dem 17. jh., älter auch mit der 1gräten, vb. (s. d.) entsprechenden nebenform grätbein M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b: grätschbein

[Bd. 8, Sp. 2060]


varus et vatius Stieler stammb. (1691) 124; grätschbein varo Kramer t.-ital. 1 (1700) 74c; grätschbein 'der einen solchen (grätschigen) gang hat' Adelung 2 (1775) 782.
 
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grätschbeinig, adj., 'mit gegrätschten beinen', zu 1grätschen, vb. (s. d.), älter auch grätschbeinicht M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 75a, gratschbeinen Kramer hochniderteutsch dict. (1719) 2, 100b:

... plätschernd flosz da ein bach.
grätschbeinig über dem die männer bald
nackt stehn, sich waschen
Paul Ernst d. kaiserb. (1923) 1, 1, 285.

mundartlich für das thüring. (vgl. S. Kleemann nordthür id. 7c; Hertel Thür. 109) u. luxemb. (vgl. grâtsche' bèngtges Gangler Luxemb. 187) nachgewiesen.
 
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gratsche, f., seitenbildung zu grapsche (s. d.) wie vergleichbares gratschen (s. d.) zu grapschen, gratsen (s. DWB gratschen) zu grapsen. nur mundartlich, im ostmd. verbreitet, vgl.: grotše menschenhand Gusinde sprachinsel im poln. Oberschles. 168b; grôtsche, f., hand Weinhold schles. 29b; Bernd Posen 80.
 
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grätsche, f., als terminus der turnersprache zu 1grätschen, vb. (s. d.), für älteres grätschsprung (s. d.). literarisch zuerst bei Fr. L. Jahn greifbar: der grätschsprung oder die grätsche. stütz, hurten, grätschen. die hände stoszen ab und schnellen den körper hinüber, so dasz er auf der r(echten) seite des pferdes mit dem rücken gegen den s(attel) zur erde kommt w. (1884) 2, 46 Euler.

 

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