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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätenreich bis gratierer (Bd. 8, Sp. 2051 bis 2054)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätenreich, adj., im ggs. zum vorigen: eine kleine grätenreiche fischart, von den Berlinern stäkerlinge genannt Parthey jugenderinner. (1871) 1, 46; vgl. Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 383.

[Bd. 8, Sp. 2052]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gratförmig, adj. zu 1grat B 2 b α im älteren sprachgebrauch der anatomie: von der mittel-gegend des schlüsselbeins, von der obersten achsel, und dem grat-förmigen fortsatz des schulterblats Woyt thes. pharm.-chir. (1696) 140.
 
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gratgewölbe, n., im anschlusz an 1grat B 2 e 'ein kreuzgewölbe, dessen construction aus der durchschneidung zweier tonnengewölbe über einem quadratischen raume zu erklären ist, wodurch vier sphärische dreiecke entstehen, welche in scharfen kanten, graten ... aneinander stoszen' Otte archäol. wb. (1877) 92. das wort ist zufrühest im 16. jh. nachgewiesen: muster vnnd fisierungen ... an kreutz, grat, ruch vnd ander dergleichen gewelben Fronsperger bauw ordn. (1564) 96b; ebda 2a; soll er von wegen dess mäurer-handwercks auch prob thun und ein grat-gewölb von grund auss machen (1655) bei Fischer schwäb. 3, 804. dann erst wieder seit dem späten 19. jh. belegbar, vgl. Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 1, 491a: gratgewölbe und rippengewölbe, spitzbogen und rundbogen werden (in der deutschen gotik) unbekümmert gemischt Dehio gesch. d. dt. kunst (1919) 1, 221.
 
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grathobel, m., zunächst in der schreibung gradhobel (s. u. Noel-Chomel, der allgem. grad für grat schreibt, vgl. ob. im kopf von 1grat); Campe 2 (1808) verweist von gradhobel 438b auf grathobel 444b. vielleicht war es eine solche d-schreibung, die den Duden (1949) 198c veranlaszte, unter fälschlicher beziehung auf gerade, geradhobel als regelform anzusetzen (vgl. die umgekehrte verwechslung s. v. grateisen). das wort ist aber zu 1grat 'fugleiste' (s. d. B 4 c) gebildet: 'grathobel ein hobel, dessen eisen nicht nur unten, sondern auch an der einen seite eine schneide hat ... und zum einhobeln schwalbenschwanzförmiger vertiefungen ... benutzt wird' Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 160. vgl. schon: jedoch variieren dieselben (die leistenhobel) in nachfolgenden gattungen, als dem kehl- sims- grad- grund- nut- oder nath-hobel ... mit diesem grad-hobel wird der grad an die einschiebe-leisten gestoszen Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 5, 477; grathobel Prechtl technol. encycl. (1830) 7, 511. vgl. noch schweizer. grathobel schweiz. id. 2, 822 s. v. gräten 2.
 
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gratial, n. entsprechend der neulat. bildung gratiale, im deutschen seit dem ausgehenden 17. jh. belegbar. gelegentlich in der schreibung grazial, vgl. Musäus volksmärchen 2, 111 Hempel; Jagemann (1799) 542. 1) 'vergütung, entgelt, honorar': dasz er (der arzt) sicher auf ein schönes gratial rechnen könnte Thümmel reise (1791) 7, 21; beide (buchhändler) meinen auch, dasz jetzt zwei louisdor schon ein ansehnliches gratial sei Görres ges. br. (1858) 2, 511; der papierformen-schneider, welcher Leibgebern silhouettirte, und statt des erhofften gratials mit gleichem schwarzbildnis, mit seinem eignen, ... beschenkt wurde Gaudy s. w. (1844) 24, 88. im frühesten beleg, im zusammenhang eines bildes, geradezu soviel wie 'zinsen':

das leben, das du hast, ist nur ein capital,
der himmel, der es lehnt, verlangt ein gratial.
die seelen werden nur auf zinsen angelegt,
je mehr man kinder hat, je mehr man zinsen trägt
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 6, 18.

2) 'dankgeschenk, erkenntlichkeit, dank': gevatter-essen ... heisset diejenige gasterey oder mahlzeit, so der kindtauffen-vater nebst seiner frau, an etlichen orten, wo man keine gevatterstücken (marzipan, backwerk) herum schicket, denen gevattern, so das neugebohrne kindlein aus der tauffe gehoben, statt des gratials giebet Amaranthes frauenz.-lex. 666;

und weil zu ihrer quaal
in magen nichts mehr ging, liesz ich zum gratial,
von meinem hofchirurg sie insgesamt clystiren spukereien d. teufels (1788) 19;

gratial ... ein dankgeschenk, eine belohnung, erkenntlichkeit, auch spöttisch: zum gratial noch vorwürfe bekommen Heinsius wb. d. dt. spr. (1818) 2, 522a; ein poetisches

[Bd. 8, Sp. 2053]


genie, ... welches sich im Erbherzog festkneipte, und welches wir honoratioren von Bützow vermittelst einer kollekte auslöseten und weiter spedierten, hat uns diesen vers ... als gratial zurückgelassen (1869) W. Raabe s. w. I 6, 350. 3) 'trinkgeld': dasz der bibliotheksdiener jeden morgen um 9 uhr zu mir käme, die früher empfangenen bücher abholte und meine neuern zettel empfinge. ich will bey meiner abreise (von Jena) recht gern diese bemühung mit einem kleinen gratial anerkennen Göthe IV 20, 326 W.; gratial eine erkenntlichkeitsbezeichnung. man sagt auch eine erkenntlichkeit schlechtweg; und in bezug auf geringe leute trinkgeld und biergeld Campe verdeutschungswb. (1801) 389. —
 
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gratialdorf, n.: 'gratialgüter und gratialdörfer sind solche güter und dörfer im Ermlande und in Westpreuszen, welche eigentlich zu den domainen gehören, von der landesherrschaft aber jemanden auf lebenslang unter gewissen bedingungen geschenkt worden sind, nach dessen tode aber der landesherrschaft wieder anheim fallen' Goldbeck topogr. d. königr. Preuszen (1785) 1, 66. —
 
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gratialgut, n., s. das vorige. dazu: wer aber beschreibt nun die grosze freude auf dem gratialgute (des klosters) Eichendorff s. w. (1864) 3, 306.
 
