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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätisch bis gratsäge (Bd. 8, Sp. 2058 bis 2059)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätisch, adj., bei Stieler stammb. (1691) begegnende nebenform zu gretisch (s. d.) 'weibisch'.
 
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grätisch, gretisch, adj., zu 1grat in der bedeutung 'diagonale linie eines köpergewebes' (s. DWB grat B 3 a): zu dem gretischen barchant (Ulm 1575) bei Fischer schwäb. 3, 804; gretischer barchet, gretischer zwilch bei Birlinger schwäb.-augsb. wb. 203a. auch von solchen stoffen, sofern sie ein fischgrätenmuster aufweisen, wenn hier nicht ein miszverständnis vorliegt; jedenfalls dürfte die kennzeichnung grätisch den alten webtechnischen ausdruck grat 'streifen, rippe im gewebe' (s. DWB grat B 3 a) wiedergeben, nicht aber an grat A 1 'fischgräte' anzuschlieszen sein: welcher aber guetten grettischen barchet würkhen will, der mag den rechten burschatgratt und fischgredlin wol würkhen, doch dass die unter zwölfhundert fäden nit haben (Augsb. 1650) bei Birlinger a. a. o. 203; vgl. 162. vgl. noch: einen vierschäfftigen fischgrätigen federrit (1720) bei Fischer schwäb. 2, 1520. hierzu auch eine form grattlisch, deren suffix aus -lich und -isch kontaminiert wäre? möglicherweise aber auch zu gradel, gratel (s. s. v. gradel u. grat B 3 a) 'leinwandart' gebildet: ain yeglicher grattlischer zwilich soll haben xxx ellen und soll ringer nicht geswaiffen werden dan achthalber und dreiszig genung ab xx geswaiffen Passauer stadtb. bei Schmeller-Fr. 1, 985.
 
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gratisgabe, f.: Brentano ges. schr. (1852) 9, 43; dann ein heft der alten 'wegwarten-hefte' ... als gratisgabe Rilke br. 1899 —1902 (1931) 81.
 
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gratkante, f., pleonastische bildung im anschlusz an 1grat B 1 u. 2. allgemein 'kante zwischen zwei geneigten flächen, welche in scharfem ... winkel zusammentreffen' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. in speziellerer anwendung, von der bedeutung grat B 1 her: und von der gratkante weg stürzen die wände mehrere tausend fusz tief in ein ödes, schneeerfülltes thal Barth Kalkalpen (1874) 16. an die bedeutung grat B 2 d anknüpfend: die dachziegel haben ... besondere bezeichnungen ... z. b. gratziegel ..., welche die gratkante überdecken Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 927.
 
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grätlein, n., gradlein, grodlein, gretlein, grätel, gräthel. dimin. zu 1grat bzw. 1gräte; obd. und schles. belegt. 1) meist in der bedeutung 'fischgräte', vgl. DWB grat A 1, gräte A 1: die zwey fecktle (flossen) bey den fisch oren sind gälb, ... seine grätle darzwüschend rot Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 3, 8; grätlein, n. spinella, restarella, lischetta Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b;

hilfe! der herr Rätel
würgt an einem gräthel
Holtei erz. schr. (1861) 13, 117.

[Bd. 8, Sp. 2059]


namentlich in der unter gräte (s. d. A 1 c β) entsprechend begegnenden wendung kein, nicht ein grätlein, im 16. und 17. jh.: als sie ... gesuchet, wo die fische wären, ist nicht ein grädlein fisch gefunden worden (1599) Widmann Fausts leben 153 Keller; wir haben die gantze nacht blutsawer gearbeitet, und haben nicht ein grätlein gefangen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 427; Petrus hat ein gantze nacht gefischt ... und nicht ein schneiderfischel erhalten, er hat nicht ein grätel bekommen Abr. a s. Clara auf, auf ihr christen (1683) 68. 2) nur singulär der bedeutung grat B 3 b nahe, in botanischem gebrauch: der stengel (ist) schön heither grien, vnd mit kleinen streiffelein oder gretlein, der lenge nach gezieret Thurneisser erdgewechsse (1578) 97b.
 
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gratleinen, n., gradleinen: 'gradleinen, nennt man im österreichischen die zeuge, welche man anderswo zwillich mit seidenen streifen nennt. verschiedene örter in Böhmen liefern diese waare in menge zum handel' Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 724b. mit dem a. a. o. 724a bezeugten, unter gradel (s. d.) zitierten böhmischen tucherwort gradel identisch? unsicher bleibt auch die beziehung zu 1grat B 3 a 'streifen, rippe eines köpergewebes' und den dort aus dem bair.-österr. raum erbrachten nachweisen.
 
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grätlich, adj. wohl zu 1grat in dessen bedeutung 'rückgrat', s. d. A 3 b, vielleicht soviel wie 'bis aufs rückgrat': er schunde selbst in seiner scheune auf dem denne mit dem hirten die haut (der toten kuh) herunter, liesz hernachmahls das aas grätlich zertheilen. halb legte ers in saltz, sein gesinde zu speisen: und halb schickte ers ins hospital Joh. Riemer verm. lust-redner (1717) 345.
 
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grätling(s), adv., s. unter grattelig.
 
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gratlinie, f., 'linie, welche durch den verlauf eines grates gebildet wird'. 1) im anschlusz an 1grat B 1 a 'berggrat': auf den einzelnen felsbrocken, welcher in dieser scharte die gratlinie bezeichnete Barth Kalkalpen (1874) 46; und trotz des geringen neigungswinkels bewältigt die gratlinie an 1200' bis zu ihrer culminirenden höhe ebda 616; grat, gratlinie ... wasserscheiden der hochgebirgsformation mit dachförmiger entwicklung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. 2) an grat B 2 d 'walmdachkante' anknüpfend: dort, wo sich die schnittlinien derselben horizontalen ebene schneiden, sind die punkte der gekrümmten gratlinie (bei der dachkonstruktion) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 465. 3) von der bedeutung grat B 2 e 'gewölbegrat' her: die ziegelschaaren werden senkrecht zur gratlinie gelegt und nach derselben erhält das gewölbe verstärkungsgurten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 786.
 
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gratrippe, f., rippe am grat eines gewölbes, s. 1grat B 2 e: sobald eine gratrippe angebracht ist, hört das gewölbe auf gratgewölbe zu sein und wird rippengewölbe Müller-Mothes archäol. wb. 1 (1877) 491a. —
 
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gratsäge, f., zu 1grat B 4 c: (die) grathsäge, gradsäge ... wird dazu gebraucht, kleine sachen, die schon mit dem schnitzer vorgezeichnet sind, nachzuschneiden Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 147b; die grathsäge hat ... ihre anwendung zur hervorbringung der schrägen seiten des hohlen theiles jener art der holzverbindung, welche man 'auf dem grath' nennt Prechtl technol. encycl. (1830) 12, 121. vgl. Hardenberg fachspr. d. berg.-eisen- u. stahlwarenind. 105. —

 

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