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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gräting bis gratlinie (Bd. 8, Sp. 2057 bis 2059)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gräting, n., 'ein aus holz- oder metallstäben gefertigtes gitterwerk, das ... als bodenbelag für laufbrücken ... usw. dient' Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 4, 351. aus engl. grating (vgl. Murray s. v. grating) in die seemannssprache entlehnt (s. Holthausen in: PBB 46, 143), vgl. schon Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 753: viele hatten (beim untergang des kreuzers Blücher im fjord vor Oslo) die über bord geworfenen grätings und sonstiges holz zu fassen bekommen bei Georg v. Hase d. kriegsmarine (1940) 92.
 
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gratis, adv., 'kostenlos, ohne entgelt, ohne gegenleistung'; aus gleichbedeutend. lat. gratis, zufrühest im 16. jh.: das nun furtan in diser faculteten der theologi zu iedem halben iar ordinarie ein disputation furgenomen und gratis, ohne beschwerung und entgeltnus des respondenten gehalten werde (1558) bei Schulz dt. fremdwb. 1, 253; drumb sendet er seinen lieben son ..., der solle ... den menschen wider ausz snd vnd tod erretten, gerechtigkeit vnd leben, vmb sonst vnd gratis wider schenken, wie der arme snder gratis vnnd vmb sonst vnter die sünd verkaufft ... war J. Mathesius Sarepta (1571) 180b; dem raht Gundling hat der könig auf die erste canonical (stelle) des besten stiffts zu Halberstadt

[Bd. 8, Sp. 2058]


expectiviret und die marinengebühren und expidition gratis gegeben (1716) Berliner geschrieb. zeitungen 18 Friedländer; ich hoffe, sie (der vater) werden mir die gefälligkeit erweisen und mir selbe (arien) schicken; aber gratis das bitte ich sie, sie thun wahrlich ein gutes werk (1778) W. A. Mozart br. 1, 162 Schied.; diejenigen welche sich dem sammeln der subscribenten, der einziehung der gelder und abgabe der exemplare unterziehen wollen, erhalten auf sechs exemplare das siebente gratis Göthe I 41, 1, 82 W.; ich esze heut zu hause, des beszern weins halber; wenn sie sich bestellen, was sie haben wollen, so wär mirs lieb, wenn sie auch zu mir kommen wollten; den wein bekommen sie gratis und zwar beszer wie in der hundsföttischen Schwanen (1809) Beethoven s. br. 1, 249 Kal.; eine andere erfindung will ich zum heile der litteratur nicht verschweigen und will sie gratis mitteilen H. Heine s. w. 3, 168 Elster; auch an der universität besteht seit jahren keine ordentliche professur für deutsche literatur, während drei bis vier privatdozenten beinahe gratis lesen und sich im lichte stehen (1884) G. Keller br. u. tageb. 3, 473 Ermat.; man hatte uns gesagt, dasz wenn wir uns auf dem flosz zum rudern bereiterklärten, wir gratis mitfahren könnten Bebel aus m. leben (1946) 1, 40.
 
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grätisch, adj., bei Stieler stammb. (1691) begegnende nebenform zu gretisch (s. d.) 'weibisch'.
 
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grätisch, gretisch, adj., zu 1grat in der bedeutung 'diagonale linie eines köpergewebes' (s. DWB grat B 3 a): zu dem gretischen barchant (Ulm 1575) bei Fischer schwäb. 3, 804; gretischer barchet, gretischer zwilch bei Birlinger schwäb.-augsb. wb. 203a. auch von solchen stoffen, sofern sie ein fischgrätenmuster aufweisen, wenn hier nicht ein miszverständnis vorliegt; jedenfalls dürfte die kennzeichnung grätisch den alten webtechnischen ausdruck grat 'streifen, rippe im gewebe' (s. DWB grat B 3 a) wiedergeben, nicht aber an grat A 1 'fischgräte' anzuschlieszen sein: welcher aber guetten grettischen barchet würkhen will, der mag den rechten burschatgratt und fischgredlin wol würkhen, doch dass die unter zwölfhundert fäden nit haben (Augsb. 1650) bei Birlinger a. a. o. 203; vgl. 162. vgl. noch: einen vierschäfftigen fischgrätigen federrit (1720) bei Fischer schwäb. 2, 1520. hierzu auch eine form grattlisch, deren suffix aus -lich und -isch kontaminiert wäre? möglicherweise aber auch zu gradel, gratel (s. s. v. gradel u. grat B 3 a) 'leinwandart' gebildet: ain yeglicher grattlischer zwilich soll haben xxx ellen und soll ringer nicht geswaiffen werden dan achthalber und dreiszig genung ab xx geswaiffen Passauer stadtb. bei Schmeller-Fr. 1, 985.
 