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gratias, n. , nach dem anfangswort lateinischer gebetstexte.
1) im eigentlich religiösen bereich.
a) vor allem als bezeichnung für ein gebet zum schlusz der mahlzeit, vgl. das auch in klöstern übliche gratias agamus deo sowie das gratias agamus domino in der praefatio des messetextes: ez sllen alle swester gemeinlich mit einander ordenlich z dische gan und von dische z dem gracias, uzzenemen die ligersiechen und die in dienent (1384) urk. z. schweiz. gesch. 2 (1900) 178; (ca. 1400) Hans v. Bühel königstochter v. Frankreich 5789 Merzdorf;

nach dem tisch so bis nit las,
sprich got ze dank das gracias liederbuch der Hätzlerin 278 Haltaus;

bei und seit Luther meist in deutlicher beziehung auf den übersetzungstext von ps. 106, 1; 107, 1 u. ö.: wie ein haus vatter sein gesynde sol lernen das benedicite und gratias sprechen (1529) Luther 30, 1, 323 W.; das gratias . also auch nach dem essen sollen sie gleicher weise züchtig und mit gefalten henden sprechen. danket dem herrn, denn er ist freundlich und seine guete weret ewiglich (1529) ebda 324; das gratias beten oder singen heiszt, das dankgebet hersagen, das danklied singen Campe verdeutschungswb. (1801) 389; mit verlaub, hochwürden, es wäre wohl an der zeit zum gratias Ina Seidel Lennacker (1938) 149. von daher geradezu für das ende einer mahlzeit:

bring uns auch fürs gratias rhin
ein glasz mit gtem gsirten wein
Wickram w. 5, 208 Bolte.

vgl. rhein. wendungen wie tösche alleroge ('aller augen warten auf dich') on gratias beim essen; no et gratias noə heəm komme nach dem essen rhein. wb. 2, 1365 mit weiteren redensarten.
b) bestandteil des gloria in der messe mit den anfangsworten gratias agimus tibi; nur in musikgeschichtlicher fachsprache für die komposition dieses textes zu belegen: nur nebenbei sei erwähnt, dasz die h-moll-messe auch entlehnte stücke enthält. das 'gratias' stammt aus der kantate 'wir danken dir' A. Schweitzer Bach (1948) 684.
2) für eine danksagung überhaupt:

darnach als Jesus Christ vernam,
das diese from gesellen (die pharisäer),
sich zanckten, über tisch zusam,
wol vmb die oberstellen,
er jhnen ein capitel las,
vnd sagt sowol das gratias,
dem wirt für allen gesten
B. Ringwaldt evangelia (1646) Ff 2b (vgl. Luc. 14, 7);

[Bd. 8, Sp. 2054]


wann du gewesen bist zu gast,
vnd dich sehr wol gefüllet hast,
so sag dem herren nimmer danck,
das halt ich für ein gten schwanck:
zeuch heim, mach nicht vil gratias
C. Scheit Grobianus 4709 ndr.; ebda 938.

auch als interjektion, soviel wie 'dank' oder 'dankeschön!': (Albert:) das (Breme) ist ein gescheidter mann, auf den ich vertrauen habe. (Breme:) gratias, gevatter Göthe I 18, 24 W.
 
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gratie, f., s. grazie.
 
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gratieren, vb., gradieren (nach radieren), 'gravieren, einritzen' aus franz. gratter (vgl. Littre dict. de la langue franç. 1, 2 [1863] 1922b), das seinerseits aus fränk. *kratton (woraus dt. kratzen) entlehnt ist (Bloch-v. Wartburg dict. ét. de la langue française 2289). nur vereinzelt im 17. jh. belegbar: was zu desz herrn unsterblichem lob auf versprochenen guldenen schaupfenning für ein sinnbild zu pregen oder zu gratieren (in der 1. auflage: gradieren) seyn möchte Harsdörffer frauenz.-gespächsp. 1 (1644) 300; radiren, ist so viel als auskratzen, ausschaben, auswischen. so wird aber auch diejenige arbeit auf kupffer genennet, welche mit scheide-wasser zu verrichten. der grund der platten wird mit warmem wachse überzogen, in selbiges darauf mit einer nadel die figur gerissen, und scheidewasser darauf geschüttet, auch endlich den groben stichen mit der nadel nachgeholffen; andere heissens auch gradiren Hübner cur. u. reales lex. (61732) 1635. —
 
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gratierer, m., gradierer, zum vorigen, nur vereinzelt bezeugt: (die kupferschmiede) schmieden kupfferne platten vor die kupfer stecher und gradierer, um allerley figuren, vermittelst des grab-stichels, darauf zu stechen, oder die durch die nadel in den aufgetragenen grund gemachte risse und zeichnungen, mit dem scheidwasser künstlich einzuetzen Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 2, 345.

 

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