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gratisgabe, f.: Brentano ges. schr. (1852) 9, 43; dann ein heft der alten 'wegwarten-hefte' ... als gratisgabe Rilke br. 1899 —1902 (1931) 81.
 
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gratkante, f., pleonastische bildung im anschlusz an 1grat B 1 u. 2. allgemein 'kante zwischen zwei geneigten flächen, welche in scharfem ... winkel zusammentreffen' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. in speziellerer anwendung, von der bedeutung grat B 1 her: und von der gratkante weg stürzen die wände mehrere tausend fusz tief in ein ödes, schneeerfülltes thal Barth Kalkalpen (1874) 16. an die bedeutung grat B 2 d anknüpfend: die dachziegel haben ... besondere bezeichnungen ... z. b. gratziegel ..., welche die gratkante überdecken Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 927.
 
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grätlein, n., gradlein, grodlein, gretlein, grätel, gräthel. dimin. zu 1grat bzw. 1gräte; obd. und schles. belegt. 1) meist in der bedeutung 'fischgräte', vgl. DWB grat A 1, gräte A 1: die zwey fecktle (flossen) bey den fisch oren sind gälb, ... seine grätle darzwüschend rot Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 3, 8; grätlein, n. spinella, restarella, lischetta Kramer t.-ital. 1 (1700) 557b;

hilfe! der herr Rätel
würgt an einem gräthel
Holtei erz. schr. (1861) 13, 117.

[Bd. 8, Sp. 2059]


namentlich in der unter gräte (s. d. A 1 c β) entsprechend begegnenden wendung kein, nicht ein grätlein, im 16. und 17. jh.: als sie ... gesuchet, wo die fische wären, ist nicht ein grädlein fisch gefunden worden (1599) Widmann Fausts leben 153 Keller; wir haben die gantze nacht blutsawer gearbeitet, und haben nicht ein grätlein gefangen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 427; Petrus hat ein gantze nacht gefischt ... und nicht ein schneiderfischel erhalten, er hat nicht ein grätel bekommen Abr. a s. Clara auf, auf ihr christen (1683) 68. 2) nur singulär der bedeutung grat B 3 b nahe, in botanischem gebrauch: der stengel (ist) schön heither grien, vnd mit kleinen streiffelein oder gretlein, der lenge nach gezieret Thurneisser erdgewechsse (1578) 97b.
 
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gratleinen, n., gradleinen: 'gradleinen, nennt man im österreichischen die zeuge, welche man anderswo zwillich mit seidenen streifen nennt. verschiedene örter in Böhmen liefern diese waare in menge zum handel' Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 724b. mit dem a. a. o. 724a bezeugten, unter gradel (s. d.) zitierten böhmischen tucherwort gradel identisch? unsicher bleibt auch die beziehung zu 1grat B 3 a 'streifen, rippe eines köpergewebes' und den dort aus dem bair.-österr. raum erbrachten nachweisen.
 
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grätlich, adj. wohl zu 1grat in dessen bedeutung 'rückgrat', s. d. A 3 b, vielleicht soviel wie 'bis aufs rückgrat': er schunde selbst in seiner scheune auf dem denne mit dem hirten die haut (der toten kuh) herunter, liesz hernachmahls das aas grätlich zertheilen. halb legte ers in saltz, sein gesinde zu speisen: und halb schickte ers ins hospital Joh. Riemer verm. lust-redner (1717) 345.
 
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grätling(s), adv., s. unter grattelig.
 
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gratlinie, f., 'linie, welche durch den verlauf eines grates gebildet wird'. 1) im anschlusz an 1grat B 1 a 'berggrat': auf den einzelnen felsbrocken, welcher in dieser scharte die gratlinie bezeichnete Barth Kalkalpen (1874) 46; und trotz des geringen neigungswinkels bewältigt die gratlinie an 1200' bis zu ihrer culminirenden höhe ebda 616; grat, gratlinie ... wasserscheiden der hochgebirgsformation mit dachförmiger entwicklung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767. 2) an grat B 2 d 'walmdachkante' anknüpfend: dort, wo sich die schnittlinien derselben horizontalen ebene schneiden, sind die punkte der gekrümmten gratlinie (bei der dachkonstruktion) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 465. 3) von der bedeutung grat B 2 e 'gewölbegrat' her: die ziegelschaaren werden senkrecht zur gratlinie gelegt und nach derselben erhält das gewölbe verstärkungsgurten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 786.

 

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